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Protokoll einer Zustimmung |
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Die Zustimmung erfolgt täglich.
Jeden Morgen erscheint die Abfrage.
Nur ein Satz:
Darunter zwei Felder.
Die meisten entscheiden sich für Ja.
Später wird selten gewählt.
Es gibt keine Konsequenzen. Alles bleibt, wie es ist.
Die Zustimmung wird gespeichert.
Es geht nicht um den Einzelnen.
Die Menschen haben sich daran gewöhnt.
Er ist Teil der Morgenroutine geworden.
Manchmal wird gefragt, wozu das dient.
Es gehe um ein Gesamtbild.
Ein Begriff wird häufig verwendet:
Die Systeme arbeiten leise. Sie beobachten.
In seltenen Fällen wird nicht zugestimmt. Die Möglichkeit besteht. An Tag 4.381 entscheidet sich eine Person für Nein. Ein Novum.
Die Oberfläche reagiert nicht. Nichts ändert sich.
Die Person wartet.
Es folgt keine Rückfrage.
Der Tag verläuft wie üblich. Niemand spricht die Entscheidung an. Am nächsten Morgen erscheint die Abfrage erneut. „Sind Sie einverstanden?“ Die Person betrachtet den Satz länger als gewöhnlich. Die Felder sind dieselben.
Ja. Das Feld für Nein ist verschwunden.
Es wird nichts erläutert. Die Person entscheidet sich für Später.
Die Abfrage kehrt zurück.
Im Verlauf des Tages häufen sich die Momente.
Beim Gehen. Immer gleich. Die Person wählt erneut Später.
Die Systeme reagieren nicht. Am dritten Tag beginnt sich etwas zu verschieben.
Nicht im Außen.
Die Person hat das Gefühl, beobachtet zu werden.
Eher wie ein leiser Druck.
Die Gespräche verlaufen korrekt. Doch etwas fehlt. Ein kaum benennbarer Rest.
Es gibt keine direkte Reaktion. Nichts, was sich greifen ließe.
Die Person beginnt, die anderen zu beobachten.
Das Drücken.
Es geschieht beiläufig. Am vierten Tag erscheint die Abfrage häufiger. Die Person entscheidet sich nicht.
Der Satz bleibt. Die anderen scheinen ihn nicht mehr zu bemerken. Die Person beginnt, den Moment zu fürchten.
Nicht die Abfrage selbst. Es gibt keine Konsequenz. Und genau darin liegt das Problem.
Ohne Konsequenz gibt es keine Abweichung. Die Person erkennt, dass die Zustimmung nicht für das System notwendig ist. Am fünften Tag wird die Abfrage entfernt. Für alle anderen bleibt sie bestehen. Die Person wird nicht mehr gefragt.
Der Morgen beginnt ohne Satz. Es fehlt etwas.
Die anderen drücken weiterhin. Die Person beobachtet die Bewegung. Das Ja. Es ist überall.
Ohne die Möglichkeit, nicht zuzustimmen, verliert die Zustimmung ihren Sinn. Die Person beginnt, den Satz zu vermissen. Am sechsten Tag erscheint er wieder. „Sind Sie einverstanden?“ Die Person zögert. Die Felder sind vollständig.
Ja. Kein Nein. Die Person drückt Ja.
Die Bewegung ist leicht. Nichts ändert sich. Alles bleibt. Die Zustimmung erfolgt täglich. Sie ist nicht verpflichtend. Niemand ist gezwungen. Und genau darin liegt die Übereinstimmung.
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Harald Müller,
geboren 1979 in Krefeld, schreibt phantastische und gesellschaftskritische Texte. Er arbeitet als Arzt im öffentlichen Gesundheitswesen und nutzt das Schreiben als Gegenpol zu seinem beruflichen Alltag. Seine Geschichten bewegen sich häufig zwischen Realität und System, zwischen Ordnung und Abweichung. Dabei interessiert ihn weniger das Offensichtliche als das, was sich darunter verbirgt. Er lebt und arbeitet in Brandenburg. |
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