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Einzigartig war
die Kulturlandschaft Anhalt-Dessau und Vorbild für Landschaftsgestaltung weit
über die Grenzen der anhaltinischen Fürstentümer hinaus. Eine konsequentere
Symbiose zwischen wirtschaftlicher Nutzung und ästhetischen sowie
philosophischen Prinzipien als im Gartenreich Dessau-Wörlitz lässt sich bis
heute nicht finden. Die Idee, die Grundlage für die Gestaltung der Landschaft
gewordenen Aufklärung war, erschließt sich dem Besucher bis zum heutigen Tag,
auch wenn der Aspekt der (land-)wirtschaftlichen Nutzung im Laufe der Zeit durch
zunehmende Verstädterung an Bedeutung verlor.
Küster,
Professor für Pflanzenökologie an der Leibniz Universität Hannover, hat in
zahlreichen Publikationen die Entwicklungsgeschichte von Landschaften
aufgezeigt. Ansgar Hoppe ist Biologe und Landschaftsforscher, ebenfalls an der
Universität Hannover. Die Autoren entwerfen im vorliegenden Band ein
beeindruckendes Gesamtbild, aus unterschiedlichsten Blickwinkeln entsteht eine
Landschaft als Gesamtkunstwerk. Im Vorwort legen Küster und Hoppe dar, wie sie
den Begriff Gesamtkunstwerk definieren.
Großen Raum
nimmt dann auch die geographische Entstehungsgeschichte der Landschaft ein, die
heute vor allem die kreisfreie Stadt Dessau-Rosslau und Teile des Landkreises
Wittenberg umfasst. Vor rund 200.000 Jahren begann der Mensch, in dieser Gegend zu jagen, später entstanden die ersten Siedlungen, die nur für einen kurzen Zeitraum bewohnt und dann andernorts wiedererrichtet wurden. Damit begann auch der Eingriff des Menschen in die Landschaft. Im 10. nachchristlichen Jahrhundert entstehen mit den slawischen Siedlungen Kühnau und Sollnitz die ersten festen Siedlungen, die auch heute noch, als Stadteile Dessaus, existieren. Vor allem im 12. Jahrhundert werden zahlreiche Siedlungen gegründet, die später Bestandteil Anhalt-Dessaus werden sollten, darunter auch Dessau selbst, das 1213 erstmals urkundlich erwähnt, wohl bereits Jahre vorher besiedelt wurde. Die besondere Lage Dessaus führte dazu, dass die Stadt wirtschaftliches Zentrum der Region wurde und später auch Sitz des Fürstengeschlechts der Askanier.
Die Stadt liegt
an zwei Flüssen, Elbe und Mulde, letztere fließt bei Dessau in die Elbe. Dadurch
ergaben sich zwei Nutzungsmöglichkeiten. Die Elbe als schiffbarer Fluss ließ
Handel zu, die Mulde ließ sich stauen, um Fischfang zu betreiben. Wehre und
Mühlen werden wichtige Faktoren der Siedlungsgeschichte. Die landwirtschaftliche
Nutzung des Gebiets war geprägt vom ständigen Kampf gegen Überschwemmungen und
der Aufgabe zahlreicher Ortschaften. Mit dem Mittelwald und seinem ausgeprägten
Eichenbestand und den Hainbuchen entstand ein frühes nachhaltiges Forstkonzept.
Die Eicheln dienten in Mastjahren der Schweinemast, die Hainbuchen wurden
in Abständen zur Holzgewinnung geschlagen und trieben danach neu aus. Dieser
Mittelwald lässt sich in der Umgebung Dessaus immer noch finden.
Der zweite Teil
des Bandes widmet sich dann dem Gartenreich selbst. Ausgangspunkt für die
Gestaltung waren die Verwüstungen des Dreißigjährigen Kriegs, der auch
Anhalt-Dessau stark beeinträchtigte und der auch Reformen der wirtschaftlichen
Nutzung notwendig machte. Unter Leopold I., dem Alten Dessauer, kam es im Fürstentum zu einer umfassenden Landreform, in deren Zuge der anhaltische Landadel weitestgehend enteignet und vertrieben wurde, sodass dem Fürsten nichts an den geplanten Reformen hindern konnte. Intensiviert wurden Trockenlegung und Hochwasserschutz, zahlreiche Straßen wurden im Fürstentum angelegt, die Wirtschaft auf dauerhafte Ertragssteigerung ausgerichtet. Leopold I. schuf damit die Voraussetzungen dafür, dass sein Enkel, Leopold III. Friedrich Franz, zusammen mit Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff die Landschaft schaffen konnte, über die Jean Paul schrieb O wie wenig fehlt mir zur höchsten Seeligkeiten.
Beschreibungen
der landschaftlichen Ausformungen und der errichteten, symbolisch aufgeladenen
Gebäude werden durch zahlreiche Fotografien garniert. Überhaupt sind die Fotos
eine weitere Stärke des Buches. Durch kluge Auswahl liefern sie Anschauung
gerade da, wo sie der Leser benötigt.
Anhalt-Dessau
wurde zum agrarischen Musterstaat, ein kleines Land, in dem erstmals, und
in der Konsequenz auch nie wieder erreicht, ein allumfassendes Gestaltungs- und
Nutzungskonzept entwickelt und umgesetzt wurde, das sich über ein beachtliches
Gebiet erstreckt, das in seinen einzelnen Fixpunkten durchweg
(kultur-)landschaftlich miteinander verbunden ist. In der fehlenden Größe lag
die Chance zur umfassenden Gestaltung. In einem kleinen Fürstentum, die Autoren
weisen darauf hin, konnten Reformen weit widerstandsloser umgesetzt werden als
dies in den angrenzenden Flächenstaaten Preußen und Sachsen möglich war.
Anhalt-Dessau wurde zum Vorbild für Landschaftsgestaltung. In der Vernetzung und Verbindung dieser drei jeweils einzigartigen Räume sehen die Autoren die Chance für die zukünftige Ausrichtung.
Mit dem bei C.H. Beck
erschienenen Band liegt eine reiche Quelle vor, aus welcher der Leser und der
Besucher des Gartenreichs zahlreiche Möglichkeiten der Erschließung einer Region
schöpfen kann, die trotz aller wirtschaftlichen Schwierigkeiten und den damit
verbundenen Begleiterscheinungen ihre Besucher verzaubern kann. Hansjörg Küster
und Ansgar Hoppe haben den idealen Begleiter für eine Reise ins Gartenreich
Dessau-Wörlitz verfasst. |
Hansjörg Küster und Ansgar
Hoppe |
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