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Die menschliche Komödie
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Zum 5-jährigen Bestehen ist
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in limitierter Auflage von 1.000 Exemplaren
mit 176 Seiten erschienen, die es in sich haben.

 

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Zum 5-jährigen Bestehen ist ein großformatiger Broschurband in limitierter Auflage von 1.000 Exemplaren mit 176 Seiten, die es in sich haben:

Die menschliche Komödie als work in progress

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»Dessau bleibt eine hässliche Stadt«

Gunta Stölzl war die einzige Frau unter den Meistern am Bauhaus. In dessen Jubiläumsjahr werden die persönlichen Erfahrungen der Künstlerin ihren Kunstwerken gegenübergestellt.

In diesem Jahr begeht das Bauhaus seinen 90. Geburtstag und zahlreiche Ausstellungen widmen sich dem Schaffen seiner bekanntesten Vertreter. Hören wir Bauhaus, denken wir zunächst an Walter Gropius, Mies van der Rohe, Lyonel Feininger, Oskar Schlemmer und Wassily Kandinsky. Auch Johannes Itten und Paul Klee mögen dem Kunstinteressierten noch einfallen. Doch dann erschöpft sich meist schon das Laienwissen. Wenngleich die obige Aufzählung keineswegs Vollständigkeit anstrebt, so fällt doch eines auf. Es handelt sich ausschließlich um Männer. Das Bauhaus war eine Männerdomäne – mit einer Ausnahme. Gunta Stölzl ist die einzige Frau unter den Bauhaus-Meistern. Ein Bildband widmet sich im Jubiläumsjahr des Bauhauses der Wechselbeziehung sehr persönlicher Schriften und zeitgleich geschaffener Werke Stölzls. So entsteht ein sehr privates Bild von Gunta Stölzl und ihrem Reifeprozess als Künstlerin und Persönlichkeit.

In der ersten Phase des ersten Weltkriegs studierte Stölzl von 1914 – 1916 in ihrer Heimatstadt München an der Kunstgewerbeschule. 1917 bereiste sie Slowenien, Italien und Frankreich, und im Jahr darauf arbeitete sie als Krankenschwester im nordfranzösischen Cambrai. Angesichts der ländlichen Idylle hat sie die massive Gewalt des Krieges tief schockiert und ihr zugleich die Sinnlosigkeit des Kampfes vor Augen geführt. „… und dann plötzlich in all den Frieden hinein die Glocken – Flieger – und der Krieg steht wieder da, unerbittlich hart und grausam, und ich komme und komme nicht auf die Höhe, ich kann nicht darüberschauen über das Elend, ich glaube, daß der Erfolg unserer Kriegstaten den Einsatz nicht mehr wert ist.“ Nach dem Krieg geht Stölzl noch einmal kurz an die Kunstgewerbeschule in München, um anschließend ans Bauhaus nach Weimar zu wechseln. Ein Prozess, der auch die Loslösung von den Eltern in schmerzlichen Kämpfen verlangte. „Wir dürfen eben nur das allen Gemeinsame ihnen zeigen und das Trennende müssten wir ihnen verschweigen.“ Bis zu ihrem Wechsel nach Weimar, das belegen die den Texten zur Seite gestellten Zeichnungen, ist Stölzls Schaffen noch sehr gegenständlich realistisch, kaum abstrakt.

Ihr Stil ändert sich erst in der Zeit als Bauhausschülerin. Das bunte Durcheinander von Meistern und Schülern, dass ihr in Weimar begegnet, zieht sie sofort in den Bann. Ihre Auffassung von Kunst und vom Zeichnen beginnt sich radikal zu ändern. „Zeichnen ist nicht, Gesehenes wiederzugeben, sondern das, was man spürt durch äußere Anregung (natürlich auch durch innere) durch den ganzen Körper strömen zu lassen“. Nur so entstehe etwas unbedingt Eigenes. Die abgebildeten Zeichnungen und Studien verdeutlichen diesen Prozess, der nicht spurlos an der jungen Künstlerin vorbeigeht. Momente der sprühenden Kreativität werden abgelöst von lähmenden Stunden, „wo jedes feine Empfinden schlummern muss.“ Nachdem sie sich in der Dekorations- und Wandmalerei versuchte, entdeckte sie die Textilkunst für sich. Nach ersten Versuchen mit in Weimar erbettelten Stoff- und Garnresten gründete Stölzl mit einigen Mädchen aus der Stadt eine Art Textilwerkstatt. Bereits in den ersten Entwürfen und realisierten Bodenläufern oder Wandteppichen wird deutlich, welchen tief greifenden Wandlungsprozess die Künstlerin in Weimar durchlebt haben muss. Von der greifbaren Gegenständlichkeit der Münchener Tage ist nichts mehr geblieben. Die Abstraktion bestimmt nun ihre Kunst. Da das Bauhaus aber kein Geld hatte, musste Stölzl weiter mit minderwertigen Stoffen arbeiten – eine Tatsache, die sich heute aufgrund der Empfindlichkeit der textilen  Kunstwerke rächt.

1925 wechselte Gunta Stölzl in die Meistersiedlung nach Dessau und übernahm dort die Leitung der Textilwerkstatt. Der Wohnortswechsel war zunächst ein Kulturschock, denn die Verhältnisse in Dessau konnten nicht annähernd mit denen in der Stadt Goethes und Schillers Schritt halten. „Es gibt keine Ateliers und die möblierten Zimmer sind hässlich und man darf sich auch meist nicht besuchen. Und dann sind überhaupt wenig Leute hier, die mich interessieren. […] Dessau bleibt eine hässliche Stadt und ich werde hier nie zuhause sein, die Luft ist so abscheulich, einen Tag Raffinerie und einen Tag Spiritusfabrik und sonst feuchter Dunst und dann ist es eine bodenlose langweilige Provinz.“

Was die Arbeit in der Textilwerkstatt betraf, fühlte sich Stölzl nach etwa einem Jahr selbst in Dessau angekommen. Menschlich aber hatte sie weiterhin ihre Probleme. Die Einsamkeit ereilte sie, kaum dass sie in ihrem Atelier saß. „Mein ganz persönliches Leben krankt daran, dass ich keinen Mann habe“, schreibt sie im Mai 1928 ihrem Bruder Erich. Dazu kam, dass sie als Leiterin der Textilwerkstatt rechtlich schlechter gestellt war, als die übrigen Werkstattleiter, die als Meister anerkannt wurden. Dies war ihr während der ganzen Zeit ein Dorn im Auge – nicht nur wegen des fehlenden Meisterstatus’, sondern auch hinsichtlich der damit verbundenen schlechteren Bezahlung. In einem abgedruckten Brief an den Magistrat der Stadt Dessau drohte sie gar ihren Austritt aus dem Bauhaus an, wenn es nicht zu einer Angleichung ihres Status’ mit dem der männlichen Kollegen kommen sollte. „zu verhandlungen über mein weiterverbleiben am bauhaus bin ich bereit unter der grundsätzlichen voraussetzung, dass meine stellung als leiterein der weberabteilung auch rechtlich anerkannt und durch ein mehrjähriges vertragsverhältnis gesichert wird. daneben darf ich erwarten, dass meiner verantwortung entsprechend das gehalt der stelle dem der übrigen werkstattleiter angeglichen wird.“ Ihr Gehalt wurde daraufhin angeglichen, die Anerkennung als Meister blieb jedoch aus. Sie strich schließlich selbst den Status „Studierende“ aus ihrem Bauhaus-Ausweis und ersetzte den Begriff handschriftlich mit der Bezeichnung „Meister“. Dass wir Gunta Stölzl also heute überhaupt unter den Bauhaus-Meistern finden können, ist hauptsächlich ihrem Selbstbewusstsein und ihrem emanzipierten Wunsch nach Gleichberechtigung zu verdanken.
1931 verließ Stölzl das Bauhaus und ging nach Zürich, wo sie zunächst eine Weberei und danach auch eine eigene Textilwerkstatt gründete.

Bleibt zuletzt die Frage, ob die Weberei überhaupt als Kunst zu betrachten ist? Schon allein die abgebildeten Dekostoffe, Bezüge, Wandteppiche und Vorhangstoffe sowie die zahlreichen Stoffentwürfe lassen daran kaum noch einen Zweifel aufkommen. Und was sagt die Künstlerin selbst? Ist die Weberei Kunst? „Ja! Denn das Gewebe ist ein ästhetisches Ganzes, eine Komposition aus Form, Farbe und Materie zu einer Einheit.“

„Gunta Stölzl. Bauhausmeister“ ist nicht nur einfach eine Dokumentation des Schaffens der einzigen Frau unter den Bauhausmeistern (die keineswegs Vollkommenheit beansprucht), sondern zugleich auch ein zutiefst privates Buch über die Künstlerin selbst. Es nähert sich vorsichtig und respektvoll dem Leben Gunta Stölzls und präsentiert so eine sehr menschliche Seite des Bauhauses, ein Aspekt, der in diesem Jubiläumsjahr leider viel zu kurz kommt. Zwar ist das von den beiden Töchtern der Künstlerin herausgegebene Buch kein Muss für den an diesem Stil Interessierten, aber ein wohltuendes Kleinod zwischen den vielen dokumentarischen Bauhauspublikationen. Thomas Hummitzsch
 

Aloni, Yael & Stadler, Monika (Hrsg.)
Gunta Stölzl
Bauhausmeister
Hatje Cantz 2009. Ostfildern 2009
132 Seiten
29,80 €
ISBN 3775723714


 


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