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de BalzacBerserker und Verschwender Balzacs Vorrede zur Menschlichen Komödie Die Neuausgabe seiner »schönsten Romane und Erzählungen«, über eine ungewöhnliche Erregung seines Verlegers Daniel Keel und die grandiose Balzac-Biographie von Johannes Willms. Leben und Werk Essays und Zeugnisse mit einem Repertorium der wichtigsten Romanfiguren. Hugo von Hofmannsthal über Balzac »... die größte, substantiellste schöpferische Phantasie, die seit Shakespeare da war.« Anzeige Edition
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Jürgen Nielsen-Sikora über David Priestlands »Weltgeschichte des Kommunismus. Von der Französischen Revolution bis heute« In
Anspielung auf das Septembermassaker des Vorjahres gab Georges Jacques Danton
bei der Inauguration des Revolutionstribunals, dem Herzstück der
Terrorherrschaft, im Jahre 1793 die Maxime aus: „Seien wir schrecklich, damit
das Volk nicht schrecklich sein muss!“ Im Zuge seiner luziden Darstellung dieses Systems weist Priestland die Entwicklung kommunistischen Gedankenguts gen Morgenland nach – vom revolutionären Frankreich unter dem Juristen Maximilian de Robespierre im Westen über Stalin und den saarländischen, arbeitslosen Dachdecker Erich Honecker bis hin zu Pol Pot und den Roten Khmer im Osten. Vom radikal-romantischen Antikapitalisten bis hin zum blutsaugenden Bolschewisten, von der Schreckensherrschaft des Comité de salut public, über den Gulag, die Hinrichtungsstätten in Leipzig, das S-21-Foltergefängnis oder die Killing Fields in Kambodscha – Priestland zeigt deutlich, wie untrennbar die Geschichte de Kommunismus mit der Barbarei sozialistischer Diktaturen zusammenhängt. Zum Wesen des Kommunismus gesellen sich des Weiteren Parteidisziplin, Leistung und Ordnung. Dass sich vor allem Leistung wieder lohnen müsse, ist nicht nur ein parteipolitischer Slogan dieser Tage. Schon Stalin führte 1935 das so genannte Stachanow-System zur Steigerung der Arbeitsproduktivität ein, das durch Prämienzahlungen Spitzenleistungen vergütete. Die Anhebung eines solchen Leistungs-Solls war dann auch einer der Gründe für den Aufstand des 17. Juni in der DDR. In der Sowjetunion standen für dieses Prinzip insbesondere die Komwas, die kommunistischen Hochschulen, ein. Aber auch Misstrauen und Verdächtigungen spielten innerhalb der Beziehungen zwischen kommunistischen Staaten eine Rolle. Zu vielschichtig waren die nationalen Interessen und damit auch die jeweiligen Spielarten der Befreiungsideologie. Viele nationalistische Staatschefs waren bestrebt, den Sozialismus mit lokalpatriotischen Traditionen zu verbinden, wie Pandit Nehru in Indien und Sukarno in Indonesien. Mao hingegen trat in den offenen Konkurrenzkampf mit der UDSSR und gewann großen Einfluss, auch durch militärische Unterstützung kleinerer sozialistischer Länder, in Asien.
Priestland zeigt nun, dass es im Westen erst seit John F. Kennedy ein wirkliches
Bewusstsein dafür gab, dass der Kommunismus als Ideologie eine Folge von
politischen und ökonomischen Ungleichheiten war. Das wird all diejenigen
überraschen, die sich bereits zuvor mit den zahlreichen Schriften
kommunistischer Provenienz auseinandergesetzt haben. Interessanter scheint mir
in dieser Hinsicht Priestlands profunde Diagnose, dass eine Entwicklung vom
proletarischen Kommunismus hin zu so etwas wie einem Manager-Kommunismus
stattgefunden hat, in der die Bedürfnisse der einfachen Leute mehr und mehr in
Vergessenheit gerieten und sich stattdessen eine sozialistische Elite in vielen
kommunistisch geprägten Ländern herausgebildet hat, die das, was sie
ursprünglich bekämpfen wollten, mit Mitteln terrorisierte, die mindestens so
bestialisch gewesen sind wie die Methoden ihrer erklärten Feinde. Priestland
betrachtet diese Entwicklung recht nüchtern, rekurriert unter anderem auf
Nicolae Ceauşescu in Rumänien, den Dritte-Welt-Kommunismus in Afrika und Asien.
Priestland erzählt seine
Geschichte sehr anschaulich und für ein breites, interessiertes Publikum ohne
sich dabei in Details zu verlieren. Wer neben den politischen Begebenheiten auch
etwas über russische Literatur und Filme erfahren will, und wer im Kontext des
Themas auch etwas über Tengis Abuladse, Andrzej Wajda, Monty Python, Sergei
Eisenstein und Milan Kundera, Bob Dylan und Bert Brecht lesen will, ist mit
Priestlands Weltgeschichte des Kommunismus gut beraten. Nachdenklich stimmt auch
sein Epilog, in dem er einerseits nach der Perversion des kapitalistischen
Systems, der „liberalen Schocktherapie“, nach dem Zusammenbruch der UDSSR fragt,
andererseits zu bedenken gibt, ob Ostalgie die angemessene Reaktion auf die
Geschichte des Systems ist. Auch die Aussage, dass die DDR kein Unrechtsstaat
gewesen sei, ist aus dem hier vorgestellten Blickwinkel alles andere als
nachvollziehbar. Dazu nochmals Danton: „Seien wir schrecklich, damit das Volk
nicht schrecklich sein muss!“ |
David Priestland |
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