Glanz & Elend Magazin für Literatur und Zeitkritik




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Zum 5-jährigen Bestehen ist ein großformatiger Broschurband in limitierter Auflage von 1.000 Exemplaren mit 176 Seiten, die es in sich haben:

Die menschliche Komödie als work in progress

»Diese mühselige Arbeit an den Zügen des Menschlichen«
Zu diesem Thema haben wir Texte von Honoré de Balzac, Hannah Arendt, Fernando Pessoa, Nicolás Gómez Dávila, Stephane Mallarmé, Gert Neumann, Wassili Grossman, Dieter Leisegang, Peter Brook, Uve Schmidt, Erich Mühsam u.a., gesammelt und mit den besten Essays und Artikeln unserer Internet-Ausgabe ergänzt. Inhalt als PDF-Datei
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In der neuen Welt

Silvia Hähnel über Christoph Marzis
neue Uralte Metropole »Somnia«

Eine junge Frau hetzt durch New Yorks nächtliche Straßen. Sie hat das Gefühl verfolgt zu werden und tatsächlich ist hinter ihr ein unheimliches Heulen zu hören. Scarlet Hawthorne ist ihr Name, so viel weiß sie – doch leider ist das auch schon das einzige, an das sie sich erinnern kann. Alles andere ist wie ausgelöscht. Entsetzt stellt Scarlet fest, dass Blut an ihren Händen klebt, doch hat sie keine Ahnung, um wessen Blut es sich handelt.
So lernen wir die Hauptfigur von Christoph Marzis neuen Roman „Somnia“ kennen, mit welchem Marzi in die Welt der Uralten Metropolen zurückkehrt. Nach den Erfolgsromanen „Lycidas“, „Lilith“ und „Lumen“ ist „Somnia“ bereits das vierte seiner Bücher, welches in diesem Universum spielt. Erzählten die Vorgängerbände von den Abenteuern der jungen Emily Laing, etabliert Marzi nun mit Scarlet Hawthorne eine neue Hauptfigur und ebenso ein neues Setting. Die Handlung findet nicht mehr auf (oder viel mehr unter) europäischem Boden statt, sondern in der neuen Welt, genauer gesagt in New York. Trotz vieler neuer Figuren und neuer Rätsel ist ein Zurechtfinden nicht allzu schwer – der Amnesie der Hauptfigur sei Dank. Zusammen mit Scarlet Hawthorne entdeckt der Leser das Geheimnis ihres Gedächtnisverlustes und der mysteriösen Vorgänge in New York City. Einige Zusammenhänge, die von den Hauptfiguren des Romans erst mühsam entschlüsselt werden müssen, können erprobte Besucher der Uralten Metropolen unter den Lesern schon vor Scarlet und ihren Freunden erahnen. Und natürlich verschafft Marzi auch einigen aus den Vorgängerbänden bekannten Figuren in „Somnia“ ihren Auftritt.
Wie schon bei „Lycidas“, „Lilith“ und „Lumen“ verwebt Christoph Marzi auch in „Somnia“ auf meisterhafte Weise bekannte Mythen, Sagen, Legenden sowie andere klassische Stoffe und erschafft aus ihnen eine ganz eigene, spannende Welt. Ob religiöse Mythologie, römische, griechische oder ägyptische Mythen, Sagenstoffe wie der Rattenfänger von Hameln oder der Golem von Prag – für Vieles hatte Marzi bereits Verwendung in seiner Welt der Uralten Metropolen. Diesmal ließ sich der Autor passend zum Spielort des Romans hauptsächlich vom nordamerikanischen Kontinent und seinen verschiedenen Sagen, Legenden und Erzählungen inspirieren. So machen blutrünstige Wendigos New York unsicher, das mysteriöse Verschwinden der ersten englischen Kolonie auf amerikanischem Boden findet Erwähnung und mit Motiven aus „Der Zauberer von Oz“ taucht auch ein Klassiker der nordamerikanischen Literatur auf. Phantasievoll wie eh und je versteht es Marzi, aus dieser Fülle verschiedener Versatzstücke ein zwar komplexes, aber doch schlüssiges Ganzes zu machen.
Allerdings ist „Somnia“ auch nicht frei von Schwächen. Wie auch in seinen vorherigen Romanen ist Christoph Marzi allgemein zu sehr auf einen künstlerischen, bildreichen Schreibstil bedacht. Seine Formulierungen wirken deshalb oft gestelzt und zu bemüht, was den Lesefluss mitunter erheblich stört. Hier ist besonders die Verwendung von Metaphern und Vergleichen zu nennen, bei der Marzi an vielen Stellen kein glückliches Händchen beweist. Das sprachliche Manko fällt allerdings nach einigen Kapiteln schon weniger stark ins Gewicht. Dann nämlich ist der Leser völlig in die Welt der Uralten Metropolen eingetaucht und wird sich kaum noch an holprigen Formulierungen stören. Silvia Hähnel

 

CHRISTOPH MARZI
Somnia
Uralte Metropole 4
Roman
Mit Fotos / Illustrationen von Animagic
Heyne Verlag
Paperback, Broschur, 608 Seiten, 13,5 x 21,0 cm
ISBN: 978-3-453-52483-5
€ 14,00 [D]

 


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