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Glanz&Elend Magazin für Literatur und Zeitkritik

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Glanz&Elend - Die Zeitschrift
176 Seiten, die es in sich haben:
»Diese mühselige Arbeit an den Zügen des Menschlichen«
Der
großformatige Broschurband in limitierter Auflage von 1.000 Exemplaren.
Mit Texten von Hannah Ahrendt,
Wassili Grossman, Nicolàs Gomez Davila, Gert Neumann, Dieter Leisegang, Fernando Pessoa, u.a.

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Berserker und Verschwender
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Balzacs Vorrede zur Menschlichen Komödie
Die Neuausgabe seiner
»schönsten Romane und Erzählungen«, über eine ungewöhnliche Erregung seines Verlegers Daniel Keel und die grandiose Balzac-Biographie von Johannes Willms.
Leben und Werk
Essays und Zeugnisse mit einem Repertorium der wichtigsten Romanfiguren.
Hugo von Hofmannsthal über Balzac
»... die größte, substantiellste schöpferische Phantasie, die seit Shakespeare da war.«

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Martin Brandes

Herr Wu lacht
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Seitwert


Walde & Graf, Zürich

Der schweizer Verlag will »inhaltlich und formal Literatur und Kunst, Text und Illustration miteinander verbinden«


Von Stefan Möller

Von einer
Geschichte des in Zürich beheimateten Verlags kann noch nicht die Rede sein. Das Premierenprogramm des von Anais Walde und Peter Graf gegründeten Verlags erschien erst in diesem Frühjahr, aktuell kommt die Herbstcollection in den Buchhandel.
Für das literarische Programm wurden amerikanische und französische Autoren wie Carl van Vechten, dessen
von Maurice Vellekoop originalillustrierter Roman »Parties« es bis in die Hotlist 2010, dem Buchpreis der unabhängigen Verlage geschafft hat, oder Michel Georges-Michel aus der Vergessenheit geholt und dem deutschsprachigen Lesepublikum wieder zugänglich gemacht.
Die beiden Verleger haben als Anspruch formuliert, »inhaltlich und formal Literatur und Kunst, Text und Illustration miteinander [zu] verbinden«. Dies sieht man den Publikationen an. Die Illustrationen in den Romanen stammen von Zeichnern wie Robert Crumb oder Romanin. Und als erste Graphic Novel im Programm erscheint dieser Tage die Geschichte der Beat-Literatur.
Das Sachbuchprogramm wird von Titel aus den Bereichen Kunst und Popkultur dominiert. Die mehrteilige Reihe »Die grossen … und ihre Geheimnisse« bietet einen etwas anderen Blick auf Künstler – bisher erschienen Künstler und Filmregisseure.
Schlussendlich findet sich einiges Exotisches. Exotisch für uns Nicht-Schweizer versteht sich, denn schweizer Themen wie die Kulturgeschichte des Schwingens oder ein Band über schweizer Bewegungsspiele aus alter Zeit liefern uns, den Bewohnern des großen Kantons, durchaus faszinierende, liebevolle Einblicke in Brauchtum und Tradition unserer Nachbarn.

Aus dem Verlagsprogramm:

Michel Georges-Michel
Die von Montparnasse

Paris, Montparnasse zu Beginn der Zwanziger Jahre. Der Hügel auf dem linken Seine-Seite ist Sammelpunkt der internationalen Boheme. In den Cafes treffen sich Künstler wie Picasso, Schriftsteller wie Hemingway, Nutten, wohlhabende Ausländer auf der Suche nach Unterhaltung, erfolgreiche und erfolglose Gestalten gleichermaßen. Michel Georges-Michel, 1883 geboren, 1985 gestorben, war selbst Teil der Künstler- und Intellektuellenszene. Aus seinem Vorhaben, »das Leben der Maler unserer Generation, die in einer für die Kunst neuen Umgebung Neues versucht haben« zu portraitieren, so schreibt er in der Vorbemerkung, entstand ein Roman. Ein Roman, der ein lebensechtes Bild der Pariser Kunstszene abliefert, der lustvoll die Rauschzustände, in denen Kunst geboren wird, beschreibt und das Elend der zu Lebzeiten Glücklosen artikuliert.

Amadeo Modigliani war einer der glücklosen Künstler, denen zu Lebzeiten der Erfolg verwehrt blieb. Georges-Michel schrieb keinen biografischen Roman, seine Hauptfigur Modrulleau ist aber eine Art Ebenbild des Italieners Modigliani, auch wenn der Autor vorgibt, die Figur Modrulleaus aus verschiedenen realen Figuren zusammengesetzt zu haben. Modrulleau, fast mittellos, wird durch einen Kunsthändler ausgebeutet, malt Bilder für ein lächerliches Gehalt. Zwischen dunklem Atelier, Cafes und karger Wohnstätte verbringt er seine Tage und Nächte, getrieben von der Suche nach neuen Darstellungsmöglichkeiten. An seiner Seite die aufopferungsvolle und duldsame Geliebte, im Roman Haricot-Rouge genannt, angelehnt an Jeanne Hébuterne. Der ausbleibende Erfolg und die zunehmende Verelendung führen zu einem für beide tragischen Ende. Verschuldet und ausgezehrt stirbt Modrulleau, seine Geliebte folgt nur wenige Tage später.

Die Geschichte Modrulleaus ist der Rahmen, in dem ein Sittengemälde der Großstadtboheme eingebettet ist. »Die von Montparnasse« setzt einer einzigartigen Zeit ein literarisches Denkmal. Zentraler Punkt des Romans ist das (noch heute existierende)Cafe »Rotonde«, in dessen stetiger Veränderung bereits die Ahnung vom Ende dieser Epoche angedeutet wird. Hier wird diskutiert, gesoffen, gestritten, Geld geschnorrt und geträumt. Drinnen und draußen tobt das Leben und Georges-Michel zeichnet dies meisterhaft auf, ohne Verklärung, ohne Sentimentalität, in allen Facetten.

Im Jahr 1931 erstmals ins Deutsche übersetzt, liegt der 1924 veröffentlichte Roman in der Übersetzung von Marcus Seibert nun wieder vor und darf wiederentdeckt werden. »Die von Montparnasse« wird ergänzt durch Illustrationen von Leonard Foujita, Genevieve Gallibert und Romanin.

Und vielleicht bekommt der Leser eine Ahnung davon, wie sich die ‚Pest von Montparnasse’ ihre Opfer suchte: »Eine nicht bekämpfbare seuchenartige Sehnsucht nach diesem Ort, der im Augenblick einer der interessantesten des Erdballs ist.« Leseprobe

Elizabeth Lunday
Die grossen Künstler
und ihre Geheimnisse

In schönster Pulp-Aufmachung kommt diese ungewöhnliche populärwissenschaftliche Kunstgeschichte daher, die den Untertitel »Inklusive der Skandalgeschichten, die Ihnen Ihr Kunstlehrer immer verschwiegen hat.« trägt. Garniert wird das Ganze mit bewusst reißerischen Illustrationen von Mario Zucca. Da schreit es »Im Bett mit Frida Kahlo« vom Cover, das auf Krawall getrimmt ist. Unwillkürlich fragt man sich: Was soll das?
Elizabeth Lunday, Journalistin aus Texas, hat ein etwas anderes kunstgeschichtliches Werk geschrieben. 35 Künstler werden portraitiert, von Jan van Eyck bis Andy Warhol, deren Biographie das eine oder andere pikante Detail aufweist. Edvard Munch fühlte sich ständig von Geheimpolizisten verfolgt, Michelangelo stank, Frida Kahlo musste ihren Mann Diego Rivera zum Baden überreden, er stieg nur in die Wanne, wenn diese mit Kinderspielzeug gefüllt war und Caravaggio war in einen Mord verwickelt. Die Details werden in den einzelnen Kapiteln mit Freude abgehandelt. Aber eben nicht nur dies. Jedes Kapitel ist zugleich auch eine kurzweilige, fundierte Einführung in das jeweilige Schaffen und liefert einen Einblick in dessen Bedeutung für die Kunstgeschichte.

»Wo bleibt die Ernsthaftigkeit?«, mag der eine oder andere rufen. Kunst ist nicht (nur) ernst, Kunst soll begeistern. Und dazu muss man sich herantrauen.Vielleicht bietet der vorliegende Band dem Kunstinteressierten nichts Neues, neue Erkenntnisse sind hier nicht zu erwarten. Dies ist aber auch nicht das Anliegen. Lunday trägt Informationen zusammen, komprimiert sie. Das Frida Kahlo eine Affäre mit Trotzki hatte, ist hinlänglich bekannt. Aber das Andy Warhol eine Gastrolle im »Loveboat« übernahm? Die Form des Schundheftes ist bewusst gewählt, denn »Die grossen Künstler und ihre Geheimnisse« ist ein ideales Buch, um Jugendliche und Menschen, die nicht direkt im Museum zuhause sind, an Kunst heranzuführen. Und für alle anderen ist ein großes Lesevergnügen, ein Buch, das immer mal wieder aufgeblättert werden kann, um ein oder zwei Kapitel zur Unterhaltung zu lesen. Leseprobe

Noch ein Tipp in aller Kürze

Ileana Soana
Wetterpropheten

Im liebenswert-interessanten »Wetterpropheten« öffnet sich mit dem Muotatal eine vor allem für Städter reichlich unbekannte Welt. Im Buch dreht sich alles um das Vorherbestimmen des Wetters, ohne Satellitenbilder und teure Wetterstationen. Aufwändig und mit Liebe zum Detail gestaltet – eins der schönsten Bücher, das ich in diesem Jahr in der Hand hatte. Stefan Möller
 



 


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