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Glanz & Elend Magazin für Literatur und Zeitkritik

Die menschliche Komödie
als work in progress


Ein großformatiger Broschurband
in limitierter Auflage von 1.000 Exemplaren mit Texten von:
Balzac, Hannah Arendt, Fernando Pessoa, Nicolás Gómez Dávila,
Stephane Mallarmé, Gert Neumann, Wassili Grossman,
Dieter Leisegang, Peter Brook, Uve Schmidt und Erich Mühsam u. a.


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Mann oh Mann!

»Leidenschaft« für neunundneunzig Frauen der Weltliteratur

Ein dickes Buch, toll, informativ, begeistert & begeisternd. Die Verantwortlichen sind eine echte Girlie-Gruppe. Vier, zum Glück nicht mehr ganz junge, das heißt erfahrene, vor allem belesene Frauen, haben sich an die Arbeit, genauer: ans Vergnügen gemacht. Vier unserer besten deutschen Literaturkritikerinnen, Verena Auffermann, Gunhild Kübler, Ursula März und Elke Schmitter. Unterschiedliche Temperamente zwar, doch gleichermaßen fähig, ihre Einsichten, vor allem ihre Faszination zu vermitteln. Man spürt in jedem dieser Porträts, schreibende Frauen haben es ihnen angetan. Alle Sparten und Spielarten der Literatur sind vertreten, von Anna Achmatova bis zu Marina Zwetajewa, von Sappho bis zu der Frau, die Harry Potter zur Welt brachte.

Alle 99 Schriftstellerinnen in diesem 650 Seiten dicken Wälzer haben »zweierlei gemeinsam. Ihre Berufung und ihr Geschlecht. Und ein Drittes allerdings auch«: Sie haben die vier Kritikerinnen, die diese Anthologie geschrieben haben, »fasziniert«.
»Vielleicht wäre diese gutaussehende Frau lieber als Mann zur Welt gekommen. Sie wollte selbst bestimmen, wer und was sie war. Frau, Mann, Löwenjäger, Geliebte, Farmerin in Afrika, Boss von tausend Menschen, Schriftstellerin.« So schnell sind wir mitten im aufregenden Leben einer dänischen Baroness, die sich wie ein Mann in Afrika durchschlug und von diesem Leben erzählte: Tania Blixen. Wir lesen: »Ihr Leichentuch kaufte sie fünfundzwanzig Jahre vor ihrem Tod. Kaum jemand wußte, daß sie schon fünfundsechzig war – sie schummelte gern zehn Jahre herunter. Es gab keinen Ort, der ihr gehörte, zu dem sie zurückkehren konnte, und sie war das Vagabundieren leid.«
Katherine Anne Porter hatte immerhin fünf Ehen hinter sich gebracht, viel von der Welt gesehen, einige Abenteuer erlebt und ihre Erfahrungen in einen großen Gesellschaftsroman gepackt »auf den eine ganze Generation dreißig Jahre lang gewartet hatte«, wie damals die New York Times schrieb.
Unser dickes Lese-Buch, unschön als eine Art Frauen-Literatur-Lexikon zu bezeichnen, besser als Album voller Liebeserklärungen, umfaßt eine Zeitspanne von 2.500 Jahren. Es beginnt mit der ersten bekannten Dichterin unserer Kulturgeschichte, Sappho, und endet, durchaus tragisch, mit Sarah Kane, der jüngsten Schriftstellerin, die sich 1999, mit nur achtundzwanzig Jahren umgebracht hat. Ihre fünf Theaterstücke über Mord und Totschlag, Gewalt und Brutalität waren für viele Zuschauer schwer zu ertragen. Alle ihre Texte enthalten mehr oder weniger verdeckte Ankündigungen ihres Selbstmords.
Welches Porträt wir auch aufschlagen, wir tauchen sofort ein in oft spannende oder außergewöhnliche und manchmal auch ganz gewöhnliche Leben dieser Frauen. Wir leiden mit an ihren Idiosynkrasien und Verrücktheiten, erfreuen uns an ihren Erfolgen und Glückserfahrungen, und wir erspüren das Leid, das sie erlitten.
Es ist, fast immer, ein sehr persönlicher Zugang. Dabei fügen sich diese Lebensgeschichten zu »einer Galerie der Emanzipation« zusammen.
George Elliot, vor 200 Jahren geboren, lebte schon damals ein Leben, das auch nach heutigen Maßstäben als außergewöhnlich gelten darf, ihr aber von ihren Zeitgenossen den Ehrentitel. »Stinkbombe der Menschheit« einbrachte.
Oder Patricia Highsmith, deren treue Begleiter ihr Leben lang Katzen und Alkohol waren. Das Hauptmotiv ihres Schreibens ist die »magnetische Zufallsbekanntschaft«. Ein Augenblick, oft buchstäblich zu verstehen, der das ganze Leben aus den Angeln heben und umlenken kann. Es geht ihr nie um die großen Verbrechen, nicht ums Gangstermilieu, sondern die winzigen Anläße, die normale, moralisch intakte Menschen zum Täter werden lassen.
Ihre Texte sind »laut, schrill, böse, giftig, gemein, gnadenlos und nervtötend. Eine Endlosschleife, in der sich der kleine und der große Dreck, das Geschrei und Geplapper des Lebens verfängt«. Damit ist die österreichische Netzbeschmutzerin Nummer Eins, Elfriede Jelinek, gemeint, eine der exzentrischsten Schriftstellerinnen der Gegenwart.
Die Bedingungen, unter denen diese Frauen schreiben, sind völlig unterschiedlich. 99 Frauen. 99 verschiedene Zugänge zur Literatur. Die einen reisen, um dann ihre Eindrücke literarisch zu verarbeiten. Die anderen sind begrenzt auf ihren kleinen Radius, sie bleiben zu Hause und nähren sich redlich durch die Kraft ihrer Phantasie. Doch oft ist der Ansporn des Schreibens Trauer, Einsamkeit, Elend und Verzweiflung.
Jedes Porträt umfaßt vier bis sechs Seiten. Häufig ein Feuerwerk brillanter Formulierung. Viel Empathie, viel Sympathie. Eine halbseitige Biographie faßt noch einmal die wichtigsten Lebensdaten zusammen und am Ende gibt es Leseempfehlungen. Proviant für Jahre.
Also: Ein wunderbarer, informativer und fesselnder Schmöker für lange dunkle Abende und die kurzen Pausen zwischendurch. Ein Weihnachtsgeschenk, das »Mann« jeder Frau unter den Baum legen sollte.
Sigrid Lüdke-Haertel

Der Beitrag erschien zuerst im Strandgut – Stadtmagazin Frankfurt am Main
 

Verena Auffermann / Gunhild Kübler / Ursula März / Elke Schmitter:
Leidenschaften

99 Autorinnen der Weltliteratur.
C. Bertelsmann Verlag, München 2009
639 Seiten
24,95 €

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