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Deutschland - Voll Schland Da der Wortfurz aber von Stefan Raab stammt, macht er Geschichte. Sobald der Metzger & Entertainer etwas Pop-Abfall vermarktet, wird ganz Deutschland neu erfunden. Dieses Mal als Schlandfleck. Schland, auch als Schlaaand bekannt, klingt wie Raab. Der Name des TV-Stars lebt wie sein kastriertes Deutschland von dem Buchstaben A, einem langgezogenen dunklen Vokal. Mich wundert, warum Raab seine Ziehtochter Lena nicht Meyer-Schlandrup nannte. Da wäre noch Kohle für die Namensrechte drin gewesen. Man muss wirklich Deutscher sein, um einen unsingbaren, einsilbigen Sch . . .-Laut als Hymne zu wählen. Ich kenne sogar einige unverdächtige Musiker, die inzwischen ihre Mails mit "Schlaaand" beenden. Sie haben weder ein Alkoholproblem noch den sozialen Hintergrund von Straßenkötern. Wohl aber einen Hörsturz. Ich kann mir nicht helfen: Schlaaand klingt wie zugekackt. Die Deutschen haben keine Lieder. Schön wäre doch, wie die englische Zeitung "The Guardian" mit den Sex Pistols zu singen: "Never Mind The Ballacks". Wir schalten um zum Fernsehen. Der "Deutschland sucht den Superstar"-Regisseur Volker Weicker beklagt im Netz, die WM-Übertragungen seien zu emotionslos. Vermutlich vermisst er die Schwingungen seines verbalen Schlandringers Dieter Bohlen ("Stell dich mal vor den Spiegel, da kommt Scheiße rüber"). Emotionen im WM-Fernsehen sind für Bohlens Klientel in der Tat ein Problem. Man taumelt durch das Partygetümmel, mischt sich unter die Schland-Chöre auf den Straßen und sieht Sekunden später auf dem Kneipenschirm zwei einsame Clowns: Delling & Netzer. Da braucht es etwas Sensibilität, um die komischen Momente zu erkennen:
Delling zu Netzer, als der DFB-Bus im Stadion einfährt und die Spieler
aussteigen: "Das sieht doch ganz entspannt aus, wie die aus dem Bus kommen -
oder?" Wenn sich die beiden ARD-Quassler nach alter Kabarettschule angiften wie ein greises Ehepaar, wirken sie wie ihre eigenen Karikaturen. Und es hat bereits etwas Rührend-Endliches, wenn Delling das Prügelknaben-Prinzip der Komik plattreitet: Herr Netzer, Sie sind Experte, die Betonung liegt auf Ex . . . Die Beleidigte-Leberwurst-Nummer aus der Seniorenresidenz ist jedenfalls erträglicher als der Zwangshumor in "Waldis WM-Studio". Dort hat man bis heute nicht begriffen, dass auch Berufsspaßmacher am ernsten Sujet Fußball scheitern. Es ist sackdoof, wenn Bully Herbig ("Der Schuh des Manitu") feixend loslegt, Lahm habe "gut gehalten" und Neuer sich als Sturmspitze empfohlen. Man darf nicht einmal hoffen, Herbig wolle damit die Rethys und Simons auf die Schippe nehmen. Dann nämlich läge er richtig. Auch Randfiguren wie Katrin MüllerHohenstein und Oliver Kahn taugen nicht zur Parodie. Auf Schlandniveau gibt es keinen satirischen Ansatz. Hätte Madame KMH nicht unlängst ihren inneren Reichsparteitag gefeiert, würde uns aus ihrem Wortschatz nur der gestammelte "Olli" in Erinnerung bleiben. Im Fall Kahn wiederum weiß man nicht, ob seine Sprechblase "Mit dem Zweiten sieht man besser" einer Bank gilt - oder seine Anzeigenzeile "Mit dem Zweitbesten habe ich mich nie zufrieden gegeben" für das ZDF wirbt.
Die
öffentlich-rechtlichen TV-Kommentatoren haben an Bedeutung sowieso verloren.
Dank Vuvus dreht man den Ton ab oder setzt sich gleich an einen Thekenplatz mit
Pay-TV. Im Grunde ist das alles wurscht. Die Medienwelt ist außer Rand und Band.
Zu deutsch: voll Schland. |
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