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Is called the Midwest.«
Ulrich Breth über die
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mit 7 Songs aus der Tube
Glanz&Elend -
Die Zeitschrift
Zum 5-jährigen Bestehen
ist
ein großformatiger Broschurband
in limitierter Auflage von 1.000
Exemplaren
mit 176 Seiten, die es in sich haben:
Die menschliche
Komödie
als work in progress
»Diese mühselige Arbeit an den Zügen des
Menschlichen«
Zu diesem Thema haben
wir Texte von Honoré de Balzac, Hannah Arendt, Fernando Pessoa, Nicolás
Gómez Dávila, Stephane Mallarmé, Gert Neumann, Wassili Grossman, Dieter
Leisegang, Peter Brook, Uve Schmidt, Erich Mühsam u.a., gesammelt und mit den
besten Essays und Artikeln unserer Internet-Ausgabe ergänzt.
Inhalt als PDF-Datei
Dazu erscheint als
Erstveröffentlichung das interaktive Schauspiel »Dein Wille geschehe«
von Christian Suhr & Herbert Debes
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Alles ist im Fluss
In der schnellebigen Zeit
unserer Moderne vergessen wir allzu oft, wie vergänglich unser Dasein auf der
Welt ist. Die in dem Bildband
»On-Air:
Eighthours«
versammelten Fotografien des Koreaners Atta Kim machen dies auf einzigartige
Weise deutlich und faszinieren in der Ruhe, die sie ausstrahlen.
Von Thomas Hummitzsch
© für alle Abbildungen by Atta Kim/Hatje Cantz
Der
buddhistische Lehrsatz der höchsten Weisheit besagt Folgendes:
»Form
ist nicht verschieden von Leerheit, Leerheit ist nicht verschieden von Form.«
Dieses Prinzip zum Erreichen des jenseitigen Ufers der Weisheit ist das prägende
Leitmotiv, das den Fotografien in
»On-Air:
Eighthours«
des koreanischen Künstlers Atta Kim zugrunde liegt. Die Fotografien zeigen
sämtlich eine von allem Flüchtigem und Vorübergehendem natürlich bereinigte
urbane Landschaft; natürlich bereinigt insofern, als dass jede Aufnahme mit
einer Belichtungszeit von acht Stunden gemacht wurde und damit vorbeifahrende
Autos und passierende Menschen auf dem Zelluloid nicht festgehalten sind. Alles,
was sie hinterlassen, ist ein bläulicher, grauer oder gelbbrauner Schleier auf
den Straßen, je nachdem, wo die Bilder aufgenommen wurden.
Die hier versammelten Langzeitfotografien sind nur ein Teil des großen
On-Air-Projekts des Koreaners.
Neben „Eighthours“
existieren noch die Projekte „Monologue
of Ice“ und „Superimposition“.
Immer geht es um das Schmelzen, sei es, indem er das Zerfließen von gefrorenen
Objekten dokumentiert (Monologue of Ice), wenn er mehrere Fotografien zu neuen
verbindet (Superimposition) oder eben Augenblicke, Sekunden, Minuten und Stunden
auf eine Aufnahme reduziert. All seine Arbeiten beruhen auf der Überzeugung,
dass alles miteinander in Verbindung steht und seine Berechtigung in dieser Welt
besitzt. Dabei eckt er immer wieder mit der buddhistischen Kultur seiner
koreanischen Heimat an, provoziert dies geradezu. Immer wieder zwingt Atta Kim
seine Anhänger zum Hinschauen, z. B. wenn er hunderte Porträts zu einem einzigen
Verschmelzen lässt. Oder wenn er Prostituierte oder Kriegsversehrte museal in
Plexiglaswürfeln ausstellt. „All objects have their own raison d’être“ – Alles
hat seine Daseinsberechtigung, so kommentierte er selbst seine Arbeiten.
Zum
Hinschauen zwingt er den Betrachter seiner Bilder in „Eighthours“
auf eine ganz andere und neue Art. Während Fotografie normalerweise ein
bestimmtes Objekt oder Subjekt im Vordergrund fokussiert, verschwinden diese in
seinen neuen Bildern geradezu geisterhaft und der Blick des Lesers wird auf den
Hintergrund, die Kulisse, das Panorama gelenkt. Fotografie hält hier nicht mehr
den besonderen Moment fest, sondern wird zum Spiegelbild des Statischen,
scheinbar immerwährenden. Die Tausende einzigartige Augenblicke, die Kim in den
acht Stunden vorbei ziehen lassen musste, verschmelzen zu einem mythischen
Dunst, einem geradezu ikonisch aufgeladenen Schleier, dessen Inhalt der
Betrachter nun für sich ausmalen kann.
Die in Berlin, Delhi, Paris, Prag, Peking, Schanghai und anderen Orten
aufgenommenen Bilder sind zwar menschenleer, von dem Leben, das sie beherbergen,
erzählen sie dennoch. Die fast verschlafene Ruhe in der Prager Altstadt ist auf
den menschenleeren Bildern ebenso zu erkennen, wie die geschäftige Hektik von
Big Apple. Er zeigt, dass China noch einen gewaltigen Spagat machen muss, um
Tradition und Moderne zu versöhnen, während die geschichtsbewussten Franzosen
diese in der Architektur ihrer Hauptstadt bereits miteinander versöhnt haben.
Der Berliner Ordnung steht das indische Chaos in Delhi gegenüber – trotz
Langzeitbelichtung oder vielleicht auch gerade deshalb.
Mit
seinen Bildern reflektiert Atta Kim auch klug die Schnellebigkeit und Hektik der
Moderne, in der nichts mehr Platz zu finden scheint, was Zeit und Raum zur
Entfaltung benötigt. Diesen Dingen räumt er nun die notwendige Zeit ein, um aus
dem Hintergrund wieder in den Vordergrund zu treten und dem ständigen Fluss der
Ereignisse zu entrinnen. Während alles, was vergänglich ist, ungesehen durch
seine Aufnahmen eilt und als Luftgespinst im Nirvana der Welt verschwindet,
werden allein die Dokumente des menschlichen Schaffens monumental auf seinen
Fotografien festgehalten. Die vorübergehenden Dinge lösen sich in einem
Nebelfluss auf und hinterlassen nichts als die Kulissen unsers Lebens. Allzu oft
geraten diese in Vergessenheit, auf Atta Kims langzeitbelichteten Bildern sind
sie hingegen in einzigartiger Schönheit festgehalten und bezaubern mit ihrer
Ruhe und Präsenz, in der sie uns Atta Kim präsentiert.
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Atta Kim
On-Air: Eighthours
Mit einem englischen Vorwort
von Lesley Martin
Hatje Catz Verlag. Ostfildern 2009
168 Seiten
99 farbige Abbildungen
68,- €.
ISBN 3775723757
Homepage des Künstlers
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