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de BalzacBerserker und Verschwender Balzacs Vorrede zur Menschlichen Komödie Die Neuausgabe seiner »schönsten Romane und Erzählungen«, über eine ungewöhnliche Erregung seines Verlegers Daniel Keel und die grandiose Balzac-Biographie von Johannes Willms. Leben und Werk Essays und Zeugnisse mit einem Repertorium der wichtigsten Romanfiguren. Hugo von Hofmannsthal über Balzac »... die größte, substantiellste schöpferische Phantasie, die seit Shakespeare da war.« Anzeige Edition
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Ein Luxustraumschiff, ein
Pott der Topkategorie, im Jahr 2006. Dreitausend betuchte Gäste, die
fünfstellige Beträge für ihre Reise bezahlen. Eintausendfünfhundert Menschen
Personal; sauber eingefriedeter Luxus. Es geht von Hamburg nach Rio de
Janeiro, Buenos Aires, Kap Hoorn; aufgrund des Wetters unfreiwillige Weihnachten
vor Port Stanley (Falkland Inseln), Patagonien (und irgendwann wieder zurück);
insgesamt 157 Tage für die Crew. Trotz dieser imposanten Traumschiffkulisse setzt Stefan Moster auf das Kammerspiel. Hier Almut mit ihrem Chef Gaus und ihren seltsamen Zusammenkünften. Sie ist reserviert bis feindselig und Gaus spielt, wenn er nicht mehr weiter weiss, seine Macht aus, will das Zusammensein, -reden und auch -musizieren fast erzwingen. Und dort Sebastian, der jugendlich-unbeschwerte Klavierspieler, froh, dem Griff der Mutter entkommen zu sein, die mit ihm ein Schubert-Klavierstück vierhändig spielen wollte. Das löste den Fluchtimpuls aus und führte ihn (mangels Alternative) zum Vater. Wie zufällig dieses Engagement auf den Schiff (sein Vater kennt Gaus) und nun teilt Sebastian eine der engen, fensterlosen Personalkabinen mit Konstantin (Tintin), einem Kellner und Frauenversteher. Dann retten Konstantin und ein paar Freunde vier afrikanische Flüchtlinge aus stürmischer See. Irgendwie taumelt Sebastian in diese Geschichte hinein; er lernt Linda, die hübsche Krankenschwester kennen (und lieben) und man ist nun konspirativ daran beteiligt, wie die Afrikaner versteckt und bei nächster Gelegenheit abgesetzt werden sollen. Es drohen strenge Strafen (bis zur Entlassung), wenn die Aufnahme der "blinden Passagiere" entdeckt wird. Leider scheitert das sorgfältig eingefädelte Unternehmen, die vier in Buenos Aires an Land zu bringen, weil ein missgünstiger Sommelier die Sache zufällig entdeckt und meldet. Aber selbst diese Situation verhindert es nicht, dass Stefan Mosters Roman "Die Unmöglichkeit des vierhändigen Spiels" wie eine gutgeölte, leichtgängige Plotmaschine läuft, die den Leser durchaus mit einem gewissen Niveau unterhält, obwohl (oder weil?) irgendwie immer klar ist, dass alles nicht so schlimm kommt wie man befürchtet.
Leider wird es immer dann,
wenn Stefan Mosters Ambitionen in diesem Buch anklingen, heikel. Das sind die
Begegnungen zwischen Almut und Gaus; die Fachsimpeleien über Musik und DDR. Aber
Gaus' Detailfetischismus und/oder sein maliziöses Lächeln, seine
peinlich sauberen Hände – all das vermag über die gesamte Strecke des Buches die
dämonische Kraft dieser Figur nicht zu konservieren, die immer mehr von der
grauen Eminenz zur grauen Maus wird. Und als die Geschichte erkennbar zu Ende
geht und keine Überraschung mehr in Sicht ist, zeigen sich die Probleme von
Mosters Figuren besonders deutlich. So muss Gaus am Schluss als Strippenzieher
in mehrfacher Hinsicht herausgestellt werden. Er hat bewusst Mutter und Sohn
eingestellt und das mit Almuts Ex-Mann eingefädelt. Und die Entrüstung Almuts
über die Verstrickungen ihres Ex-Mannes mit dem Staatssicherheitsapparat während
ihrer Ehe und die Rolle von Gaus in diesem Ränkespiel - das wirkt dann arg
aufgesetzt und hat einen leichten Verschwörungsgeruch (Die Firma lebt
sagt Gaus mehr als einmal, aber vielleicht eher zur Selbstmotivation). So
spricht Almut von Menschenversuch, wirft Gaus vor, er missbrauche sie als
Therapeutin, obwohl sie dank seiner Lebensleistung selbst Patientin sei.
Und am Ende - man kann es nicht mehr hören - wird dann Gaus noch zum "Opfer",
weil er so früh (als 15jähriger) in die Firma gebracht wurde, sozusagen
mit ihr aufwuchs. Aber da helfen noch so viele Anspielungen über Schuberts
Impromptus oder Bachs Fugen, noch so viele Opfer-Täter-Dichotomien nicht - die
Protagonisten entkommen zu selten den suggerierten, gängigen Klischees; der
Autor lässt sie zu wenig über ihren Schatten springen, stattdessen erstarren sie
in melodramatischen Posen und verfallen in Dialogen mit der bei dieser
Gelegenheit so oft gehörten Empörungsrhetorik.
Überhaupt Almut. Sie lernt
die Bordbibliothekarin Madelaine kennen (deren literarische Anspielungen sie
überfordern) und es gelingt ihr auch, die abgehalfterte Fernsehmoderatorin
Sybille (geschildert als eine Mischung aus Sabine Christiansen mit einer Prise
Alinda-Gundlach-Aura) in Bezug auf zwei Klienten für sich einzunehmen. Den
lüsternen Pfarrer vermag sie auf Distanz zu halten. Aber auch sonst bleibt die
Lebensberaterin lieber mit sich und ihrer trivial-vulgären
Illustriertenpsychologie alleine.
Kurz vor Schluss
verspricht es noch einmal ein bisschen aufregend zu werden, da Almut bei einem
Landausflug das Schiff abfahren sieht und man für plötzlich glaubt, die
Geschichte nimmt ein unverhofftes Ende. Aber schon zwei Sätze später
schaltete sie ihre Phantasie auf Leerlauf und stellte fest, dass unser
Schiff noch immer regungslos im Hafen lag. Und so liest man dieses
dahinplätschernde Buch - noch nicht einmal ungern – am besten entweder gemütlich
am Kamin oder auch an einem schönen Sommertag. Vielleicht sogar an Bord eines
Kreuzfahrtschiffs. Danach ist man aber froh, den Protagonisten nicht mehr
begegnen zu müssen. Sie büßten ihren Reiz schon während der Lektüre zu sehr ein.
Die kursiv gesetzten
Passagen sind Zitate aus dem besprochenen Buch. |
Stefan Moster |
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