Glanz & Elend Magazin für Literatur und Zeitkritik




Die menschliche Komödie
als work in progress


Zum 5-jährigen Bestehen ist
ein großformatiger Broschurband
in limitierter Auflage von 1.000 Exemplaren
mit 176 Seiten, die es in sich haben.

 

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Ulrich Breth über die Metamorphosen des großen Rätselhaften mit 7 Songs aus der Tube

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Zum 5-jährigen Bestehen ist ein großformatiger Broschurband in limitierter Auflage von 1.000 Exemplaren mit 176 Seiten, die es in sich haben:

Die menschliche Komödie als work in progress

»Diese mühselige Arbeit an den Zügen des Menschlichen«
Zu diesem Thema haben wir Texte von Honoré de Balzac, Hannah Arendt, Fernando Pessoa, Nicolás Gómez Dávila, Stephane Mallarmé, Gert Neumann, Wassili Grossman, Dieter Leisegang, Peter Brook, Uve Schmidt, Erich Mühsam u.a., gesammelt und mit den besten Essays und Artikeln unserer Internet-Ausgabe ergänzt. Inhalt als PDF-Datei
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Taugenicht oder Kotzbrocken?

Sigrid Lüdke-Haertel über das fulminante Debüt des jungen Erzählers Thomas Klupp »Paradiso«

Selten ist der Held eines Romans so einhellig beschimpft worden von der Kritik wie dieser arme Alex Böhm. Harmlos noch: »Blender« und »frecher Hund«, besser schon: »dreister Lügner« und »Soziopath«, richtig ordentlich: »Arschloch« und »Drecksack«. Noch seltener aber waren sich die Kritiker so einig im Urteil: ein Klasse-Buch. Und dies Debüt ist wirklich fulminant. Thomas Klupp, 1977 in Erlangen geboren, hat sich auch Zeit gelassen. Er hat in Hildesheim am Literaturinstitut studiert, die Zeitschrift »BELLA triste« herausgegeben, und dann diesen Roman geschrieben, der an Christian Krachts »Faserland« erinnert, genau so fies, aber irgendwie doch origineller ist.

Ein glühend heißer Nachmittag, eine Raststätte bei Potsdam. Alex Böhm, Filmstudent, Mitte zwanzig, wartet auf eine Mitfahrgelegenheit nach München. Von dort will er am nächsten Morgen mit seiner neuen großen Liebe Johanna nach Portugal reisen. Als Kind betuchter Eltern besaß er einen eigenen kleinen Flitzer, aber den hat leider seine Johanna an einen Baum gefahren – Totalschaden. Also alles Scheiße. Und es kommt noch schlimmer: Ausgerechnet sein ehemaliger Klassenkamerad Konrad, früher der totale Loser, jetzt anscheinend auf ganzer Linie erfolgreich, sieht ihn da an der Zapfsäule stehen und schreit: »Mensch, Böhm, ist ja derb, daß du immer noch trampst«. Blöde Situation. Alex hat keine andere Wahl, steigt in dessen silbernen Audi TT, in dem auch noch eine vollbusige Blondine sitzt und ab geht’s mit 180 Sachen mitten hinein in seine Vergangenheit. Wir erleben nun den Ich-Erzähler und mittelmäßigen Filmstudenten als angeblich grandiosen und äußerst erfolgreichen Drehbuchschreiber. Er lügt, daß sich sie Balken biegen. Bevor Alex in München landet, gerät er aber erst einmal ordentlich auf Abwege. Der Nächste, der ihn mitnimmt, ist ein Lastwagenfahrer. Von ihm hört er die unglaublich rührselige Geschichte von seiner tschechischen Frau. Das erinnert den schamlos schwadronierenden und ständig mit sich und seinen Befindlichkeiten beschäftigten Narzißten an sein »erstes Mal« mit einer tschechischen Prostituierten. Diese Innenschau ist glänzend erzählt, zynisch, witzig und selbstironisch beschrieben. Wir erfahren von seinen körperlichen Gebrechen, einer unangenehm juckenden Schuppenflechte, die ihn »ins totale Abseits« drängen würde, gäbe es nicht zum Glück die Wundersalbe »Dermatop«. Mit seinen eigenen Macken, einer zwanghaften Aufschneiderei, seiner Fiesheit, Verlogenheit und Skrupellosigkeit werden wir in verblüffend offener Weise konfrontiert. Eine neue Mitfahrgelegenheit, diesmal eine junge Frau mit kuriosem Künstlertick, kutschiert ihn in seinen Heimatort Weiden in der Oberpfalz, sie trinken einen Kaffee, er macht sich durchs Toilettenfenster davon. Im Elternhaus trifft er nur seinen Bruder an. Der zieht sich mit einigen Freunden Pornos rein und Alex selbst schwadroniert nun über seine eigenen schrägen Pornophantasien und Erfahrungen in »Erotheken«. In Weiden treffen sich seine ehemaligen Freunde am See »Paradiso« zum Kiffen und zum Saufen. Dort läßt er dann so richtig die Sau raus, er prügelt seinen engsten Freund fast tot, schläft mit dem Mädchen, das er bereits abserviert hat, wovon sie allerdings noch nichts weiß. Lange kennen wir unseren Alex noch immer nicht. Gerade mal einen Tag und diese Katastrophennacht. Trotzdem kennen wir ihn schon richtig gut. Denn viel hat er von sich preisgegeben, sich überhaupt nicht geschont.
Geschont hat er auch nicht das Auto seiner Mutter. Es verreckt, als er damit zum Flughafen fahren will, so heftig hatte er es geschruppt. Irgendwie scheint es ihm aber jetzt zu reichen. Er hat die Schnauze voll und überlegt, ob er nicht vielleicht Pfarrer werden sollte.
Und auch in diese Überlegung baut er gleich ein Hintertürchen ein: »wenn man es geschickt anstellt, kann man sich ja trotzdem mit Frauen treffen und sogar Affären haben«.
Und schon hat der Kotzbrocken wieder einen hilfreichen Geist gefunden, der ihn noch rechtzeitig zum Flughafen bringt. Dabei schwört er, daß er Johanna »einfach alles, lückenlos« erzählen wird. »Das heißt, wenn ich es mir genauer überlege, halte ich lieber den Mund.« Der Schriftsteller Thomas Brussig wird im Klappentext zitiert: »Fünf Seiten gebe ich dem Leser. Wenn er sich bis dahin nicht von diesem Buch losreißen konnte, wird er von einem Sog verschlungen, einem Sog aus Amoralität, Lügen und Schamlosigkeit.« Brussig hat recht. Und das ist doch schon mal was.

 

Thomas Klupp
Paradiso
Roman
Berlin Verlag, Berlin 2009
201 S., 18 €

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