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Ist das noch Popmusik?

Clogs, The Creatures in the Garden of Lady Walton

Von Hackensack

Niemals hätte ich von einer Brooklyner Band namens Clogs gehört, wenn ich nicht ein Fan wäre, ein sehr großer Fan von Shara Worden, die als My Brightest Diamond firmiert. Ich tue das, was man als Fan so tut. Ich bin Abonnent ihres Newsletters, ich folge ihr auf Twitter, mir „gefällt“ (bis vor kurzem durfte man einfach noch „Fan“ sein) ihre Facebookseite, ich fahre auch mal mitten in der Woche ein paar hundert Kilometer um sie live zu sehen und ich habe das Bestreben, jedes Stückchen Musik, das sie irgendwo veröffentlicht, zu besitzen, in welcher Form auch immer. Allerdings habe ich es mir versagt, ein T-Shirt am Mechandisingstand in der Schorndorfer Manufaktur zu kaufen. Das bereue ich mittlerweile.
Die Online-Aktivitäten von Shara Worden sind rar, sie konzentriert sich auf das Wesentliche, ihre Musik. Ein neues, eigenes Album ist derzeit noch nicht in Sicht. Statt dessen ist sie mit zahlreichen Gastauftritten beschäftigt, z. B. auf der letzten Platte von The Decemberists oder bei dem neuen Werk von David Byrne.
Jetzt also mit Clogs, dem Kammerpop Projekt des The National Gitarristen Bryce Dessner. Shara Worden singt auf sechs der zehn Songs ihrer letzten Platte.
The Creatures in the Garden of Lady Walton heißt das mittlerweile fünfte Album der Band. Es ist das erste mit Songs nach vier rein instrumentalen Alben. Verantwortlich für die Musik zeichnet die Geigerin der Clogs, die Australierin Padma Newsome. Neben Shara Worden wird die vierköpfige Band von einem Streichquartett sowie von Bryce Dessners Kollegen von The National, Matt Berninger, als auch von Sufjan Stevens unterstützt. Hier ist also ein Teil der Brooklyner Musikprominenz versammelt. Wahrscheinlich muß man in Brooklyn eine halbe Stunde telefonieren und am nächsten Tag treffen sich die Musiker, die man braucht, im Studio. Vieles vom dem, was aus Brooklyn kommt ist sehr ambitioniert, seien es Anthony and the Johnsons, The National, The Decemberists oder auch My Brightest Diamond. Dennoch, einen „Brooklyn Style“ gibt es nicht. Hier werden die Stile gemischt, es gibt keinerlei Berührungsängste. Rock, Jazz, Folk, Klassik alles dient als Inspirationsquelle für Brooklyner Bands. So wundert es nicht, wenn die Clogs auf ihrer MySpace Seite die „Energie der Rockmusik“, die „Melodien der Folkmusik“ und die „Finesse der Kammermusik“ als Inspirationsquellen genannt werden. Man könnte getrost noch Minimal Music hinzufügen. Als Einflüsse werden weiterhin u. a. John Cage, Steve Reich, Philipp Glas, Beethoven und Brahms genannt. Mir kam auch hin und wieder das Penguin Cafe Orchestra in den Sinn.
Gleich das erste Stück Cocodrillo entführt uns in längst vergangene Welten. Das vielstimmige a capella Stück klingt wie ein Coral. Gefolgt von einem Instrumental I Used To Do bei dem eine E-Gitarre die Hauptstimme übernimmt und an Filmmusik erinnert. Dann folgt mit On the Edge ein Track, bei dem Shara Wordens Qualitäten als gelernte Opernsängerin zu Tragen kommen. Es ist keine bessere Sängerin als Shara Worden für dieses Projekt denkbar.
The Creatures in the Garden of Lady Walton ist ein ruhiges, sehr schönes, abwechslungsreiches, kammermusikalisches Album. Nicht für jeden Tag aber für manche blaue Stunde ist das der ideale Soundtrack. Und als Fan bin ich natürlich dankbar für diese Perle. Ob das nun Popmusik ist oder nicht, ist mir dann auch völlig egal.
Hackensack

 

Clogs - On The Edge
Big Ears Festival 2010

 


 


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