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Zensur

 


Die Angst der Amis vor dem »Pimmelchen« -
Keine Wimmelbücher in den USA. Die Kinderbuchautorin Rotraut Susanne Berner verweigert US-amerikanischen Verlag wegen absurder Zensurforderungen die Lizenzrechte und verzichtet auf ein lukratives Geschäft



Die Wimmelbücher der Buch-Illustratorin und Autorin Rotraut Susanne Berner sind nicht nur in Deutschland beliebt. In 13 Ländern, darunter Japan und die Faröer Inseln, sind die großformatigen Alltagsbildergeschichten bislang erschienen, ohne Anstoß zu erregen.
Als im Gerstenberg Verlag nun auch eine Lizenzanfrage der US-amerikanischen Boyds Mills Press einging, wich die verständliche Freude über das gute Geschäft bald ungläubigem Staunen über die Forderung der Amerikaner, man möge doch die Raucher aus dem Buch entfernen und in der Museumsszene den weiblichen Akt, sowie die kleine nackte männliche Skulptur (im Original ca. 7 mm groß) durch andere Motive ersetzen.
Als die Autorin im Fortgang der E-mail-Korrespondenz mit dem US-Verleger feststellen mußte, daß es sich hierbei keinesfalls, wie zuerst vermutet, um einen Scherz handelte, sondern die Bedenken einer präventiven Problemvermeidungsstrategie entsprangen, die man schlicht vorauseilenden Gehorsam in Form von Selbstzensur nennen darf, schlug sie als Kompromiß vor, die »Problemzonen« mit schwarzen Balken zu überdecken: "Wenn schon Zensur, dann sollte man sie schon erkennen." Als sich der Verlag darauf nicht einlassen wollte, hat Rotraut Susanne Berner das lukrative Vorhaben abgesagt, weil für sie eine »unsichtbare Zensur« nicht in Frage komme.
Das ehrt zum einen die Autorin und belegt zum andern, wie weit in den USA selbst in intellektuellen Kreisen die Angst vor der Macht der Sittenwächter bereits fortgeschritten ist. Einerseits gibt es dort gut 40.000 Bibliotheken, in denen die Wimmelbücher sicher nicht schlechter aufgehoben wären als auf den Faröer-Inseln. Andererseits gibt es dort aber auch die nicht nur von Verlegern gefürchteten »Don't Buy«-Listen, die von einflußreichen fundamenalistischen Gruppen, aus Sorge um den Verfall der nationalen Moral, geführt und im Internet verbreitet werden.
Man stelle sich nur vor, eine us-amerikanische Mutter fühlte sich beim Anblick des ca. 1/2 mm großen »Pimmelchen« in ihrer sexuellen Unversehrtheit verletzt. Das kann schon mal ein paar Millionen kosten. Da wundert man sich dann auch nicht mehr, wenn man hört, daß ein in London lebender deutscher Kinderbuchautor schon mal einer Kuh den Euter wegretuschieren mußte, damit sein Buch in den USA erscheinen durfte. God bless america & blame the puritans. Herbert Debes

Die Wimmelbücher

 


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