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Glanz & Elend Magazin für Literatur und Zeitkritik |
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de BalzacBerserker und Verschwender Balzacs Vorrede zur Menschlichen Komödie Die Neuausgabe seiner »schönsten Romane und Erzählungen«, über eine ungewöhnliche Erregung seines Verlegers Daniel Keel und die grandiose Balzac-Biographie von Johannes Willms. Leben und Werk Essays und Zeugnisse mit einem Repertorium der wichtigsten Romanfiguren. Hugo von Hofmannsthal über Balzac »... die größte, substantiellste schöpferische Phantasie, die seit Shakespeare da war.« Literatur in Bild & Ton Literaturhistorische Videodokumente von Henry Miller, Jack Kerouac, Charles Bukowski, Dorothy Parker, Ray Bradbury & Alan Rickman liest Shakespeares Sonett 130 Thomas Bernhard Eine
kleine MaterialsammlungMan schaut und hört wie gebannt, und weiß doch nie, ob er einen gerade auf den Arm nimmt, oder es ernst meint mit seinen grandiosen Monologen über Gott und Welt. Ja, der Bernhard hatte schon einen Humor, gelt? Hörprobe ![]() Die Fluchtbewegungen des Bob Dylan »Oh my name it is nothin'/ My age it means less/ The country I come from/ Is called the Midwest.« Ulrich Breth über die Metamorphosen des großen Rätselhaften mit 7 Songs aus der Tube Glanz&Elend - Die Zeitschrift Zum 5-jährigen Bestehen
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Glanz & ElendMartin Brandes Herr Wu lacht Chinesische Geschichten und der Unsinn des Reisens Leseprobe Neue Stimmen Die
PreisträgerDie Bandbreite der an die 50 eingegangenen Beiträge reicht von der flüchtigen Skizze bis zur Magisterarbeit. Die prämierten Beiträge Nachruf ![]() Zum Tod des ehemaligen Schachweltmeisters Bobby Fischer »Ich glaube nicht an Psychologie, ich glaube an gute Züge.« Wir empfehlen: ![]() Andere Seiten Quality Report Magazin für Produktkultur Elfriede Jelinek Elfriede Jelinek Joe Bauers Flaneursalon Gregor Keuschnig Begleitschreiben Armin Abmeiers Tolle Hefte Curt Linzers Zeitgenössische Malerei Goedart Palms Virtuelle Texbaustelle Reiner Stachs Franz Kafka counterpunch »We've got all the right enemies.« |
Eric Ambler zum 100.
Geburtstag Vom Schreiben hatte der Sohn einer Komödiantenfamilie schon lange geträumt. Siebenjährig lehrte ihn sein Großvater ein »großes, einschüchterndes Wort«: »Ka-pi-ta-lis-mus«. Die ersten Bücher, die er selbst besaß, waren »Grimms Märchen« und »Alice im Wunderland«. Lebhaft identifizierte sich der junge Eric mit Detektivhelden wie Sherlock Holmes, obwohl er selbst nicht gerade ein Musterknabe war. Seine Jugendbande klaute wie die Raben, Prügel wurden ausgeteilt und eingesteckt. Sein Viertel im Süden Londons war nicht das vornehmste. Es lag außerdem auf der Route der deutschen Zeppeline und Flieger, die im Ersten Weltkrieg London bombardierten. Krieg, Gewalt, ein abenteuerlustiger Onkel, ein kritischer Großvater, Armut, Betrügereien und dunkle Geschäfte – es war nicht die feine Welt, in der er aufwuchs. Besonders gute Noten brachte der Raufbold in Physik und Chemie nach Hause. Maschinenbauingenieur wurde sein Beruf. Und da er gut schreiben konnte, wechselte er bald in die Werbeabteilung der Firma. Wurde ein erfolgreicher Werbemensch.100 000 zu dunkel geratene Glühbirnen verkaufte er so geschickt als »Neuerung«, dass 200 000 nachproduziert werden mussten. Sein erstes Buch war ein Leitfaden für werdende Mütter, der Auftraggeber ein Babynahrungshersteller. Die knappen Urlaube nutzte der Abenteuerlustige für Streifzüge durch »den Kontinent«: Frankreich, Deutschland, Italien, per Orientexpress durch den Balkan, per Schiff nach Marseille (zehn Tage hin und zurück, vier Tage und Nächte in den Hafenbars). Europa zwischen den beiden Weltkriegen des letzten Jahrhunderts war aufregend und gefährlich – und bald der Stoff für Amblers Romane. 1935 war es soweit: Ambler veröffentlichte seinen ersten Thriller, »Der dunkle Grenzbezirk«. Der Held, ein harmloser Professor, gerät mit seiner Erfindung in den politischen Machtkampf europäischer Staaten. Seine »thermonukleare Erfindung« ist nichts anderes als die Atombombe. Zehn Jahre, bevor es sie wirklich gab, hatte der Naturwissenschaftler Ambler sich die Waffe aus Fachzeitschriftenartikeln zusammengereimt, und auch die politischen Implikationen vorweggenommen. Ambler, das im Klammern, konnte von sich sagen, der erste Atombomben-Gegner gewesen zu sein. Auch Amblers zweiter Roman schockierte. Durch ein Pokerspiel gerät ein englischer Journalist unabsichtlich in »Ungewöhnliche Gefahr«. Gegen seinen Willen – ein freundliches Verhör, ein eingezogener Pass sind überzeugende Argumente – wird er eine von allen Seiten benutzte Schachfigur im politischen Dunkelspiel. Es geht um eine mächtige Ölfirma, die Regierung spielt. Die damaligen Leser von Spionageromanen, bis dahin eine Sache für Gentlemen und mit klaren Unterscheidungen zwischen Gut und Böse, waren entsetzt und fasziniert: »Die Guten« gibt es nicht, auf keiner Seite, der Kleinkrieg ist unappetitlich und schmutzig, es wird gelogen und gefoltert und außerdem der Kapitalismus madig gemacht.
»Nachruf
auf einen Spion«,
Amblers drittes Buch, zeigte, wie brüchig die Welt vor Ausbruch des Zweiten
Weltkrieges geworden war. Niemand ist mehr sicher, jeder kann jederzeit in eine
Sache hineingezogen werden, die nicht seine ist. Hier passierte das dem
staatenlosen Vadassy, mit dessen gestohlener Fotokamera Geheimes fotografiert
worden war. Als Spion verdächtigt, muss er nun mitmachen im Untergrundkrieg.
Auch Ambler, der die Politik und was sie mit dem Kleinen macht, in den Spionageroman brachte, wurde in Opfer der Umstände, könnte man sagen. Er unterbrach seine Karriere als Schriftsteller, ging in die Armee, um im Zweiten Weltkrieg gegen den Faschismus zu kämpfen – und landete beim Film. Briten und Amerikaner hatten nämlich eigene Filmproduktionen, um die Moral von der kämpfenden Truppe zu stärken. Ambler traf hier und arbeitete mit Regisseuren wie Carol Reed, John Houston, Frank Capra, Peter Ustinov und David Niven. Freundschaften entstanden.
Ambler blieb auch nach Ende des Zweiten Weltkrieges beim Film, er schrieb
mindestens 15 Drehbücher, wurde für das von
»Der
große Atlantik«
zum Oscar nominiert und nach Hollywood geholt, konnte es dort allerdings Marlon
Brando beim Drehbuch für
»Meuterei
auf der Bounty«
nicht recht machen. Dafür wurde er Alfred Hitchcocks enger Freund, heiratete ihm
die Assistentin Joan Harrison weg.
Selbst noch Amblers harmlosester Roman
»Topkapi«,
das ist jener auch verfilmte Juwelenraub am Bosporus, beginnt mit den Sätzen:
»Ich
hatte keine andere Wahl: Wenn mich die türkische Polizei nicht verhaftet hätte,
so hätte mich die griechische hinter Schloss und Riegel gebracht. Ich musste
tun, was Harper mir befahl. Dieser Harper war schuld an allem, was später
geschah…« |
Eric Ambler |
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