Glanz&Elend Literatur und Zeitkritik

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Aktuelle Inszenierungen:

Oper:

Le Prophète
Giacomo Meyerbeer (1791 – 1864)
Deutsche Oper Berlin
Grand Opéra in fünf Akten
Libretto von Eugène Scribe und Émile Deschamps.
Uraufführung am 16. April 1849 in der Pariser Oper
Premiere in der revidierten Fassung der historisch-kritischen Edition


Nach dem Welterfolg der HUGENOTTEN wandte sich Giacomo Meyerbeer auch bei seiner nächsten Grand Opéra dem Jahrhundert der Reformation zu: LE PROPHETE erzählt Entstehung und Untergang des Regimes, das die protestantische Sekte der Wiedertäufer 1535 im westfälischen Münster errichtete. Durch die Willkürherrschaft der katholischen Obrigkeit wird der Gastwirt Jean de Leyde dazu gebracht, sich an die Spitze dieser fundamentalistischen Gruppierung zu stellen. Bald jedoch muss er erkennen, dass die Revolutionäre ebenso korrupt sind wie die alten Machthaber. Schon bei der Uraufführung wurde LE PROPHETE jedoch auch als Kommentar zur Revolution von 1848 begriffen – und tatsächlich erscheint diese Geschichte über die Instrumentalisierung von Religion zur Errichtung eines „Gottesstaates“ heute genauso aktuell wie zu Lebzeiten Meyerbeers. Zugleich ist LE PROPHETE aber auch die psychologisch packende Geschichte einer Mutter-Sohn-Beziehung: Im Zentrum der Oper steht nicht Jeans Liebe zu seiner Verlobten Berthe, sondern die Auseinandersetzung mit seiner Mutter Fidés.

Für diese Produktion konnte mit Olivier Py einer der bedeutendsten Regisseure der Gegenwart gewonnen werden. Py, seit 2013 Leiter des Festivals von Avignon, gehört zu den wenigen Regisseuren, die international sowohl im Schauspiel wie in der Oper erfolgreich sind. Seine Produktion von Meyerbeers DIE HUGENOTTEN am Théatre La Monnaie Brüssel wurde 2011 von der Opernwelt zur Aufführung des Jahres gewählt.
In französischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln / ca. 4 Stunden 30 Minuten / Zwei Pausen
Premiere: So 26.11./30.11./03.12./ 09.12./16.12./04.01.18

Peter Grimes
Oper von Benjamin Britten (1913-1976) in drei Akten und einem Prolog, Text von Montagu Slater nach der Verserzählung The Borough (1810) von George Crabbe, In englischer Sprache mit deutschen Übertiteln.
(Leider bietet die Oper Frankfurt hierzu keine honorarfreien Pressefotos an)

»Peter Grimes! Peter Grimes! Peter Grimes!«, wird zur Untersuchung des Falles gerufen. Die Oper über einen Außenseiter, den man nicht zu integrieren gewillt ist, beginnt. Schon der Aufruf bedeutet: Isolation. In The Borough, der Dichtung des englischen Poeten und Landpfarrers George Crabbe, auf die das Libretto von Brittens Oper zurückgeht, treten gänzlich unheroische Menschen auf. Wir finden darin den Dorftrottel, das verführte Mädchen, den resignierten Geistlichen, den Bettler, aber auch die korrumpierbaren und bigotten ehrbaren Bürger, die ihre Gebrechen hinter ihrem Vermögen verstecken. Auch die alte Tante mit ihren schönen und zur Schau gestellten Nichten fehlt nicht. Und dann gibt es den finsteren Fischer Peter Grimes, mit dem keiner mehr arbeiten will, da er unter dem Verdacht steht, seinen Lehrjungen ermordet zu haben.

Von seinem Schicksal handelt Benjamin Brittens Werk, das — 1945 uraufgeführt — inzwischen zu einer der erfolgreichsten Opern der neueren Musikgeschichte avancierte. Das Stück, das mit großem Orchester immer wieder die elementar klingende Musik des Meeres mit der Seele des tragischen Helden verbindet, beginnt mit einem Untersuchungsprozess. Jemand musste Peter Grimes verleumdet haben. Ein Mensch wird aus einer Gemeinschaft ausgestoßen, die ihn von nun an niemals mehr aufzunehmen gedenkt. Er sucht schließlich seinen Tod in den Naturgewalten. Gezeichnet durch den Blick der Dorfleute durchmisst der Fischer Peter Grimes die Höllen einer sich zur letzten Instanz aufwerfenden Spießerwelt. Deren durch größte psychologische Entlarvungskunst auskomponierte, fadenscheinige Moral setzt Britten in seiner ersten Oper die elementare Wucht des zum Orchesterklang gewordenen Meeres entgegen.
Termine: 05.11./ 11.11./


                                                                                                                     © Sandra Then
La Traviata
Oper in drei Akten von Giuseppe Verdi


Libretto von Francesco Maria Piave nach dem Roman «La dame aux camélias» von Alexandre Dumas d.J. In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln. Eine Koproduktion des Theater Basel mit der English National Opera.

In einer Welt, die bestimmt ist von Glamour, Rausch und der Gewissheit, sich mit Geld alles leisten zu können, sticht eine Frau hervor – sie ist der «Hauptgewinn» in diesem nächtlichen Spiel der Glückssüchtigen, sie ist das Zentrum dieses Tanzes auf dem Vulkan. Doch sie ist nicht allein. Ihr ständiger Begleiter ist der Tod. Die Rede ist von Violetta Valéry, der Titelheldin in Giuseppe Verdis Oper «La traviata» – «der vom rechten Weg Abgekommenen».
Der amerikanische Regisseur Daniel Kramer, seit Herbst 2016 künstlerischer Leiter der English National Opera, erzählt die Geschichte aus der Sicht Violetta Valérys, die mit wachsender Distanz die Überdrehtheit der bürgerlichen Gesellschaft unter dem Schutzmantel des Rotlichtmilieus wahrnimmt. In der Unlebbarkeit der Liebe zwischen Violetta und Alfredo werden zeitlose Fragen nach dem Wert des Lebens und der Liebe und vor allem nach dem, was wir bereit sind, dafür zu opfern, laut. Die musikalische Leitung übernimmt der Schweizer Dirigent Titus Engel, der sich am Theater Basel zuletzt mit Karlheinz Stockhausens «Donnerstag aus ‹Licht›» empfahl.

Schauspiel:

2 x Woyzeck
Das Schauspiel(fragment) von Georg Büchner in Frankfurt & Basel

Kurz vor seinem Tod 1837 hat der damals 23-jährige Doktor der Medizin mit seinem »Woyzeck« eine Dramaturgie der Moderne kreiert, die bis heute unsere Lese- und Seherfahrungen prägt: Kurze Sätze, abrupte Szenenenden, parallele Erzählstränge und schnelle Orts- und Zeitwechsel generieren eine Welt, die für den Menschen selbst zum Fragment wird. Woyzeck ist nicht nur das Opfer sozialer Verhältnisse oder ein pathologischer Musterfall. In seinem Drama seziert Büchner zugleich die Erfahrung einer neuen Obdachlosigkeit: ein Leben, das kein Sinn und keine Moral mehr zusammenhält, auch nicht das kleine Glück der Familie oder das große Glück der Liebe. Die Welt zerfällt in den Augen Woyzecks in eine Unverbindlichkeit, in deren Mitte er zum Spielball der Anderen wird. Der Gott, auf den Woyzeck sich beruft, hat die Welt längst verlassen.

© Sandra Then


In der Spielzeit 17/18 gibt es zwei aus der Theaterlandschaft herausragende Inszenierungen des Büchner Fragments zu sehen, in Basel und in Frankfurt/Main, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

Manieriertes Schablonentheater

In Basel dominiert, wenig erstaunlich bei Ulrich Rasche, sein nun mittlerweile zum Markenzeichen geronnenes Theater der permanenten Bewegung, in dem die Schauspieler b
estenfalls noch Menschmarionetten sind, deren Körper und Bewegungen sich stets den Rhythmen der rollenden Walzen und Bänder, hier dem Tempo und Neigungswinkel der unentwegt drehenden Scheibe unterzuordnen haben.
Sein
«Woyzeck lebt innerhalb eines gesellschaftlichen Systems, das von Brutalität geprägt ist, der alle unterliegen, ohne davon zu wissen. Diejenigen, die Woyzeck Gewalt antun, sind selbst im allgemeinen Zusammenhang gefangen. Büchners Fähigkeit, die herrschende Verrohung auch als eine der Sprache darzustellen, steht im Mittelpunkt der Inszenierung. Ein vehement donnernder Rhythmus peitscht über die Sprache der Figuren hinweg. Was Woyzeck bleibt, ist blinde Gewalt, erlebte und ausgeübte.» (Ulrich Rasche) Die Frage ist, wie lange Rasches Masche noch funktioniert, jedem Stück sein manieriertes Schablonentheater überzustülpen und die je vielschichtigen Texte agitatorisch eindimensional in den Rhythmus der Maschine zu zwingen. Langsam wird es langweilig. HD

Foto: Arno Declair, Regie: Roger Vontobel, Woyzeck: Jana Schulz

Sinnliches Schauspielertheater
Daß sich auch die große Drehbühne des Frankfurter Schauspiels langsam und unaufhaltsam unter Woyzecks nackten Füßen dreht, ist vom Regisseur Roger Vontobel sicher nicht als Reminiszenz an seinen Kollegen gedacht. Vontobels Woyzeck-Inszenierung ist weitaus dimensionsreicher als Rasches rohe Karusellfahrt.
Vontobel gibt seinen Schauspielern Platz auf der Bühne, nicht nur körperlich, auch dem Text läßt er Raum und Zeit, sich in den Befindlichkeiten seiner Figuren zu entwickeln. Stets muß sich Woyzecks hochsensible Innenwelt dem Brüllen der Aussenwelt erwehren. Jana Schulz verkörpert dieses Geschöpf so nuancenreich schutzlos, daß es schmerzt, zu sehen, wie sie ihren Körper schindet. Nicht umsonst sind ihre Knie verpflastern. Die Inszenierung funktioniert auch deshalb so gut, weil Vontobel den anderen Figuren ihren Geltungsraum läßt.
Friederike Ott überzeugt als eine stets mit sich kämpfende Marie, die hin- und hergerissen wird von sinnlichem Verlangen und der Verantwortung für Ihr Kind. Wolfgang Pregler als Hauptmann, Matthias Redlhammer als Doktor und vor allem André Meyer als Tambourmajor kontrastieren die sensorische Feinsinnigkeit Woyzecks durch ihr drastisches Spiel. Zusammen mit dem die Bühne dominierenden LED-Vorhang als optische Projektionsfläche und der Klangregie unter Orm Finnendahl entsteht ein Bühnenszenario, dessen Intensität die Zuschauer über 90 Minuten in aufmerksamer Spannung hält, die sich am Ende in begeistertem Applaus und zahlreichen Bravo-Rufen entlädt. HD
Termine: 14.12./15.12./23.12./30.12.

»Weh! Wehe!
Ihr Verrückten!«

Von Herbert Debes
Text lesen
Ulrich Rasches Doppelinszenierung
»7 gegen Theben/ Antigone«
»Die Schlacht um Theben zaubert Rasche als ein interdisziplinäres Raum- Sprach- und Klangtheater auf die Bühne des Bockenheimer Depots.«

Zerfall einer Familie
Von Herbert Debes
Artikel lesen
Mit Tracy Letts Stück »August. Osage County« dem man hierzulande den phantasielosen Titel »Eine Familie« verpaßt hat, schenkt Oliver Reese dem Frankfurter Publikum einen großen Theaterabend.



»Komm, sag Ja, Schnecke!«
Von Herbert Debes
Artikel lesen
Daniel Foersters lustvoller »Totentanz« am Frankfurter Schauspiel transformiert Strindberg in die Gegenwart.
»Die dramaturgisch geniale Idee, Judith (Alexandra Lukas), die Tochter des Paares, die ursprünglich erst im kaum gespielten 2. Teil des Stücks vorkommt, als Metaebene mit auf die Bühne zu bringen, verleiht dem Stück eine neue Dimension.«

Büchnerbühne Riedstadt:

 

Wenn es Rosen sind werden sie blühen
(
von Christian Suhr – frei nach dem Roman von Kasimir Edschmid „Georg Büchner – eine deutsche Revolution")
Die Geschichte erzählt den tragisch gescheiterten Anlauf zu einer radikalen Erneuerung Deutschlands im absolutistischen Polizeistaat Hessen. In der Gegenüberstellung des Dichters und Mediziners Georg Büchner und dem protestantischen Theologen Ludwig Weidig wird daran erinnert, daß Deutschland eine wirkliche Widerstandstradition mutiger Einzelgänger hat.
Ausgangspunkt ist die »Hessische Verschwörung« von 1834, deren Manifest, Der Hessische Landbote - verfaßt von Georg Büchner, redigiert von Ludwig Weidig -, zu den einflußreichsten Dokumenten der Weltliteratur gehört.
Verfolgung, Exil und Resistance, Flucht und Folter, politische Justiz und Geheimpolizei: Mächte und Schicksale, die auch das 21. Jahrhundert prägen, erscheinen bereits auf der Bühne des kleinen, zurückgebliebenen Feudalstaates der Ära Metternich.
Mitten in der idyllischen Zeit des Biedermeier erklingt hier der Kampfruf: »Friede den Hütten! Krieg den Palästen!« – Doch beim Volk bleibt er noch lange ungehört …

Hamlet - Die Zeit ist aus den Fugen

Sein oder Nichtsein
Je suis Hamlet
Unser Drama findet statt
Ob wir es spielen oder nicht
Die Horden aus dem Osten bleiben aus
Nur Wölfe aus dem Morgenland
Wer rächt hier wen ist keine Frage
Du weißt die Armen brauchen uns
Zum Überleben oder Gott zum Sterben
Und wir zum Dasein einen Grund
Und Urlaubsstrände zum Vergessen
Mit Aussicht auf die Massengräber Afrikas
So macht Bewußtsein Feige aus uns allen

War das nicht unser höchstes Gut
Ich denke also bist du nicht

Im Krieg bleibt keiner der er war
Die Freiheit sirbt zuerst was soll
Das Warten auf das Ende
Wer früher stirbt ist länger tot
Im Mausoleum der Vernunft
In den Ruinen der Erinnerung
Geht das Gespenst Europa um
Herz Muskel Kopf Maschine
Und findet keinen Scho?

Und endlich hat Orphelia Ruh



 

Spielpläne:

Basel:

Oper
Schauspiel


Berlin:

Berliner Ensemble
Maxim-Gorki-Theater
Deutsches Theater
Schaubühne
Volksbühne
Deutsche Oper
Staatsoper im Schillertheater
Komische Oper

Bochum:
Schauspielhaus

Frankfurt:

Schauspiel
Oper

Freiburg:
Theater Freiburg

Hamburg:
Thalia Theater

Köln:

Schauspiel
Oper

München:

Münchner Kammerspiele
Residenztheater
Bayerische Staatsoper
Münchner Volkstheater

Weimar:

Deutsches Nationaltheater

Wien:
Burgtheater

Zürich:
Schauspielhaus


Freie Bühnen:
BüchnerBühne


 


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