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de BalzacBerserker und Verschwender Balzacs Vorrede zur Menschlichen Komödie Die Neuausgabe seiner »schönsten Romane und Erzählungen«, über eine ungewöhnliche Erregung seines Verlegers Daniel Keel und die grandiose Balzac-Biographie von Johannes Willms. Leben und Werk Essays und Zeugnisse mit einem Repertorium der wichtigsten Romanfiguren. Hugo von Hofmannsthal über Balzac »... die größte, substantiellste schöpferische Phantasie, die seit Shakespeare da war.« Anzeige Edition
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Inszenierte Zivilisationskrankheiten
Am Anfang steht die Nachtaufnahme der Fassade eines Düsseldorfer Hotels, dessen Name an dieser Stelle keine Rolle spielt. Das Hotelgebäude besteht aus sieben Stockwerken. Im Erdgeschoss befinden sich wahrscheinlich Empfang und Restaurant, auch das ist an dieser Stelle unerheblich. Entscheidend sind die sechs darüber liegenden Stockwerke, die aus elf identischen Wohnzellen bestehen. Die Panoramafenster der einzelnen Appartements – so die neudeutsche Begrifflichkeit für Hotelzimmer in der globalen Gesellschaft – geben den Blick in die Zimmer frei, die allesamt von gedämmtem, farbigem Licht mehr oder weniger illuminiert sind. Hübsch, denkt der Betrachter im ersten Moment und angesichts der starren Strukturen leuchtet vor dem inneren Auge kurz Andreas Gurskys „Paris, Montparnasse“ von 1993 auf. Überhaupt gibt es einige parallelen zu Gursky. Ähnlich wie dessen Werke ist die Fotografie, von der hier die Rede ist, eine großformatige. 3 mal 4,7 Meter misst das Gesamtkunstwerk, in das In Sook Kim 66 Zimmeransichten in die Fassade des Hotels eingefügt hat. Ähnlich wie bei Gursky entsteht so der Eindruck eines Einzelfotos, welches aber vielmehr eine Komposition aus zahlreichen Einzelbildern ist. Was in den 66 sequentiell angeordneten Hotelräumen genau passiert, zeigen die einzelnen Szenerie-Aufnahmen. Der gleichnamige Bildband „Saturday Night“ eröffnet nun die Möglichkeit, diese Bildmontage Szene für Szene zu entdecken.
Die Umsetzung der seriellen Betrachtung der einzelnen Szenen auf dem Großbild in dem vorliegenden Bildband ist einerseits gelungen, entlarvt aber andererseits auch die Schwächen mancher Inszenierung. Denn der Grad, auf dem sich die sichtbaren Unterschiede emotionaler Zustände wie Einsamkeit, Trauer, innerer Leere und Enttäuschung befinden, ist ein schmaler – und so gleichen sich die Szenerien in ihrer Stimmung. Zugleich aber ist es den Buchmachern des herausgebenden Verlags gelungen, die sequentielle Betrachtung – die sich beim Betrachten der einzelnen Zimmer auf dem Großbild ähnlich wie bei einem Comic einstellt – in ansprechender Weise umzusetzen. Um in die nächste Sequenz zu gelangen, muss der Betrachter umblättern. So wird die räumliche Abfolge gewahrt. Die zeitliche Sequenz hat die Künstlerin in den Fotos selbst angelegt, deren Aussage über den Moment hinausgeht. Denn den Ausgang der Szenerie kann der Betrachter erahnen, auch wenn die Fotografie nur den Moment festhält.
In Sook Kims „Saturday Night“ ist ein
außergewöhnliches Bild, dessen Bildsprache keine Zweifel offen lässt. Die
moderne Architektur des Hauses mit den bis zum Boden reichenden Panoramafenstern
spiegelt die gesellschaftliche Transparenz und Veröffentlichung alles Privaten
wieder. Zugleich macht dieses gleichberechtigte Nebeneinander der privaten
Tragödien die individuelle Gleichgültigkeit und das gesellschaftliche
Desinteresse am Wohlbefinden des Anderen deutlich. Nicht das die Neugier fehlen
würde. Was fehlt ist Empathie. Der Betrachter der Bilder wird zum anonymen
Mitwisser der Dramen und Tragödien, die sich dort Seite an Seite abspielen. Er
wird Teil des Gleichgültigkeitsnetzwerkes, hier in die Metapher eines Hotels
gekleidet, das die moderne Gesellschaft prägt. |
In
Sook Kim
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