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Von Georg Patzer
In Südafrika zu leben, ist
nicht leicht. Nicht für die Weißen, die ehemaligen Unterdrücker und Nutznießer
des Apartheid-Systems, nicht für die Schwarzen, die zwar jetzt gefördert werden,
mit der Hilfe von „Gerechtigkeitsquoten“ auf höhere Posten kommen, aber auch
immer noch voller Vorurteile sind. Jetzt müssen sie miteinander auskommen. Oder:
Sie haben die Möglichkeit dazu. Der mehrfach preisgekrönte südafrikanische Autor Deon Meyer hat wieder einen meisterhaften Roman geschrieben: „Dreizehn Stunden“ erzählt einen Arbeitstag eines Polizisten in einem noch nicht ganz normalen Land mit normalen und manchmal nicht ganz normalen Problemen. Um 5 Uhr 37 beginnt der Tag, als sein Telefon klingelt: Eine Leiche wurde gefunden, vor einer Kirche. Aber nicht die Leiche einer Pennerin, wie Griessel annimmt, sondern die eines jungen Mädchen, einer amerikanischen Touristin – brutal wurde ihr der Hals bis zur Luftröhre aufgeschlitzt: „Sie war weiß. Das bedeutete Ärger. Das verhieß Medienrummel. Der ganze Kreislauf der Anschuldigungen, das Verbrechen sei außer Kontrolle geraten, würde wieder von vorn anfangen. Es bedeutet großen Druck und lange Arbeitszeiten und zu viele Leute, die sich einmischen würden. Jeder würde mal wieder seine eigene Haut zu retten versuchen. Er hatte es satt bis obenhin.“ Aber dann erfahren die Polizisten, dass ein anderes Mädchen quer durch die Stadt gehetzt wird, von einer Meute Männer. Und jetzt geht es vor allem darum, Rachel zu retten, bevor es geschnappt wird. Aber warum wird sie gejagt?
Ein weiterer Mord ist
geschehen, an einem berühmten Musikproduzenten. Verdächtigt wird zunächst der
Ehemann einer ehemals berühmten Sängerin, die ihm gestanden hatte, mit dem
Produzenten geschlafen zu haben. Beide Fälle hängen am Schluss zusammen, aber
auf eine Art, die man nicht erwartet hätte.
Die Kapitel springen
zwischen den Handlungssträngen hin und her. In einem rasanten, sich steigernden
Tempo, das bis zum Schluss stringent durchgehalten wird, erzählt Meyer von den
Fällen und den Polizisten. Ein grandioser Suspense baut sich auf, da wir die
Jagd auf das Mädchen unvermittelt und ungefiltert aus ihrer Sicht mitbekommen,
ihre lebensbedrohliche Situation wird hautnah und sehr packend geschildert, eine
weitere Sicht ist die der Kriminellen, die sie mal beobachten, mal aus den Augen
verlieren, die mit korrupten Polizisten verhandeln und ihre kühl-brutalen
Anweisungen geben.
Und so bekommt man von
einer Gesellschaft im Umbruch erzählt, wo sich die Polizei wundert, dass
Schwarze und Weiße gemeinsam ein amerikanisches Mädchen jagen, während die
Kulturen sonst doch so streng getrennt sind, auch die Kulturen der Verbrecher.
Aber es geht um mehr als nur um ein Mädchen, das zufällig etwas gesehen hat, was
sie nicht hätte sehen sollen. Am Schluss geht es bis in die höchsten Kreise der
südafrikanischen Gesellschaft. Und da ist es, wie immer, egal, mit wem man
Profit macht, ob der schwarz oder weiß, Xhosa oder Buschmann ist. Der Profit
steht immer und überall über dem Rassismus. |
Deon Meyer |
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