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Gelder
sind vorhanden – Betten nicht!
Neues von Alfred Semf
Die Daily Soap um den Suhrkamp Verlag hat sich in eine Weekly
Soap verwandelt. Aus der Tagespresse ist das Thema weitgehend
verschwunden, hat dafür Platz gefunden in Magazinen und Zeitschriften.
So war im Börsenblatt des Deutschen Buchhandels (48-2006) ein
zweiseitiges Portrait des Hamburger Investors Claus Grossner zu lesen.
Und, mit Verlaub, nach der Lektüre lässt sich gut verstehen, daß der
Verlag dessen Engagement mit rechtlichen Mittel zu verhindern sucht.
Grossner firmiert unter »Großforschungs- und Informationsbureau«.
(Diesen Begriff unterstreicht meine Rechtschreibprüfung, aber, ich kann
ja nichts dafür, Grossner will es so). Diese »Bureau« beschäftigt sich
mit nichts Geringerem als WWW (nein, nicht was Sie jetzt denken). Diese
drei »W« stehen für »Wissen«, »Weltethos« und »Weltzukunft«. Für diese
hehren Ziele reicht ein einfaches »Büro« sicher nicht aus (In Berlin
betreibt Grossner übrigens ein »Office«, in der Meinekestraße. Das ist
unweit von Suhrkamps Berliner Repräsentanz. Vielleicht trifft man sich
ja mal zufällig auf der Straße). Diesen bescheidenen Ansprüchen ordnet
Grossner sogar die eigene Bequemlichkeit unter – er verzichtet auf ein
Bett, schläft wahrscheinlich im Sessel (soweit vorhanden) oder im Auto
(vorhanden). Na gut, die sechs Stunden Schlaf, die er sich gönnt, kriegt
man auch irgendwie rum. Die restlichen achtzehn Stunden widmet er sich,
tomatensafttrinkend, seinen Zielen, »sehr schnell, sehr präzise«. Kein
Zweifel, der Mann will die Welt retten. Diesem Ziel hat er sein Leben
untergeordnet, und dieses Leben hat er in 200 (!) blauen Büchern
dokumentiert. Ich freue mich schon auf die Gesamtausgabe im Suhrkamp
Verlag.
Da Herr Grossner für die »Bunte« nicht zu sprechen ist, hat sich dieses
Magazin (49 – 2006), das sich normalerweise ja nur dafür interessiert,
mit wem Boris Becker in die Besenkammer steigt, auf »Spurensuche«
begeben. Da Ulla Unseld-Berkéwicz ebenfalls nicht für die Bunte zu
sprechen war, wurden andere gebeten, bei der Spurensuche zu helfen, was
allerdings nicht sehr ergiebig ist. Joachim Unseld, der verstoßene Sohn
Siegfried Unselds, Bodo Kirchhoff, ehemaliger Suhrkamp Autor und jetzt
in der Frankfurter Verlagsanstalt bei Joachim Unseld unter Vertrag, der
Theaterregisseur Jürgen Flimm, der einst mit Ulla Berkéwicz, als sie
noch der Schauspielerei nachging, inszeniert hat. Ferner Martin Walser,
ebenfalls ehemaliger Suhrkamp Autor, dessen, des Antisemitismus
verdächtigter, Roman »Der Tod eines Kritikers« einst ein mittleres
Erdbeben bei Suhrkamp auslöste. Walser wundert sich, daß sich noch keine
Suhrkamp Autoren in der Sache geäußert hätten.
Nun, dies ist geschehen, vor Erscheinen der Bunte. Mehrere namhafte
Autoren und Autorinnen haben sich mittlerweile auf die Seite der
Suhrkamp Verlegerin (auch dieses Wort unterstreicht meine
Rechtschreibprüfung. Sind Verlegerinnen im Deutschen nicht vorgesehen?)
gestellt. Darunter Peter Sloterdijk, Peter Handke, Katharina Hacker,
Christoph Hein, Adolf Muschg, Hans-Ulrich Treichel, Durs Grünbein,
Michael Krüger, Ulrich Beck, Thomas Meineke u.v.a.m.
Auch Marcel Reich-Ranicki wurde von der Bunten befragt und hat den
einzig substanziellen Beitrag geliefert, der es verdient, zitiert zu
werden. »Kein Wort. Ich äußere mich nicht zu diesem Fall. Sie müssen
woanders suchen. Nur ein Idiot wird etwas sagen.« Hat M.R.-R. da geahnt,
wen er alles als Idiot bezeichnet? Steht uns ein neuer Literaturskandal
ins Haus?
Zwei Dinge sind und bleiben rätselhaft. Was ist die Motivation von
Grossner und Barlach? Und weshalb die aufgeregten Reaktionen von Seiten
des Verlages?
Und den Herren aus
Hamburg sei auch hier wieder anderes Betätigungsfeld anempfohlen. Es sieht
so aus, als ob nicht nur der FC St. Pauli Hilfe gebrauchen könnte, sondern
auch der HSV. Vielleicht ein neuer Torwart und ein bis zwei neue Stürmer.
Allerdings ist mir nicht bekannt, ob's beim HSV auch ein T-Shirt gibt.
Aber sicherlich einen lebenslangen Platz in der VIP-Lounge. Alfred Semf
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