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Glanz&Elend Magazin für Literatur und Zeitkritik

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Die menschliche Komödie
als work in progress


Ein großformatiger Broschurband
in limitierter Auflage von 1.000 Exemplaren
mit 176 Seiten, die es in sich haben.

 

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Verlage, die nicht jeder kennt:

Der Hablizel Verlag in Lohmar

Vorgestellt von Stefan Möller

Die Geschichte des Verlages ist kurz, erst anderthalb Jahre existiert er. Namensgeber Markus Hablizel führt den Verlag in Lohmar zusammen mit seiner Frau Daniela Siemon. Das Motto des Verlags lautet »Wir kümmern uns um Sachen mit Bildern und zeitgenössische Literatur. Gute selbstverständlich.«

Die Bücher werden vom Berliner BUREAU Mario Lombardo gestaltet. Neben den Romanen finden sich auch die schön gestaltete Reihe »small parts isolated and enjoyed«, die im quadratischen Kleinformat Text und Bild eine Symbiose eingehen lässt. Zu den Hablizel-Autoren gehören Ole Wagner, Dietmar Dath und Katha Schulte. 

Raouf Khanfir »Wittgenstein«
Montreal. Marco H. Bekommt Post vom Amtsgericht Bad Berleburg. Die Nachricht: Seine Großtante ist gestorben und hat ihm ihr Haus vererbt. Marco H. hat in Montreal sowieso nichts Richtiges zu tun und beschließt, das Haus im Wittgensteiner Land (Nordrhein-Westfalen, Rothaargebirge) zu beziehen. Kurz vor seiner Abreise erhält er noch einen Brief von einem seiner Mitbewohner, T., den er noch nie gesehen hat, der aber mittels Videoüberwachung über jeden seiner Schritte informiert ist. T. Gibt ihm den Rat, die Chance durch das Testament zu nutzen, »Sie haben lange genug nur zugeschaut.«
Wittgenstein. Vor Marco Hs. Ankunft werden zwei Menschen überfahren, der Täter bleibt unerkannt. Ein weiterer Toter – und die Gewissheit, dass tief in der Provinz ein Serienmörder umherfährt. Nach seiner Ankunft macht sich Marco H. an die Arbeit. Er richtet sein neues Haus ein, er verliebt sich, und er macht sich auf die Suche nach dem Mörder. T. aus Montreal meldet sich wieder und ist immer noch ungewöhnlich gut unterrichtet. Der Geist seiner Großtante taucht auf.

Raouf Khanfir legt mit »Wittgenstein« einen Roman vor, der geschickt mit dem Genre des Kriminalromans spielt, er lässt Elemente der Fantastik einfließen. In Aufbau und Länge eher der Novelle verpflichtet, ist »Wittgenstein« ein angenehm unaufgeregter Text, dessen Spannungsbogen sich dem gemächlichen Tempo der Provinz anpasst, den Leser aber nicht loslässt.

Wolfgang Frömberg »Spucke«
Dereinst galt »Spex« als führende Musikzeitschrift, deren Themen weit jenseits des Mainstreams lagen. Autoren wie Diedrich Diederichsen machten »Spex« zu einem einflussreichen theoriebildenden und debattenstiftenden Blatt, das untrennbar mit der Entwicklung der Popliteratur verbunden war. 2006 beschloss der Inhaber Alexander Lacher den Umzug des Magazins von Köln nach Berlin, dem sich die gesamte Redaktion widersetzte, die daraufhin entlassen wurde. Wolfgang Frömberg war letzter Literaturredakteur vor dem Umzug. In »Spucke« erzählt er, nur wenig verklausuliert, so wird aus »Spex« (auch Verleger Markus Hablizel schrieb für »Spex«) »Spucke«, aus Wolfgang Frömberg wird Walter Förster, von dieser Zeit. Und dreht dabei noch mal am ganz großen diskursiven Rad.

Die eigentliche Handlung ist schnell erzählt. Journalist in finanziellen Dauerschwierigkeiten, pendelt zwischen diversen Lokalitäten. Wir erfahren von seiner Tochter, von zahlreichen Wohnungen, in denen er lebte, von einem London-Aufenthalt und von seinem Vater. Das alles wird in Rückblenden und Einsprengseln in anekdotischer Form erzählt.

Eigentlich aber ist »Spucke« eine Reflexion und Abrechnung einer Ära, die mit Sigmar Gabriels Ernennung zum »Popbeauftragten der Bundesregierung« ihr Ende fand. Meta-Ebene folgt auf Meta-Ebene, die Diskurse rauschen. Es geht um die Nation, um Blumfeld, um das Aufgreifen von Pop durch den herrschenden Diskurs, es geht ums große Ganze, um das, was mal war, was ist und wie es hätte werden können. Lacan trifft auf Bret Easton Ellis und Marcel Bayer auf Lou Grant. »Spucke« ist ein blitzgescheiter Roman, dessen ständige Gedankenwirbel den Leser fordern. Walter Förster versucht im Laufe des Romans immer wieder, Roland Barthes »Lust am Text« zu lesen, aber ständig hält ihn etwas davon ab. Der Aufsatz von Barthes trifft im Kern die Aussage, dass sich der Leser dem Text vollständig hingeben muss. Hingeben muss man sich auch »Spucke«. Man wird es nicht bereuen.
 

Raouf Khanfir
Wittgenstein
Roman
Hablizel Verlag
ISBN 978-3-941978-07-2
152 Seiten
16,90 EUR
28,00 CHF

Wittgenstein from Hablizel Verlag on Vimeo.

Wolfgang Frömberg
Spucke
Roman
Hablizel Verlag
ISBN 978-3-941978-00-3
224 Seiten
14,90 EUR
28,00 CHF


Leseprobe
 


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