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Ein
gefundenes
Fressen
für die schreibende Zunft
Eine Anmerkung von Alfred Semf
Immer wenn bei Suhrkamp ein Mülleimer umfällt, gilt es, die Feder zu
spitzen. Diesmal scheint allerdings ein ganzer Laster umgekippt zu sein.
Also braucht man ein paar mehr Federn. Wenn die gerade nicht zur Hand
sind, wird halt abgeschrieben. So habe ich jetzt schon mehrfach in
verschiedenen Gazetten, die nicht müde werden, die berühmten Autoren des
Hauses Suhrkamp aufzuzählen, lesen dürfen, daß Umberto Eco dazuzählt. Die
Bücher, die ich von Eco gelesen habe, sind bei Hanser erschienen. Das
ist ein anderer, auch sehr guter Verlag, in München beheimatet (Der
Verleger des Hanser Verlags, Michel Krüger, ist übrigens Suhrkamp
Autor!).
Ich habe mir die Mühe gemacht, die aktuellen Bestsellerlisten zu
studieren. Unter den Top 50 finden sich immerhin sieben Bücher, die im
Suhrkamp Verlag erschienen sind. Natürlich mit Katharina Hacker, Die
Habenichtse, an der Spitze der Belletristikliste (was mich freut, ist
ein tolles Buch, und so gar nicht massenkompatibel). Dann geht es weiter
mit der unerläßlichen Isabel Allende, Mein erfundenes Land.
In der Sachbuchliste finden sich gleich drei Suhrkamp Autoren: Peter
Sloterdijk, Zorn und Zeit, Thomas Friedman, Die Welt ist flach (sollte
jeder, jede lesen, der, die sich z.B. mit solchen Sachen wie Blogs
beschäftigt) und schließlich der Erfinder des Begriffs „Suhrkamp
Kultur“, George Steiner, Warum Denken traurig macht (Vielleicht nehmen
deshalb so einige Feuilletonisten Abstand von dieser Tätigkeit).
In den Taschenbuchlisten dann ein Megaseller, den der Insel Verlag, der
ja bekanntlich zu Suhrkamp gehört, erst bekannt gemacht hat, Carlos Ruiz
Zafón, Der Schatten des Windes. Davon soll Insel und Suhrkamp inzwischen
weit über eine Million Exemplare verkauft haben (Wer`s noch nicht
gelesen hat, sollte das nachholen. Es ist ja bald Weihnachten). Und dann
noch das großartige Buch von Amos Oz, Eine Geschichte von Liebe und
Finsternis.
Bei meiner sonntäglichen Zeitunglektüre sind mir gleich zwei
große Artikel über Suhrkamp Autoren in’s Auge gefallen. Der Tagesspiegel
aus Berlin hat in seiner gestrigen Sonntagsbeilage eine ganze Seite für
Lily Brett, ihr neues Buch Chuzpe sowie die darin versammelten Klops
Rezepte, freigemacht. Und in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung
fand sich im Feuillleton ein über halbseitiges Interview mit Louis
Begley, ebenfalls seit Jahren Suhrkamp Autor (Lügen in Zeiten des
Krieges), von dem anscheinend demnächst ein neuer Roman zu erwarten ist,
im Suhrkamp Verlag. Soviel zur angeblich mangelnden Substanz des
Verlages!
Kein Wunder, wenn sich da bei einigen Hamburger Investoren, die sich
anschicken die Welt zu retten und damit bei Suhrkamp anfangen wollen,
Begehrlichkeiten regen. Für`s Image scheint der Verlag noch zu taugen.
Sollen lieber den FC St. Pauli retten. Da gibt`s dann auch ein hübsches
T-Shirt. Alfred Semf
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