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de BalzacBalzacs Vorrede zur Menschlichen Komödie Die Neuausgabe seiner »schönsten Romane und Erzählungen«, über eine ungewöhnliche Erregung seines Verlegers Daniel Keel und die grandiose Balzac-Biographie von Johannes Willms. Leben und Werk Essays und Zeugnisse mit einem Repertorium der wichtigsten Romanfiguren. Hugo von Hofmannsthal über Balzac »... die größte, substantiellste schöpferische Phantasie, die seit Shakespeare da war.« Anzeige Edition
Glanz & ElendMartin Brandes Herr Wu lacht Chinesische Geschichten und der Unsinn des Reisens Leseprobe Andere Seiten Quality Report Magazin für Produktkultur Elfriede Jelinek Elfriede Jelinek Joe Bauers Flaneursalon Gregor Keuschnig Begleitschreiben Armin Abmeiers Tolle Hefte Curt Linzers Zeitgenössische Malerei Goedart Palms Virtuelle Texbaustelle Reiner Stachs Franz Kafka counterpunch »We've got all the right enemies.« |
Von Georg Patzer Die Kenntnis der Bibel hat in den letzten Jahrzehnten rapide abgenommen. Früher einmal gehörte sie zur Allgemeinbildung und man konnte Anspielungen machen, die jeder verstand. Heute wissen die meisten nicht mehr, was es mit Jakobs Kampf mit dem Engel auf sich hat, wer Ismael war und wieso Abraham seinen Sohn ermorden wollte und warum er es nicht tat. Zu schweigen von solchen Fragen: wer der beliebteste Mann dieses dicken Buchs ist und wer wann wen erschlug – denn das ist ja eines der Hauptthemen der Bibel. Da kommt eine pfiffige Einführung in die Bibel gerade recht, um das verschüttete Wissen wieder aufzufrischen. Geschrieben hat sie der israelische Romancier Meir Shalev, ein kritischer Geist des Landes und Atheist. Sein Zugang ist literarisch, nicht religiös: Ihm fallen die Zusammenhänge auf, die die Bibel bietet, und die Lücken, die sie lässt. Und mit viel Fingersptzengefühl und einer gehörigen Portion Phantasie füllt er diese Leere. Sein Ansatz ist bestechend frisch: Er sucht die Stellen heraus, in denen etwas zum ersten Mal geschah. Der erste Prophet, der erste Hass, das erste Gesetz. Und das ist dann schon erstaunlich, denn nicht alles ist so, wie man gedacht hat. Liebten sich Adam und Eva? Noah und seine Frau (die wie viele biblische Frauen keinen Namen hat)? Sehr wahrscheinlich, aber in der Bibel steht es nicht. Das erste Mal kommt das Wort „lieben“ vor, als es heißt: „Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du liebst, Isaak, geh in das Land Morija und bring ihn dort (…) als Brandopfer dar.“ Nicht die Liebe zwischen Mann und Frau, sondern die Liebe eines Vaters zu seinem Sohn. Und es sind nicht die beiden, die davon sprechen, sondern dieser schreckliche Gott sagt es, „als erläutere er es nicht nur uns, sondern auch dem ersten Liebenden selbst“. So respektlos und detailversessen geht Shalev in seinem Buch vor. Und so erzählt er uns auch vom ersten Traum (nicht Jakobs oder Josefs, sondern von König Abimelech, der gerade mit Abrahams Frau Sara geschlafen hatte), dem ersten Tier (die Schlange), vom ersten Lachen (auch das einzige in der Bibel) und ersten Weinen: Die ersten Tränen vergoss Hagar, Abrahams Frau, die er in die Wüste verbannte, mitsamt ihrem Sohn Ismael, dem Stammvater der Araber: „Als das Wasser im Schlauch zu Ende war, warf sie das Kind unter einen Strauch, ging weg und setzte sich in der Nähe hin (…): Ich kann nicht mit ansehen, wie das Kind stirbt. Sie saß in der Nähe und weinte laut.“ Aber Shalev erzählt nicht nur nach. Neugierig, skeptisch und psychologisch geschult zugleich erforscht er die Bibel neu, wobei diese ersten Male stets nur Ausgangspunkte für seine assoziativen, mäandernden Erforschungen sind. Mit Respekt vor der literarischen Leistung versucht er die Geschichten hinter den Geschichten zu erkunden, den gehorsamen Abraham, die geduldige Frau Noahs, den lieblosen David. Shalev macht die Bibel menschlich, spürt den Tragödien nach und entdeckt auch die vielen kleinen, anrührenden Beweise von normaler Menschlichkeit. |
Meir Shalev
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