Glanz&Elend Literatur und Zeitkritik

 

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Coole Bücher für heiße Tage

10 Lesetipps mit Qualitätsgarantie

Western schmöckern

Ein Kriegsveteran, der nichts mehr zu verlieren hat, ein Rancher ohne Furcht und Skrupel und ein Ladenbesitzer, der mit gefährlicher Ware handelt. In Elmore Leonards spannendem Western treffen drei Männer aufeinander, deren Wege sich besser nie gekreuzt hätten.
Paul Cable war für die Konföderierten in den amerikanischen Bürgerkrieg gezogen. In Tennessee hatte er sich dem 8. Texas-Kavallerie-Regiment angeschlossen, das unter dem Befehl von General Nathan Bedford Forrest stand. Als Cable im November 1864 mit seinen Kameraden den Duck River überquerte, um die Unionskavallerie zurückzudrängen, wurde er schwer verwundet. Von da an war der Krieg für ihn vorbei, obwohl im Osten des Landes noch gekämpft wurde. Er kehrt mit seiner Familie nach Arizona zurück, um sein altes Leben wieder aufzunehmen. Aber in Arizona haben sich die Dinge geändert. Vor dem Gesetz gilt Cable als Rebell, und zwei Brüder, beide Anhänger der Union, haben sein Hab und Gut konfisziert. Wahrscheinlich ist für Cable der Krieg doch noch nicht vorbei. Denn niemand vertreibt ihn ungestraft von seinem Land …

Elmore Leonard - Letztes Gefecht am Saber River - Roman - Liebeskind Verlag- Übersetzt von Florian Grimm - 256 Seiten - € 22,00 - 978-3-95438-176-0


Begegnungen

Diesmal ist es etwas anderes. Darauf hofft Ina jedes Mal, wenn sie sich verliebt. Doch es geht immer schief. Sie arbeitet in einem Tattoo-Studio und wohnt mit ihrem Sohn Henry in der Siedlung »Am Kastanienbaum«, irgendwo mitten in einer großen Stadt. Dort gibt es noch mehr Menschen wie Ina, 1.583 genauer gesagt.
Sie leben nah beisammen und bleiben doch allein. Da ist Herr Bello, der am liebsten im Faltenrock tanzt. Samy, der davon träumt, eine Ente zu streicheln. Und Frau Arslan, die Gedichte in Pralinenschachteln versteckt. Sie alle eint die Sehnsucht nach Glück und Verbundenheit.
Eines Tages macht Baggerfahrer Paco eine schicksalhafte Entdeckung: Eine Weltkriegsbombe liegt unter der Erde. Darauf geschieht in der Siedlung etwas Wundersames. Die Menschen kommen einander näher, als es möglich schien. Und Ina begegnet dem Mann, mit dem es etwas anderes ist.
»Wäre Ina eine Minute später losgerannt, hätte sie Herrn Bello in seinem karierten Pyjama sehen können, wie er die Schlafzimmervorhänge aufzieht, das Fenster aufmacht und mit ernster Miene hinausschaut. Obwohl sie es eilig gehabt hätte, hätte Ina Herrn Bello zugewunken, sie kennt ihn vom Sehen, und Herr Bello hätte ›Guten Morgen‹ gesagt. Und damit hätte er an diesem Tag viel früher als sonst gesprochen. Es wäre eine flüchtige Begegnung gewesen, nichts Außergewöhnliches, nur ein kleiner Moment, der das Alleinsein überdeckt hätte.«

Tanja Kokoska - Guten Morgen, schönes Wetter heute - dtv - 352 Seiten - 23,00 € - 978-3-423-28562-9
 

Die Frage der Engel

Alle hundert Jahre fragen zwei Engel: »Schwärmen die Bienen noch?« – und solange sie es tun, ist die Welt noch nicht verloren. Diese alte islamische Erzählung wird zum Schlüssel für die Anthropologin und Imkerin Larisa Jašarević, die in den Bergen Bosniens erforscht, wie sich der Klimawandel auf Honigbienen auswirkt. Während ihre Bienen ums Überleben kämpfen und kaum noch ohne menschliche Hilfe auskommen, sucht Jašarević Antworten in unerwarteten Quellen: Sie liest die heiligen Texte des Islams – den Koran und den Hadith – und entwickelt daraus eine Ökologie des nahenden Endes. Die traditionellen islamischen Endzeitüberlieferungen erweisen sich als überraschend praktische Strategien für das Leben in der Klimakrise. Jašarević zeigt, wie sich spirituelle Traditionen und wissenschaftliche Feldforschung ergänzen können. Die Frage der Engel wird zur Frage unserer Zeit: Wie leben wir weiter, wenn die Welt, wie wir sie kennen, zu Ende geht?
Larisa Jašarević zeigt, wie modernes ökologisches Denken und islamische Quellen – nicht zuletzt durch ihre Unterschiede – einander ergänzen, und warum die Ökologie es sich nicht leisten kann, die Eschatologie zu ignorieren, so wie keine Religion die globalen Umweltkatastrophen ignorieren darf.

Larisa Jašarević - Imkern in der Endzeit - Die Bienen, der Koran und die Klimakrise - 234 Seiten - Übersetzt von Dirk Höfer - 28,00 € - 978-3-7518-2105-6


Perspektiven

Triest, 1920. Mattia ist ein Faschist der ersten Stunde. Mattia ist nicht gerade liebenswürdig, eher ein Schlägertyp, ein zerrissener Mensch voller Widersprüche, voller Wut. Sein Gesicht ist noch bartlos, weshalb man ihn Bambino nennt, aber seine Schläge sind so hart, dass die halbe Stadt sich vor ihm fürchtet. Mattia weiß nicht, wer seine Mutter ist. Gar eine von drüben? Eine Slowenin? Sein Vater, der Antifaschist und Uhrmacher, will es ihm nicht verraten. In den Wirren des Zweiten Weltkriegs verliert Mattia schließlich alle Gewissheiten, und muss erfahren, dass der Gewinner von heute der Verlierer von morgen sein kann.

Marco Balzano - Bambino - Aus dem Italienischen von Peter Klöss - Diogenes - Hardcover Leinen - 256 Seiten - 25,00 € - 978-3-257-07352-2

 

Turbulenzen

Anfang der 90er Jahre ist die Welt eine Verheißung und Jakob Dreiser mittendrin: Der junge Dichter wird in Rom für sein Werk gefeiert, der Kalte Krieg ist endlich Geschichte und die russische Botschaft lädt zum Gartenfest mit Krimsekt und Piroggen. Die Welt strebt nach Frieden und Glück – und diesmal scheint sie es ernst zu meinen. Dieter Germeshausen dagegen kann sein Pech kaum fassen. Jahrelang war er Geheimdienstmitarbeiter und Doppelagent, nun muss er dringend untertauchen. Ausgerechnet jetzt, wo er zum ersten Mal verliebt ist. Germeshausen braucht einen Plan, so viel steht fest. Und er braucht Jakob Dreiser. Denn für seinen großen Coup gibt es keine bessere Tarnung als einen international gefeierten Dichter. Eine herrlich turbulente Geschichte über Sehnsüchte, Täuschungen und das Scheitern im Moment der vermeintlichen Freiheit. Kristof Magnusson verwandelt eine Zeit historischer Umbrüche in einen unvergleichlichen Abenteuerroman.

Kristof Magnusson - Die Reise ans Ende der Geschichte - Klett-Cotta - 288 Seiten - 25,00 € - 978-3-608-96668-8


Odyssee

Erwin Piontek, Bergmann im Ruhestand, geht seinen Lebenstraum – eine Weltumseglung – bescheiden an: im Boot auf einem Stausee. Doch während er segelt, wird er ein anderer, beginnt für ihn eine höchst abenteuerliche Reise, die ihn durch Zeiten und Kontinente führt: Plötzlich kämpft er als Soldat in Deutsch-Südwestafrika, bald darauf gerät er in Gefangenschaft und soll in Berlin, um der Gerechtigkeit willen, einen grausamen Offizier töten, muss dann schwimmend flüchten, geht unter ... und taucht neugeboren 1979 wieder auf, wird polnischer Präsident und ringt um die Macht in einem nach rechts gerückten Europa.
Ein Name reicht Szczepan Twardoch, um ein literarisches Feuerwerk zu zünden und nebenher das 20. und 21. Jahrhundert zu erzählen. Ein Mann, der seinen Träumen durch Zeiten und Epochen hinterherjagt – derselbe Mensch in drei unterschiedlichen Leben. Wie bin ich geworden, der ich bin? Warum ist der Mensch zerrissen zwischen der Sehnsucht nach Ferne, dem Anderen – und der nach Heimat? Ein Abenteuer, eine Feier der Freiheit, das Neue zu denken und zu tun.

Szczepan Twardoch - Sehnsucht
- Übersetzt von Olaf Kühl - Rowohlt
224 Seiten - 24,00 - 978-3-7371-0232-2




Im Schatten der Bohrtürme

Ein elegant gekleideter Toter wird in der Jicarilla Apache Reservation gefunden, am Rand eines Gasfelds. Sergeant Jim Chee nimmt die Ermittlungen auf und stößt gegen Mauern: Das FBI unterschlägt wichtige Informationen, und die Identität des Mannes bleibt zweifelhaft. Warum wurde er erschossen?
Der pensionierte Joe Leaphorn vermutet hinter den rätselhaften Umständen nicht allein ein Verbrechen an der Navajo-Nation, sondern jenen Milliardenschwindel, der bis in die höchsten Kreise reichte und die amerikanische Justiz jahrzehntelang beschäftigte. Inmitten von Sandpisten, Bohrtürmen und Schmugglerrouten folgen Leaphorn und Chee flüchtigen Spuren – und bald droht Chee das zu verlieren, was ihm am meisten bedeutet.

Tony Hillerman - Geheime Kanäle
- Kriminalroman - Aus dem Englischen von Fried Eickhoff - Ein Fall für die Navajo-Police (15) - Unionsverlag - 19.50 € - 272 Seiten - 978-3-293-20967-1
Leseprobe & Infos


Meisterlich schlecht

»So waren mir in kurzer Zeit die schönen bunten Wiesen in den Gründen des deutschen Parnasses, wo ich so gern lustwandelte, unbarmherzig niedergemäht und ich sogar genötigt, das trocknende Heu selbst mit umzuwenden und dasjenige als tot zu verspotten, was mir kurz vorher eine so lebendige Freude gemacht hatte.« Schreibt Goethe über Goethe, und zwar in Dichtung und Wahrheit – und ist denn die Wahrheit nicht auch Goethe zumutbar? Aber wahr ist auch: Das Missratene, das Platte, Matte und Fade, das hier versammelt ist, ist immerhin von Goethe und wenigstens noch witzig. Dafür sorgen nicht zuletzt Hauck & Bauer.

„Bei dem Glanze der Abendröte
Ging ich still den Wald entlang,
Damon saß und blies die Flöte,
Daß es von den Felsen klang.
So la la!

Und er zog mich, ach, an sich nieder,
Küßte mich so hold, so süß.
Und ich sagte: Blase wieder!
Und der gute Junge blies,
So la la!

Meine Ruhe ist nun verloren,
Meine Freude floh davon,
Und ich höre vor meinen Ohren
Immer nur den alten Ton,
So la la, le ralla!“

Goethes schlechteste Gedichte - mit Cartoons von Hauck & Bauer - ausgewählt von Gottlieb Amsel - Jung undJung - 64 Seiten - 12,00 € - 978-3-99027-255-8

Die Welt der Superreichen

Sehr lange Yachten, extravagante Partys, katastrophensichere Luxusbunker, Wirtschaftskriminalität jeder Art und immenser politischer Einfluss - so lebt eine priviligierte Schicht, die nicht nur ihre Bodenhaftung verloren, sondern auch jegliches Wertesystem über Bord geworfen hat.
Für die kleine, verschworene Gemeinschaft rund um die größten Yachten der Welt hat die Messe in Palm Beach die vielversprechende Aura eines Trainingslagers nach der Winterpause. Zu Beginn der Sommersaison bietet sie Maklern, Bootsbauern und Eignern die Gelegenheit, sich einen Eindruck von den neuesten Produkten zu verschaffen und Informationen zu sammeln: Wer steigt ein? Wer steigt aus? Und am dringlichsten: Wer hat ein Auge auf ein größeres Boot geworfen? An den Docks sortieren Makler die Menschenmenge nach ihrem Potenzial.
Ein CEO aus dem Silicon Valley sagte mir, der Reiz von Booten liege unter anderem darin, dass sie "den größten Teil des überschüssigen Kapitals absorbieren können". Aber diese Schreine überflüssigen Kapitals existieren in einem Zustand bedingter Sichtbarkeit: Für eine schmale Schicht der Gesellschaft sollen sie unverkennbar sein – und für alle anderen so gut wie unsichtbar.

Evan Osnos - Yacht oder nicht Yacht - Nachrichten aus der Welt der Ultrareichen - Aus dem Englischen von Andreas Wirthensohn - C.H. Beck
315 Seiten - 20,00 € - 978-3-406-84400-3 - Leseprobe & Infos



Am Leben wachsen

Neue Erfahrungen führen uns an die Schwelle zu einem anderen Leben. Aber wagen wir auch den nächsten Schritt? Das erste Mal ohne Stützräder Fahrrad fahren. Eine Auster essen. Den Job verlieren. Jede neue Erfahrung könnte uns aufrütteln und unser Leben verändern. Der erste Kuss kann uns die Liebe eröffnen – oder verderben. Fritz Breithaupt zeigt in seinem faszinierenden Buch, dass die Konturen unseres Lebens fundamental von Erfahrungen bestimmt werden: von solchen, die wir zum ersten Mal machen, von Wiederholungen oder von imaginierten Erlebnissen.

Das erste Mal öffnet Türen – oder schließt sie. In der Wiederholung können wir vergleichen, genießen, beurteilen, revidieren. Wir entwickeln Standards. Das erlaubt uns, auszusortieren. Wiederholungsfixierung, sei es im eigenen Leben oder in der Politik, kann allerdings auch zur Vermeidung des Neuen führen. Imaginierte Erfahrungen schließlich sind die geheimen Leitsterne unserer Navigation. Denn auch das ungelebte Leben pocht auf seine Geltung. Breithaupt stützt sich auf reiche Befunde der Psychologie und Philosophie, verarbeitet neue wissenschaftliche Erkenntnisse seines eigenen Labors und durchleuchtet die Archive auf der Suche nach Aufzeichnungen sexueller und ästhetischer Natur. An unseren vielschichtigen Erlebnisweisen zeigt sich, was uns von intelligenten Maschinen unterscheidet: Wir Menschen sind Erfahrungswesen.

Fritz Breithaupt - Einmal, zweimal, keinmal - Wie wir Erfahrungen machen
Suhrkamp - 280 Seiten - 28,00 € - 978-3-518-58839-0 - Leseprobe & Infos


Artikel online seit 11.07.26

 


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