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Lou Reed und John Cale veröffentlichten 1990 das Konzeptalbum »Songs for Drella« als späte Huldigung an den großen Andy, der das erste, längst zum Mythos avancierte Album der legendären »Velvet Underground« produziert hatte. Das Bananen-Cover, das Warhol seinerzeit beisteuerte, muss die magische Ausstrahlung noch erheblich erhöht haben, denn anders ist jeder Erklärungsversuch dieser Total-Verkultung vergeblich. »Songs for Drella« am Theater der Stadt Bonn ist eine Hommage an diese Hommage an Andy Warhol. Wer weniger will, könnte von einer Neuauflage sprechen. Hier liegt bereits das künstlerische Problem. Wie kann man drei der schrägsten, coolsten und nebenbei auch erfolgreichsten Figuren der Pop-Geschichte, Andy Warhol, Lou Reed, John Cale, so mimetisch abbilden, dass sie nicht zu blässlichen Abziehbildern werden? Als Schauspieler, Musiker, Dramatiker würde ich mir die Frage erst gar nicht vorlegen, ich würde die Finger davon lassen. Denn wenn wir dieses Dreieck des Pop-Himmels betrachten, erleben wir Ikonen, die um ihr Charisma wussten und es in einer Weise inszenierten, die sub specie aeternitatis - jedenfalls unter dem Gesichtspunkt verrockter Ewigkeit - des Rockhimmels Geschichte macht. Es gibt Posen, um nicht von «lifestyles« zu reden, die nicht (re)inszeniert werden können, weil sie sich unverbrüchlich mit einer Person und ihrem Kontext verbinden. Davon lebt die Pop- und Rockkultur, deshalb kreischen (unter anderem) die Fans. Mick Jagger ist Mick Jagger ist Mick Jagger. Nicht anders Lou Reed. »Songs for Drella« als Theater wandelt daher auf einem schmalen Pfad, was dadurch noch längst nicht zum »walk on the wild side« wird. Eine musikalische »Metapose« zu einer fan-bewährten sakrosankten Pose des Rockstars würde höchstens als ironische Kondition einleuchten. Das lakonische und zugleich aufgeheizte Lebensgefühl, das wir mit Warhol, Cale/Reed und »factory« verbinden, ist nicht leicht zu ironisieren. »Drella«, also Warhol als perfide Personalunion von Dracula und Cinderella, ist deshalb so berühmt geworden, weil kein Künstler je so durch und durch artifiziell erschien, ohne dass dieses seinerzeit provokante Gegenbild zum klassischen Künstler (der inneren Notwendigkeit) nicht zugleich völlig authentisch gewesen wäre. Andy Warhol war in eine Formel gepresst: authentisch inauthentisch. Diese Paradoxie künstlerischen Seins übertrug sich auf die Mitglieder der »factory« und John Cale und Lou Reed waren augenscheinlich trotz einiger Differenzen mit dem Meister der vervielfachten Marilyn fasziniert davon.
Lou Reeds
lakonisch-puristische Art zu singen, seine ambivalenten Texte über die mehr oder
minder schäbige Gegenkultur, seine sperrige Selbstinszenierung lassen sich im
Theater nicht wiedergeben. Ohnehin stellt sich hier die fundamentale Frage, wie
das Theater in seinem Medium Rockmusik darstellen will. Rockmusik ist a priori
Theater, dessen Pathos aber auf einer anders gepolten Bühne nicht entfacht wird.
Scherze über diese Rituale, wie es die Bonner Inszenierung versucht, sind
keineswegs verboten, aber das müsste dann härter, distanzierter, womöglich sogar
manierierter kommen. In diesen witzelnden Umrahmungen der Bonner Premiere wird
die Existenzialität der beiden Musiker und ihrer Devotionalie »Warhol«
zurückgenommen. Man muss sich künstlerisch schon entscheiden: Entweder
reproduziert man im besten Sinne des Wortes den »Star«, wird selbst zum Star,
oder aber zu einer ironisch distanzierten, kritisch begleitenden, vielleicht
sogar schizophren antipodischen Figur. Val Kilmer gelang es unter den ungleich
anderen Bedingungen des Films (The Doors, 1991, Regie: Oliver Stone) sich in Jim
Morrison zu verwandeln. Diese Mimikry reichte selbst bis zum einfühlsamen
Gesang, dem angeblich Ex-Bandmitglieder attestierten, Jim Morrison darin perfekt
zu treffen. Dagegen stehen Myriaden von Michael-Jackson-Imitatoren, die den »moon
walk« schon für die ganze Miete ihres Auftritts halten, ohne die durchlittene
Hybridität des »King of Pop« je zu ahnen. |
Eine
musikalische Hommage an Andy Warhol von Lou Reed und John Cale |
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