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Glanz&Elend Magazin für Literatur und Zeitkritik

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Glanz&Elend - Die Zeitschrift
176 Seiten, die es in sich haben:
»Diese mühselige Arbeit an den Zügen des Menschlichen«
Der
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Mit Texten von Hannah Ahrendt,
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Seitwert


Chips gehören in die Tüte

Warum technische Hilfsmittel bei Schiedsrichterentscheidungen
eine Katastrophe wären.

Von Joe Bauer





Neulich habe ich einen großen, superflachen Fernseher gekauft, ihn eingeschaltet - und um ein Haar aus dem Fenster geworfen. Mit dieser Heimtücke hatte ich nicht gerechnet: Nach wie vor erschien nicht nur die alte Katrin Müller-Hohenstein. Sie war auch größer und flacher denn je.

Rasch beschloss ich, mich in Zukunft vom Fernsehen ab- und nur noch den Live-Darbietungen der Stuttgarter Kickers zuzuwenden. Bis die es mal wieder auf den Schirm schaffen, singt KMH mit Olli Kahn im zweiten deutschen Friedhofschor.

Wie Fernsehmenschen Fußball verleugnen, zeigt der Fall Gerd Gottlob. Der ARD-Kommentator jubelte uns während des Achtelfinals Paraquay - Japan die Folgesendung seiner Anstalt mit den Worten unter: "Waldis WM-Club ist mit Sicherheit unterhaltsamer als das, was wir hier bisher gesehen haben." Dümmer, respektloser kann ein Fußballreporter nicht daherreden. Jede Nullnummer über 120 Minuten liefert uns bei der WM am Ende eine Pointe. Das schafft Hartmann in vier Wochen nicht. Im Gegensatz zu seiner Eunuchenkomik garantiert uns selbst die lausigste Partie die Aussicht auf eine Wendung, ein Wunder oder einen blitzsauberen Schiedsrichterskandal.

Schon deshalb müssen wir den Plan der Fifa, technische Mittel als Entscheidungshilfen zuzulassen, bekämpfen. Wenn es sein muss, mit den härtesten Blutgrätschen aller Zeiten. Gott liebt nicht nur Fußball. Er spielt auch Schicksal. Wollen ihn bekloppte Funktionäre mit Laptops stoppen?

Zu den schlimmsten Verrohungen der Zivilisation zählen Chips in Tüten. Stopft man sie auch noch in Fußbälle, ist der Untergang des Spiels gewiss. Ein Spiel ohne die Möglichkeit der Fehlentscheidung, ohne die Option auf Ungerechtigkeit und Betrug wäre kein faires Spiel unter Menschen. Wer sich an den Pokertisch setzt, muss nicht nur eine Pechsträhne fürchten. Er hat auch mit gezinkten Karten und noch in der Sekunde seines größten Siegs mit dem Untergang zu rechnen.

Der Chip im Ball wäre die Bürokratisierung des Fußballs, der Überwachungsstaat auf dem Platz (und im Übrigen auch selbst manipulierbar). Der Gedanke an Gerechtigkeit ist so albern wie der Glaube an das Gute im Menschen. Spiele verliefen nach dem Motto: Der Bessere möge gewinnen. Das ist der entsetzlichste aller Wünsche. Die großen, die unwiederbringlichen, die komischen Momente der Tragik wären gestorben, der 44 Jahre währende Schwur auf Rache für Wembley umsonst gewesen.

Die Schiedsrichter, diese selbstverliebten Schicksalsdirigenten, oft irrer als der große Maradona, müssen im Dienste unserer Gerechtigkeit autark und mächtig bleiben. Wir haben ein Recht auf Pfeifen, wie wir ein Recht auf Liebe, Hass und Korruption haben. Gott hat uns eine gute und eine böse Seite und den Fußball und den Zufall geschenkt. So soll es bleiben.

Der große argentinische Fußballspieler, Trainer, Manager und Poet Jorge Valdano schreibt: "Was ist Fußball? Trotz seiner Unsauberkeit und Verirrungen ist Fußball für mich in erster Linie und im Wesentlichen ein Spiel. Deshalb handelt es sich um eine ernsthafte Sache!"

Wer Fußball für Spaß hält, soll sich bei "Waldis WM-Club" mit Chips vollstopfen.

Die Kolumne erschien zuerst am 30.06. in den Stuttgarter Nachrichten

 

Der Reisemuffel
Eine Glosse von Joe Bauer

»
Die meisten Leute haben die Tage schnell verdrängt, als Islands Asche um die Welt flog und den Himmel zur Hölle machte. Der Vulkan Eyjafjallajökull spuckte auf die Marketing-Botschaft, Reisen sei für Menschen ein Kulturgut.«

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Herzlichen Glückwunsch zu über 500 Depeschen in Joe Bauers Flaneursalon

Am Neckar
Eine kurze Geschichte von Joe Bauer
»Mit der Linie 2 fuhr ich am Morgen einige Stationen weiter als üblich durch Stuttgart und stieg erst in der Mercedesstraße aus. Nicht weil ich verschlafen hatte. Ich musste nach Bad Cannstatt, die Hochwasserlage prüfen. Hochwasserlage, hatten sie im Fernsehen gesagt, Hochwasserlage, wie Hanglage. Bald würde es wieder regnen. Das war gefährlich.
Als ich von der Brücke aus die Brühe unter mir sah, wurde mir schlecht.«


 


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