Glanz & Elend Magazin für Literatur und Zeitkritik




Die menschliche Komödie
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Zum 5-jährigen Bestehen ist
ein großformatiger Broschurband
in limitierter Auflage von 1.000 Exemplaren
mit 176 Seiten, die es in sich haben.

 

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Ulrich Breth über die Metamorphosen des großen Rätselhaften mit 7 Songs aus der Tube

Glanz&Elend - Die Zeitschrift
Zum 5-jährigen Bestehen ist ein großformatiger Broschurband in limitierter Auflage von 1.000 Exemplaren mit 176 Seiten, die es in sich haben:

Die menschliche Komödie als work in progress

»Diese mühselige Arbeit an den Zügen des Menschlichen«
Zu diesem Thema haben wir Texte von Honoré de Balzac, Hannah Arendt, Fernando Pessoa, Nicolás Gómez Dávila, Stephane Mallarmé, Gert Neumann, Wassili Grossman, Dieter Leisegang, Peter Brook, Uve Schmidt, Erich Mühsam u.a., gesammelt und mit den besten Essays und Artikeln unserer Internet-Ausgabe ergänzt. Inhalt als PDF-Datei
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Martin Brandes

Herr Wu lacht
Chinesische Geschichten
und der Unsinn des Reisens

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Anleitung zum Bessersein

Das Grünbuch
»WorldChanging. Das Handbuch der Ideen für eine bessere Zukunft« versammelt Ausgabe Vorschläge und Gedanken für eine bessere, gerechtere und sauberere Welt.

»Ihr chinesischer Radiowecker klingelt und weckt Sie mit den BBC-Nachrichten. Sie schlagen Ihre Bettdecke mit einem Bezug aus ägyptischer Baumwolle zurück und steigen unter die Dusche. Nach dem Abtrocknen schlüpfen Sie in Unterwäsche aus der Türkei, ziehen Ihre Jeans aus Lesotho an und dazu das blaue Lieblingshemd aus Sri Lanka. Eine Tasse Kaffee aus Tansania, etwas Orangensaft aus Sizilien, und schließlich fahren Sie zur Arbeit – in Ihrem japanischen Auto, das in Kentucky zusammengebaut wurde und mit Treibstoff aus Saudi-Arabien, Nigeria und Russland fährt. Guten Morgen!«

So sieht sie aus, die Globalisierung, die uns alle längst erfasst hat und unsere Wirklichkeit prägt. Mit dieser Verweltlichung allen Seins geht ein geweiteter Blick für die wesentlichen Herausforderungen unserer Zeit einher, d.h. für Klimawandel und globale Gerechtigkeit, Menschenrechte oder das Recht auf Bildung, die gerechte Verteilung von Energieträgern und Ressourcen, den Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen und Kommunikationsmitteln. Nicht bei allen, wie die aktuelle Wirtschafts- und Finanzkrise zeigt, aber doch bei einem beachtlichen Teil der Weltbevölkerung. Immer mehr Menschen wollen über die existierenden Ungleichheiten dieser Welt nicht mehr hinwegsehen und in ihrem Einflussbereich die Welt ein wenig besser und gerechter machen. Der Anteil derjenigen, die dafür zu verzichten bereit sind, wird auch immer größer. Ob es die Patenschaft bei Plan International, ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr in Südamerika oder aber der Wechsel zur Energiesparbirne ist – immer mehr sind Teil dieser globalen, sozialrevolutionären, generations- und weltgerechten Spontan-Bewegung.

Der Sammelband „WorldChanging. Das Handbuch der Ideen für eine bessere Zukunft“, dessen Vorwort kein geringerer als Amerikas grünes Gewissen Al Gore verfasst hat, präsentiert solche Initiativen und setzt sich mit Fragen der globalen Gerechtigkeit, dem Klimawandel und anderen akuten Problemen unserer Zeit auseinander. In sieben Kapiteln haben die Autoren bereits verwirklichte Initiativen und Leuchtturmprojekte sowie noch unversuchte Projektideen und Lösungsansätze für die Bewältigung der globalen Herausforderungen gesammelt. Diese sind dann den Bereichen Konsum, Wohnen, Städte, Gesellschaft, Wirtschaft, Politik und Unser Planet zugeordnet. So ist auf nicht einmal 500 Seiten ein differenzierter Fundus an Lösungsmodellen entstanden, der seinesgleichen sucht.

Neben Erläuterungen zu den nachhaltigen Energiequellen oder Sanierungsideen für kontaminiertes Land finden sich auch konkrete Projekte wie die populäre „One Laptop per Child“-Initiative oder die weniger bekannte „Adopt-A-Minefield“-Aktion. Man findet ebenso selbstverständlich Informationen über den Nachhaltigkeitsindex des Dow Jones wie über die fotografische Dokumentation des Klimawandels. Innovativ warten die Autoren mit kreativen, jedoch nicht abwegigen Ideen auf, z. Bsp. kompostierbaren Flüchtlingslagern, einem Weltraumlift oder dem Wohnstraßenkonzept. Man erfährt, warum moderne Kochstellen den Krieg in Darfur eindämmen könnten oder wieso Bürgermedien die Demokratie befördern. Der Band hält jedoch nicht nur allgemeine Auskünfte parat, sondern gibt auch ganz konkrete Tipps für die Verbesserung der persönlichen Lebensführung, vom Energiesparen über besseren Konsum bis hin zu Ratschlägen für eine zivilisierte Protestkultur. Und er hält auch nicht hinterm Berg, welche Firmen, Marken und Konzerne faire Produktions- und Handelslösungen suchen und umsetzen, während andere skrupellos den Weltmarkt erobern. „WorldChanging“ ist nicht, wie man erwarten könnte, ein verqueres Sammelsurium absurder Kopfgeburten von manischen Weltverbesserern, sondern eine durchaus ernstzunehmende Sammlung politischer und gesellschaftlicher Initiativen und Projekte, die die Probleme unserer Zeit einfallsreich und praktikabel angehen.

Und dennoch bleibt für die erste Auflage ein Wermutstropfen. Angesichts der alles ergreifenden Wirtschafts-, Währungs- und Finanzkrise fällt der Wirtschaftsteil des Buches mit gerade einmal 14 Seiten [!] mehr als bescheiden aus. Das sind weniger als 3 Prozent des ganzen Buches. Da ist man versucht, von einer wirtschaftspolitischen Armutserklärung sprechen. Liegt das vielleicht daran, dass sich der linkskonservative Mainstream der Weltverbesserer nicht für die Wirtschaft interessiert? Das ist nicht zu hoffen, denn wie die aktuelle und wohl noch ein Weilchen andauernde Misere zeigt, sind es gerade die Armen und Benachteiligten dieser Welt, die die Krise besonders hart trifft. Komisch wäre es allemal, wo doch Wirtschaftswissenschaftler wie Paul Krugman oder Banker wie Muhammad Yunus Nobelpreise für ihre entwicklungspolitisch sensible Arbeit erhalten.

Zum Glück beansprucht das Projekt WorldChanging keineswegs, abschließende Lösungen gefunden zu haben. Der Herausgeber Alex Steffen ermutigt die Leser der nun mit zweijähriger Verzögerung vorliegenden deutschen Dokumentation in seinem Vorwort, über die Plattform www.worldchanging.com Probleme und Fehler des Buches zu melden und eigene Vorschläge für die weiteren Ausgaben einzubringen. Und es funktioniert offensichtlich. So wurden zumindest auf der WorldChanging-Homepage einige Defizite im wirtschaftspolitischen Bereich in den vergangenen Wochen ausgeglichen und man kann dann u.a. nachlesen, warum sich die Wirtschaft erst wieder stabilisieren kann, wenn gewisse Manager und Konzerne den Sinn des Wörtchens „Genug“ verstanden haben. Außerdem finden sich online inzwischen weitere innovative Projekte, wie die argentinischen „Casa de Botellas“, worunter man sich einen Lösungsansatz für das Wohn- und Müllproblem von Drittweltländern vorstellen kann, indem man Wohninfrastruktur aus gebrauchten Plastikflaschen herstellt. Oder der „Jellyfish“, ein für jedes Eigenheim geeignetes Windrad, das genug Strom für einen Monat Belichtung bereitstellt. Man sieht aber auch die konkreten Konsequenzen des Klimawandels, zum Beispiel wenn eine Londoner McDonalds-Filiale im wahrsten Sinne des Wortes absäuft.

„Worldchanging“ und WorldChanging Online bieten eine wahre Fundgrube für all jene, die auf der Suche nach einem global gerechteren Leben sind. Es braucht viel Mut und Optimismus, um angesichts der Masse an globalen Problemen eine solch zuversichtliche Ideensammlung herauszugeben. Doch „WorldChanging“ erscheint genau zur richtigen Zeit. Die Welt ist noch immer verzaubert vom positivistischen Schlachtruf der Obamaniaks. „Yes, we can!“ Und eben diesen motivierenden Ton treffen auch die Verfasser dieses Bandes, dessen prächtiges und repräsentatives Layout genau seinem Anspruch entspricht. Er gehört nicht nur in die Hände der Ökos dieser Welt, sondern auf die Schreibtische von Politikern, Konzernlenkern und Journalisten weltweit, um gerade angesichts der Krise sinnvolle und zukunftsträchtige Ideen für eine bessere Zukunft zu liefern. Im mausgrauen Ökolayout stünden die Chancen dafür wohl schlecht, so aber ist es ein enzyklopädisches Schmuckstück, zu dem man schon allein aufgrund der Optik gerne greift und darin blättert. Als ein solches visuelles Kleinod mit imposantem Inhalt gehört diese „Anleitung für ein gutes Gewissen“ auch in die erste Reihe eines jeden öffentlichen und privaten Bücherregals, um jeden zum Weiter- und Umdenken einzuladen. Denn Veränderung beginnt zuerst bei uns selbst! Thomas Hummitzsch

Alex Steffen (Hrsg.):
WorldChanging
Das Handbuch der Ideen für eine bessere Zukunft.
Mit einem Vorwort von Al Gore
Bearbeiter der deutschen Ausgabe: Birgit Baindl, Ulf Doerner, Heike Leitschuh, Max Leuprecht, Till Meyer.
Verlag Knesebeck. München 2008.
480 Seiten
39,95 €.
ISBN: 3896605992

 


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