Glanz@Elend
Magazin für Literatur und Zeitkritik
© by Herbert Debes & Kurt Otterbacher

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Lesetip

 


Ernst-Wilhelm Händler
Die Frau des Schriftstellers
Roman
Frankfurter Verlagsanstalt
ca 700 Seiten, geb.
€ 25,-
3-627-00028-5

Der Ich-Erzähler steht sichtlich unter Schock: Als habe er einen Zusammenbruch erlitten, hockt er mitten in der Nacht unter der Dusche seiner Münchner Wohnung, das heiße Wasser droht, ihm die Haut zu verbrennen. Am Abend war er zufällig dem einflußreichen Literaturagenten T. begegnet, den er nie wieder hatte treffen wollen, sofort war die schlimmste Geschichte seines Lebens wieder hochgekocht.
T. hat vor einiger Zeit versucht, den Schriftsteller im Auftrag des renommierten Guggeis Verlags abzuwerben und ihm ein glänzendes Angebot gemacht. Das jedoch an eine seltsame Bedingung geknüpft war: Er sollte das neue Manuskript eines anderen Autors, Tonio Pototsching, selbst fertig schreiben. Als der Erzähler diesen ungewöhnlichen Auftrag schon ablehnen will, trifft er auf Laura, die Noch- oder Exfreundin Pototschings, und verliebt sich in sie. Und er nimmt er den dubiosen Auftrag an. Er ahnt nicht, daß er damit in eine bösartige Intrige hineingezogen wird, angezettelt von dem ungleich erfolgreicheren Schriftsteller und seinem Agenten. Eine Intrige, die ihn fast das Leben kostet, zumindest sein literarisches. Denn Pototsching unternimmt nichts weniger, als ihm seine eigene Biographie zu rauben. Im Glauben, Herr seiner Biographie zu sein, muß er tatenlos zusehen, wie Pototsching Besitz von seinem Leben ergreift, sich seine Kindheit aneignet und mit seiner Hilfe ein enthüllendes Buch verfaßt.
Ernst-Wilhelm Händlers neuer Roman schildert den narzißtischen Machtkampf zweier Schriftsteller und einer Frau, ebenfalls Schriftstellerin. Verhandelt wird dabei die Ethik des Literatendaseins, das Verhältnis von fiktionaler und tatsächlicher Identität. Angestoßen durch die Auseinandersetzung mit der Kindheit des Ich-Erzählers, beschwören dieser und sein Widerpart Pototsching die Dämonen aus der deutschen Geschichte der ersten Hälfte des Zwanzigsten Jahrhunderts herauf. Spiegelt sich der Schriftsteller in diesen Bildern des Bösen oder nimmt das Böse tatsächlich wieder Gestalt an?


„Einer der größten Neuerfinder der deutschen Gegenwartsliteratur ist der Unternehmer und Schriftsteller Ernst-Wilhelm Händler. Der sich mit jedem neuen Buch tief in ein neues Gesellschaftssystem hineinfräst und dieses mit den Mitteln der literarischen Tradition umkreist und erleuchtet, wie es kein zweiter kann.“
Frankfurter Allgemeine Zeitung


Lutz Hagestedt / Joachim Unseld (Hg.)
Literatur als Passion.
Zum Werk von Ernst-Wilhelm Händler
Frankfurter Verlagsanstalt
Etwa 250 Seiten, Broschur
€ 28,– [D] / € 28,80 [A] / SFR 47,10
3-627-00019-6

Ernst-Wilhelm Händlers literarisches Werk gilt als komplex, und folgt man dem Mainstream, wenig marktgerecht. Gleichwohl hat sich der Autor innerhalb weniger Jahre ein eigenes Publikum erschrieben und sich dessen Respekt erworben. So steht Händler für Peter Michalzik „in der Tradition der klassischen Moderne“, Reinhart Baumgart rechnet ihn „zu den großen Entwerfern und Projektkünstlern, zu Musil oder Canetti oder Kafka“, Harald Hartung schließlich sieht in den Romanen den „Versuch, die Tradition des großen Romanexperiments fortzusetzen“.
Dieser erste Sammelband über das Werk Ernst-Wilhelm Händlers führt Literaturwissenschaftler, Ökonomen, Soziologen und Philosophen zusammen, um den Horizont von Händlers Grammatik der vollkommenen Klarheit abzustecken.
Mit Beiträgen von Helmut Böttiger, Robert Habeck, Lutz Hagestedt, Jürgen Kaube, Tom Kindt, Uwe Krzewina, Martin Lüdke, Hans-Harald Müller, Jan Müller, Frauke Onken, Sandra Pott, Thomas E. Schmidt, Saskia Schulte und Joachim Unseld.

Ernst-Wilhelm Händler wurde 1953 geboren und lebt heute in Regensburg und München.
In der literarischen Tradition eines Hermann Broch, Robert Musil oder Thomas Bernhard stehend, entwirft Händler fiktive Szenarien unserer westeuropäischen Realität, konstruiert von Roman zu Roman fortschreitend das Gebäude unserer Gesellschaft und deren Funktionieren. 1999 wurde er mit dem Erik-Reger-Preis ausgezeichnet.
1995 erschien in der Frankfurter Verlagsanstalt sein vielbeachtetes literarisches Debüt, der Erzählungsband Stadt mit Häusern; es folgten 1996 der "Philosophenroman" Kongreß, 1997 der "Wirtschaftsroman" Fall, 1999 der "Architektenroman" Sturm, der von der Kritik als der "wirklichkeitshaltigste Roman der deutschen Gegenwartsliteratur dieses Jahrzehnts" bezeichnet wurde. 2003 erschien Ernst-Wilhelm Händlers Roman Wenn wir sterben, der von der renommierten SWR-Bestenliste-Jury zum Besten Buch des Jahres 2003 gewählt wurde.
Im Februar 2004 fand im Literaturhaus Frankfurt ein zweitägiges Symposium zum Werk Ernst-Wilhelm Händlers statt: "Literatur als Passion. Ernst-Wilhelm Händler – Ein Kaufmann aus Regensburg". 2006 erschien der erste Sammelband über das Werk Ernst-Wilhelm Händlers, Literatur als Passion. Ernst-Wilhelm Händler erhält den Hans-Erich-Nossak-Preis 2006 vom Kulturkreis der deutschen Wirtschaft!

„Mit Proust’scher Präzision zeichnet er die psychischen Kollateralschäden des wirtschaftlichen Handelns bis in die feinsten Verästelungen nach. Dieser Roman gehört mit William Gaddis’ ›JR‹ zu den ganz wenigen Texten, die das komplette Zusammenspiel der Wirtschaft in einer originellen Romanstruktur widerspiegeln.“
Neue Zürcher Zeitung über Wenn wir sterben

„Die Grammatik der vollkommenen Klarheit, die Händler nach eigenen Worten anstrebt, kann als einziger großer Gegenwartsroman im Geiste Hermann Brochs und Robert Musils gelesen werden.“ Katrin Hillgruber/Die Rheinpfalz

»Der Firma Deutschland fehlt der Auftrag
Warum wir keine Globalisierungsopfer sind und nicht zum Geldverdienen taugen.«
Ein Gespräch mit dem Schriftsteller und Unternehmer Ernst-Wilhelm Händler

Aus der ZEIT vom 30.06 2005


 
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