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Die Zeitschrift
Zum 5-jährigen Bestehen
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in limitierter Auflage von 1.000
Exemplaren
mit 176 Seiten, die es in sich haben:
Die menschliche
Komödie
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Menschlichen«
Zu diesem Thema haben
wir Texte von Honoré de Balzac, Hannah Arendt, Fernando Pessoa, Nicolás
Gómez Dávila, Stephane Mallarmé, Gert Neumann, Wassili Grossman, Dieter
Leisegang, Peter Brook, Uve Schmidt, Erich Mühsam u.a., gesammelt und mit den
besten Essays und Artikeln unserer Internet-Ausgabe ergänzt.
Inhalt als PDF-Datei
Dazu erscheint als
Erstveröffentlichung das interaktive Schauspiel »Dein Wille geschehe«
von Christian Suhr & Herbert Debes
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Christian Suhr als Woyzeck
Der
ärmste aller Hunde
»Woyzeck - Ein
Abschied in einem Akt«
Ein
mitreißender Theaterabend im Philippshospital Riedstadt
In
seinem Lustspiel »Leonce und Lena« stellt Büchner die Frage:
»Weißt
Du auch, dass selbst der Geringste unter den Menschen so groß ist, dass das
Leben noch viel zu kurz ist, um ihn lieben zu können?«
Mit Woyzeck hat er einen solchen »Geringsten«
geschaffen. Woyzeck, Soldat und Barbier, wird vom Hauptmann gedemütigt, vom
Doktor für ein »wissenschaftliches
Experiment«
missbraucht. Er tut es für Geld, das er Marie bringt, die ein Kind von ihm hat.
Ist es wirklich von ihm? Woyzeck ist eifersüchtig auf den Tambourmajor, mit dem
Marie ihn betrügt. Er versucht, sie zur Rede zu stellen und sich seinem Freund
Andres mitzuteilen – doch niemand hört zu. Er beginnt, Stimmen zu hören.
Verstört und einsam ersticht Woyzeck seine geliebte Marie, und mit Marie hat er
sich am Ende selbst getötet.
WARUM? Woyzeck weiß es nicht.
In
einem Brief an Maria von Thurn
und Taxis schrieb Rainer Maria Rilke am 9. Juli 1915 über Büchners Woyzeck:
»…
Eine ungeheure Sache, vor mehr als achtzig Jahren geschrieben … nichts als das
Schicksal eines gemeinen Soldaten (um 1848 etwa), der seine ungetreue Geliebte
ersticht, aber gewaltig darstellend, wie um die mindeste Existenz, für die
selbst die Uniform eines gewöhnlichen Infanteristen zu weit und zu betont
erscheint, wie selbst um den Rekruten Woyzeck, alle Größe des Daseins steht, wie
er’s nicht hindern kann, dass bald da, bald dort, vor, hinter, zu Seiten seiner
dumpfen Seele die Horizonte ins Gewaltige, ins Ungeheure, ins Unendliche
aufreißen, ein Schauspiel ohnegleichen, wie dieser missbrauchte Mensch in seiner
Stalljacke im Weltall steht, malgré lui, im unendlichen Bezug der Sterne. Das
ist Theater, so könnte Theater sein.«
Und so
war es an diesem eisigen Winterabend im Festsaal des
Zentrums für
soziale Psychiatrie in Riedstadt. Woyzeck stand auf dem Spielplan der
BüchnerBühne. Ohnehin keine leichte Kost.
Büchners Woyzeck-Manuskript mit Skizze
des Arztes und des Hauptmanns
Und die erstaunlich zahlreichen Zuschauer, welche den beschwerlichen
Weg über glatte Landstrassen ins Philippshospital auf sich genommen hatten, wurden zudem mit einem
Experiment konfrontiert, dessen Gelingen keinesfalls als sicher gelten konnte.
Denn: »Es war einmal ein arm Kind
und hatt' kein Vater und keine Mutter, war alles tot, und
war niemand mehr auf der Welt. Alles tot, und es is hingangen und hat gesucht
Tag und Nacht. Und weil auf der Erde niemand mehr war, wollt's in Himmel gehn,
und der Mond guckt es so freundlich an; und wie es endlich zum Mond kam, war's
ein Stück faul Holz. Und da is es zur Sonn gangen, und wie es zur Sonn kam,
war's ein verwelkt Sonneblum. Und wie's zu den Sternen kam, waren's kleine
goldne Mücken, die waren angesteckt, wie der Neuntöter sie auf die Schlehen
steckt. Und wie's wieder auf die Erde wollt, war die Erde ein umgestürzter
Hafen. Und es war ganz allein. Und da hat sich's hingesetzt und geweint, und da
sitzt es noch und is ganz allein.«
Und
ganz allein stand auch Christian Suhr auf der Bühne und zeigte seine verdichtete
Interpretation »Woyzeck - Ein Abschied in einem Akt« des Büchner-Fragments als Einpersonenstück.
Seine mitreißende Präsenz und Intensität der Darstellung erweckte für
knapp eine Stunde jenen von Rilke so treffend skizzierten Woyzeck zum Leben, der
rettungslos auf die Katastrophe zudriftet. Der ärmste aller Hunde,
mutterseelenallein, von den Repräsentanten der Verhältnisse auf eine willfährige
Stoffwechseleinheit reduzierte Existenz, ohne jede Hoffnung, nicht die geringste
Chance, dem Verhängnis zu entkommen.
Der Mörder allein mit dem Opfer – nach der
Tat. Ein Gespräch mit den Toten. Ein Blick in den eigenen Abgrund.
Es war ein mutiger Parforceritt des Schauspielers, der die Risiken, welche die körperliche Nähe zum Publikum
birgt, nicht scheute, ja sie zu suchen schien. Suhr beherrscht das Spielen en
face so gut, daß es einem Angst werden konnte an diesem Winterabend, an dem man
im Philippshospital in Riedstadt hervorragendes schauspielerisches Handwerk und
eine originäre Regie zu sehen und zu spüren bekam. Theater, das jeder
Kammerspielbühne zur Ehre gereichen würde.
Theater ist, wo gespielt wird
Die BüchnerBühne ist ein Theater in Büchners Geburtsort, das der in Goddelau
gebürtige Regisseur und Schauspieler Christian Suhr 2008 gegründet hat. Noch ist
es ein Theater ohne Haus, ein Theater ohne Geld, und ein Theater, das, nicht
nachvollziehbar, von der Leitung des Kulturamtes Riedstadt keine Unterstützung erfährt.
Es scheint fast, als habe man Angst vor diesem Einheimischen, der mit seinen
Arbeiten eine belebende Unruhe in die Region gebracht hat. Und so lebt die BüchnerBühne
vorerst von dem Beharrungsvermögen ihres Betreibers Christian Suhr und der
Begeisterung des Publikums der Region, das Suhrs Initiative und die Qualität
seiner Inszenierungen zu schätzen weiß. Ebenso wie die Leitung des Zentrums
für soziale Psychiatrie, die der BüchnerBühne den Festsaal des Philippshospital
für ihre Woyzeck Aufführungen unentgeltlich zur Verfügung stellt. Ein schöner
Beleg dafür, daß Provinz eine Frage des Kopfes und nicht des Landstriches ist.
Das aber hat auch schon Georg Büchner zu spüren bekommen, dessen Werk lebendig
zu erhalten die BüchnerBühne mit Christian Suhr auf dem besten Weg ist. Franz
Tunda
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Wieder am 14.02.2009 im:
Festsaal ZSP
(Zentrum f. soziale Psychiatrie)
64560 Riedstadt-Philippshospital
Beginn: 19:30
Eintritt: 12,- €, erm. 5,- €
Im Anschluss Publikumsgespräch
Vorbestellungen:
tickets@buechnerbuehne.de
06158 188854
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