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de BalzacBerserker und Verschwender Balzacs Vorrede zur Menschlichen Komödie Die Neuausgabe seiner »schönsten Romane und Erzählungen«, über eine ungewöhnliche Erregung seines Verlegers Daniel Keel und die grandiose Balzac-Biographie von Johannes Willms. Leben und Werk Essays und Zeugnisse mit einem Repertorium der wichtigsten Romanfiguren. Hugo von Hofmannsthal über Balzac »... die größte, substantiellste schöpferische Phantasie, die seit Shakespeare da war.« Anzeige Edition
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Von Georg Patzer »Und so kam es, dass Maravan, der Tamile, nichtsahnend für Razzaq, den Pakistani, ein Essen zubereitete, bei dem ein Geschäft eingefädelt wurde, das die sri-lankische Armee über ein paar Umwege mit ausgedienten Schweizer Schützenpanzern versorgte.« Die dann gegen Maravans Verwandte und Freunde eingesetzt wurden. Und seinen Neffen Ulagu dazu brachten, sich zu den kämpfenden Tamilen zu melden: Ein paar Wochen später sah Maravan in einer Internetzeitung ein Foto mit dem erschossenen Kleinen.
Die Welt ist
undurchschaubar, und selbst, wenn wir nur ein Essen kochen, können wir am Elend
der Welt beteiligt sein: Das ist wohl die perfide Hauptbotschaft des neuen
Romans von Martin Suter. Denn Maravan, der tamilische Koch, der illegal in
Zürich lebt und lange Zeit Spülhilfe im Nobellokal von Fritz Huywler arbeitet,
achtet eigentlich sehr auf die Moral. Vor allem, als er gefeuert wurde, weil er
sich einmal, ohne zu fragen, den Rotationsdampfer ausgeliehen hat. Den er
dringend brauchte, um ein Liebesmahl zu kochen, mit dem er die Serviererin
Andrea verführen wollte. Es gelingt ihm, obwohl sie eigentlich lesbisch ist. Dann jedoch sind sie gezwungen, ihr Geschäft auszuweiten. Und so kommen Geschäftsleute zu ihnen, die nicht nur etwas Exklusives essen und sich das gerne ruhig ein paar Tausender kosten lassen wollen, sondern auch diskret ihre Geschäfte abwickeln und danach noch ihren »Spaß« mit den dazubestellten Damen haben wollen. Maravan windet sich, aber er kann nicht anders: Er braucht dringend viel Geld, um seine Familie im Kriegsgebiet zu unterstützen und vor allem seine Großtante Nangay, die Medikamente braucht, die man in Sri Lanka nicht mehr bekommt. Martin Suters neuer Roman hat durchaus Züge von einer Kolportage. Böse, korrupt, geldgierig und ohne jede Moral sind die Wirtschaftsbosse und Kriegsgewinnler, die den Hals nicht voll genug kriegen können, die auch gerne mal die Zeitungen bestechen, wenn sie Angst haben, dass ihre krummen Geschäfte ans Licht kommen könnten. Dagegen steht vor allem Maravan, der kleine Mann, der nichts dagegen tun kann, dass er von allen Seiten ausgenutzt wird: von Dalmann und den anderen Kapitalisten, von seinen tamilischen Landsleuten, die ihn zu immer mehr Geld für ihren »Freiheitskampf« erpressen (auch mit der Drohung, ihn an die Fremdenpolizei zu verraten), sogar von Andrea, die genau weiß, dass er eigentlich in sie verliebt ist, weil auch sie ein Stück vom Kuchen im reichen Zürich abhaben will.
Herrlich und erfrischend
ist der Sarkasmus, mit dem Suter die Großen abwatscht:
»Dalmann
hatte zum Aperitif einen 2005er Chardonnay von Thomas Studach aus Malans à
hundertzwanzig Franken bestellt anstatt, wie sonst immer, eine Flasche Krug
Grande Cuvée brut für vierhundertzwanzig. Das war aber auch sein einziges
Zugeständnis an die Wirtschaftskrise.« Oder über Sandana, eine Freundin von
Maravan, die mit ihrer Familie gebrochen hat, weil Maravan zur falschen Kaste
gehört. Zwar sind die Kasten abgeschafft,
»aber
du musst in der richtigen abgeschafften Kaste sein«. Auch dass der Oberböse in
diesem Buch am Schluss das Zeitliche segnen muss, ist nur gerecht. Aber das ist
dann natürlich auch wieder alles ein wenig zu platt. Natürlich ist der
Globalismus böse, natürlich verdient die Schweiz wieder mal an allen, weil sie
wieder einmal
»neutral«
ist und die Macht hat, die Gesetze auch mal zu umgehen. Nicht wirklich zu
brechen, aber doch ein wenig zu biegen. Man muss es nur wollen und die
Verbindungen haben.
So richtig lebendig wird
in diesem Roman einzig und allein Maravan, der im erzwungenen Exil versucht,
sich einen Rest von Moral noch zu bewahren, aber in der globalisierten Welt ein
Opfer ist und wehrloser Täter zugleich. Der weiß, dass er in einer modernen Welt
lebt, die mit seiner altvertrauten srilankischen nichts mehr zu tun hat, der
auch weiß, dass er seinen Traum von einem Spitzenrestaurant mit subkontinentaler
Avantgarde-Küche in Colombo nie verwirklichen wird. Alles in allem ist
»Der
Koch« aber ein flotter und kritischer Unterhaltungsroman, der viele, vielleicht
allzuviele Themen anspricht, aber immer wieder die Kurve kriegt und die bunten
Fäden doch immer wieder zu einem passenden Teppich verknüpft: Eine spannende
Mischung aus
»Es
muss nicht immer Kaviar sein« (auch hier sind die Rezepte angehängt) und
»Das
Parfüm« mit seiner anregenden Sinnlichkeit. |
Martin Suter |
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