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Kulturgeschichte
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»Weiber sind nicht in der Welt, blos um Männer zu amüsieren. Weiber sind Menschen wie Männer: eines soll das andere glücklich machen.« Dies schrieb Dorothea Schlözer, eine der »Universitätsmamsellen«, als 15-Jährige an ihre Freundin Luise Michaelis. Schlözer wurde 1787 an der Universität Göttingen als erste Frau in Deutschland zum Doktor der Philosophie ernannt und war somit nach Dorothea Erxleben, die bereits 1754 an der Universität Halle in Medizin promovierte, die zweite Frau mit Doktortitel. Die Universität selbst durfte sie als Frau jedoch nicht betreten; die Promotion wurde im Hause des Dekans durchgeführt. Heute sind studierende und studierte Frauen wahrlich keine Einzelfälle mehr, auch wenn es immer noch viel zu wenige Professorinnen gibt. Im Göttingen des 18. und 19. Jahrhunderts waren die Universitätsmamsellen, denen Eckart Kleßmann eines dieser feinen Bücher der Anderen Bibliothek widmet, Ausnahmeerscheinungen. Fünf Göttinger Professorentöchter, »fünf aufgeklärte Frauen zwischen Rokoko, Revolution und Romantik«, präsentiert Kleßmann: Philippine Gatterer, Caroline Michaelis, Therese Heyne, Meta Wedekind und Dorothea Schlözer. Die Dichterin Philippine Gatterer debütierte 21-jährig im Göttinger Musenalmanach 1777 und stand im regen Austausch mit dem berühmten Gottfried August Bürger. Caroline Michaelis (-Böhmer-Schlegel-Schelling) freundete sich mit dem von den Ideen der Französischen Revolution begeisterten Georg Forster an, der als Begleiter von James Cook die Welt umsegelt hatte, korrespondierte mit Friedrich und August Wilhelm Schlegel, mit Novalis und mit Friedrich Schelling und war Mittelpunkt der Jenaer Frühromantik. Ihre Nachbarin Therese Heyne (-Forster-Huber) verfasste zahlreiche Romane, war wie Caroline Michaelis eine überaus eifrige Briefeschreiberin, lange verantwortliche Redakteurin von Cottas »Morgenblatt für gebildete Stände« und damit die erste Frau, die eine Zeitung leitete. Auch Meta Wedekind (-Forkel-Liebeskind) war als Schriftstellerin hervorgetreten und später vor allem als Übersetzerin tätig. Dorothea (Rodde-)Schlözer wurde von ihrem Vater besonders intensiv geschult und allumfassend ausgebildet. Sie lernte mit vier Jahren lesen, mit fünf Mathematik und Geometrie, dann Französisch, Englisch, Italienisch, Schwedisch und Holländisch – später Lateinisch und Griechisch, aber auch Geschichte, Religion oder Mineralogie. Bei ihrer Promotion verblüffte sie vor allem durch ihre Kenntnisse im Bergbauwesen. Von ihren Professorenvätern unterstützt, bekamen die »Universitätsmamsellen« mehr Bildung als ihre Geschlechtsgenossinnen, lernten Sprachen, Naturwissenschaften oder Mathematik. Dies ermöglichte ihnen trotzdem keine universitäre Laufbahn und rief nicht nur Bewunderung hervor, sondern immer wieder Unverständnis. Sie spürten die Enge der Umgebung und der von ihnen geschlossenen Ehen umso deutlicher und suchten immer wieder Wege, daraus auszubrechen. Therese Heyne führte eine Dreiecksbeziehung mit Georg Forster und dem Schriftsteller Ludwig Ferdinand Huber. Caroline Michaelis war bereits mit dem Philosophen Friedrich Schelling liiert, als sie noch mit August Wilhelm Schlegel verheiratet war. Dorothea Schlözer lebte mit ihrem Gatten, dem Lübecker Bürgermeister Mattheus Rodde, und mit dem französischen Gelehrten Charles de Villers zusammen.
Reizvoll verwebt Eckart
Kleßmann die Lebensläufe der fünf Göttingerinnen miteinander, wobei spannende
Querverbindungen sichtbar werden. Doch zuweilen verliert man den Faden in diesem
fein verwobenen Beziehungsgeflecht. Kurzbiografien der porträtierten Frauen
sowie ein Register hätten den Lesegenuss sicherlich noch erhöht. Dennoch: ein
faszinierendes Buch über unkonventionelle Frauen in einer bewegten Zeit.
Britta Jürgs |
Eckhart Kleßmann |
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