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Impressum | Mediadaten | Last update: 31.03.2013, 18:13

 

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Volk ohne Traum


Ein Statement
von Uve Schmidt

Die neue Partei

Solange noch niemand von ihr gehört hatte, sprach man von „einer neuen Partei“; nachdem man fortwährend über sie lesen konnte und die Herren (genauer: Die Gründer und ihr Chefdenker) sich im Fernsehen vorgestellt und verlautbart hatten, was sie zu tun gedächten, blieb es die neueste Partei vor allem deshalb, weil man ihr zutraute, in den bevorstehenden Bundestagswahlen zu reüssieren oder als Abgeordnete in anderen Volksvertretungen tätig zu werden. Nur neue Parteien nämlich treten auch zu dieser Wahl wieder an, welche in der Regel beharrlich erfolglose Gesinnungssekten für Tierfreunde, Rohköstler, Bibelausleger, Esperantisten und Separatisten sowie Abspaltungen von links und rechts, in toto Schwärmer oder notorische Vereinsmeier, die von der Zimmermädchenrechnung ausgehen, dass unter tausend männlichen Bettbenutzern (recte Wahlberechtigten) jede Menge Haustierhalter, Obst- und Salatliebhaber, Fremdsprachenfreunde und Regionalpatrioten einkehren, welche sich in einem schwachen Moment (floating vote) erkenntlich zeigen.
Doch selbst alle Versuche mit sogenannten „Sexparteien“ in den Bundestag oder in den Stadtrat zu gelangen scheiterten, obwohl sich ein flotter Sprung über die 5% Hürde erwarten ließ, wenn alle wahlberechtigten Gunstgewerblerinnen & Callboys, ihre Klienten sowie die Beschäftigten der Reizwarenindustrie  plus deren Stammkundschaft, vor allem aber alle mehr oder weniger libertinen Männer und ihre gleichgesinnten Spielgefährtinnen sich in die Wahllokale bequemt hätten. Doch dem war nicht so, obwohl die Programme der Unterleibslobby durchaus von Relevanz waren für ihresgleichen, ohne mit dem halbwegs guten Geschmack kollidieren zu müssen;  es waren die Führungsfiguren, deren Verführungskünste durchweg versagten, da diese sie schlichtweg dekuvrierten. Und natürlich stand hinter keiner dieser parlamentarischen Versuchsballonfahrgemeinschaften eine einzigartige Idee, ein neuer Geist oder ein georteter Schatz nibelungischen Formates und in keinem Falle eine mächtige pressure group, abgesehen von den Finanzhilfen für diverse linke Gruppierungen seitens der Bruderpartei im Osten.

Ob Letzteres – der große geheime Geldgeber – für die AfD (Alternative für Deutschland) zutrifft, dürfte bereits auf dem Verleumdungswege mobilisiert sein, wozu es keiner journalistischen Investigationskräfte bedarf, solange es Stammtische und stromfreie Netzwerke  gibt: Der Jüdische Weltkongress, die CIA, die Engländer, Putin, China, die Muslimbruderschaft, die Weltbanken. Letztlich bleiben als die Hauptverdächtigen die Euroskeptiker, ein cleanes Kurzwort, welches nicht bloß das Unbehagen an der Währungsunion kennzeichnet, sondern tiefsitzenden Zorn und Trauer ausdrückt am Zustand unseres großen golfrasengrünen Ganzen, dem Wildwuchs exotischer Arten, dem Kahlschlag der Ölbäume und dem Eichensterben durch Schädlingsbefall, eine biologische Symbolik sondergleichen. Doch bleiben wir auf dem Estrich: Es war höchste Zeit, dass sich eine Partei formiert, die Merkels rhetorischer Alternativlosigkeit eine echte Alternative gegenüberstellt. Das Neueste an dieser Neugründung ist, dass sie weder utopische Fernziele verfolgt, noch die Erwartungen ihrer klassischen Klientel und der sich stetig verjüngenden Stammwählerschaft (Mitte rechts) derart vollmundig zu befriedigen trachtet wie unsre etablierten Parteien, die rechten Bürgerlichen und die bürgerlichen Linken. Dass die AfD ein qualifizierter Honoratiorenclub ist mit guten Verbindungen, konservativem Stallgeruch und nationaler Konfession, sollte Realos nicht abstoßen, denn es gibt keine solidere Qualifikation, um uns aus dem derzeitigen Dilemma herauszupauken. Und: Die Wahlkampfzeit entpflichtet keine unserer großen Parteien (die ja alle regieren bzw. mitregieren im Lande) von ihren leidigen Tagesgeschäften, von laufenden Projekten und Altlasten, sie können aber auch keine unbezahlbaren Wahlversprechen machen, die AfD hingegen ist noch völlig unbelastet und ungebunden und erst nach einem für sie erfolgreichen Wahlausgang beim Wähler im Wort. Einen Erdrutschsieg wird es für sie wahrscheinlich nicht geben, eine Regierungsbeteiligung ebensowenig. Sie hätten also 4 Jahre parlamentarische Probezeit, sich einzuarbeiten und vorzubereiten auf die Operation Währungsreform. Ich hoffe, es wird dann nicht mehr nötig sein…

Zuvor sind freilich alle Argumente in Stellung gebracht, um die Bewerber mit Geringschätzung zu strafen; bei sich abzeichnender breiter Zustimmung droht die Enthüllung verfänglicher Vergangenheiten. Eines allerdings steht fest: Die Mehrheit der Parteigründer rekrutiert sich aus alten Männern, nicht alt genug, um Mitglieder der NSDAP gewesen zu sein, und wer demnächst 80 wird, war 1945 immer noch zu jung für die Waffen-SS. Natürlich können diese Jahrgänge weltanschaulich kontaminiert sein, doch wahrscheinlicher ist, dass die meisten der „Kriegskinder“ antimilitaristische und antikapitalistische Affekte in sich aufnahmen, mitnichten vermittels  Reedukation, sondern durch eigenes Erleben von Not und Tod und Barbarei, und selbstverständlich waren wir Luftschutzkellerkinder nicht allesamt unmittelbar Zeugen von Vergewaltigungen oder Tötungen, aber man lernte Menschenreste kennen und wurde Ohrenzeuge des Geschehens oder der Oralhistory, man lernte hungern und frieren und keineswegs nur Solidarität. Doch kaum ein deutsches Kind musste innerhalb der neuen deutschen Grenzen nach 45 erleben, was heute weltweit Kinder in Krisengebieten und Slums fortwährend erleiden müssen, nicht nur als „schwere Kindheit“, sondern als Vorbereitung auf ein Leben in Armut und Ausbeutung, in Aberglauben und Agonie. Nein, die AfD ist nicht der rechtsstehende  Feind unserer parlamentarischer Demokratie und kein Gegner der Europäischen Gemeinschaft – vorerst wollen wir erstmal nur die Nordmark, wie ich mir vorzuschlagen gestatte, denn ein politischer und währungstechnischer Alleingang wäre Blödsinn recte Wahnsinn. Die AfD ist nicht die großmütterlich getarnte, kreidefressende Verführerin, sondern m.E. eine seriöse Vaterlandspartei, welche weder von Freibeutern wie Ronald Schill oder von Wutrentnern à la Trude Unruh angeführt bzw. getragen wird. Falls es der AfD gelingt, in den Bundestag gewählt zu werden, erlangt sie das größtmögliche staatliche Forum in Deutschland, frische Finanzmittel und politisches Fortkommen, aber keinen direkten Zugang zur Macht. Die Machtergreifung der Nazis 1933 erfolgte ja nicht, weil die NSDAP- Abgeordneten im Reichstag sich Nachschlüssel für alle Fraktionsbüros und das Zentralarchiv verschafften etc., um ihre Konkurrenz zu erpressen und den Reichstagsbrand vorzubereiten, sondern dank des Dünkels der Herren Hindenburg und v. Papen, Hitler als willfährigen Kanzler zu berufen. Das gab’s nur einmal, so was kommt nie wieder, aber wählen sollten wir diesmal sogar gerne gehen, denn es wird echt spannend und Ihr könnt sagen, Ihr seid dabei gewesen!

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Text lesen

Abendlanddämmerung klingt nach Titelschutzobjekt, ist aber keines, sondern die Alte Welt im Spätlicht ihrer Zivilisationsgeschichte, wahrgenommen von der Warte eines Kulturpessimisten. In der Tat verhelfen auch optimale Observationstechniken nur zu Bildern, welche richtiggedeutet werden ollen, im Zweifelsfalle zugunsten der jeweiligen Feindbildvorlage. Allerdings bedarf es keiner Satellitenfotos, um die Mondsichel über Kölln und Kreuzberg zu erkennen, das Kraushaar im europäischen Milchsee und den großen Graben zwischen Schlesien und Schwaben, Alt (Franz) und Jung (Claudia), Pontefix und Cybersex, zwischen Ideal und Kapital: Um die Eingeweide unserer hirnrissigen Gesellschaft auszuleuchten, langt die photopoetische Sonde des Uve Schmidt.

 


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