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Thomas
Hettche
Woraus wir gemacht sind
Roman
Kiepenheuer & Witsch
320 Seiten | Gebunden
Euro (D) 19,90
3-462-03711-0
Ein Land vor dem
Kriegseintritt. Eine Reise ins Ungewisse.
Niklas Kalf muss mit dem Unfassbaren fertig werden:
Unbekannte haben seine schwangere Frau entführt und verlangen von ihm
etwas, das er gar nicht besitzt.
Niklas Kalf arbeitet an einer Biographie über den jüdischen Emigranten
Eugen Meerkaz und reist mit seiner Frau Liz zum ersten Mal nach New
York. Doch schon am dritten Tag in der Stadt, die gerade den ersten
Jahrestag der Anschläge auf das World Trade Center begeht, verschwindet
Liz spurlos. Ein erpresserischer Anruf lässt den furchtbaren Verdacht
zur Gewissheit werden: Sie ist entführt worden, und Kalf wird gezwungen,
Material zu beschaffen, das mit einem dunklen Geheimnis im Leben von
Eugen Meerkaz zu tun hat.
Aus Kalfs
verzweifelter Suche wird ein Trip ins Innere der USA am Vorabend des
Irak-Krieges und das Porträt eines Deutschen in der Fremde. Die texanische
Wüstenstadt Marfa und der Central Park, die Bar auf dem Dach des Standard
Hotel in L.A., ein verlassenes Kino, eine Villa am Pazifik und eine
Lehmhütte in der Prärie – Thomas Hettche entwirft das Panorama eines
ebenso vertrauten wie fremden Landes, in dem sein Held mit dem Tod und der
Einsamkeit konfrontiert wird. Niklas Kalf wird von einem Sog erfasst, der
ihn Frau und Kind beinah verraten lässt. Doch dann wird er aufgespürt und
muss sich entschließen zu handeln.
Dem Autor des
Bestsellers »Der Fall Arbogast« gelingt mit »Woraus wir gemacht sind« ein
großes Kunststück: Ein deutscher Entwicklungsroman, der in den USA spielt,
in wunderbaren Beschreibungen die Faszination des Landes einfängt und
dabei nach dem Grund unseres Daseins und der Verantwortung der Liebe fragt
– und den Leser vom ersten Augenblick an mit der Spannung eines
atemberaubenden Thrillers fesselt.
»Dieser Roman ist eine Versuchsanordnung, eine intelligentes, ein
lehrreiches Spiel. Hettche kann was.« Ulrich Greiner, Die Zeit
Leseprobe
Erstes Kapitel: Daphne Abdela
Sie waren zu spät. Hatten keine Ahnung, wie lange die
Taxifahrt vom Hotel hinunter in die 29. Straße
dauern würde. Wünschten sich jetlagmüde nur, daß
die sommerheiße Stadt immer weiter vor den
Autofenstern vorbeiziehen möge, während sie auf
der weichen Rückbank des Wagens zueinanderrutschten, in den Luftstrahl der
Klimaanlage hinein, der ihren Schweiß trocknete, bis sie zu frieren
begannen. Vor Müdigkeit, sagte er. Vor
Aufregung, Liz. Sie küßten sich, starrten
hinaus, und dann waren sie auch schon da. Drei
Schritte nur durch den Abend, dessen Luft feucht und schwer
war, und sie standen in der wohltuend metallenen Kälte
eines Restaurants, dessen französischen Namen
Niklas Kalf sich im Hotel noch schnell
eingeprägt und beim Betreten schon wieder
vergessen hatte.
Geschäftsleute mit Hosenträgern, das Jackett über dem
Arm, drängten sich laut an der Bar neben dem Eingang,
Frauen in Leinenkostümen hielten Cocktailgläser, die
Barkeeper hinter dem Tresen hatten viel zu tun
und lächelten nicht. Der eigentliche Gastraum
war so dunkel, daß nur die Kerzen und die weißen
Tischdecken kalt hervorleuchteten, goldgerahmte
Spiegel und hochlehnige Lederbänke an den
Wänden, davor Bistrotischchen in engem Spalier.
Kalf erkannte Albert Snowe sofort. Ende Vierzig, eine
rote Krawatte zum weißen Hemd und auf den Wangen ein
deutlicher Bartschatten. Unentwegt wechselte er von den
Zehen auf die Ballen, und der bullige Oberkörper wippte
hin und her dabei. Seine Begleiterin mußte
Lavinia Sims sein, die Übersetzerin. Als sie ihn
hatte wissen lassen, der Verleger von Farrar
Straus & Giroux würde ihn gern zum Abendessen
treffen, war Niklas Kalf sehr überrascht gewesen. Er
blinzelte, wie er das oft tat, wenn er nervös war, die
hellen Pupillen seiner blauen Augen wäßrig und
durchsichtig. Seit der Kinderzeit trug er die
weißblonden Haare kurz, fein und dünn legten sie
sich dem Kopf an, und auch die helle,
sommersprossige Haut trug zu jenem Eindruck einer seltsamen
Durchsichtigkeit bei, der von ihm ausging. Meist nutzte
es den Interviews, die er führte, daß er zu
verschwinden schien. Eine Fähigkeit, die er
ebenfalls seit Kindertagen übte. Im selben
Moment, als Liz ihren Mann am Arm faßte,
entdeckte Albert Snowe seine Gäste, winkte, und sie bahnten
sich einen Weg durch die Menge. Man begrüßte einander,
und der Kellner führte sie zu einem großen, runden
Tisch. Sie setzten sich in den Lichtschein der
Kerzen hinein, der das weiße Rund des Tischtuchs
umzirkelte und sich für einen kurzen Moment in
den Pupillen der vier spiegelte, mit einem
seltsam technoiden Flimmern, das aufbrach und wieder verschwand
wie zitterndes Diodenlicht.
Zwei hochgewachsene Bedienungen, die aussahen wie
Schwestern, reichten große Speisekarten in die Runde
herein. Es werde ihnen eine Freude sein, sie zu
bedienen. Ein Kellner, der die Anzahl der
Eiswürfel geschickt dosierte, indem er den
Pitcher mit einer nie gesehenen Bewegung über
den Handrücken kippte, schenkte Eiswasser in sehr große
Gläser. Snowe hatte einen massigen Schädel und starke
Kiefer. Zwei tiefe Falten gruben sich beidseits
seines Mundes in die dunkle, lederne Haut. Er
nahm sein Glas und klimperte mit dem Eis darin,
bevor er trank und sich dabei einen Würfel in
den Mund spülte, den er langsam zerbiß.
»Wie war der Flug?«
Niklas Kalf sah die weit klaffende Tür zur Küche, deren
neonweiße Kacheln wie der Eingang zu einem unabsehbaren
unterirdischen Kellersystem leuchteten, und nickte. Der
Flug, dachte er. Es bedurfte nicht mehr als Snowes
Frage, daß die LCD-Bildschirme über den Sitzen
wieder in ihre Arretierung zurücksurrten und es
wieder, für diesen sehr langen Moment, ganz
still war. Und er wußte wieder, was er gedacht
hatte.
Nichts, war ihm durch den Kopf geschossen, hat Bestand
gegen die Kaskade von Wirkungen, die mit der
Schuberhöhung losbrechen wird. All der Routine
ist nicht zu trauen, den
Sicherheitsinstruktionen nicht, der Freundlichkeit
der Flugbegleiter und der Bordkarte nicht und nicht den
sanften Linien der kunststoffverkleideten
Innenraumkabine. Vereinzelt rastete klackend
noch eine Gurtschnalle ein. Dann drückte der
Schub die Köpfe in die Lehnen zurück, irgend
etwas klapperte, hörte auf zu klappern, und Flug 340
der Lufthansa von Frankfurt am Main nach New York City
war, leicht verspätet, um dreizehn Uhr fünfunddreißig
in der Luft.
Die Stewardessen begannen sofort mit der Essensausgabe.
Erleichtert kramte man im Handgepäck, Taschen und
Jacken wurden über die Sitze gereicht, Bücher und CDs,
Liz packte ihre Strickjacke aus hellblauem Mohair aus,
eine Illustrierte dazu, und versank in
gleichförmiges, von keiner Lektüre
unterbrochenes Blättern. Hin und wieder strich sie
ihre Locken hinters Ohr. Seit sie schwanger war,
schienen ihre Haare, die dieselbe Farbe wie
seine hatten, noch dichter und schwerer als
zuvor. Er beobachtete, wie sie eine Hand auf
ihren hochgewölbten Bauch legte. Die Glanzpapierseiten
leuchteten regelmäßig im Lichtkegel des Punktstrahlers
auf. Frauen und Häuser, Uhren und große, geschminkte
Augen. Immer wieder das Meer. Er sah seiner Frau zu,
beruhigt von der Gleichförmigkeit ihrer Bewegung, und
wurde müde darüber, während ohne Unterlaß tödlich kalte
Luft in die Turbinen strömte und in einem feinen Nebel
aus Kerosin unvorstellbar heiß verbrannte.
Stumm wechselte in monotoner Folge die Anzeige der
Bildschirme über den Sitzreihen.
Time to
Destination, Local
Time at Origin, Local Time at Destination, Estimated
Arrival Time, Meter und Fuß, Celsius und Fahrenheit,
Kilometer
und Meilen.
Ground Speed 448 mph,
Altitude 31 000
feet, Outside Air Temperature – 51 f. Und ein kleiner
Punkt auf dem Screen ruckte als ihr winziges
Abbild sehr langsam über den schwarzblauen
Atlantik zur Küste Nordamerikas hinüber, die am
linken Bildschirmrand wartete.
Kalf räusperte sich. Der kleine, wandernde Punkt vor
seinen Augen verschwand nicht. Snowe lachte und zerbiß
noch einen Eiswürfel, als sein Gegenüber nicht
antwortete. Es freue ihn sicher, sagte er dann,
jetzt in New York sein zu können. Gerade als
Schriftsteller.
Ja, natürlich. Vor allem, da sie beide, Liz und er, zum
ersten Mal die USA besuchten. Aber er sei kein
Schriftsteller. Der Verleger zog überrascht die
Augenbrauen hoch.
»Biograph«, sagte Kalf.
»Ist das denn etwas anderes, ein Biograph?«
»Niklas ist etwas hilflos, was sein eigenes Leben
angeht«, erläuterte Liz entschuldigend.
Snowe sah sie an. Er verstehe das, sagte er. Sehr gut
sogar. Ihn selbst interessierten fremde
Lebensgeschichten auch ungemein. Vielleicht sei
er deshalb Verleger geworden. »Und manchmal
schnurrt so ein fremdes Leben dann auf einen Augenblick
zusammen.«
Kalf nickte: »Auf ein Geheimnis.«
»Ja«, sagte Albert Snowe.
Und nach einem Moment, in dem er ihn ruhig gemustert
hatte, beugte er sich vor, sah ihn über die Kerzen und
das kleine Bouquet aus weißen und blauen
Orchideen hinweg eindringlich an und fragte: »Have
you ever heard about Daphne Abdela?«
Kalf schüttelte den Kopf, und die Zeit stoppte. Daphne
Abdela, wiederholte er in Gedanken, mit einem Mal gar
nicht mehr angespannt und müde, gar nicht mehr in jener
Jetlagblase aus Traum und Halbschlaf, sondern wach und
neugierig, welche Geschichte sich hinter diesem
fremdklingenden Namen wohl verbergen mochte, der
ihn sofort in den Bann schlug. Doch zunächst
kamen die beiden Kellnerinnen wieder in den
Kreis der Kerzen, um die Bestellungen
aufzunehmen, und als eine von ihnen sich zwischen Lavinia
und Kalf hinabbeugte, registrierte er überrascht auf
jedem ihrer langen Fingernägel das winzige Bild
einer Madonna. Blue Cheese, Thousand Islands,
Vinaigrette, French, Italian, Caesar, Ranch,
Russian, Dijon, zählte sie die Salatsoßen auf,
und nur der Ringfinger der linken Hand, mit der sie
den Block hielt, zitterte dabei. Snowe bestellte Red
Wine für alle.
»Wer ist Daphne Abdela?« fragte Niklas Kalf ungeduldig.
Lavinia Sims wiegelte ab. Die Übersetzerin war eine
große Frau, einige Jahre jünger als Kalf, hatte
lange, dunkle Haare und ein klar geschnittenes
Gesicht. »Eine alte New Yorker Geschichte. Ist
sicher fünf Jahre her.«
»Was
denn?«
»What happened?« Snowe antwortete auf englisch, als
nehme er gar nicht wahr, daß man Deutsch sprach. »Well,
back in May of ninety-seven early one morning a man was
found floating in the lake in Central Park. His torso
was
slashed open. The police said they found something like
fifty
stab wounds.«
Slashed open,
wiederholte Kalf für sich. Wußte nicht genau,
was stab wounds sind. »Und?«
»Daphne Abdela war die Täterin«, sagte Lavinia. »Das
Mädchen war, glaube ich, fünfzehn Jahre alt.«
Sofort stellte er sich jenen See vor, an dem er nie
gewesen war, den er aber aus dem Fernsehen
kannte. Eine Gestalt darin, schwer und dunkel
und ebenso gesichtslos wie das Mädchen, dessen
Name ausreichte, damit in seiner Vorstellung
voller Entsetzen eine Hand hochgerissen wurde neben
ein Gesicht. Stichwunde war das Wort, das ihm gefehlt
hatte. Man brachte den Wein. Snowe probierte,
nickte der Kellnerin zu, und sie schenkte reihum
allen ein außer Liz, die ihre Hand über das Glas
hielt.
Das Mädchen und ihr Freund, nahm Snowe den Faden
wieder auf, erstechen den Mann und schneiden ihm die
Kehle durch. Dann beschweren sie die Leiche und
werfen sie in den See. Anschließend verbrennen
sie die Brieftasche des Opfers mit allem, was
ihn identifizierbar macht. »Listen, Nick: They
were teenagers.
He was
an altar boy and Daphne lived with
her family in the Majestic on Central Park West.«
»Altar boy?«
»Er war Meßdiener, Nico«, half Liz ihm aus.
Kalf sah sie so überrascht an, als hätten sie sich
lange nicht gesehen. Er mußte wieder daran
denken, wie sie vom Flughafen in die Stadt
hereingekommen waren, noch zitternd von der
Nacht plötzlich wieder im Realen. Wie das Taxi über die
Bodenwellen des New-Jersey-Highways wippte, als atme es
aus und wieder ein, so lange, bis auf einer seiner
Flanken die Spitzen der Skyscraper erschienen
waren. Sofort hatten sie begierig mit der
Entzifferung des Vertrauten begonnen, doch
gerade, als sie das Chrysler Building und das Empire State
Building erkannt und überlegt hatten, wo das World
Trade Center gestanden haben mochte, stürzte das
Autobahnband zwischen mit Graffiti weiß
beschneiten Felsen in eine Senke hinab, in der
eine Mautstation den Wagen für einen Moment
innehalten ließ, bevor der gekachelte Lincoln-Tunnel ihn in
sein dreckiges, endloses Weiß hineinsaugte und das
Gewitter vor den Augen für kurze Zeit aussetzte.
Vielleicht, weil sie die Fremdheit nicht aushielten,
hatten sie sich in jenem Moment geküßt, und er
hatte Liz die Hand auf den Bauch gelegt, und
dann war auch schon das Eiland Manhattan, wie es
bei Brecht heißt, hinter den hohen Mauern seiner
Türme atemberaubend schnell emporgewachsen, so
unermeßlich hoch und abweisend fremd wie nur je die
Aurelianische Mauer um Rom.
Jetlag, dachte er verwundert, als er sah, daß Liz ihr
Besteck bereits wieder zurück in die Reste der
ölig schimmernden Marinade legte. Er hatte keine
Ahnung, wie lange er unaufmerksam gewesen war,
auch sein Salatteller war leer, man räumte
bereits ab. Dann traten die Kellnerinnen aus dem
Dunkel an den Tisch und reichten, ganz langsam und mit
einer fremden, unterwürfigen Sorgfalt, große Teller.
Alle außer Liz hatten das Entrecôte bestellt.
Man wartete, daß man ihren Fisch brachte.
»Und Daphne Abdela? Wie sah sie aus?«
»Sie war schwarzhaarig, glaube ich. Sie sah ein bißchen
wie ein Punk aus«, versuchte Lavinia sich zu erinnern,
während die Kellnerin die Schwingtür zur Küche mit dem
Rücken aufdrückte, noch einmal schnell mit der Spitze
ihrer Schürze einen Soßenfleck vom Rand des
Tellers wischte, bevor sie heran war und Liz das
im Kerzenlicht sehr bleiche Wallerfilet reichte.
»Und ihr Komplize?«
»Christopher Vasquez.«
Als spräche er von einem Buch, dessen Rechte er gerade
gekauft hatte, mußte der Verleger keine Sekunde
nachdenken, um den Namen zu nennen.
»I remember he’d been medicated since he was a child«,
sagte Lavinia Sims nun auf englisch und mehr zu ihm als
zu den andern.
Snowe nickte.
»Zoloft«, sagte er, dann sagte niemand etwas, bis Snowe
lächelnd das Glas hob. Schön, daß wir uns nun
kennenlernen!
Zu welchen Verhandlungen, fragte sich Kalf, sind wir
hierhergereist?
Er sei, sagte Snowe, wirklich sehr gespannt auf das
Buch. Und natürlich interessiere ihn, wie es
dazu gekommen sei, daß er ausgerechnet über
Eugen Meerkaz schreibe, einen deutschen
Emigranten, der in den USA doch fast genauso
vergessen sei wie in seiner Heimat.
»Ganz einfach: Eines Tages rief mich seine Witwe an.«
»Elsa?«
»Ja, Elsa Meerkaz. Sie bat mich, das Leben ihres Mannes
aufzuschreiben.«
Albert Snowe nickte. Und? Alle Geheimnisse gelüftet?
Wieder setzte Snowe sein Wasserglas an die Lippen und
ließ einen Eiswürfel in den weit offenen Mund
rutschen.
Das komme drauf an, sagte Kalf, was Snowe unter
Geheimnis verstehe. Er wußte nicht, was der
Verleger meinte, und erzählte von der
Verabredung mit Elsa Meerkaz in Los Angeles.
»Kennen Sie sie?«
»Ein wenig«, sagte Snowe langsam und zerkaute das Eis.
Das sei damals alles sehr strange gewesen. All die Verdächtigungen
und dann der plötzliche Tod von Eugen Meerkaz.
Ein Kellner, dessen Brust- und Bauchmuskeln sich unter
dem weißen T-Shirt deutlich abzeichneten, begann die
Teller abzuräumen. Kalf hatte keine Ahnung,
worauf Snowe anspielte. Das Leben des Physikers
Eugen Meerkaz schien ihm ein typisches
Emigrantenschicksal. Eigentlich verstand er auch
nicht, warum seine Witwe ein Buch über ihren
Mann wollte. In ihren Briefen und gelegentlichen Telephonaten
machte die Witwe keinen besonders eitlen Eindruck,
ja sie schien nicht einmal sehr interessiert an dem,
was er schrieb. Nur, daß sie ihn sehr gut
bezahlte, tröstete ihn über ihr Desinteresse
hinweg.
Man brachte eine neue Flasche Wein, und Snowe stieß auf
das Buch an. Niklas Kalf ahnte, daß er längst in einer
Geschichte eine Rolle zu spielen begonnen hatte,
über die er nichts wußte.
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