Glanz@Elend
Magazin für Literatur und Zeitkritik
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Glücksfall

 


Nur ein Agentenroman
Die grandios gesponnene Geschichte um die Konstruktion von Wirklichkeit zu Propagandazwecken und um eine tragische Liebe in den Zeiten des Krieges

Ich mag keine Krimis, halte das für verlorene Zeit, und es ist lange her, daß ich einen Agentenroman gelesen habe, ich glaube es war vor zehn Jahren »Der Schneider von Panama« von John le Carré, der war ganz ok.; ab und zu schaue ich mal in so eine Schwarte rein, in der Hoffnung, was vom Kaliber eines Norman Mailer zu finden, meist aber nur, um nach wenigen Seiten festzustellen, daß der Waschzettel das Blaue vom Himmel runtergelogen hat, oder der Text aus der abertausendsten Abwandlung hinreichend bekannter Krimifloskeln besteht.
So vorurteilsfrei habe ich auch den Agentenroman von William Boyd in die Hand genommen, doch diesmals kam es anders. Am ersten Abend legte ich das Buch nach gut hundert Seiten weg, um es in der nächsten Nacht ruhelos zu Ende zu lesen.
Gelegentlich gelingt es dem Lesen, sich selbst zu vergessen, und nach wenigen bewußt wahrgenommenen Seiten in den Text einzutauchen, wie in ein anderes Leben, unabhängig von Zeit & Raum, gleich einem Paralleluniversum. Solche Bücher sind seltene, echte Glücksfälle. »Ruhelos«, von William Boyd ist tatsächlich so ein grandioses Werk, obwohl es nur ein Agentenroman ist ... Herbert Debes

Oxford, 1976. Ganz England stöhnt über die Hitze, doch Ruth Gilmartin ist vor allem um ihre Mutter besorgt: Ständig beobachtet Sally den Wald hinter ihrem Garten, das Telefon beantwortet sie nur nach vereinbartem Klingelsignal und das Haus verlässt sie — obwohl unversehrt — nur im Rollstuhl. Schließlich eröffnet sie ihrer Tochter, dass jemand sie töten wolle. Ihr wahrer Name sei Eva Delektorskaja und sie habe im Krieg als Spionin gearbeitet.
Paris, 1939. Eva, eine schöne russische Emigrantin, wird von dem geheimnisvollen Lucas Romer für den britischen Geheimdienst angeworben. Sie soll die Arbeit ihres geliebten Bruders Kolja, der von den Nazis ermordet wurde, weiterführen. Unter Romers Anleitung wird sie zur perfekten Spionin ausgebildet, die schnell lernt, sich zu verstellen und — niemandem zu trauen. Ruhelos ist ein Spionageroman und literarisches Meisterwerk.

„Wir wollen nur noch diesen geschmeidigen James Bond mit dem ästhetischen Sensorium eines Marcel Proust, wir wollen diese perfekte englische Klassik.“ Süddeutsche Zeitung

„Der beste Geschichtenerzähler seiner Generation!“
Independent

William Boyd - Ruhelos

Aus dem Englischen von Chris Hirte
Berlin Verlag, 368 Seiten. ISBN-13: 9783827006929
22.00 €

 


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