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»Es
kann als eine kleine Sensation gelten, daß vor einigen Jahren ein
bislang unbekanntes Manuskript von Mark Rothko entdeckt wurde.«
Vom 8. Februar bis 27.
April zeigt die Kunsthalle München über 100 Gemälde und Papierabeiten
von Mark Rothko.
C. H. Beck |
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Mit den Augen eines Weltenbummlers
Der unbestrittene
König der Aktfotografie Andreas H. Bitesnich beweist, dass er nicht nur den
menschlichen Körper einmalig in Szene setzen kann. In dem Fotoband »Travel«
sind knapp neunzig atemberaubende Reisefotografien aus sechzehn
verschiedenen Ländern versammelt.
Ein nacktes
Kind auf antikem Stein. Eine schlichte Holzkette ist das einzige, was es am
Körper trägt. Ein alter Fahrradreifen zieht einen Kreis um den kaum ein Jahr
alten Erdenbürger mit den fragend dunklen Augen. Ein nahezu religiöses Bild,
wie die Abbildung eines neuzeitlichen Buddhas. Mindestens sechshundert Jahre
liegen zwischen der ersten des Kindes und der letzten Bewegung des Steins,
denn so alt sind die Mauern von Angkor Wat in Kambodscha. Man sieht ihnen
die Jahrhunderte, die ihre Geschichten in den Stein graviert haben. Man
erkennt noch die Spuren des Dschungels, der sich jahrzehntelang über die
Ruinen der untergegangenen Hauptstadt des einst berühmten Khmerreiches
gelegt hatte. Von einem ganz anderen Untergang zeugt das verbrauchte
Fahrradteil, dessen schwarzer Gummi an die Latschen der Roten Khmer
erinnert, diesen Radikalkommunisten, deren Schuhwerk aus altem Reifengummi
hergestellt wurde. Mehr als eine Million Menschen sind während der
vierjährigen Herrschaft der kambodschanischen roten Garden ums Leben
gekommen – ermordet und dahingerafft. Ein ganzes Land wurde binnen kürzester
Zeit sowohl seiner Vergangenheit als auch seiner Zukunft beraubt. Die
Verbrechen wurden bis heute nicht bestraft, so dass das Land unter einer
Dunstglocke aus Schuld und Leid vor sich hindämmert. Einzig die kommenden
Generationen werden überwinden können, was die zurückliegenden Jahrzehnte
dem Land und seinen Menschen angetan haben.
All
das in einer Fotografie zu vereinen, den Ruhm und den Schrecken vergangener
Tage sowie die Hoffnung auf eine bessere Zukunft, erfordert kein Glück. Es
bedarf dem Gespür für den Moment in den gegebenen Umständen und die
Fähigkeit, diesen Moment gebührend und mit Respekt einzufangen, ihn
festzuhalten und nicht mehr loszulassen. Diese Kunst beherrscht der Fotograf
Andreas H. Bitesnich in Perfektion, wie sein Bildband „Travel“ beweist. Was
mit Seitenblicken und Schnappschüssen während seiner Auftragsreisen begann,
ist heute zu einer wahren Leidenschaft des Österreichers geworden, denn
inzwischen nimmt er sich Zeit für seine Kameraexpeditionen. Die Zeugnisse
sind nun in der fotografischen Dokumentation seiner Reisen von 1994 bis 2001
versammelt. In dieser Zeit bereiste er Ägypten, Costa Rica, die
Dominikanische Republik, England, Frankreich, Italien, Kambodscha, Kenia,
Kuba, die Philippinen, Portugal, die Schweiz, Spanien und Thailand. Außerdem
sind natürlich Bilder aus seinen beiden Heimatländern Österreich und den USA
in dem Bildband. Bitesnich wird in „Travel“ zum Geschichts- und
Geschichtenerzähler. Berühmte Bauwerke, wie die Pyramiden von Gizeh, der
Papstpalast in Avignon oder die Ruinen von Angkor Wat, Altstadtimpressionen
aus Lissabon und Havanna, beeindruckende Landschaftsszenarios, einmalige
Tieraufnahmen und faszinierende Einblicke in das Leben der Menschen, denen
er auf seinen Reisen begegnet ist – all dies findet sich in „Travel“.
Die
zusammengestellten Fotografien dokumentieren Bitesnichs Innerstes, seine
Sicht auf die Welt und seine Werte, die immer dann am stärksten zu Tage
treten, wenn sie auf das Unbekannte, auf das Fremde treffen. Insofern
gehören die in „Travel“ zu sehenden Aufnahmen zwar zu den wohl
ungewöhnlichsten Bildern in seinem Repertoire, sie repräsentieren aber
ebenso wie seine famosen Aktaufnahmen seinen besonderen Blick auf die Welt,
die Bitesnich’sche Perspektive. Der 1964 in Wien geborene Fotograf ist vor
allem für seine bis zur Perfektion vollendete Aktfotografie bekannt.
Bitesnich meißelt mit dem Auslöser Ikonen, so dass das Magazin Stern
ihn den „Bildhauer unter den Fotografen“ nannte. Seine Bildbände „Nudes“, „Women“
und „Polar Nudes“ sowie zuletzt „More Nudes“ sind gefüllt mit
außergewöhnlichen Fotografien makelloser Frauen und Männer und kursieren
unter den Anhängern der Aktfotografie als absolute Garanten für erstklassige
Fotografie.
Er selbst würde sich
nie als Akt-, sondern eher als Körperfotograf bezeichnen. Angefangen als
Modefotograf, entschied er schon nach ersten Aufnahmen für den Playboy, sich
auf das Wagnis der ästhetischen Nacktfotografie einzulassen. Die Ergebnisse
seiner jahrelangen Arbeit mit dem menschlichen Körper versammeln sich in
zahlreichen Bildbänden, die unzählige atemberaubende, unverhüllt schöne und
legendäre Fotografien aus Meisterhand enthalten. Helmut Newton, Irving Penn
und Leni Riefenstahl sind die fotografischen Vorbilder, deren Stile sich in
seiner Art, Menschen zu fotografieren, zu inszenieren und zu ikonisieren,
wieder finden.
Ihm gehe es in seinen
Bildern um die Balance, die Ausgeglichenheit, die Proportionen. Daher
erinnern seine Fotografien auch an die klassische Bildhauerkunst, der es
immer um die verherrlichende Abbildung der natürlichen Gegebenheiten ging.
Auch die in „Travel“ versammelten Aufnahmen belegen sein fotografisches
Geschick in dieser Hinsicht, ist doch jedes seiner Bilder mythisch überhöht,
ein Statement besonderer Art. Es sind eben nicht die Eindrücke eines
Touristen auf der Suche nach postferialer Erinnerung, sondern die eines
Weltbürgers mit dem Auge für das Besondere. Klischees sind aus seinen
Bildern verbannt und Sensationen gibt es ebenso wenig, wie Mitleid. Andreas
H. Bitesnich lässt durch sein Spiel mit Licht und Perspektive längst
vergangene Mythen wieder auferstehen und den Betrachter sentimental durch
ein Zeitfenster in die Vergangenheit blicken. Er fängt mit seinen
Fotografien Stimmungen ein, die man für gewöhnlich nur im Herzen
festzuhalten vermag.
Im Vorwort zu dem
Reisefotoband wird Bitesnich mit folgenden Worten zitiert: „Beim Reisen
entwickelt man Respekt für andere Lebenswelten, persönliche Werte
relativieren sich. Vielleicht ist am Ende nur die Sehnsucht übertragbar.“
Die Sehnsucht nach dem einen Foto, das die Erlebnisse einer Reise, die
Eindrücke und deren Wirkungen in sich vereint. Das Foto, dass die Gegenwart
in der Vergangenheit und der Zukunft wieder findet und festhält. Wie die
Aufnahme des kambodschanischen Jungen. Thomas Hummitzsch
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Andreas H. Bitesnich
Travel
Mit einem Vorwort
von Manfred Zollner
Texte in Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch und Italienisch
teNeues Verlag. Kempen 2007
144 Seiten mit 88 Schwarz-Weiß-Aufnahmen
29,90 €. ISBN. 3832791981.
Homepage des
Fotografen:
http://www.bitesnich.com
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