Glanz@Elend
Magazin für Literatur und Zeitkritik
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Komödie

 


»Coram iudice et in alto mare in manu dei soli sumus
»Vor Gericht und auf hoher See sind wir allein in Gottes Hand.«


»Foul is fair and fair is foul«
Über Georg M. Oswalds neuen Roman »Vom Geist der Gesetze«

»Gerechtigkeit ist etwas für Schwächlinge«, erklärt Staranwalt Ludwig Heckler aus Seite 199 seinem jungen Kollegen Spring und fährt eloquent fort, »Recht ist schlecht und schlecht ist recht. Was bedeutet das? Die Gesetze bestehen, doch der Geist, der sie beseelt, ändert sich ständig, und oft genug wendet er sich ins glatte Gegenteil dessen, was er noch kurz zuvor gewesen zu sein schien. Sie schlafen mit meiner Frau. Wie finde ich das? Ich würde Sie gerne töten. Was hält mich davon ab? Sicher nicht das Gesetz. Aus tausend Gründen, von denen Sie die wenigsten kennen, glaube ich, es nützt mir mehr, wenn ich mit Ihnen zusammenarbeite.«
Ja, es geht drunter und drüber in Oswalds neuem Roman, der sich wegliest, wie die Drehbuchvorlage für einen neuen rtlsat Film-Film mit Friedrich von Thun in der Hauptrolle. Und das ist erstmal gar nicht abschätzig gemeint, denn der Plot ist gekonnt konstruiert, der kapitelweise Wechsel der Erzählperspektiven sorgt für Tempo und Spannung.
Ein kleiner Moment der Unachtsamkeit nur, keine böse Absicht, sondern Fahrlässigkeit als Resultat einer Euphorie hervorgerufen durch Selbstüberschätzung verstricken einen Drehbuchautor mit Schreibhemmung, den Generalsekretär einer bayerischen Volkspartei samt Chauffeur, die femme fatal des maitre, einen braven Oberstaatsanwalt und den jungen Rechtsanwalt Sebastian Spring in eine Affäre, die das Leben jedes der Beteiligten grundlegend durcheinander bringt.

Viel Lärm um Nichts
Oswald, der in München selbst als Anwalt tätig ist, scheut sich dabei nicht, dick aufzutragen und sämtliche Klischees auszuschreiben, die sich in einer solchen Konstellation anbieten. Rossini und der große Bellheim lassen grüßen in dieser Gesellschaftskomödie, die als gelungener Unterhaltungsroman durchgeht, es letztlich leider doch an der dem versprochen Thema geschuldeten Ernsthaftigkeit fehlen läßt.
Daß vor Gericht Kuhändel geschlossen werden, ist Praxis nicht nur in Zivilprozessen. Daß Anwälte selbst oft genug über kriminelle Energie verfügen, ist ebenso bekannt, wie die Fähigkeit von Politikern zur aktiven oder passiven Bestechung, und daß die Unabhängigkeit der Richter, wie in Artikel 97 des Grundgesetztes festgeschrieben, ein schlechter Witz ist, wissen wir spätestens seit der Einstellung des Verfahrens im Mannesmann-Prozeß gegen die ehrenwerten Herren Ackermann, Esser und Zwickel.
Daß die besten Drehbücher dem wirklichen Leben abgeschrieben sind, bleibt so etwas wie die Schlußbotschaft von Oswalds unterhaltsamer Geschichte, die einen letztlich doch enttäuscht zurückläßt, nach allzuviel Lärm um zuwenig. Herbert Debes

Georg M. Oswald Vom Geist der Gesetze
Roman, rowohlt, 352 S., € 19,90
 


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