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Mel
Ramos gehört zu den erfolgreichsten Pop-Art-Künstlern weltweit. Mediale Ikonen
verbindet er auf seinen Bildern mit unbekleideten Schönheiten im Pin-up-Look und
entblößt so die Mechanismen der Moderne. Von Thomas Hummitzsch
»Frauen
sind für mich Objekte der Begierde.« Sätze wie dieser gehören im Zeitalter der
Post-Emanzipation zu den letzten Tabus. Neudeutsch würde man derlei
Formulierungen wohl als no-goes bezeichnen. Seit jeher gehört es aber zum
Wesen der Kunst, Tabus wie dieses zu brechen. Überträgt man diese Logik auf den
amerikanischen Bildkünstler Mel Ramos, dann erweist er der Kunst alle Ehre. Denn
der Eingangssatz stammt von dem inzwischen 75-jährigen, in Kalifornien lebenden
Künstler und ist einem im Februar geführten Interview entnommen.
Mel Ramos verwendet in
seinen Bildern die Nacktheit der Frau als Medium des modernen Kapitalismus.
Scheinbar! Wie Eyecatcher preisen auf seinen Gemälden makellose Pin-up-Girls die
beigestellten Konsumartikel an, von Käse über Zündkerzen bis hin zu
Kleidermarken. Nackt räkeln sich bildhübsche Amazonen auf Tellern voller
Käsekräcker, lehnen sich lasziv an Zigarren oder klettern aus der
Schokoriegelverpackung. Nicht genug provoziert Ramos mit subtil mehrdeutigen
Inszenierungen nackter Schönheiten auf wilden Tieren.
Dabei ist Ramos kein nach
Nacktheit geifernder Künstler. Das machen seine in die Moderne transformierten
Ikonen der Aktmalerei deutlich. In seiner Serie
»A
Salute for Art History« ehrt er seine Vorbilder im Geiste, Ingres, Manet und
Boucher, indem er ihre Klassiker der Aktmalerei kopiert und zugleich aber neu
interpretiert. In Malweise und Farbwahl weicht er von den Originalen ab, Details
verändert er eigenwillig und originell. Dem aktmalerischen Werk von Willem de
Kooning und Amadeo Modigliani widmet er kongeniale Übertragungszyklen. Er
beweist mit diesen Bildern, wo die Wurzeln seiner Kunst verborgen sind.
Betrachtet man Ramos etwa 50-jähriges Schaffenswerk (Mel Ramos. 50 Jahre
Pop-Art. Ausstellung in der Kunsthalle Tübingen. Noch bis zum 25. April 2010),
fällt eines auf. Verstörend selbstsicher und sich ihrer Schönheit bewusst
blicken den Betrachter die jungen Göttinnen an. Nicht sie scheinen diejenigen zu
sein, die entblößt worden sind, sondern der Betrachter scheint die Rolle des
ertappten und bloßgestellten Voyeurs zu erhalten. Sie alle tragen den Nimbus der
Unbesiegbarkeit, den Ramos schon in seinen frühesten Werken, den Bildern von
Heldinnen aus den amerikanischen Super-Heroes-Comics, seinen weiblichen Figuren
angedeihen ließ und damit die stereotypischen Männer- und Frauenbilder als einer
der Ersten hinterfragte – in den sechziger Jahren. Dessen sollte sich die
feministische Kritik bewusst werden, bevor sie Ramos’ Werk mal wieder als
sexistisch einstuft. |
Mel Ramos |
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