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Schwarze Schafe, Rote Socken, Gelbe Rüben & Grüne Soße

Vom Niedergang der Parteiendemokratie

Die
These, die Parteiendemokratie, wie wir sie seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland gewohnt sind, sei am Ende, steht nicht nur an Stammtischen lebhaft zur Debatte, sondern wird als provokativer Katalisator für eine mehr oder weniger konstruktive Diskussion über die Parteien als gesellschaftliche Gestaltungskräfte auch von Journalisten, Politologen und Philosophen gern in die öffentlichen Diskursräume gestellt.
Nun sind die Zeiten, in denen ein Herbert Wehner, Willi Brandt oder Helmut Schmidt, den einen, und Konrad Adenauer, Franz Josef Strauß oder Rainer Barzel den anderen, als politische Leitfigur eine Heimat geben konnten, lange vorbei. 
Die weltpolitischen Probleme sind nach Ende des »Kalten Krieges« zunehmend komplexer geworden, die galoppierende Globalisierung der Wirtschaft läßt kaum noch Handlungsspielräume für volkswirtschaftlich wirksame nationale, lobbyunabhängige politische Entscheidungen.
Gleichzeitig werden die Politiker, egal ob regierend oder in der Opposition, von großen Teilen der Bevölkerung zunehmend als inkompetent, arrogant und wirklichkeitsfremd empfunden. Viele Aspekte und Ereignisse der letzten Jahre sprechen dafür, daß diese Einschätzung kein »Vermittlungsproblem« ist, sondern eine traurige Tatsache, die sich nicht nur auf deutsche Volksvertreter beschränkt.









Unzeitgemäße Privilegien der Parlamentarier, Parteispendenskandale, Flügelkämpfe innerhalb der Parteien, Ämtermißbrauch und -patronage
 
haben dazu beigetragen, den Entfremdungsprozeß zwischen dem Volk und seinen von ihm gewählten Vertretern eskalieren zu lassen.
Sinkende Wahlbeteiligung und die Zunahme der ungültig abgegebenen Stimmen sind Signale eines keimenden Volkszorns, der die Politiker treffen soll. Die Leute sind heute nicht weniger an Politik interessiert als früher, sie haben aber langsam die Nase von jener ignoranten Politikerschikeria voll, die ihnen nach einem vier Jahre langem müden Kick einreden will, sie hätten ein super Spiel gesehen, verstünden nichts von Fußball, und müßten beim nächsten Mal den doppelten Eintritt für ihre Stehplatzkarte zahlen.
Mit kaum verhohlener Partei- und Lobbypolitik, die einzig um den Machterhalt oder um ihre Erringung bemüht ist, sind die zu bewältigenden Probleme Arbeitslosigkeit, weitestmögliche Erhaltung der sozialstaatlichen Leistungen und Rentenfinanzierung gewiß nicht zu lösen. Das wissen die Fachreferenten in den Ministerien ebenso wie die akkreditierten Journalisten der Bundespressekonferenz. Wer aus der Reihe tanzt, wird abserviert. Hinter ihm scharren Dutzende Diplomanten mit den Füßen. Sie sind allhier erst kurze Zeit und harren voll Ergebenheit ...
 
Besonders deutlich wird dieses Dilemma, wenn Parteisoldaten aus der zweiten Reihe, vorgeschoben oder vorgeprescht, vor laufender Kamera zu konkreten Fragen mit zynischen Nullsummensätzen antworten, die einzig auf den medialen Effekt zielen, den politischen Gegner lächerlich zu machen, aber nichts konstruktiv Eigenes zur Problemlösung beitragen. Wer jahrelang durch Parteiseminare geschult worden ist, kann am Ende auch nur in den vorgegebenen Schablonen (wie nütze ich meiner Partei und mir) denken. Mit feudalistisch anmutenden Hierarchien und Strukturen und dem damit verbundenen Parteidogmatismus können die Parteien, die Grünen ausdrücklich eingeschlossen, ihrer politischen Verantwortung nicht gerecht werden. Eine mögliche Frage ist, ob sie das noch wollen. Aber das wäre eine Frage der politischen Ehre, und die heißt in Deutschland ja bekanntlich Treue. Und darin sind sich (hallo Oscar) fast alle einig. Herbert Debes
 


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