Glanz & Elend Magazin für Literatur und Zeitkritik

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Die menschliche Komödie als work
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Ein großformatiger Broschurband
in limitierter Auflage von 1.000 Exemplaren
mit 176 Seiten, die es in sich haben.

 

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Martin Brandes

Herr Wu lacht
Chinesische Geschichten
und der Unsinn des Reisens

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Reporterglück


Mit seinem neuesten Buch »Sucht nach Leben« liefert der umtriebige Reisende Andreas Altmann eine tour de force komprimierten Weltwissens, die die Bandbreite zwischen Aphorismus, Feature und  Reportage mühelos abdeckt, meint Katrin Achleitner.

Nach außen erfüllt er so ziemlich jedes Klischee, das einem zur Spezies Reporter – zumal Reisereporter – begegnen kann: sieben, acht Monate pro Jahr ist Andreas Altmann unterwegs, hat über 100 Länder bereist, war dabei zehnmal in Lebensgefahr, dreimal malariakrank und einmal im Gefängnis. Das Pressefoto zeigt, passend zu dieser Beschreibung, einen cigarillorauchenden Braungebrannten, der am Strand auf seinen Mac einhackt.
Wer sich von der tough-guy-Fassade nicht abschrecken lässt und sich die Mühe macht, den Blick dahinter zu riskieren, bekommt mit Sucht nach Leben eine Ahnung davon, was es heißt, als „Schreiber, der nebenher reist“ (Altmann über Altmann) unterwegs zu sein. Wohl geht es darum, die Schätze der Welt zu entdecken. Doch ist Altmann keiner, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, von A nach B zu gelangen und die bereisten Orte mehr oder weniger detailverliebt zu skizzieren. Auch sind die Preziosen nicht immer nur funkelnd schön. Bisweilen sind die Fundstücke verstörend, schmerzhaft, haltlos. Aber warum sollten Reisen anders als das wirkliche Leben sein – vorausgesetzt, man lässt sich wirklich darauf ein und wählt nicht die All-inclusive-Variante mit Reiserücktrittsversicherung?

Sucht nach Leben, Andreas Altmanns zwölftes Buch, ist eine Art „Best of“ seiner Erlebnisse. Kein monokontinentaler Erzählband mit Begegnungen in einem homogenen Kulturkreis, sondern ein in jahrelanger Reporter-Arbeit auf allen Erdteilen zusammengetragenes Storybook. In 60 Geschichten erzählt Altmann vom Reichtum der Welt: „Von den wunderbar wunderlichen Versuchungen und Belohnungen, die sie für jeden Welthungrigen bereithält. Schreiber und Leser als Goldgräber und Schatzjäger. Und die Sprache als Mittler, als Verbündete zwischen allen, die hungern und dürsten.“
Schreiben sei das einzige, was er kann, hat Andreas Altmann einmal über sich gesagt. Dass er es kann, ist unbestritten – nicht umsonst wurde er mit dem Egon-Erwin-Kisch-Preis, dem Seume-Literaturpreis, dem Reisebuchpreis und anderen Auszeichnungen bedacht. Doch kann er noch etwas anderes: sich einlassen. Auf Situationen, auf Menschen, auf Zustände, die – zumal für den daheimgebliebenen Leser, dem Klischee gemäß gemütlich teetrinkend im Ohrensessel –  extrem anmuten: Das Leben im New Yorker Crackhouse inclusive Drogen-Selbstversuch beschreibt der Autor ebenso wie die Begegnung mit Frauen im Hospital in Bangladesh, säureattackierte Opfer männlich-eifersüchtigen Besitzdenkens. Und  Beobachtungen im Bordell in Vietnam stehen neben scheinbar Belanglosem: dem Alltag im Pariser Café, dem Besuch beim Schneider in Bangkok, Erkenntnissen bei der Zugfahrt durch Indien.

Altmanns Neugier weist den Weg durch die zehn Kapitel seines Buchs – wobei jeder noch so gutgemeinte Versuch einer Ordnung angesichts der Komplexität des Lebens ohnehin zum Scheitern verurteilt ist und auch hier eher willkürlich bleibt .Wer sich aber auf seine Sucht nach Leben, auf seine gänzlich unakademische, weltkluge Erzählweise, auf sperrige Ansichten, auf teilweise schnörkellose Kürze einlässt, wird belohnt: das Buch ist eine Fundgrube, in der man verzaubert wühlen kann. Eine Geschichtensammlung als Trip durch Lebens- und Daseinszustände, wahrgenommen von einem Beobachter, der mit wachen Sinnen und einem leistungsfähigen Hirn durch die Welt zieht. Und seine Erkenntnisse in eine betörend intensive, spielwitzige Sprache packt, die dem Klischee des rasenden Reporters, der gehetzte Texte in die Tastatur hämmert, eher widerspricht. „Sprache“, so schreibt Andreas Altmann im Vorwort, „soll mir helfen, nicht aus der Welt zu fallen“. Cigarillos und Strand dürfen gerne ein übriges tun.

Andreas Altmann
Sucht nach Leben
Dumont Buchverlag, 208 Seiten
16,95 Euro
ISBN 978-3-8321-9500-7

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