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Die Weissen
»...endlich sich entfalten zu können, ohne von anderen oder dem Apparat gehindert zu werden.« Dr. Reiner Weiss


Ab Ende Februar sollen sie im Handel erhältlich sein, die ersten 5 Titel des weissbooks Verlags, den Dr. Reiner Weiss und Anya Schutzbach in Frankfurt am Main gegründet haben. Beide stiegen unter den bekannten Umständen im letzten Jahr bei Suhrkamp aus. 
»Unser Programmprofil ist so angelegt, dass das eine Auge immer auch auf die Verkäuflichkeit schaut. Und es soll immer einen Titel geben, der das Potenzial hat, ein breiteres Publikum zu erreichen – allerdings ohne ein gewisses Niveau zu unterschreiten«, erklärte Anya Schutzbach der Presse.
Tja, das mit dem Potential und dem Niveau ist so eine Sache, Bücher haben nämlich die dumme Eigenschaft, sich gelegentlich selbständig zu machen, und der Apparat, in dem man jahrelang auf hohem Niveau gelitten hat, war so schlecht nicht.

Das Konzept der, nun sagen wir einmal bemerkenswerten, Umschläge basiert, so Anya Schutzbach, auf der »Vision unseres Schweizer Grafikers und Gestalters. Fritz Gottschalk. Er hat beispielsweise den Schweizer Pass gestaltet und das Corporate Design der Olympiade von Montreal. Für ihn sind Fragen entscheidend wie: Wo gibt es ein Zuviel? Wie kann man die Welt, in der wir uns bewegen, ein bisschen schöner machen?«
Ich muß sagen, der Schweizer Pass gefällt mir besser. Und ob der damit beabsichtigte Effekt, den Verlag als Marke zu etablieren, aufgeht, wage ich zu bezweifeln. Ein Buch ist schließlich keine Tüte Milch.
Aber wie es so richtig heißt: »Don't jugde a book by its cover.« Sie haben ja auch sehr sprechende Titel: »Abweg«, »Vom Versuch, Geist und Geld zu Küssen«, »Lose Tage« und »Der Abend nach dem Begräbnis der besten Freundin«. Hoffen wir mal, daß es dazu nicht kommt. Ciorans »Aufzeichnungen aus Talamanca« werde ich jedenfalls lesen. Das heißt, wenn man mir nach diesen losen Bemerkungen noch ein Exemplar zuschickt. Nun schauen Sie doch nicht so böse ... ich drücke Ihnen ja doch die Daumen! Herbert Debes

E.M. Cioran
Aufzeichnungen aus Talamanca
weissbooks
Aus dem Französischen und mit einem Nachwort von Verena von der Heyden-Rynsch
Geb. mit Schutzumschlag
62 Seiten
€ 12,- (D) / € 12,40 (A) / Fr. 22.50
978-3-940888-24-2

E.M. Cioran, der große Denker, hielt sich vor über vierzig Jahren, von Ende Juli bis Ende August 1966, in Talamanca auf Ibiza auf. Die Insel der Glückseligen, die damals noch nicht von Blumenkindern, Aussteigern und Partysüchtigen besetzt war, hat Cioran die erhoffte Ruhe nicht geschenkt. An Ausspannen war nicht zu denken, weshalb er, vom Wetter und von Schlaflosigkeit geplagt („Die Hitze bringt alle meine Gebrechen zur Geltung“), zu schreiben begann und ein Sommertagebuch einer erloschenen Liebe hinterließ: „Diese Insel, die ich so geliebt habe, ist nicht mein Genre.“ Auch auf Ibiza konnte er seiner Befindlichkeit, die er „zwischen Grauen und Ekstase“ ansiedelte, nicht entgehen. Und dennoch war ihm klar: „Weit entfernt vom Mittelmeer zu leben, ist ein Irrtum.“
Ciorans „Cahier“ aus Talamanca ist ein kleines Buch mit großen Geistesblitzen – gescheit, anregend, für jede Stunde des Tages (und der Nacht).

Gisela Getty, Jutta Winkelmann, Jamal Tuschik
Die Zwillinge
oder Vom Versuch, Geist und Geld zu küssen
weissbooks
Geb. mit Schutzumschlag
390 Seiten
ca. € 22,- (D) / €22,70 (A) / Fr. 39.90
978-3-940888-01-3

Zwei Mädchen, Zwillinge, hübsch, unzertrennlich, begabt, die „Sterntaler“ genannt. Sie wachsen im Kassel der Fünfziger auf, studieren Kunst und machen Filme in den Sechzigern, gewinnen Preise, stürzen sich in die Politik und ziehen weiter nach Rom, Anfang der Siebziger. Dort tauchen sie ein in die Tempel der High Society und in Abbruchhäuser, die der Mafia gehören. Sie sind die Musen von Künstlern und selbst Künstlerinnen, ergriffen von der Vision, „Geist und Geld zu küssen“. Da begegnen die beiden ihrem amerikanischen Traum: Paul Getty, dem Enkel eines Milliardärs. Sie ziehen mit ihm zusammen, aber bald danach wird der junge Getty entführt, ihm wird, um die Zahlung von Lösegeld zu erpressen, das Ohr abgeschnitten, und das Leben der Zwillinge ändert sich über Nacht.

Zwischen Amerika und Europa begeben sich die beiden Frauen, Sucherinnen, auf verwegene Reisen – von einem Abenteuer zum anderen, von einer Herausforderung zur nächsten, getrieben von der Sehnsucht, sich ausschweifend endlich selbst zu finden. Dieses Buch erzählt ein Leben, das sich ein Romancier nicht hätte ausdenken können, erzählt von der Macht und Tragik des Zwilling-Seins und davon, dass es von der Hölle zum Himmel und umgekehrt nicht weit ist.

Andreas Höfele
Abweg
weissbooks
Geb. mit Schutzumschlag
110 Seiten
€ 16,- (D) / € 16,50 (A) / Fr. 29.50
978-3-940888-22-8

Gibt es das? Daß einer verschwindet, ohne Grund? Daß einer sich in Geschichten verwickelt, die er sich ausgedacht hat? Daß Anfälle von Panik einen jungen Mann so erschüttern, daß er ins falsche Milieu gerät? Daß jemand ganz außer sich gerät und binnen kurzer Zeit dramatische Veränderungen erfährt? Abweg ist eine eiskalte, fantastisch stilsichere und spannende Erzählung; sie spielt in einer mittleren deutschen Universitätsstadt, die Würzburg heißen könnte, und, so der Autor selbst, „in den späten siebziger Jahren, von denen mal jemand gesagt hat: Wer sich an sie erinnert, hat sie nicht erlebt.“

Jacqueline Moser
Lose Tag
weissbooks
Geb. mit Schutzumschlag
156 Seiten
€ 18,- (D) / € 18,50 (A) / Fr. 32.90
978-3-940888-21-1

„Lose Tage“ erzählt von einem Geschwisterpaar, von Adrian und Carla, von ausgelassenen Schwärmereien, der Liebe zur Musik und vielen mal bunten, mal grauen Augenblicken im Leben von Kindern, die erwachsen werden – und bald danach: erwachsen sind. In diesem Buch, so Arno Geiger, „fügt sich ein Moment zum nächsten, was zunächst „lose“ erscheint, fügt sich unspektakulär zu einem Ganzen, das mehr ist als die Summe seiner Teile“. Jacqueline Mosers Erstling ist ein leiser und eindringlicher, poetisch starker, ein eigenwilliger, kleiner-großer Roman – ist ein Mosaik, gebaut aus vielen schillernden Teilchen, ein Album, ein wundersam gestaltetes Tableau.


Marlene Streeruwitz
Der Abend nach dem Begräbnis der besten Freundin
Geb. mit Schutzumschlag
60 Seiten
€ 12,- (D) / € 12,40 (A) / Fr. 22.50
978-3-940888-23-5

Eine Frau auf dem Weg nach Hause. Sie kommt vom Begräbnis ihrer besten Freundin, sechs Stunden ist das her, und im Straßenverkehr denkt sie, wieder und wieder, an Lilli. Daran, wie sie es mit den Männern gehalten hat, wie mit den Bindungen, die man lebenslang eingeht, der Familie, den Kindern, wie mit den vielen kleinen und auch größeren Lügen, dem Abtauchen in Affairen und wie mit der tödlichen Krankheit. Und daran, wie die Ketten um Lilli immer enger geworden sind. „Sie war so damit beschäftigt, das Sterben ernst zu nehmen, dass sie den Tod übersehen hat.“ Marlene Streeruwitz beleuchtet in dieser hochkonzentrierten, bezwingenden Suada ein Stück Leben, wie es viele gibt, nur: „So dicht, so rasant, so spannend wie Marlene Streeruwitz erzählt sonst keine.“ (Iris Hanika in der Süddeutschen Zeitung)
 

 

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