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Verlage, die noch nicht jeder kennt: II Folio Verlag Wien/Bozen Im Jahr 1994 wurde Folio von Hermann Gummerer und Ludwig Paulmichl gegründet. Von Beginn an war Folio ein Verlag, der in zwei Ländern beheimatet ist, in Österreich und Italien – genauer: in Südtirol. Aus dieser grenzüberschreitenden Ausrichtung speist sich auch das literarische Programm. Folio versteht sich als Mittler verschiedener Literaturen, eröffnet mit der Reihe »Transfer« dem Leser Blicke auf Literatur aus Ost- und Südosteuropa sowie Italien. Autoren wie Zoran Ferić, Dragan Janćar und Andrej Blatnik finden sich im Verlagsprogramm. Folio verlegt österreichische Autoren wie Peter Rosei, südtiroler Autoren - Anita Pichler, Maria E. Brunner. Mit Eva Rossmann hat der Verlag eine der erfolgreichsten Krimiautorinnen aus Österreich im Programm. Zwei weitere Säulen stützen das Angebot. Zahlreiche Bände zur zeitgenössischen Kunst und Architektur, in Zusammenarbeit mit Institutionen aus Österreich und Südtirol, sowie die Zeitschrift »springerin – Hefte zur Gegenwartskunst« werden herausgegeben. Eine Reiseführerreihe »Südtirol« und Regionalia runden das Programm ab. Aus dem Verlagsprogramm:
»Politthriller« ist der Roman untertitelt. Und dies ist auf der einen Seite vollkommen korrekt, greift auf der anderen Seite aber doch zu kurz. »Romanzo Criminale” erfüllt alle Voraussetzungen für einen anständigen Thriller. Der Spannungsbogen zieht sich von der ersten bis zur letzten Seite, der Roman ist ein echter Pageturner. Über einen Zeitraum von rund 15 Jahren, von Mitte der Siebziger bis Ende der Achtziger, wird die Geschichte einer römischen Bande von Kleinkriminellen erzählt, die sich innerhalb kurzer Zeit zu gewichtigen Figuren der Organisierten Kriminalität entwickeln, die im Bereich Prostitution ebenso mitmischen wie sie recht schnell den Drogenmarkt in Rom kontrollieren. Um ihren Gründer Libanese sammeln sich zahlreiche Charaktere, die De Cataldo durchaus präzise zeichnet. Gegenpart ist Kommissar Nicola Scialoja, anfangs idealistisch, später zunehmend desillusioniert und immer stärker in das System eingebunden. Eine Stärke des Romans sind die Graustufen, mit denen die Figuren beschrieben werden. Gut und böse verwischen, jede einzelne Figur ist nicht durchweg unsympathisch oder sympathisch. Scialoja zeigt immer wieder menschliche Abgründe auf, das kriminelle Personal trägt immer wieder auch Züge, die beim Leser Empathie hervorrufen. Im Laufe der Handlung wird viel gestorben und gemordet, auch Libanese wird zu einem relativ frühen Zeitpunkt getötet. Die Handlung bleibt dadurch lebendig, ständig treten Figuren auf und wieder ab. Und letztlich stellt der Leser fest, dass es keine Helden gibt. Mit dem Aufstieg der Bande beginnt auch ein Wechselspiel mit Politik und Mafia. Jeder versucht jeden für seine Zwecke einzuspannen, die Grenzen zwischen stattlicher Ordnung und kriminellen Strukturen existieren nicht. Um ihre geschäftlichen Interessen durchzusetzen, werden Beamte, Richter und Journalisten bestochen, staatliche Organe benutzen die Kriminellen hingegen, um eigene politische Interessen durchzusetzen. Hinter Vielem steht eine graue Eminenz, die als Strippenzieher in den Hinterzimmern der (Staats-)Macht fungiert.
In »Romanzo
Criminale« werden die realen politischen Verhältnisse Italiens als Folie für die
Romanhandlung benutzt. Und an dieser Stelle ist der Roman dann auch mehr als ein
Politthriller. De Cataldo arbeitet als Richter an einem römischen Gericht, er
kennt die Verhältnisse. Und er schreibt einen Roman, der auch ein gewaltiges
Gesellschaftspanorma ist. Es wird ein Bild einer Gesellschaft beschrieben, deren
demokratische Strukturen sich auflösen. Die 1970er und Achtziger in Italien
waren geprägt von Terror, linkem und rechten. Die Ermordung Aldo Moros und der
Bombenanschlag auf den Hauptbahnhof von Bologna sind Fixpunkte, Ereignisse, die
bis heute nicht zur Gänze aufgeklärt sind. Die Verstrickung staatlicher Stellen
und Organisationen in kriminelle Machenschaften nahm zu und zog sich durch
nahezu die gesamte Parteienlandschaft. De Cataldos Roman ist Fiktion und
Schlüsselroman zugleich. Und am Ende ist nichts zu Ende, die Protagonisten
wechseln, die Methoden ändern sich. Wie auch in der Realität. Die Aufdeckung der
kriminellen Aktivitäten und die folgende Auflösung der Democrazia Cristiana zu
Beginn der 90er machte den Weg frei für das System Berlusconi.
Der vorliegende
Band versammelt die Biografien der 17, die zwischen 1901 und 1925 vom königl.
bayr. Henker hingerichtet wurden. Es sind schillernde Biografien, auf die der
Leser stößt. Da ist der unglückliche Fall des Prof. Dr. Petronius Schlotterweiß,
des Autors von »Die knostische An-Kritik unmorphischer Lauthälse. Eine
Betrachtung der epileptischen Empirie« – eines der meistweggeworfenen
Bücher seiner Zeit. Und sein Hauptwerk, die Spärlicht-Trilogie, wog so gewaltig,
dass darunter sein Lehrstuhl zusammenbrach. Schlotterweiß wurde Opfer einer
tragischen Verwechslung. Seine Verteidigungsrede vor Gericht war brillant,
allerdings so unverständlich, dass die Richter sie für ein Geständnis
hielten. Geköpft wurde er am 22. April 1902, nachdem er an der
Henkersmahlzeit herumgemäkelt hatte. |
Giancarlo De Cataldo |
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