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Glanz@Elend |
Bildband
-Erotische
Fotografie |
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Hommage an die
Weiblichkeit
Olga’s Ehemann, der russische Medienmogul Sergej Rodionow, trat an die bedeutendsten Fotografen weltweit heran und stellte ihnen seine Frau vor – sofern sie sie nicht bereits kannten, denn Olga ist ein über Moskaus Grenzen hinaus bekanntes Modell. Er bat sie, die Schönheit seiner Gattin für ihn und die Welt festzuhalten, sie in erotischer Manier abzulichten. Bettina Rheims ging darauf ein und seit dem ersten Aufeinandertreffen bildet die Russin eine Art musisches Zentrum des Rheim’schen Schaffens. Es ist die Anpassungsfähigkeit der Russin, die sie zu einem derart vielseitigen und interessanten Modell macht, so dass Rheims’ immer wieder mit ihr arbeitet. Keine Garderobe, keine Pose, keine Szenerie, in der sie nicht absolut natürlich wirkt. Eigentlich verwunderlich, sagt Olga doch von sich selbst, dass auf den Bildern nicht sie, sondern nur die Ablichtung einer Kunstfigur zu sehen sei. Für Olga handelt es sich nur um ein Spiel mit den eigenen Fantasien und der eigenen Lust. Es sei letztlich nur die Illusion des Betrachters, in ihr die toupierte Mätresse, den männermordenden Vamp oder die Domina in Lack und Leder zu erkennen.
»Die
Erotik beginnt mit einem Dritten«,
soll Salvador Dali einmal gesagt haben. Ein Motto, welches auch in
»The
Book of Olga«
deutlich zur Geltung kommt. Immer wieder waren Modell und Fotografin nicht nur
für sich, sondern Rheims setzte Olga mit verschiedenen Jünglingen in Szene. Ihr
ist es dabei gelungen, die bildhafte Illusion an die Grenze der Erotik zu
führen, in der die Lust zum Verlangen wird. Es bleiben stets die entscheidenden
Millimeter zwischen den Lippen und Körpern der Modelle, die der Betrachter
selbst überwinden muss, um die Statik der Fotografie beiseite zu schieben. Es
ist der Voyeur, der die Olga-Bildserien selbst im Kopf weiterlebt und mit seinem
Blick über den Buchrand in die Welt der Fantasie gleitet. Rheims Fotografien
halten keine Augenblicke fest, sondern sind Vorspiel der Gedanken des
Betrachters und streben daher zu den Möglichkeit des Seins. Doch Bettina Rheims spielt in ihren Bildern nicht nur mit der klassischen Kunstgeschichte, sondern auch mit den modernen Mythen unserer Zeit. So lässt sie Olga eine kubanische Zigarre auf ihrem rasierten Venushügel rollen – eine erotomanische Übersteigerung der modernen Mär, das echte kubanische Zigarren auf den nackten Oberschenkeln junger Kubanerinnen gerollt würden, um dort ihr besonderes Aroma aufzusaugen. Das letzte Bild des Bandes ist hingegen eine Hommage an Gustave Courbets »Der Ursprung der Welt« – ein Gigant der klassischen Kunst, der ebenfalls aus einer Auftragsarbeit heraus entstanden ist. Rheims Fotografie zeigt die rasierte Scham der Russin im Bildzentrum und den nackten Torso, eine Brust und der Kopf sind von einem Tuch bedeckt – eine moderne Variante der Unbekannten, die Courbet 1866 malte. Das Bild zeigt alles und doch nichts – das Intimste wird gezeigt und bleibt zugleich verborgen, denn letztlich ist nur Körper zu sehen, der durch Olgas Intimschmuck wie in sich verschlossen wirkt. Der Blick in das Gesicht, die Augen, die Seele ist unmöglich. Das Bild scheint zu sagen: Was Du da siehst, ist nicht Olga und auch niemand anders. Du siehst einzig Deine Fantasie.
»The
Book of Olga«
ist ein fantastischer Fotoband. Der herausgebende Taschenverlag hat diesen
einzigartigen Band auf 1.000 Exemplare limitiert, die nummeriert und von der
Fotografin signiert sind. Dies erklärt den wahrlich fürstlichen Preis des
Bandes, den wohl nur Sammler berappen werden. Schade für alle anderen, denn
»The
Book of Olga«
ist ohne Zweifel der erotischste Fotoband des Jahres. |
Bettina Rheims |
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Glanz@Elend
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