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I
von Ingrid Mylo
Es beginnt mit einem alten todkranken Köter,
der sich, verwildert,
verwahrlost, durch ein vornehmes Osloer Viertel schleppt, in alles
eindringt, was unverschlossen ist und alles frißt, was er findet: den
Inhalt von Mülltonnen oder die Hirnmasse eines Erschossenen. Dieser
kaputte Hund, der am Ende einschläft, »um nie wieder aufzuwachen«, und
die unendliche Müdigkeit der Hauptkommissarin. Ausgelaugt auch sie,
restlos erschöpft, von der Arbeit, vom Leben, ungepflegt und unbequem,
geht sie vom 19. - 28. Dez. vier rätselhaften Morden auf den Grund.
Neun Tage, der Rest ihres Lebens.
(Anne Holt: Die Wahrheit dahinter. München. Piper 2004. EUR 19,90)
Seltsamerweise sind es ebenfalls neun Tage (18. - 27. Sept.), an denen
sich die denkwürdigen Ereignisse im Leben des Schriftstellers Sidney
Orr zutragen. Mit dem Geräusch eines Bleistifts in der Stille brechen
Erzählungen los und Erzählungen in Erzählungen, verzweigen sich, führen
in die Irre, werden abgebrochen, neue türmen sich wie Gewitterwolken am
Himmel. Spielerische Abhandlungen über die Zeit, den Zufall und das
Schicksal. Und die Frage, inwiefern ein Satz aus der Fiktion den Kurs
der Realität verändert. All das in dem leicht altmodisch gediegenen
Stil, in dem Bierce und Blackwood ihre Schauerromane verfaßt haben —
und bei dem sich die neue sogenannte Rechtschreibung ausnimmt wie ein
erbärmlicher Versuch der Sabotage.
(Paul Auster: Nacht des Orakels. Reinbek. Rowohlt 2004. EUR 19,90)
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