Glanz&Elend Literatur und Kritik           Impressum & Datenschutz - Mediadaten - 25.09.21

 

Lesungen & Kulturlinks

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Ulf Erdmann Ziegler
Eine andere Epoche


Ziegler nimmt in den Blick, wie dieses Land zu dem wurde, was es heute ist. Leidenschaftliche Demokraten geraten an die Grenzen ihrer Erklärungsmuster. Sie ahnen das Ende einer Zeit, auf der ihre eigene Lebensgeschichte gegründet ist.  Leseprobe & Infos

Suhrkamp

Romane, Erzählungen u.a.

Biografien, Tagebücher & Briefe

Krimis, Thriller & Agenten

Philosophie & politische Theorie

Geschichte & Politik

Autoren & Literaturbetrieb

Zeitkritik & Essays

 

Glück und Abschiedsschmerz
Von Gregor Keuschnig
Artikel lesen
Karl Heinz Bohrers dreizehn alltägliche Phantasiestücke über
»Was alles so vorkommt«
»Ob er über Filme, Kinderbücher, Freundschaften, Schlaflosigkeit, das Ressentiment, das Alleinsein oder Fußball nachdenkt – vom allgemeinen geht es immer auch ins Persönliche. Und um Lebensbilanzen, die etwas Endgültiges bekommen.«

Die Entsorgung der Aura
Von Lothar Struck
Artikel lesen

Wie Moritz Baßler & Heinz Drügh versuchen, eine Ästhetik auf der Höhe der Zeit zu formulieren und scheitern müssen.
»Wer jetzt glaubt, die Lektüre des Buches sei überflüssig, irrt. Man sollte es schon deshalb lesen, um künftig seine gegenwartsästhetischen Erlebnisse auf ein Normalmaß zu beschränken. Zur Abschreckung, sozusagen.«

Sein & Werden
oder Wie ein alter Aussteiger junge Einsteiger motiviert
Von Wolfram Schütte
Artikel lesen
Maria Speths dreieinhalbstündiger Dokumentarfilm
über einen Lehrer & seine Migrantenkinder.
»Als Zuschauer & -hörer dabei zu sein, ist ein aufwühlendes, herrliches Erlebnis der Anteil nehmender Menschenkunde.«

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Deutscher Buchpreis 2021

auf der Shortlist
Norbert Gstrein,
Monika Helfer
Mithu Sanyal

Hanser
Literaturverlage

Denker zwischen Vorsokratik
und Sturmabteilung

Von Jürgen Nielsen-Sikora
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Über Lorenz Jägers Heidegger Biographie
»
Ein deutsches Leben
«
»In Bezug auf den Kern von Heideggers solipsistischem Denken als auch hinsichtlich der recht verschwurbelten Formulierungen vergibt Jäger zumindest anfangs die Chance, über Altbekanntes hinaus sich in kritischer Auseinandersetzung dem Meister terminologischer Chimären zu nähern – bzw. ihn weiter von sich weg zu schieben. Diesbezüglich ist die exzellent geschriebene Biografie bis zu dem Kapitel über Carnap ein wenig zu freundlich geraten und findet erst spät zu kritischeren Tönen.«

Fil Freyd
Von Sigrid Lüdke-Haertel
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»Der Scharlatan« aus dem Nachlaß des Isaac B. Singer ist ein Paradebeispiel jiddischer Erzählkunst.
»Singer haut hier schon kräftig in die Tasten. Er operiert mit glücklichen Zufällen und lässt das Schicksal walten, so wie er es braucht. Es geht also hoch her und happig zu.«



Bunt ist alle Theorie
Von Wolfgang Bock
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Hektor Haarkötters kurzweilige Kulturgeschichte der
»Notizzettel«
»Haarkötter beginnt ganz unaufgeregt mit der Nichtigkeit der kleinen analogen Zettel und entwirft so eine sympathische, fragmentierte Geschichte des vielfach gebrochenen Verhältnisses zwischen Schreiben, Verbergen, Aufzeichnen und Vergessen, die ganz ohne Lob des Digitalen und Großmeister-Allüren auskommt und dennoch unvergleichlich viel mehr an Stoff bietet.«

Das Brot der Erinnerung
Von Jürgen Nielsen-Sikora
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Bogdan Wojdowski
rekonstruiert mit seinem Roman »Brot für die Toten« die Hölle des Warschauer Ghettos und ruft die Vielfalt des vernichteter jüdischen Welt wieder ins Leben.
»Mit den Stimmen der Menschen, denen Wojdowski das stickele brojt der Erinnerung reicht, bringt er zum Sprechen, was nach der Ideologie der Barbaren nicht mehr hätte existieren sollen – die jüdische Ethik, deren Quelle in der fortwährenden Vergegenwärtigung liegt.«

Ein Blick aus der Neuen Welt
auf die Alte

Von Wolfgang Bock
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Bolivár Echeverrías Plädoyer für eine vielstimmige Globalisierung
»Die westliche Energie- und Bio-Politik führt unausweichlich in eine Sackgasse, wie sich gerade wieder am Beispiel Afghanistans ablesen lässt. Bolivár Echeverría aus Mexiko, Homi K. Bhabha aus Indien, Rey Chow aus Hong Kong oder Achille Mbembe aus Kamerun sind dagegen wichtige postkoloniale Stimmen aus der Peripherie, auf die hören sollte, wer eine menschliche Zukunft der Globalisierung denken will.«

Plädoyer für Pragmatismus
Von Lothar Struck
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Über Nora Bossongs Essaysammlung »Auch Morgen«
»Es ist ein leider unzeitgemäßer Ton geworden, dieses Plädoyer für das Pragmatische jenseits des Gestus all der- und diejenigen, die mit ihren Maximalforderungen ultimative Aufmerksamkeit erzeugen, weil sie geschickt an das angeschossene, schlechte Gewissen der Rezipienten appellieren und mit 'How dare you?'«

Bäume, Menschen
und signifikante Gleichartigkeit

Von Peter Kern
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Über die zunehmende Bedeutung des
»Neuen Materialismus«
»Als wesenlose ist die Natur das Material von Herrschaft. Ein Denken, das den Dingen und Menschen ihr Ansichsein bestreitet, macht sich mit den herrschenden Verhältnissen gemein, auch wenn es vermeint, aus ihnen auszubrechen. Wer aus dieser Gedankenwelt ausbrechen will, muss sich nach einer Metaphysik umschauen.«

& der Grappa?
Von Wolfram Schütte
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Eine Anmerkung zu Dieter Richters
Salto-Band
»
Con gusto«
»Die Veredelung des einst primitiven italienischen Tresterschnaps in eine weit gefächerte Diversität edelster »Tropfen«, deren Vielfalt, Qualität & Preise es leichthin mit dem schottischen Angebot an Malt-Whiskys aufnehmen kann, ist wohl die erstaunlichste & signifikanteste dieser kulinarischen Gewinne aus der Symbiose von Deutschem Konsum & der cucina italiana.«



Die Mischung macht's
11 Büchertipps mit Qualitätsgarantie ausgewählt von Herbert Debes


Zeitreise
Von Gregor Keuschnig
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Philipp Sarasins
»kurze Geschichte der Gegenwart - 1977«
»Präsentiert wird eine immense Stofffülle.
Der Anmerkungsapparat umfasst insgesamt 1142 Endnoten (65 Seiten werden hierfür benötigt, wobei es nahezu nur um die Nennung der Quellen und weiterführenden Referenzen geht).
«


Politische Melancholie
Von Jürgen Nielsen-Sikora
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Susanne Kerckhoffs »Berliner Briefe« sind Momentaufnahmen der deutschen Befindlichkeit kurz vor Gründung der beiden deutschen Staaten.
»Die Themen aus jener Zeit des Alliierten Kontrollrats kreisen um die Erbschaft des Nationalsozialismus, die Perspektiven des Sozialismus, den aufkeimenden Ost-West-Konflikt, die Verantwortung gegenüber den Juden und den problematischen Lebensalltag der Nachkriegszeit.«

Heidegger in der Frisco Bay
Von Peter Kern
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Jenny Odell und das Prinzip »Nichts tun« als Akt des politischen Widerstands
 
»Das Buch hält die Mitte zwischen einem Sachbuch, einem literarischen Werk und einem Manifest. Solche Texte sind für oppositionelle Individuen, die sich zu einer sozialen Bewegung sammeln wollen – und für ein solches Publikum schreibt die Autorin - unverzichtbar.«

»...mit der analytischen Kraft des Professors«
Von Gregor Keuschnig
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Was an Hermann Kurzkes »Handreichung für passionierte Leserinnen und Leser« vor allem auffällt, ist dessen Beliebigkeit und Gegenwartsabgewandtheit.
»Immerhin erfährt der Leser, dass Rilkes "Panther" kein zoologisches Gedicht ist und Micky Maus und Donald Duck moderne Versepen sind.«

Abschied vom Jetzt
Von Lars Hartmann
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Der Literatur- und Kulturkritiker Karl Heinz Bohrer ist  in London im Alter von 88 Jahren gestorben.
»Karl Heinz Bohrer war nicht nur ein Literaturwissenschaftler, dessen Texte mich begeisterten, weil man sich an ihnen abarbeiten konnte, sondern ebenso sehr ein streitbarer Essayist und zuweilen auch ein Polemiker, Polterer und scharf im Urteil. Solche Stimmen fehlen.«

Ein maßloser Reigen
Von Lothar Struck
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Mathias Énards Roman »Jahresbankett der Totengräber« ist ein literarisches Feuerwerk aus Schicksalen, Tragödien und dem prallem Leben in der französischen Provinz um Niort im Marais Poitevin.
»Und nein, es erinnert nicht an Fellini, denn hier, bei Énard, ist es reines Vergnügen.«

Hellsichtig bis in unsere Tage
Von Wolfram Schütte
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Hermann Stresaus Tagebücher 1933-1939
Stresaus unspektakuläres Leben im Dritten Reich sei »eines von Tausenden« gewesen, resümiert er im Vorwort, um dann aber mit einem unausgesprochenen Stolz hinzuzufügen, immerhin habe er in den zwölf Jahren aber zu jenen gehört, »die lieber die Nachteile ihres Unglaubens trugen als die Vorteile der Illusion«.

Quo vadis Betty?
Von Gregor Keuschnig
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Georges Simenon Geschichte einer Befreiung »Betty«
»Die Umstände enthüllen sich dem Leser (und mit ihm auch Betty selber) erst nach und nach. (...) Die weiteren Ereignisse (kein Wort hierüber in diesem Text) ergreifen den Leser, wühlen ihn auf. So schnell wird man das nicht vergessen.«


Der ewige Proust
Ein Essay von Lars Hartmann
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Zur Rezeptionsgeschichte und den Perspektiven einer zeitgenössischen Proustlektüre
»Die Proust'sche Zeit hat eine Elastizität und Relativität, an der alles äußerliche Messen scheitert.« (Ernst Robert Curtius)

Zeitgeschichte in Schlaglichtern
Von Peter Kern
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Jan Grossarths 27 Erkundungen
»Heiligenleuchten«
»
Eine Gesellschaft vom Irrsinn umstellt, die aus dem Bann böser Mächte ausbrechen will, lernt man in Jan Grossarths Buch kennen. Das lässt an die Irrenhaus-Witze der frühen Jahre denken: Der Direktor der Anstalt zeichnet mit Kreide eine Linie auf den Boden, und verspricht Freigang für jeden, der drunter durchkommt.«

Der Unzugehörige
Von Gregor Keuschnig
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Ulrike Edschmids fesselnder neuer Roman
»
Levys Testament«
»Man fliegt durch das Buch, dieses skizzenhaft-schnörkellose, aber nie hastige und bisweilen sogar epische Erzählen. (...) eine Mischung aus Hommage und literarischer Biographie. Es ist ein kleines, großes Buch.«


Wer schreibt?
Von Jürgen Nielsen-Sikora
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Frank Witzels spannende Selbstbegegnung im Spiegel von Texten, Autorinnen und Autoren.
Im Zentrum steht die Frage, ob es überhaupt so etwas wie ein real existierendes Ich gibt. Die Kernthese des Buches: »Die Annahme, es gäbe ein Ich … ist irrig. Das Ich ist nicht zuerst da und denkt und will, vielmehr konstituiert sich dieses Ich erst aus dem Denken und Willen.«


Fundstücke
Von Gregor Keuschnig
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Marcel Prousts frühe Erzählungen
»Der geheimnisvolle Briefschreiber«
»Wer sich unmittelbar auf die funkelnde poetische Kraft Prousts, die auch in diesen bisweilen fragmentarischen Texten hervorleuchtet, einlassen möchte, lese zunächst die Texte selber ohne jegliche Einführung und Einordnungen.«
 

Vom Green New Deal
und den grünen Marsmännchen

von Peter Kern
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Perspektiven eines Industriemodells der Zukunft
»
Die Gesellschaft, die mit ihren Steuermitteln einspringt, um die gegenwärtige Krise zu bewältigen, hat sich das Recht auf einen Strukturwandel erworben, bei dem es gerecht zugehen muss.«

Entdinglichte Welt?
Von Jürgen Nielsen-Sikora
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Byung-Chul Han schießt mit seinem Essay »Undinge« weit über das Ziel hinaus.
»Entdinglichte Welt? Mitnichten! Ein bisschen weniger Effekthascherei, etwas weniger Dramatik wäre angebracht. Muss jeder Satz wirklich eine große These sein?«


Verpasste Möglichkeiten
Von Lothar Struck
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Jürgen Brokoffs Studie »Literaturstreit und Bocksgesang« entdeckt Zäsuren im Literaturdiskurs der 1990er Jahre – und verharrt leider dort.
»Die Herauslösung von Zitaten aus Sachzusammenhängen ist eher ein Vorgehen von Populisten oder bestenfalls Rabulisten, die den Tenor, in dem ein Zitat zumeist eingebettet ist, durch seine Absolutsetzung ausblenden und somit verfälschen.«

Der Kriegsheld als Witzfigur
der Geschichte

Von Jürgen Nielsen-Sikora
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Franzobels schelmischer Roman über den spanischen Kolonialherren Hernando de Soto
»De Soto aber starb 'als ein Unglücklicher, ohne Beichte, und wir zweifeln nicht, dass er in die Hölle geworfen wurde.'«

Mischung aus Bombast & Schmock
Von Gregor Keuschnig
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Christoph Ransmayrs
mißglückte, kurze Geschichte vom Töten
»Ransmayrs Erzähler schmilzt während der 200 Seiten des Romans im klimagewandelten Dauerkriegseuropa wie ein Schneemann in der Sonne. Man kommt aus dem Bedauern nicht mehr heraus.«


Postume Danksagung
Von Wolfram Schütte
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Guy de Maupassant würdigt Gustave Flaubert
»Maupassants Essay, mit dem er auch der eitlen Nachrede des falschen Flaubert-Freundes Du Camp widersprechen wollte, ist aus verschiedenen Gründen für Flaubert-Interessierte von größtem Wert ...«

Aus dem Alltag der Dinge
Von Gregor Keuschnig
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Christoph Simon Texte über »Die Dinge daheim«
»Sie erzählen, lamentieren, schimpfen, appellieren, monologisieren oder treten in den Dialog mit anderen Dingen und manchmal sogar mit dem Menschen (der jedoch schweigt). Sie behaupten sich, sie irren (ohne, dass es ihnen jemand sagt), sie verzweifeln, sie sind arrogant oder bemitleidenswert.«

»Keine Ferne macht dich schwierig«
Von Lars Hartmann
Artikel lesen
Dirk von Petersdorffs »Romantik. Eine Einführung«
»Um aber überhaupt erstmal einen schönen und auch gut geschriebenen und klugen Einstieg zu bekommen, greife man zu von Petersdorffs Buch. Es ist im Blick auf die Facetten der Romantik weiter gefaßt und kommt insofern auch unserem Alltagsverständnis entgegen, was wir im gewöhnlichen Gebrauch unter Romantik verstehen...«

Statt Traumschiff: Raumschiff!
Von Wolfgang Bock
Artikel lesen
Klaus und Olivia Viewegs aufklärendes Bilderbuch, To Beam Or Not To Beam? Die Literatur in Star Trek.
»Der Weltraum ist mitnichten weit und leer. Auch dort gibt es nicht viel Neues zu erobern: was die utopische Novelle – und schon gar die technische als science fiction – in ihn hineinprojiziert, stammt allemal aus den ideologischen Traumresten der Kultur hier auf der Erde.«

Findlinge, gefunden
Von Wolfram Schütte
Artikel lesen
Ein buntes Florilegium aus J.J. Sprengs verwildertem deutschen Sprach-Garten
»Unter den zahlreichen Sprichwörtern, die das Buch aus der Vergangenheit bewahrt, ist »Weit beherret und nahe befreundet« in einer Feudalgesellschaft damals (wie auch heute) beherzigenswert: es »ist ein Rat der Alten, daß man sich weit von den Herren anbaue, damit man nicht immer dem Hofe dienen und frönen müsse, und daß man hingegen näher bey den Seinigen wohne, damit man Rat und Trost von ihnen haben, und ihnen geben könne«.«

Keine Macht für niemand
Von Peter Kern
Artikel lesen
In seiner spannenden Arbeit »Gewaltkritik« untersucht Wolfgang Bock Politik, Populismus und Parlamentarismus bei Walter Benjamin, Carl Schmitt, Georges Sorel und Giorgio Agamben.
»Der Messianismus in Bocks Fassung ist das Prinzip, ein aufgeklärtes, mit allen Mitteln gewaschenes politisches Vermögen stark zu machen, um den gegenwärtigen Dunkelmännern und -frauen den Weg zu verstellen. Man muss die Giftstoffe der Neuen Rechten kennen, um ein Vakzin zu entwickeln.«

Ach, so kleine Geister
Von Lothar Struck
Artikel lesen
»Machtverfall« titelt Robin Alexander seinen ernüchternden Report über Merkels Ende und das Drama der deutschen Politik.
»Es ist Ende Mai 2021 und bis zur Bundestagswahl sind es noch knapp vier Monate. Die Regierungspartei CDU hat noch nicht einmal ein Wahlprogramm verabschiedet. Stattdessen häufen sich in CDU und CSU Korruptionsvorwürfe und Ungereimtheiten. Droht der CDU das Schicksal anderer konservativer Parteien in Europa? Angela Merkel, die scheidende Kanzlerin, war lange der "kleinste, gemeinsame Nenner einer entpolitisierten, risikoscheuen Gesellschaft". Sehen wir jetzt das Resultat?«

Reflexionen über unser Gewordensein
Von Gregor Keuschnig
Artikel lesen
Steffen Menschings Gedichtband »In der Brandung des Traums«
»Leicht aber nie seicht, weltzugewandt, manchmal idealistisch, aber nie utopisch.
'Jemand, der grundlos so / freundlich war, konnte nur /
völlig verrückt sein.'
«

Mikrophysiker der Macht
Von Peter Kern
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Joseph Vogls kurze Theorie der Gegenwart
»Kapital und Ressentiment«
»Wenn, so schätzt man, fünfzig Mal mehr Geld nach Verwertung sucht, als welches in Produktionsprozessen steckt, dann sind profitable Investitionschancen knapp. Dann japst das Geld nach der Verwandlung in stoffliche und menschliche Warenkörper, um mehr Geld zu werden.«


Nichts ist hier sicher
Von Lothar Struck
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Judith Hermanns neuer Roman
»Daheim«
»Dank an Judith Hermann, dass sie keinen Thesen- oder Bekenntnisroman geschrieben hat, sondern erzählen wollte. Vielleicht beurteilt man den Roman in zehn oder zwanzig Jahren, wenn Judith Hermann weitere Erzählungen und Romane vorgelegt hat, als ein Puzzleteil eines groß angelegten, aber sanft daherkommenden Generationenzyklus.«

Briefromänchen
Von Gregor Keuschnig
Artikel lesen
Thea Dorns Briefe an Max spenden keinen »Trost«
»Die Autorin macht es der Kritik allerdings ziemlich leicht. Denn die hyperventilierende Mischung aus Selbstmitleid und Wut, die sich unter anderem in zeitweiliger Großschreibung und inflationären Ausrufezeichen zeigt und die man eher in einem Internetchat vermuten würde und gleichzeitig die halbgaren Versuche, existentialphilosophische Erkenntnisse über den Tod in der Gegenwart zu formulieren ermüden den Leser rasch.«


Auftanken
Von Wolfram Schütte
Artikel lesen
Florian Werners Liebeserklärung an die Raststätte
»Florian Werners Ortsbesichtigungen & Personenbeschreibungen sind das eine; das andere seine gründlichen Recherchen nicht nur über Garbsen Nord, sondern auch über Herkunft, Geschichte & Gegenwart der deutschen Autobahnraststätte im Allgemeinen.«


Zum 50. Todestag von Bernward Vesper

»Zum Glück ist es mir rechtzeitig eingefallen, mich zu spalten.«
Von Jürgen Nielsen-Sikora
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In dem autobiografisch angelegten Buch inklusive den unzähligen Ich und Welt spiegelnden Halluzinationen offenbare sich, so die Presse damals, das kollektive Scheitern einer ganzen Generation. »Der lange, täglich fortgesetzte Brief eines Ertrinkenden, Abgleitenden, aus der Zeit Gefallenen, gerichtet an alle und niemanden.«

Zukunftshumoreske
Von Gregor Keuschnig
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In seinem Roman »Die Kandidatin« spielt Constantin Schreiber mit den politischen Möglichkeiten unserer Zeitgeistdiskussionen
»Die Figuren bleiben am Ende so unangreifbar weit entfernt wie die 20+x-Jahre, die der Roman in der Zukunft spielt. Zur Verteidigung wäre einzuwenden, dass man von einigen Wendungen gar nicht mehr so weit entfernt zu sein scheint. Das schockiert dann doch ein wenig und lässt den Blick auf die Gegenwart milder werden. Noch.«

Chinas eindimensionale Gesellschaft
Von Peter Kern
Artikel lesen
Wolfgang Müllers freundlicher Blick auf die Weltmacht China wirft viele Fragen auf.
»Wer einmal ein in China agierendes deutsches Unternehmen besuchen konnte, hat den Katzentisch gesehen, an dem der Vertreter des Allchinesischen Gewerkschaftsbundes Platz nehmen durfte. Der Platzhirsch vor Ort war der Bürgermeister, in eins Vorsitzender der regionalen Parteigliederung und Chef der Polizei.«


Geselligkeitszonen
Von Lars Hartmann
Artikel lesen
Marc Augés Liebeserklärung an »Das Pariser Bistro«
»Wenn das Bistro ein romanesker Ort ist, dann vor allem in dem Sinn, dass es der Fantasie Fragmente von Geschichten darbietet, die sich gerade abspielen und deren Vorgeschichten oder Fortsetzungen sich jeder, dem danach ist, (…) ausmalen kann.«


Magischer Mikrokosmos
Von Lothar Struck
Artikel lesen
Peter Stephan Jungk »Marktgeflüster« nimmt uns mit auf den Marché d'Aligre in Paris
»Man kommt am Ende des Buches nicht davon los, dass die Erzählung des Heimatgefühls des Erzählers für diesen Markt eine Art Abschied darstellt, ein Abschied von einer Zeit, die nicht mehr wiederkommen wird. Wie schön, dass sie nun festgehalten ist.«

Ungenügend
Von Wolfram Schütte
Artikel lesen
Bert Rebhandls Godard-Biografie
Ohne Zweifel gehört eine Godard-Biographie, die auf der geistigen Höhe des Porträtierten sich bewegen sollte, zu den schwierigsten biografistischen Vorsätzen & journalistischen Aufgaben der Gegenwart. (...)
Leider hat das Buch Bert Rebhandls aber ein fundamentales Manko: der Autor besitzt weder eine beschreibend-evokative Sprache, um einen Film zu resümieren, noch  die notwendige Ökonomie, zwischen wichtigen & unwichtigen Informationen zu unterscheiden.«

Sahra blickt durch
Von Gregor Keuschnig
Artikel lesen
Sahra
Wagenknechts Gegenprogramm für Gemeinsinn und Zusammenhalt »Die Selbstgerechten«
»Früher gehörte es zum linken Selbstverständnis, sich in erster Linie für die weniger Begünstigten einzusetzen, für Menschen ohne hohe Bildungsabschlüsse und ohne ressourcenstarkes familiäres Hinterland. Heute steht das Label links meist für eine Politik, die sich für die Belange der akademischen Mittelschicht engagiert und die von dieser Schicht gestaltet und getragen wird.«

»Leben in friedlosem Frieden«
Von Gregor Keuschnig
Artikel lesen
Beatrix Langners zorniger Roman »Der Vorhang«
Von Ferne erinnert man sich bei Langner Erzählerin an einige Figuren von Heinrich Böll, die an ihrem Unwillen, sich mit den Verhältnissen abzufinden und diese stattdessen in ihrem Sinne zu gestalten, zerbrachen.
Leseprobe

Ein Sonnenkäfer im Archivdunkel
Von Wolfgang Bock
Artikel lesen
Zu Mary Warburg: Porträt einer Künstlerin
»Nicht ist hier also zu fragen, ob Marys Arbeiten dem absterbenden Formbegriff ihrer Epoche entsprechen, sondern danach, ob sie nicht vielmehr als die Vorboten einer kommenden Zeit anzusehen sind, die stärker die Entstehungsbedingungen weiblicher Kunst in den Blick nehmen?«

Die programmatische Essenz
eines Lebens

Von Lothar Struck
Artikel lesen
Ulrich Peltzers Bildungsroman »Das bist du«
»Nach nur wenigen Seiten sitzt man im Sound des Romans wie in einem bequemen Sessel. (...) Peltzers Erzähler sucht nicht nach der verlorenen Zeit, sondern (er)findet Entwicklungen, reflektiert über das Gewesene, ohne Melancholie und Bitternis aber – und das macht den Roman so lesenswert – auch ohne Verklärung.«

Der Verwandlungskünstler
Von Gregor Keuschnig
Artikel lesen
In seinem neuen Buch »Der grosse Kalanag« erzählt uns Malte Herwig wie Hitlers Zauberer die Vergangenheit verschwinden ließ und die Welt eroberte.
»Der große Kalanag blickte hinter die Kulissen seines eigenen Lebens und entdeckte dort eine große Leere.«


Himmelstürzende, verdrehte Dichtung
Eine Würdigung von Lars Hartmann
Artikel lesen
Am 9. April 1821 wurde der Dichter
Charles-Pierre Baudelaire in Paris geboren.
»... oder wie wir schon bei Hölderlin, Büchner und Celan sahen: Wer auf dem Kopf geht, hat den Himmel unter sich als Abgrund: »Race de Caïn, au ciel monte,
Et sur la terre jette Dieu!«
«

Angstobjekt oder goldene Banane?
Von Wolfgang Bock
Artikel lesen
Gefährliche Natur, gefährliche Unnatur: Darf man die Schöpfung straflos infrage stellen? Zu Christoph Türckes Kritik eines Machbarkeitswahns.
»Die radikale Dekonstruktion aller vorgegebenen Geschlechtsidentität mündet in eine hemmungslose (Selbst) Schöpfungstheologie.« Leseprobe


Das unbekannte Meisterwerk
Eine Anzeige von Wolfram Schütte
Artikel lesen
Der magische Realismus des Fritz Lehner & seine Schubert-Phantasmagorie »Mit meinen heißen Tränen«
Wenn (Udo Samels) Schubert am Klavier eines der traurigsten Lieder der »Winterreise« singt, wird allein dadurch die »poetische Schönheit der Kunst« auf die verzweifelte Prosa des elenden Lebens heruntergebrochen. Diese Engführung des gesangsfernen Schauspielers mit dem Kunstlied Schuberts, das hier gewissermaßen im literarischen Rohzustand erscheint, bringt die existenzielle Wucht zum Glühen, mit der Lehner von der herzzerreißenden Verlassenheit des sterbenden Komponisten erzählt.

Erzählen ist ein gefährliches Spiel
Von Lothar Struck

Artikel lesen
Anna Baars anarchischer, überbordender Roman »Nil«
»Und nennt mir…die Dichter nicht Profis noch Meister! Selbst der größte von ihnen ist bloß ein Zauberlehrling, ruft sich alles herbei, ohne den Spruch zu kennen, es wieder loszuwerden.«



Eine Art Vermächtnis
Von Lothar Struck
Artikel lesen
Peter Handkes Dämonengeschichte
»Mein Tag im anderen Land«
Wie immer ist das Erzähl-Ich nicht mit dem Autor zu verwechseln (zumal auch hier wieder Elemente aus Handkes "Ahnenkult" hervorschimmern), aber die drei Kapitel des Buches können dann doch als allegorische Spiegelung der Lebens- und vor allem Werkphasen gedeutet werden. Leseprobe

Ein Typus wird entdeckt
Von Wolfram Schütte
Artikel lesen
Heinrich Mann zum 150. Geburtstag
»Wie Moliere z.B. in Tartuffe einen menschlichen Typus dingfest gemacht hat, der wiederkehrt & überdauert, selbst wenn der ursprüngliche Schmierstoff des Katholizismus heute im Schwinden ist, so stellte uns Heinrich Mann den Untertan als Typus in seiner ersten deutschen Erscheinung vor Augen. (...) Vielleicht tut man als Deutscher gut daran – um zu wissen, wer man ist – in jedem Jahr einmal Lessings »Minna von Barnhelm« & Heinrich Manns »Der Untertan« zu lesen.«

Kommunikation: gestört
Von Gregor Keuschnig
Artikel lesen
Zwei Bücher über »Die Öffentlichkeit und ihre Feinde« und »über den wachsenden Einfluss linker Identitärer«.
»... der Individualismus, der jetzt im rechts-populistischen wie auch links-identitären Lager die skurrilsten Blüten treibt, (ist) das Produkt der seit Jahrzehnten fortschreitenden und nach dem Zusammenbruch des Kommunismus endgültig erfolgreichen Entkollektivierung von Individuen. Die Konfrontationen, die jetzt entstehen, werden nicht zuletzt aufgrund der digitalen Medien in Echtzeit auf dem kommunikativen Markt sichtbar, sofort virulent und von Leitmedien aufgenommen und teilweise sogar forciert.«

Eine Collage aus Perversion
und extremer Gewalt

Von Jürgen Nielsen-Sikora
Artikel lesen
Boris Luries Roman verbindet die Gewalt der Konzentrationslager mit der zerstörerischen Energie der Kultur- und Sexindustrie.
»Die No!Art ist eine Art Antikunst, die sich gegen die Pop-Art und den abstrakten Expressionismus richtet und Faschismus, Rassismus und Sexismus attackiert. Es ist zudem eine Reflexion jenes Abschaums und jener Verbrechen, mit dem die Massenmedien die Gemüter der damaligen Zeit überfluteten.«

Die Wahrheit & wär's
der Offenbarungseid

Ein Kommentar von Wolfram Schütte
Artikel lesen
Der erschlichene Kulturabbau in den öffentlich-rechtlichen Medien.
Diese galoppierende Abschaffung des Kulturauftrags der öffentlich-rechtlichen Medien Radio & TV & damit die Annullierung von deren gesetzlich fixierter Existenzgrundlage ist schon seit Jahren im Gange.

Ein melancholischer Refrain
Von Lothar Struck
Artikel lesen
Patrick Modianos neuer Roman »Unsichtbare Tinte« ist eine Allegorie auf das menschliche Erinnerungsvermögen.
»Sich der Wechselwirkung zwischen Erinnerung und Vergessen aussetzen. Mehrdeutigkeiten nicht ablehnen, sondern auszuhalten. In dieser Tradition steht dieser kleine, schöne, zart daherkommende Roman.«  

Wer ist zu beklagen? Sozialdemokraten!
Von Peter Kern
Artikel lesen
Der linke Vordenker Niels Heisterhagen fordert
eine »sozialdemokratische Verantwortungslinke«
»Es lag nicht daran, dass die SPD auf ihren Plakaten zu wenig gegendert hat. Woran die Misere der Partei liegt, bei Niels Heisterhagen kann man es nachlesen. Sein Buch mit dem etwas groß geratenen Titel Verantwortung listet auf, was der heutigen Sozialdemokratie abgeht.«

»Der Schoß ist fruchtbar noch, ...«
Von Wolfgang Bock
Artikel lesen
Peter von Haselbergs Studie über
»Schuldgefühle und postnazistische Mentalitäten in der frühen Bunderepublik
«
»So liest sich die Studie ein wenig wie eine Traumerzählung, in der die jeweiligen Einzelteile gleich wichtig sind. Es handelt es sich allerdings um eine Albtraum-Narration: in diesem Fall ist es nicht wie bei Goyas Capriccio der Schlaf der Vernunft, der die Ungeheuer gebiert, sondern im Gegenteil ruft die zu wache Abwehr der Schuldgefühle bei den Probanden die Sprachmonstren der deutschen Rechtfertigung hervor.«

Hosen runter lassen!
Von Wolfram Schütte
Artikel lesen
Sex-Idenditäre machen mobil
»Offenbar vertragen die ins Kraut geschossenen Identitätspolitiker keine Kritik, sondern nur vollständige, sofortige Zustimmung. Andernfalls gerieren sie sich »stalinistisch«, wie nun in diesem jüngsten Fuß-Fall der SPD vor der LGBTI.«

Der Schaum der Jahre
Von Lars Hartmann
Artikel lesen
»Il n'y a plus d'après ...«
Zum 101. Geburtstag von Boris Vian
»Raymond Queneau, Albert Camus, Jacques Prévert, Picasso, Michel Leiris, Jacques Lacan, George Bataille und natürlich Simone de Beauvoir waren. In diesem Reich regierte Boris Vian mit seiner Trompete als ausgefallener Prinz von Saint-Germain-des-Prés. Es wurde in jenen glücklichen Kellernächten Musik gehört, Gedichte vorgetragen, man rezitierte, deklamierte, tanzte, trank, rauchte, es wurde unendlich diskutiert, manches Mal auch dick aufgetragen um der Frauen willen, wie das so ist, in jenen schönen wunderbaren jungen Jahren.«

Das Buch der Stunde?
Von Lothar Struck
Artikel lesen
Die deutschsprachigen Literaturkritiker*innen sind mehrheitlich von Christian Krachts
neuem Roman »Eurotrash« begeistert.
»Schnell erkennt man, dass dieses Buch als autofiktionaler Roman angelegt ist bzw. diese Deutung nahelegen möchte.«


Ein opulentes Epos
Von Lothar Struck
Artikel lesen
Martin Mosebachs neuer Roman »Krass« bietet überraschende Einsichten und überzeugende Perspektivwechsel.
»Das Alte kann nicht mehr altmodisch werden, das Alte hat das Warten gelernt. Unablässig sinkt das Modische vor ihm dahin – obwohl es doch Ausdruck des Lebens ist. Als ob die wirkliche Probe der Dauer nur bestehen könnte, was vorher gründlich stirbt.«

Unorthodoxe Methoden
Von Gregor Keuschnig
Artikel lesen
Georges Simenons unterhaltsamen Erzählungen »Aus den Akten der Agence O«
»...
wegen solcher Erzählungen verzichtet man gerne auf zeitgenössische 08/15-Krimis. Und macht es sich mit Torrence und Émile gemütlich.«


Amüsante Pirouetten
Von Lothar Struck
Artikel lesen
Jakob Noltes
»Kurzes Buch über Tobias«
»Ja, hier weht ein frischer Wind, ein Konglomerat aus Satire und Nonsens in Zeitsprüngen und Absurditäten. Eine Karikatur des linken Identitätskults mag man da herauslesen, denn die Hauptfigur wechselt diese so schnell wie manche Fußballvereine ihre Übungsleiter. Eindeutig ein mehr als beachtliches Talent für Dialoge.«

Kreuz- & Querzüge  
zu stellenweisem Stil
Von Wolfram Schütte
Artikel lesen
Das Florilegium des Michael Maar
»Solange er seine subtilen Jagden nach den Raffinements des Stils am Einzelfall voll- & vorführt, wird man seinen analytischen Interpretationen in den meisten Fällen zustimmen können, ja müssen...«

»Die Ursache bin ich«
Von Lars Hartmann
Artikel lesen
Thomas Bernhard zum 90. Geburtstag
»Es gibt Literatur, die hat ihre Zeit und wirkt punktgenau in dieser bestimmten Phase und sie tut es vielleicht Jahrzehnte später wieder. Und ich denke, daß die Zeit Bernhards lange noch nicht vorüber ist.«


Der den Wind sucht
Ein Hinweis von Jürgen Nielsen-Sikora
Artikel lesen
Fernab des kulturellen Epizentrums Paris lebte und arbeitete der literarische Solitär Georges Perros in der
bretonischen Hafenstadt Douarnenez im Finistère.
»Perros Klebebilder versprühen eine dem Tod abgetrotzte Heiterkeit. Es geht um Lebenslust, Liebe, Literatur, Landschaft und Leute, um Malerei und Mallarmé, das Meer, Valéry sowie die Beziehung zwischen Kierkegaard und Regine Olsen. Und vieles mehr.«

Die Leiden des Henrik Vankel
Von Gregor Keuschnig
Artikel lesen
Karl Ove Knausgård fulminanter Erstlingsroman
»Aus der Welt« wagte vor über 20 Jahren viel. Die Rechnung scheint aufgegangen zu sein.
»...ein kraftvolles Buch, das bisweilen berührt. Der Roman ist ganz sicher keine Axt im gefrorenen Meer, aber vielleicht ein kleiner Eispickel. Und damit mehr als so vieles, was man derzeit so lobt.«

»Paradies vor dem Apfel«
Von Lothar Struck
Artikel lesen
Ein ungestümer Text, changierend zwischen Dystopie, absurdem Theater und bukolischer Naturbetrachtung: Florian L. Arnolds Novelle »Die Zeit so still« wagt viel.
»Hier ist es die Literatur, die praktisch den einzigen Sinn einer menschlichen Spezies ausmacht, denn die Natur braucht den Menschen nicht.«

Leibarzt & Blitzableiter
Von Gregor Keuschnig
Artikel lesen
Peter Fabjans »Rapport« über sein Leben an der Seite von Thomas Bernhard
»Im Zusammensein war mir das ständige Wechselbad der Gefühle eine harte Schule. Thomas konnte von übermäßiger Warmherzigkeit an einem Tag zu Eiseskälte am anderen wechseln, eine der ihm wichtigen Selbstbehauptungsstrategien.« Leseprobe

»Und das war alles.«
Von Wolfram Schütte
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Elisabeth Edl hat Gustave Flauberts »Erziehung zur Männlichkeit« neu übersetzt.
»
Noch nie hatte ich bei einem Klassiker so bedrängend die Vision,  lesend ihn als den Film zu sehen, nachdem das Buch als seinem eigentlichen ästhetischen Ziel zu verlangen schien. Etwa derart, wie Marx das Entwicklungsgesetz der Ökonomie beschreibt: wenn die Produktivkraft sich so steigert, dass sie die bislang bestehenden Produktionsverhältnisse sprengt.«
Leseprobe

Die Leibseele und ihr Schatten
im 21. Jahrhundert

Von Wolfgang Bock
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Zu Thomas Fuchs' »Verteidigung des Menschen« - Grundfragen einer verkörperten Anthropologie.
»Der Psychiater und Philosoph Thomas Fuchs tritt ein für eine phänomenologische Anthropologie als körperliche Bedingung des menschlichen Geistes, gegen einen Naturalismus und einen Szientismus, die epistemologisch aus dem Ruder gelaufen sind und ihr Subjekt verloren haben.«

Prunk, Mode und Singularisierung
Von Peter Kern
Artikel lesen
»Individualismus ist heutzutage in.«
(
HR 3-Moderator)
»Bei Reckwitz agiert diese Welt bloß im Hintergrund, und sie hat keine Formbestimmung, ist nicht vom prozessierenden Wert geprägt. Auf der Vorderbühne tummeln sich die nach Aura buhlenden Waren.«


Gefangen in Idealen?
Von Lothar Struck
Artikel lesen
Zwischen Real- und Idealpolitik:
Das Dilemma von Barack Obamas Politik zeigt sich auch in seinem ersten autobiographischen Bericht: Er will es einfach allen recht machen.
»Die Überlegung, dass seine Präsidentschaft als erster Afroamerikaner die politische Unversöhnbarkeit noch befördert haben könnte, mag nachträglich den Tatsachen entsprechen. Obama kritisiert in diesem Zusammenhang allerdings nicht nur die Republikaner, sondern auch Teile seiner eigenen Partei, die ihre Werte nur unzureichend vertreten hätten und beispielsweise die Wähler des sogenannten "Rostgürtels" ("Rust Belt") vernachlässigt würden.«

»All in«
Von Gregor Keuschnig
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Ludwig Fels' neuer Roman
»Mondbeben«
Eine
»Parabel? Ein Lehrstück? Von allem etwas? Es kann bisweilen eine Stärke sein, dass sich eine Prosa nicht sofort kategorisieren lässt, daß die Fragen im Verhältnis zu den (vermeintlichen) Antworten überwiegen, alles in der Schwebe bleibt, und das einem die Personen so schnell nicht mehr aus dem Kopf gehen, auch wenn das Buch schon längst im Regal steht.«

Wie Verzweiflung die Revolte gebiert
Von Gregor Keuschnig
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Ludwig Fels' großartiger Roman »Die Hottentottenwerft« erinnert an Georg Büchners Credo, zu
versuchen, gegen die Widerwärtigkeiten
der Herrschenden
, ein guter Mensch zu sein.
»Es sind Figuren, die unrettbar in ihren Kausalitäten verstrickt sind. Mohr ist am Ende die einzig moralisch integre Person. Zuweilen erinnert er an Büchners Woyzeck – beides Schlaflose, beide gefangen in einer hoffnungslosen Liebe und beide Spielfiguren im Weltenlauf.«

112 gegen ein nicht gelesenes Buch
Von Gregor Keuschnig
Text lesen
112 feministische Nichtleserinnen, die sich inhaltlich und moralisch
für kompetent erklären, bringen zwei renommierte Großverlage dazu,
ein Buch vom Markt zu nehmen bzw. nicht mehr neu aufzulegen.


Avancierter Feminismus
- radikale Kritik heißt triggern
Von Lars Hartmann
Text lesen
Die erste Dokumentation zur radikalsten Zeitschrift der westdeutschen Frauenbewegung »Die schwarze Botin«
»Sie wollten mit einer Fackel ausleuchten und oft auch mit der Feder umbringen. Von links her und einerseits in der Tradition Kritischer Theorie und doch darüber hinaus. Insofern ist dieses Buch auch für eine feministisch inspirierte Kritische Theorie spannend.«

In der Gegend meiner selbst
Eine virtuelle Ausstellung
von Jürgen Nielsen-Sikora
Bilder & Texte
»Leben heißt aufnehmen. Was man Inspiration nennt, sind nur jene besonderen Momente, in denen die menschliche Wachswalze die passende Nadel trifft.« (Georges Perros)

»Bilder aus der Vergangenheit,
die im Kopf abstürzen wie Flugzeuge aus heiterem Himmel.
«

(Peter Handke, Das Gewicht der Welt)

Lob des Zweifels
Von Wolfgang Bock
Text lesen
Sedimente einer Perspektive der Verdachtsmomente auf die Arbeitskultur.
Peter Kerns »Die Angestellten zwischen Büroalltag und Fluchtphantasie.«
»Thema des Buches ist das Ethos und es handelt sich damit um eine kleine Sittenlehre für Menschen, die in komplexer Reproduktion nicht nur ihre Arbeitskraft, sondern auch ihre Seele zu verkaufen genötigt sind.«

Ein seltsamer Abschied von der Literatur
Von Gregor Keuschnig
Text lesen
Durs Grünbeins
Oxford Lectures »Jenseits der Literatur«
»Wir bemühen uns um eine Photosynthese der Worte und der Bilder. Die Worte arbeiten an der Überlieferung, die Bilder erreichen uns immer aus einer kleinen Zukunft, die schnell Vergangenheit wird. […] Jeden Tag treibt uns Geschichte, diese brutale Übersetzung der Zeit in eine kollektive Erzählung, aus uns selbst heraus und verwirrt unsere Imagination. Der Dichter ist nur einer von vielen, sein Problem ist es, die Prätentionen des Dichtertums abzulegen.«

Kein Glück in Libreville
Von Gregor Keuschnig
Text lesen
Georges Simenons atmosphärisch dichter
'roman durs' »
Tropenkoller«
»Ihre Kraft, ihre Gesänge, mit der sie das Boot traumwandlerisch sicher rudern und steuern, ihre Nacktheit, ihr Dasein in dieser Welt – alles imponiert ihm. Dazwischen er, der Weiße, der eigentlich nichts von ihnen weiß, dessen Machtinsignien Alkohol, Zigaretten und, vor allem, der Tropenhelm ist. Joseph ahnt zum ersten Mal: Er hat hier nichts zu suchen.«

Realismus, Antirealismus & überhaupt
Von Gregor Keuschnig
Text lesen
Dietmar Daths
»Stehsatz« ist die erweiterte und überarbeitete Version eines Klärungsversuchs in persönlicher und allgemein literarischer Sache, den der Autor im Januar 2020 in Göttingen als Lichtenberg-Poetikvorlesung unternommen hat.
»Du darfst bei der literarischen Arbeit von Moral ausgehen, aber nicht auf sie hinauswollen.«

Metamorphosen der Vernichtung
Von Jürgen Nielsen-Sikora
Text lesen
Eine Geschichte des Krieges vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart
»Die Schlachtfelder und Schützengräben von einst wichen den Guerillas, dem Terror und den Drohnen – Symbol-instrumente für einen Krieg ohne Schlacht.«


Nicht der »Nigger«, sondern »Niemand« verschwindet
Von Martin Lüdke
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Joseph Conrads früher Roman »Der Nigger von der ›Narcissus‹« – in neuer Übersetzung mit dem fatal absurden Titel »Der Niemand von der ›Narcissus‹.
»Es ist eine Fälschung der Geschichte, und eine Verleugnung des geschehenen Unrechts, wenn wir heute so tun, als seien die Nigger keine Nigger gewesen. Ihre Bezeichnung – als Nigger – ist das Mahnmal unserer Schuld. Denn wir, die Weißen, wir haben sie zu Niggern gemacht. Wir haben sie ausgebeutet, gequält, ermordet. Und: nicht als Menschen anerkannt. Joseph Conrad wusste, warum er seinen Helden den »Nigger von der ›Narcissus‹« nannte.«

»Immer voran«
Von Lothar Struck
Text lesen
Sämtliche Texte von Wolfgang Welt
zu Musik und Literatur sowie seine literarischen Erzählungen sind im Verlag Andreas Reiffer herausgegeben von Martin Willems erschienen. Und das ist ziemlich großartig.



Der Trost liegt in der Zukunft
Von Gregor Keuschnig
Text lesen
Richard Fords neun neue Erzählungen
»Irische Passagiere«
»Fords Erzählband erzeugt in Zeiten sich potenzierender Krisen und Konflikte eine bisweilen beruhigende Aura des Optimismus. (...) Bleibt nur noch eine Frage: Was macht eigentlich dieser Frank Bascombe?« Leseprobe

Nachruf auf eine ferne Zeit
Von Wolfram Schütte
Text lesen
Franco Morettis überraschende Schlaglichter auf
»Szenen amerikanischer Kultur«

»Immer geht es dem Italiener-in-den-USA in seinen brillant evozierten, vielfältig durchleuchteten & kritisch durchdachten Szenen amerikanischer Kultur darum, sich, seinen Studenten & uns europäischen Lesern klar zu machen, warum wir alle unter der kulturellen »amerikanischen Hegemonie« leben.«

Intellektuelle und Symbolfigur
Von Jürgen Nielsen-Sikora
Text lesen
Benjamin Mosers opulente Susan-Sontag-Biographie
»Sie repräsentierte die Hoffnung auf ein Amerika der Toleranz und Diversität, dessen Teilnahme an anderen Nationen frei von Chauvinismus war. Sie stand für die soziale Rolle der Künstler und zeigte, wie Künstler politischer Tyrannei widerstehen können.«

Lebendige Klassiker:

Jede Leser*innen-Generation hält durch ihre Lesart die Klassiker am Leben.

»By a Lady«
Von Paulina Zimmermann
Text lesen
Kunst oder Kitsch?
Über Jane Austen und ihren Roman
»Stolz und Vorurteil«
»It is a truth universally acknowledged, that a single man in possession of a good fortune, must be in want of a wife.«

Mut zur Erwachsenheit
Von Lothar Struck
Text lesen
Alexander Kissler Suche
nach Wegen aus der
selbstverschuldeten Unreife
»Die infantile Gesellschaft«
»Eine Regierung kann sich Vertrauen ausschließlich durch bewiesene Kompetenz verdienen, nicht dadurch, dass sie sich zum Konzept einer vertrauensvollen Beziehung bekennt.«


La Bohème im Silicon Valley
Von Peter Kern
Text lesen
Anna Wiener geht durch ein tiefes Tal
»Das große Verdienst des Buchs: Will man wissen, wie die nahe Zukunft der Beschäftigungsverhältnisse hierzulande aussehen kann, bekommt man eine Ahnung. Diese Ahnung könnte sich in Kürze weiter verdichten; kalifornischer Geist wird bald in der Mark Brandenburg wehen. Der Herr über Tesla hat schon deutlich gemacht, was er von deutscher Unternehmensmitbestimmung hält, nämlich nichts.«

Zu viel des Guten?
Von Gregor Keuschnig

Text lesen
Ben Lerners vielgepriesener Roman »Die Topeka Schule«: Ein gelungenes Sittenbild der amerikanischen Gesellschaft oder eine überfrachtete Versuchsanordnung?
»Lerner erzählt in leichtem Ton die Bigotterie und Heuchelei, ohne selbst in einen milieu-ähnlichen Duktus des Moralisierens zu verfallen.« Leseprobe & Infos


Was geschah mit Onkel Salomon?
Von Gregor Keuschnig
Text lesen
Eduardo Halfons lesenswerter Roman »Duell«
»Bisweilen gelingen Szenen von großer Kraft und Schönheit. (...) Der Verlag sollte schnell die anderen Bücher übersetzen und den Lesern dieses Werk dann vollständig präsentieren. Es dürfte sich lohnen.« Leseprobe


Die doppelte Annette
Von Lothar Struck
Text lesen
Anne Webers biographisches Versepos über das Leben der Anne Beaumanoir
»Die Moral von der Geschichte ist die nicht zu beseitigende Ambivalenz zwischen Aktion und Reaktion. Oder, wie die Autorin in ihrem Zeitreisetagebuch 'Ahnen' 2015 geschrieben hatte, zwischen "Real und Ideal'.«
Leseprobe

Recht geschickt im Selbstwiderspruch
Von Gregor Keuschnig
Text lesen
Ijoma Mangolds
unterhaltsames politisches Tagebuch »Der innere Stammtisch«
»Mangold spielt eine Mischung aus intellektuellem Freigeist und Dandy und suggeriert in seinen Notaten zu Beginn, dass die bisweilen ketzerischen und/oder unorthodoxen Gedankengänge niemals an die Öffentlichkeit kommen. Natürlich glaubt man ihm kein Wort.«

»Ich ist ein anderer, der ein anderer ist«
Von Lothar Struck
Text lesen
Leopold Federmair widmet sich hingebungs- und verdienstvoll dem Werk des argentinischen Schriftstellers Ricardo Piglia.
»Erzählen ist wie Pokern: Das Geheimnis besteht darin, als Lügner zu erscheinen, wenn man die Wahrheit sagt«, so zitiert Federmair Piglia. Man muss diesen Aphorismus zweimal lesen, um seine Bedeutung zu verstehen. In Zeiten, in denen Authentizität wie auch Identität als höchste literarische Qualitäten gelten, mutet er fast unverschämt an. Piglias Intention liegt darin, Fiktionalität und Realität ununterscheidbar zu machen und die unselige Frage, was real und was Erfindung ist, nicht nur aufzuheben, sondern ad absurdum zu führen.«

Pocahontas revisited
Von Wolfgang Bock
Text lesen
Das mythologische Ei, aus dem die Geschichte Amerikas schlüpfte. Klaus Theweleits dickleibige, heterogene Kulturgeschichte.
»Eine bewährte Möglichkeit ist, es wie bei allen früheren Büchern Theweleits auch zu machen: sich die Bände hin und wieder vorzunehmen und sich ein paar Tage durch die Bildergeschichten und die Überschriften zu blättern. So machen die Leserin und der Leser sich selbst ein Bild, schaffen sich eine Struktur, um den Phantasieströmen, die auch die Bücher speisen, nicht völlig hilflos ausgeliefert zu sein.«

Ein kritisches Leben
Von Jürgen Nielsen-Sikora
Text lesen
Rechtzeitig zu Walter Benjamins 80. Todestag ist die fein gewebte Biographie von Howard Eiland und Michael W. Jennings in deutscher Übersetzung erschienen.
»Stolze 1020 Seiten lang und dennoch äußerst kurzweilig, berichtet die streng chronologisch angelegte Biografie sehr kenntnisreich und detailliert über dieses »Genie des Verweilens« und flicht auf elegante Weise zeitgeschichtliche Kontextualisierungen, ausführliche werkimmanente Darstellungen und interpretative Abschnitte in die Lebensgeschichte Benjamins ein.« Leseprobe

Walter Benjamin:
Nomade auf Sammlerschaft

Ein literarischer Parcours mit Originaltexten, Essays & Rezensionen
Zu den Texten
»Nachdem Walter Benjamins Flucht vor den Nationalsozialisten 1940 mit seinem Tod am 26. September im französisch spanischen Grenzort Portbou jenes tragische und bis heute von Verschwörungstheorien umschwirrte Ende genommen hatte, war keineswegs abzusehen, welche Bedeutung Walter Benjamins Werk & Persönlichkeit für die Nachwelt einmal haben würde.«

Großer Erzähler einer kleinen Welt
Von Sigrid Lüdke-Haertel
Text lesen
Kent Harufs berührende Fortschreibung seiner »Holt«-Geschichten.
Seine »Kostbaren Tage« gehen einem an die Nieren.
Ein ergreifendes, aber wie der Titel verspricht, auch kostbares Buch.



Zwischen den Trümmern
Von Sigrid Lüdke-Haertel
Text lesen
Ein neues Kapitel in Annie Ernaux' Geschichte ihrer Herkunft »Die Scham«
»In der schlecht beleuchteten Vorratskammer hatte mein Vater meine Mutter mit der einen Hand an der Schulter oder am Hals gepackt. In der anderen hielt er das Beil, das er aus dem Klotz gerissen hatte.« Leseprobe

Mißlungener Abschied von den Eltern
Von Gregor Keuschnig
Text lesen
Frank Witzels
autofiktionaler Roman »Inniger Schiffbruch«
unterliegt einer überorchestrierten Assoziationsmanie.
»Damit er nicht an seiner seltsamen Melange aus Hochmut einerseits und Selbsthass andererseits erstickt, stellt er beides aus wie ein restaurierungsbedürftiges Möbelstück, dem man seinen erbarmungswürdigen Zustand als Patina anrechnen soll. Am Ende kann es sich der Erzähler in seiner Opferrolle bequem machen.«   

»Alle Dinge sind an sich selbst widersprechend.«
Aktuelle primäre und sekundäre Lesetipps
von & zu
Georg Wilhelm Friedrich Hegel
Zu den Büchern

Der bacchantische Taumel
Von Lars Hartmann
Artikel lesen
Hegel zum 250. Geburtstag
»Das Bekannte überhaupt ist darum, weil es bekannt ist, nicht erkannt. Es ist die gewöhnlichste Selbsttäuschung wie Täuschung anderer, beim Erkennen etwas als bekannt vorauszusetzen und es sich ebenso gefallen zu lassen; mit allem Hin- und Herreden kommt solches Wissen, ohne zu wissen wie ihm geschieht, nicht von der Stelle.«

»Ist er geistreich oder wirr?«
»
Er ist schwierig!
«

Von Wolfgang Bock
Artikel lesen
Hegel im Spiegel seiner Biographie:
Ein Dribbling
»Der Jenenser Philosophieprofessor Klaus Vieweg verfasst eine neue und emphatische Hegelbiographie. Das monumentale über 800 Seiten starke Werk ist so angelegt wie eine Szene des Frankfurter Cartoonisten Friedrich Karl Waechter: Ein Fußballspieler umdribbelt mit dem Ball alle Spieler der gegnerischen Mannschaft und schießt ihn am Ende zum siegreichen Tor ein; anschließend reißt er die Arme zum Jubel hoch.« Leseprobe

Kein Ort nirgends?
Von Lars Hartmann
Text lesen
Von einer sich ins Handgemenge werfenden Philosophie
»Sie will uns ins Offene des Denkens führen, und vor allem will Di Cesare die Philosophie von zweckhaften Einhegungen und Funktionalisierungen bewahren, wo der Philosophie lediglich eine Reparaturfunktion für gesellschaftliche Defekte zukommt.«

Das letzte Einhorn revisited
Von Jürgen Nielsen-Sikora
Text lesen
Über Markus Gabriels »Fiktionen«
»Die Sinnfeldontologie ist insofern nichts anderes als eine Art Meta-Erzählung, von der nicht wirklich klar wird, in welchem Sinnfeld sie selbst existiert und für welches der unendlichen Sinnfelder sie nun Gültigkeit beansprucht.«


Very british, indeed!
Von Wolfram Schütte
Text lesen
Ulrike Draesner biographischer Roman-Hybrid »Schwitters«
Eine an den Lebenswendepunkten lokalisierte, sprachlich vielfältig instrumentierte Roman-Phantasie, die sich an Kurt Schwitters bewegtem Lebensweg orientiert.



Die beiden Johannes
Von René Steininger
Text lesen
Über Peter Handkes Journale
Bernhard oder Handke? In Österreich ist das beinahe eine Glaubensfrage (so wie die russische Intelligenz, Brodsky zufolge, in Anhänger Tolstojs und Dostojewskijs zerfällt). Dass einer beide mit Gewinn liest, scheint nicht möglich oder kommt jedenfalls einem Sakrileg gleich. Meinen Freunden, in der Mehrzahl Bernhard-Leser, rate ich dennoch immer zu einer selektive Lektüre ihres Gegenspielers: »Lest wenigstens seine Journale!«

Dialektik der Reformer
Von Wolfgang Bock
Text lesen
Phantastische und digitale Schatten und ihr Echo.
Über Markus Gabriels »Fiktionen«, die keinen geringeren Anspruch haben, als
»unseren bedrohten Sinn für das Wirkliche zu rekalibrieren.«
»Das von Gabriel groß angekündigte Projekt Realismus 2.0 ist mit solchen Voraussetzungen und trotz großen summarischen Wortgeklingels eben kein konsistentes Argument gegen die Dialektik der Aufklärung und auch nicht gegen das postmoderne Denken und seiner Krise des Subjekts.« Leseprobe & Infos


Glücklich ist, wer vergißt ...
Von Lothar Struck
Text lesen
Michael Kleebergs Recherche über seinen Vater »Glücksritter«
»Es gibt nichts zu enthüllen, aber einiges zu entdecken. Und gerade dahin liegt die Freiheit dieser Prosa, die sich verweigert, etwas zu 'zeigen', zu 'demaskieren' oder 'anzuklagen'.«

 

Schreie vom Balkon
Von Herbert Debes
Text lesen
Briefe von Charles Bukowski: »Auf Euch sitzen vielleicht Schmeißfliegen, aber auf mir hocken die Geier.«
»In ihnen erzählt er vom Auf und Ab seiner letzten fünfunddreißig Lebensjahre; vor allem von seinen katastrophalen Affären mit angeknacksten Emanzen, Oben-Ohne-Schlangentänzerinnen, alleinerziehenden Müttern auf Speed, und Rock’n’Roll-Plattenlabel-Exekutivdamen. Und für Zeitgenossen, die gern etwas Höherstehendes lesen, zitiert er Horaz im Original.«

519 Tage
Von Gregor Keuschnig
Text lesen
John Boltons Erlebnisse als Nationaler Sicherheitsberater von Donald Trump
»Ein Präsident Trump in der zweiten Amtszeit wird weit weniger durch die Politik eingeschränkt sein als in seiner ersten Amtszeit. Die Ironie könnte durchaus darin liegen, dass sich die Demokraten in seiner zweiten Amtszeit inhaltlich mit einem Trump, der ein Vermächtnis anstrebt, weitaus mehr zufriedengeben werden als Konservative und Republikaner. Darüber sollte man nachdenken.«


Lisa Eckhart und der Hohe Spatz von St. Pauli
Oder vom weltanschaulichen Wachschutz
Von Lars Hartmann
Text lesen
»Inzwischen ist aus diesem einmal sinnvollen Ansatz, Diskriminierung zu bekämpfen, ein Hobby geworden, um unliebsame Ansichten loszuwerden: es nennt sich Denunziation oder wenn man es ein wenig akademischer einkleiden will: Hermeneutik des Verdachts. Ohne hinreichendes Argument, auf ein bloßes Insinuieren hin, wird nicht etwa eine andere Sicht kritisiert, sondern von vornherein ausgeschlossen.«

Die absolute Biografie
Von Jürgen Nielsen-Sikora
Text lesen
Rüdiger Zills stoffreiche Blumenberg-Biographie
»... So gelingt ihm ein sprachlich brillantes und in seiner Fülle kaum zu übertreffendes Portrait Blumenbergs. Die Jugendjahre kommen hierbei ebenso zur Sprache wie fachliche Kontroversen und Konflikte mit Kollegen, hervorgerufen auch durch seine Herausgeberschaft von Fachzeitschriften, und die ausführlichen Kontextualisierungen seiner Bücher.« Leseprobe & Infos

»Das Fehlen des parabolischen Erzählens«
Von Gregor Keuschnig
Text lesen
Olga Tokarczuks Vorlesung zur Nobelpreisverleihung
Wie kann das »unkommunikatives Gefängnis des ›Ich‹« gesprengt werden? Es ist die Suche nach den »Grundfesten für eine neue Universal-Erzählung […] für eine ganzheitliche, allumfassende, in der Natur verwurzelte Narration, die die unterschiedlichsten Kontexte mit einbezieht und dennoch verständlich bleibt.«

»Der Welt sind alle Blätter abgefallen«
Von Gregor Keuschnig
Text lesen
Der »Gesang der Fledermäuse« als
Einstieg zu den
anspruchsvolleren Texten Olga Tokarczuks
»Man kann also sehr wohl einen Kriminalroman schreiben und trotzdem den Nobelpreis erhalten. Tatsächlich ist dieses unsägliche Schubladendenken gegenüber der sogenannten Genreliteratur fast nur noch in der deutschsprachigen Rezeption existent.«

Biopic
Von Wolfram Schütte
Text lesen
Robert Seethalers
»Der letzte Satz«
»Ich stelle mir vor, Seethaler sei von zwei ikonischen Gustav-Mahler-Bildern zu seinem Buch angeregt worden: zum einen durch das bekannte Bild des auf eine Schiffsreling gestützten Hutträgers Mahler mit abgespreiztem Spazierstock; zum anderen durch das Bild des von Dirk Bogarde verkörperten todkranken Gustav von Achenbach im Deckchair der »Esmeralda« bei der Fahrt über den Acheron in Viscontis »Tod in Venedig«.

Patrick Modiano zum 75. Geburtstag:
Rekonstruktionen

Ein Essay von Lothar Struck
Text lesen
Erzählen der Erinnerung als Metamorphose des Menschen und seiner Gesundung.
»Heute habe ich das Gefühl, dass die Erinnerungen immer weniger sicher sind und sich in einem ständigen Kampf gegen Gedächtnisverlust und Vergessen befinden.«


Neues vom erzählenden Biographen
Von Lothar Struck
Artikel lesen
Malte Herwig ergänzt seine Biographie
»Meister der Dämmerung« über Peter Handke um die Geschehnisse um den Literaturnobelpreis 2019
»Ich glaube, es ist unmöglich, sich über Handke sinnvoll zu äußern, ohne diese Biographie gelesen zu haben. Das gilt jetzt, nach der aktualisierten Ausgabe, noch mehr. «


Ein Füllhorn voller Geschichten
Von Gregor Keuschnig
Artikel lesen
Dragan Aleksi
ćs Erzählungen Herrenfahrrad »Partizan«
»Die Bandbreite, die hier aufgespannt wird, ist enorm. Die Spielorte reichen von Jugoslawien (vor und nach den Weltkriegen, vor und nach den Bürgerkriegen) über Deutschland, Spanien bis nach Eritrea und den USA. Die Themenpalette ist komplex.« Leseprobe

Vom Existieren
Von Lars Hartmann
Artikel lesen
Fiktionäre und ein kybernetischer Realismus –
Alban Nikolai Herbsts Erzählungen »Wanderer«
»Wohl kaum ein deutschsprachiger Gegenwartsautor läßt seine Leserinnen und Leser derart an seinem Schaffen, seinem Leben, seiner Literatur teilnehmen, läßt sich in die Karten schauen beim Überarbeiten von Gedichten, wenn eine bessere und neue Version entsteht. Was ist produzierender Autor, was ist Text, was gehört zur Literatur, was zum Ich?«

Ein besonderes Vermächtnis
Von Lothar Struck
Artikel lesen
Peter Handkes dramatisches Monument für Zdeněk Adamec
»Sechs, sieben oder acht Personen, Frauen und Männer, stehen auf der Bühne, die ein öffentlicher Raum, vielleicht ein Platz sein soll, weiträumig auseinanderstehend positioniert (es ist, als hätte der Autor die Corona-Krise vorausgesehen), reden miteinander, fallen sich ins Wort, widersprechen oder ergänzen sich.« Leseprobe

Vom Schreiben besessen
von Thomas Hummitzsch
Artikel lesen
An dem Schriftsteller Alban Nikolai Herbst scheiden sich die Geister.
Seine gesammelten Erzählungen sprechen jedoch für sich und gäben Anlass für eine literarische Rehabilitation.


Differenz des Idioms
Von Lars Hartmann
Artikel lesen
Zum 90. Geburtstag von Jacques Derrida
»Feder und Spritze stehen in einem Verhältnis, sie stellen das Innerstes eines Lebens nach außen zur Schau. Insofern ist die Annahme, die von mancher und manchem gehegt wird, ein Text sei körperlos, eine den Charakter der Schrift verkennende Illusion. Auch eines dieser Phantasmen. Der Text hingegen löst sich im Prozeß unwiederbringlich vom Körper ab und wird unbeherrschbar. Niemandes Eigentum. Eine Gabe.«

Letzte Worte
Von Wolfgang Bock
Artikel lesen
Gesine Palmers Bericht aus der Zollbude des Todes
»Tausend Tode. Über Trauer reden«
»Wenn man nicht wüsste, dass sie tatsächlich so ihr Brot verdient, lesen sich die Beschreibungen, als hätte sie sie erfunden. Einfühlsam und spröde verfasst sie so eine kluge Selbstreflexion der eigenen Tätigkeit und des eigenen Lebensweges.«

Eine sprachgewaltige Rebellin
Von Lothar Struck
Artikel lesen
Helena Adlers Debut-Roman »Die Infantin trägt den Scheitel links« rockt die Literaturszene nicht nur in Österreich.
»
Fast jeder Satz von Helena Adler schneidet, beißt, trifft. Aber man täusche sich nicht: Wo andere mit Repetitionen arbeiten, wo die Zorn in blinde Wut gerinnt, ist hier alles unter Kontrolle. Und gleichzeitig in Aufruhr.«

»The times, they are a changing!«
Paßt auf, daß ihr die Anschlußzüge nicht verpaßt!
Artikel lesen
Lars Hartmann zur Gewalt in Stuttgart und zu einem Text von Hengameh Yaghoobifarah.
»Daß Blätter wie SpOn und taz Nichtskönner aus der dritten Reihe zum Provozieren buchen, muß man wohl hinnehmen. Es korrespondieren solche Phänomene mit der lange schon ruinierten politischen Debatte.«

Der Dichter als
»Diener des Sichtbaren«

Von Lothar Struck
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Der Autor, Übersetzer & Essayist Philippe Jaccottet wird am 30. Juni 95 Jahre alt.
»Das Geheimnis ist…, dass Worte gefunden werden, zuweilen, welche die Welt nicht verstecken, sondern sie offenbaren. Fast alles, was die Menschen sagen und ebenso was sie tun, versteckt die Welt. Ich möchte nichts anderes sein als der Mensch, der seinen Garten gießt und, auf diese einfachen Arbeiten bedacht, diese Welt in sich eindringen lässt, die er nicht lange bewohnen wird. Das Brot der Luft«.

Siegfried Unseld,
der Handlungsreisende

Von Lothar Struck
Artikel lesen
Zum 70-jährigen Verlagsjubiläum lüftet Suhrkamp ein Betriebsgeheimnis und veröffentlicht 35 von über 1.500 Reiseberichte
n, die Siegfried Unseld in den 43 Jahren als Verleger verfaßte. Eine ebenso spannende wie aufschlußreiche Lektüre. Leseprobe

»Über das Verhalten in Gefahr«
Von Lothar Struck
Artikel lesen
Mit einer üppigen Textsammlung von
Essays, Aufsätzen, Rezensionen, und Tagebucheinträgen würdigt der Verlag die Lebensleistung des Verlagsgründers Peter Suhrkamp.
»Ohne eine lebendige Dichtung in der Gegenwart stirbt auch die Literatur der Vergangenheit ab.« Leseprobe

»Ins Gelingen verliebt«
oder: Was ich getan habe
Von Wolfram Schütte
Artikel lesen
Der Verleger Siegfried Unseld verfasst seine »Chroniken«.
Als er sein Werk der »Chroniken« begann, erklärte er der Nachwelt, die er damit im Auge hatte und die er nun erreicht hat, er sei sich »eingedenk, dass ein Verleger im Grunde genommen immer nur an den Büchern beurteilt werden soll, die er macht, nicht an den Worten, die er über diese Bücher oder über andere Gegenstände verliert«. Das mag sein und in den meisten Fällen zutreffen. Nur: in seinem Fall eben nicht. Das macht seine Größe aus. Leseprobe & Infos

»Aber Suhrkamp bleibt.«
Von Herbert Debes
Artikel lesen
Zum 90. Geburtstag von Siegfried Unseld ist ein reich illustrierter Band erschienen, der das Leben des Verlegers
erstaunlich offenherzig als Kulturgeschichte der 2. Hälfte des letzten Jahrhunderts in Bildern und Texten dokumentiert.
»Wenn Shakespeare der größte Dichter und Minetti der größte Schauspieler ist, dann ist Unseld der größte Verleger,« verlautbarte Thomas Bernhard, überzeugt, selbst des größten Verlegers größter Autor zu sein. Leseprobe & Infos

»Yeah wir sind gegen Rassismus!«
#tddl2020, #Team Philipp Tingler
. Otoo, Schubert, Krusche, Haider
und die Carolin-Emckesierung der Bachmann-Eröffnungsreden
Foto: ©ORF/Johannes Puch
Ein Kommentar
von Lars Hartmann
Artikel lesen
»Twitterstimmung wie auf einem evangelischen Kirchentag. Kostet auch nichts. I feel good. Ich nicht. Mich nervt solches Salbadern. Eine Moral- und Gardinenpredigt mit Regelwerk, die ästhetisch in etwa so ansprechend war wie Tante Prusselieses Monologe an Pipi Langstrumpf.«

»You'll never walk alone«
Von Jürgen Nielsen-Sikora
Artikel lesen
Über d
ie Evolution des modernen europäischen Fußballs und das Stadion als Ritual von Intensität.
Selten jedoch habe ich Bücher gelesen, die so fundiert, so kenntnisreich über den Fußball sprechen wie Michael Cox' »Umschaltspiel« und Hans Ulrich Gumbrechts »Crowds«.

Buch des Übergangs
Von Jürgen Nielsen-Sikora
Artikel lesen
Der Band 3 der kritischen Hannah Arendt-Gesamtausgabe bringt sechs Essays der Vernunft und »Die verborgene Tradition«
»Durch die Verrohung von Politik, Anstand und Sitten durch idiotische Machthaber und den geifernden Teil des Volkes ist Hannah Arendt nach wie vor die beste Medizin, um sich gegen jene Anti-Vernunft zu impfen, der wir sonst mehr und mehr hilflos ausgesetzt wären.«

Zeitgeschichte und Liebesdrama
Von Sigrid Lüdke-Haertel
Artikel lesen
Richard Russos großer Roman über die kleinen Irrtümer im Leben
»Seit 2010 erscheinen seine Bücher, Romane, Erzählungen im DuMont Verlag, aber richtig durchgesetzt hat er sich bei uns – noch – nicht. Vielleicht gelingt es ihm jetzt mit »Jenseits der Erwartungen«.


»…und las vieles neu.«
Von Lothar Struck
Artikel lesen
Thorsten Carstensen sammelt Aufsätze über Peter Handke als Leser
Der »Handke-Kanon« zeigt eine große ästhetische Bandbreite. Wie kann jemand, der Gerhard Meier schätzt, gleichzeitig Wolfgang Welt goutieren? Warum hört man von Handke eher Zurückhaltendes von der Literatur Knausgårds, der doch ähnlich wie Welt ein chronologisches und praktisch ungeschütztes Erzählen praktiziert? Welche Kriterien legt ein Vielleser wie Peter Handke bei der Lektüre und »Förderung« von Autoren an? Leseprobe

Akademische Festreden
Von Wolfgang Bock
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Umberto Ecos Redensammlung
»Der ewige Faschismus« als notwendige intellektuelle Impfung.
So handlich wie es ist, so sind seine Aussagen doch keineswegs banal und zu unterschätzen. Sie haben, eingedenk der möglichen Vergeblichkeit der Aufklärung, ihre Gültigkeit bis heute leider nicht verloren. Leseprobe

Space Trips
und die Frage nach dem Warum

Von Thomas Hummitzsch
Artikel lesen
Kultautor und Vielschreiber Dietmar Dath setzt seine Ergründungen des Utopischen fort.
Neben seinem neuen Roman ist ein alle Dimensionen sprengender Essay zu Kultur und Einfluss der Science Fiction erschienen.


Das Projekt Mussolini
Von Lars Hartmann
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»Damals waren wir eine kleine Schar, heute sind wir Legionen.« Antonio Scuratis dokumentarischer Roman »M. Der Sohn des Jahrhunderts«
»... trotz all der Fakten kommt mir Scuratis Mussolini nicht wirklich nahe. Vielleicht wäre eine wilde Fiktion, die konstruiert und fabuliert, ästhetisch dazu geeigneter gewesen. Scrivi pericolosamente!« Leseprobe

Autohagiographie
Von Gregor Keuschnig
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Ernst Lothars Erinnerungen
»Das Wunder des Überlebens« wurden neu aufgelegt.
»Er macht sich keine Mühe, die politischen Implikationen Österreich-Ungarns, die Strukturen der Minderheiten in dem Staatsgebilde oder gar die Ursachen des Krieges zu analysieren. Stattdessen sucht er nach dem Krieg Sigmund Freud auf, um sich erklären zu lassen, wie er den Verlust seiner Heimat überwinden könne. Freuds Antwort in der Beschreibung dieses Gesprächs ist einer der Höhepunkte des Buches.« Leseprobe

Von Gefühlsmaschinen und Kinderengeln
Oder: Die theologischen Grenzen der optischen Metaphern.
Von Wolfgang Bock
Artikel lesen
Zu Peter Høegs Roman
»Durch deine Augen«
»Eine Rose, ein Extrablatt, ein Einstellungsbogen und eine Notiz in einem Terminkalender – das sind die Beweisstücke in dem neuen Roman des dänischen Erfolgsautors Peter Høeg. Er macht daraus eine als Science-Fiction Geschichte getarnte Elegie über Kinder und Schutzengel, in der praktischerweise diese Kinder zu ihren eigenen Hütern werden.« Leseprobe

Elogen an den Augenblick
Von Lothar Struck
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Andrzej Stasiuks »Beskiden-Chronik« besteht aus
76 funkelnden
Feuilletons und poetischen Minitauren
»Es gibt niemanden, der den Osten mit seinem "vieldeutigen Reiz" in derart kraftvoller, poetisch-ruppiger Ehrfurcht erzählt wie Andrzej Stasiuk.« Leseprobe  



Der weibliche Sisyphos oder
Aufrechter Gang mit Ungehorsam

Von Wolfram Schütte
Artikel lesen
Anne Weber erzählt von einer Heldin & demonstriert dabei ihre literarische Arbeit.
»Wenn Anne Weber ihre ikonische Revolutionärin immer wieder motiviert sieht durch die Lektüre der Romane André Malrauxs, so erblickt sie ihre unvergleichliche Heldin zuletzt in der Camusschen Metapher des Sisyphos: »Der Kampf, das andauernde Plagen und Bemühen hin zu großen Höhen, reicht aus, ein Menschenherz zu füllen«.

Eine knisternde Sensation
Von Thomas Hummitzsch
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Er gehört zu den lebenden Mysterien der amerikanischen Literatur. Nun hat Thomas Pynchon erstmals einer Bearbeitung seines Hauptwerks »Die Enden der Parabel« zugestimmt. Das Ergebnis macht Staunen.

Eureka - A Secret Visit in Vineland
Von Goedart Palm und Herbert Debes
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Diese mit Spannung erwartete Hörspielbearbeitung
durch den swr2 ist ein willkommener Anlaß, an unser legendäres klandestines Gespräch mit dem Meister vor nunmehr über 25 Jahren zu erinnern.
»Unsere schöne neue Telekommunikation demokratisiert das Geschwätz, aber liquidiert die Dichtung.«

Heldendämmerung?
Von Jürgen Nielsen-Sikora
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Ulrich Bröcklings Zeitbild
»Postheroische Helden«
Bröcklings zentrale These lautet, dass es eine Gleichzeitigkeit von Heroisierungen und Deheroisierungen gibt. Dieser Parallelaktion spürt er nach, denn: »Weder sind heroische Subjektanrufungen bloß anachronistische Restbestände einer verflossenen Epoche, noch impliziert die Diagnose einer postheroischen Gegenwart, diese sei per se heldenlos oder heldenfeindlich. Beide Momente sind ineinander verschränkt.« Leseprobe

Der Empathiker
Von Wolfram Schütte
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Warum Navid Kermani ausgewählte seiner Reden gesammelt hat.
»'Wo ich bin, ist Deutschland', entgegnete einst selbstbewusst der von Nazideutschland ausgebürgerte Literaturnobelpreisträger Thomas Mann. Es könnte auch der eingebürgerte Sohn emigrierter Iraner von sich als deutscher Schriftsteller sagen. Aber derartiges sagt Navid Kermani selbstverständlich nicht; jedoch als Redner handelt er so, dass wir es von ihm sagen müssten.« Leseprobe

Wird die Zukunft solidarischer?
Von Phillip D. Th. Knobloch
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Ein Blick zurück und nach vorn mit Heinz Budes Werk über »Solidarität«
»Manchmal muss man Begriffe in Frage stellen, um weiter etwas mit ihnen anfangen zu können. Das ist offenbar beim Begriff der Solidarität der Fall.« Leseprobe

 

Überwältigendes Portrait einer Epoche
Von Jürgen Nielsen-Sikora
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Jens Malte Fischers lesenswerte Biographie
»
Karl Kraus - Der Widersprecher«
»Fischer hat Kraus' Lebenszeit in seiner monumentalen und neue Maßstäbe setzenden Biografie schlichtweg grandios eingefangen. Dafür gebührt ihm vorzügliche Hochachtung, großer Dank und Respekt. Wäre das Buch ein Theaterstück, so risse es das Publikum aus seinen Sitzen und würde von tosendem Applaus getragen.« Leseprobe

Die Weltmeisterschaft im libidinösen Pfeifenrauchen
Von Wolfgang Bock
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Über Michel Foucaults unvollendetes Projekt
»Die Geständnisse des Fleisches«
»Das Fleisch ist als ein Modus der Erfahrung zu verstehen, das heißt als ein Modus der Erkenntnis und Transformation von sich durch sich, der auf einem bestimmten Zusammenhang zwischen Aufhebung des Bösen und der Bekundung von Wahrheit beruht.« Leseprobe

Zur Selbstqual und -zerstörung der »Poearnographie«
Von Peter Kock
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50 Jahre Arno Schmidt: »Zettel’s Traum«
Vor einem halben Jahrhundert, um ganz genau zu sein: am 4. April 1970, kam Arno Schmidts riesiges Werk »Zettel’s Traum« auf den Markt. Ein Überbuch mit 1334 Seiten im DIN A3-Format, das entspricht etwa 4000 normal gesetzten Seiten, dessen Text über drei Spalten hin- und hermäandert, ja der auch die einzelnen Worte und ihre Silben systematisch aufspaltet; hinzu kommen zahlreiche Überschreibungen, Skizzen, eingeklebte Fotos – eine Text-Bild-Montage, die damals nur in Form eines Typoskripts vervielfältigt werden konnte und nach jahrzehntelanger Detailarbeit erst 2010 in gesetzter Form auf den Markt kam.

Goldrausch
Von Wolfgang Bock
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Spektakel, Stadtzerstörung und Kulturindustrie in Paris 1851-1871. Zu Walburga Hülk, »Der Rausch der Jahre. Als Paris die Moderne erfand«
Es ist die Zeit des Übergangs von den feudalen zu den hochkapitalistischen Strukturen, die in dieser Regierungsform nicht repräsentiert waren. Diese Ungleichzeitigkeit macht den Mythos des erneuerten Kaiserreichs aus, der Paris als glanzvolle Lichterstadt miteinschließt.

Warten auf bessere Zeiten
Von Herbert Debes
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Unterstützen Sie in Ihrer Stadt Ihre lokalen Autoren und Buchhändler!
Stefan Geyer ist nach seinen Anthologien »Frankfurter Wegsehenswürdigkeiten«, »Vom Glück, Fahrrad zu fahren« und »Gefangen« mit »Vom Warten« wieder eine stoffreiche literarische Cuvée gelungen.

 

»Herzlich-herzöffnend ernst…«
Von Lothar Struck
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Fabjan Hafners »Erste und letzte Gedichte«
»Dass die Gedichte für Hafner "Selbstvergewisserung und Vergegenwärtigung zugleich" waren, wird nach der Lektüre deutlich. Gerade hieraus entsteht beim Lesen diese seltsame Spannung, die einem nicht mehr loslässt und große Lust macht, auch die anderen Gedichte zu lesen. Vielleicht ist es ja irgendwann möglich, das Werk zu bündeln, in einem großen Band.« Leseprobe

»Massentaugliche Weltliteratur«?
Von Gregor Keuschnig
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Lutz Seilers
Collage aus Hausbesetzerszene und Elternerzählung, »Stern 111«, scheint für das deutsche Feuilleton in diesem Frühjahr das Maß der Dinge zu sein.
»Die Atmosphäre der Assel ist ähnlich aufregend wie das Anschauen eines Stapels leerer Eierkartons.« Leseprobe


Bluthund Gottes, Zigeuner des Hl. Geistes, Soldat Christi
Von Jürgen Nielsen-Sikora
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Alexander Pschera hat mit der Herausgabe dieses aufwendig gestalteten Bandes der
Tagebücher, Briefe & Prosa von Léon Bloy eine nur schwer zu ermessende Kärrnerarbeit geleistet.
»Bloy und Nietzsche sind von der Notwendigkeit eines gewalttätigen Eingriffs überzeugt. Denn auf der alten Welt lassen sich keine Denkgebäude mehr errichten, die diese Welt erklären können. Der Verfall ist mit Lösungsansätzen, die der tradierten Ordnung entspringen, nicht aufzuhalten.« Leseprobe

Der böse Walter Benjamin. Schatten einer Ehe
Von Wolfgang Bock
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Eva Weissweilers Biographie einer Beziehung »Das Echo deiner Frage. Dora und Walter Benjamin«.
»Es gibt intellektuelle Biographien und es gibt emotionale Biographien. Dies ist eine emotionale, die polarisiert.«

Poesie des Hasses
Von Lars Hartmann
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Karl Heinz Bohrers Studie über den literarischen Hass-Effekt »Mit Dolchen sprechen«
»In welchen Formen der Rede manifestiert sich Hass in der Literatur als Ausdruck? Es geht nicht um Hass in Dichtung als »politisch-weltanschauliches Gebräu«, sondern um »seinen literarischen Ausdruck als Mittel intensiver Poesie.«« Leseprobe

»Wer liest, macht sich auf den Weg
ins Irgendwo
«

Von Jürgen Nielsen-Sikora
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Ein unterhaltsames und lehrreiches Gespräch zweier Grenzgänger zur Beziehung von Literatur und Philosophie.
»Beim Schreiben wirft man ein Netz aus und hofft, dass sich darin etwas verfängt, im Zweifel man selbst, denn: 'Schreiben heißt, mit sich selbst zu kämpfen.'« Leseprobe


Kracauer, on the road again
Von Jürgen Nielsen-Sikora
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Siegfried Kracauers »Straßentexte« in Wiederauflage zum Lesen und Nachgehen
»Ein kalter Wind fegt durch die Straßen, die ohne Sanftmut sind. Auf dem Bülowplatz leuchten Transparente mit den Namen von Lenin und Stalin. Und gestern ist wieder einmal eine deutsche Schönheitskönigin gekürt worden.«

»Die Seele durch die Psyche zu ersetzen war keine gute Idee«
Von Gregor Keuschnig
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Hans Magnus Enzensbergers »Fallobst.«
»Nicht alles, was da an Obst heruntergefallen ist, mag munden. Aber es ist trotzdem unterhaltsam. Denn langweilig – das war Enzensberger noch nie.«
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Anfangen, wo es anfängt
Von Jürgen Nielsen-Sikora
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Peter-André Alts Essay über »Erste Sätze der Weltliteratur und was sie uns verraten.«
»So schön Alts Essay auch zu lesen ist, so inspirierend seine eigenen Lektüren auch sind – an manchen Stellen ist der Text doch recht ungenau.« Leseprobe



»Ich überlasse Ihnen das zum Weiterdenken!«
Von Wolfgang Bock
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Adornos gezielte Improvisationen vor dem deutschen Nachkriegspublikum. Zum neuen Band mit Adornos Vorträgen 1949 1968.
»Die Decke der Demokraten schmilzt dagegen so ab, wie das grönländische Festlandeis. Es verdichten sich also die Anzeichen, dass wir uns auch in dieser politischen Hinsicht gerade wieder in einem Rückschwung der Aufklärung, einer Großen Regression, befinden.« Leseprobe

Für die Möglichkeit der Freiheit
Von Jürgen Nielsen-Sikora
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Hannah Arendt und »Die Kunst, politisch zu denken«
»Arendts Haltung zieht ihre Kraft aus den Geschichten und der Literatur, die die Vielfalt der Perspektiven aufnimmt und bewahrt. Hannah Arendt macht uns Mut, die Welt sinnlich zu betrachten, als ein Refugium, eine Schatzkammer für das Selbstbewusstsein des Menschen und für die Möglichkeit der Freiheit.« Leseprobe

»Ich bin im wahrsten Sinne des Wortes verstummt«
Von Thomas Hummitzsch
Zum Gespräch mit Abbas Khider
Nach seiner literarischen »Ohrfeige« gegen das deutsche Asylsystem kehrt Abbas Khider mit seinem großen Roman »Palast der Miserablen« literarisch in den Irak zurück. Ein Gespräch über die Universalität des Elends, die zerrissene irakische Identität und die Kraft der Literatur.

Am Nullpunkt der Existenz
Von Jürgen Nielsen-Sikora
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David Roussets Dokument »Das KZ-Universum«
Rousset ist ein großer Schriftsteller, dessen schockierendes Dokument endlich in deutscher Fassung vorliegt und von einem profunden Nachwort Jeremy Adlers flankiert wird. Selbst am »Nullpunkt der Existenz« werde, so Adler mit Verweis auf Rousset, »unter den schlimmsten Verhältnissen gelebt, gesehen und gedacht.«

Die Grausamkeit der Würstchen
Von Jan-Paul Koopmann
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Jörn Birkholz liefert mit »Der Obermieter« und
»Das Leck« 25 neue Erzählungen und eine
Doppel-CD mit 77 Miniaturen.
»Was Buch und Platte nun gemeinsam haben, sind neben der gefühlten Kälte jedenfalls die erstaunlich vielschichtigen Spiele an und mit der Form.«


Orgien des Guten
Von Jürgen Nielsen-Sikora
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Philippe Murays fulminante Streitschrift
»Das Reich des Guten« ist eine Provokation für die intellektuellen Blockwarte dieser Tage.
»Das marktkonforme Reich des Guten, Eindeutigen und Reinen wächst unaufhörlich. Muray nennt das »cordicolen Faschismus«: Von der naiven Erziehung des Herzens zur wahren Orgie des Guten. Wer jetzt noch nicht unruhig geworden ist, sollte das Buch lesen. Oder eben weiterhin im Vereinsheim seines Geistes die Stühle geraderücken.«

»Wahrheit beginnt zu zweit«
Von Jürgen Nielsen-Sikora
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Über die Kunst des Miteinander-Redens
»Je größer die eigene Betroffenheit, desto stärker sinkt die Kommunikationsfähigkeit. Neue Hypersensibilitäten bilden sich heraus, die sich in Form von Informations-, Kommunikations- und Sprachkontrollinstanzen in einen „Schutzbunker des Geistes“ flüchten. Diesen gilt es, aufzubrechen und – wie ehemals Sokrates – wieder ernsthaft und auf Augenhöhe über die relevanten Themen mit dem Anderen zu streiten.« Leseprobe

Die dunkle Seite Europas
Von Lars Hartmann
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Zeev Sternhells
»Faschistische Theorie«
»Anstelle einer Klasse war es nunmehr die Nation, die den Lauf der Geschichte als Vertreterin von Fortschritt und Zivilisation bestimmte. Und genau dies war der Paradigmenwechsel, der den Übergang von links nach rechts so einfach machte, denn an jedem anderen Punkt hatten sich die extreme Linke, die sich aus Syndikalisten und revolutionären Sozialisten zusammensetzte, und die Radikalen und Nationalisten der Neuen Rechten bereits getroffen und Übereinstimmungen festgestellt.« Leseprobe

Die Rachegeschichte eines Schriftstellers
Von Lothar Struck
Artikel lesen
Peter Handkes Maigeschichte
»Das zweite Schwert«
»Ein Spiel beginnt, ein Spiel der Assoziationen, Abschweifungen, der wilden Bekundungen zur Rache, gebrochen durch ein scheinbares Herumirren der Figur, das dann jedoch trotzdem immer irgendwie (wie im Märchen) zum Ziel oder Zwischenziel führt.«

Plädoyer für eine Welt als Klang
Von Wolfgang Bock
Artikel lesen
Rolf J. Goebels gelungene
»Rehabilitation der klingenden Welt«
»Seine luzide geschriebenen Essays pendeln im Stil zwischen selbst literarischen Inszenierungen und soziologischen Analysen. Darin gibt er einen profunden Einblick in den Kosmos der hier vom Klang geführten Mediendebatten. (...) Wenn man sein Buch in die Hand nimmt, es schüttelt und genau hinhört, kann man die einzelnen Blumen klingeln hören.«

Requiem für die Mutter
Von Sigrid Lüdke-Haertel
Artikel lesen
Annie Ernaux‘ Erinnerungsbuch an ihre Mutter
»Sie hatte »die größte Wut und den größten Stolz, sie blickte mit rebellischer Klarheit auf ihre niedrige gesellschaftliche Stellung«. Die Männer ließen sich in der Kneipe volllaufen, die Frauen tranken zu Hause. Doch sie hatte den Willen zum »Aufstieg um jeden Preis«.
Leseprobe

Individuelle Abschiedssymphonie?
Von Wolfram Schütte
Text lesen
António Lobo Antunes' Roman »Für jene, die im Dunkeln sitzt und auf mich wartet«
»Keiner hat die Imagination eines Inneren Monologs als Selbstgespräch, das langsam zu Tode hin erlischt, weiter entwickelt & virtuoser als vielstimmige, zeitgleiche Beschwörung von Vergangenheiten & Gegenwarten »musikalisiert« wie Lobo Antunes in seinen Romanen.«

Danke, Herr Ömer!
Von Jürgen Nielsen-Sikora
Artikel lesen
Diese Sammlung von Kermanis Reden verleiht einer der ältesten Gattungen der Literatur neue Geltung.
»Zu sagen, dass man Kermani am besten selbst reden hört, erübrigt sich ohnehin. Das Buch als Lektüre zu empfehlen, ist selbstverständlich. Was bleibt? Vielleicht nur dies: »Herrn Ömer« für den wundervollen Titel zu danken. Er wird es schon hören …« Leseprobe

»Mach's gut und danke für den Fisch.«
Von Wolfgang Bock
Artikel lesen
Lehnstuhl-Philosophen, lebensuntüchtige Melancholiker und sexistische Nilpferdkönige.
Gut kaschierte Vorurteile in Stuart Jeffries launiger Geschichte der kritischen Theorie »Grandhotel Abgrund«
»Von einer umfassenden und kritischen Darstellung hätte man sich mehr und vor allem anderes erwartet als eine alerte Bestätigung dieser gröbsten Vorurteile unter einer diskursfreundlichen Hülle, deren Autor alles gelesen haben will, aber anscheinend nichts verstanden hat.« Leseprobe

»Komm aus deiner linken Ecke, Kleiner.«
Von Wolfgang Bock
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Zu Theodor W. Adorno über »Aspekte des neuen Rechtsradikalismus«, »Bemerkungen zu
The Authoritarian Personality« und weitere Texte.
»Womit wir hier konfrontiert sind, ist nicht der alte Judenhass als instinktemotionale Macht. Es ist die Bereitschaft eines bestimmten Typs von Mensch, mechanisch ideologische Muster zu übernehmen, »Tickets«, die antisemitische Slogans zwar beinhalten, aber nicht mehr von antisemitischen Reaktionen per se ausgelöst werden.«

Die Fliege im Fliegenglas
Von Jürgen Nielsen Sikora
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Frank Witzels metaphysisches Tagebuch
»Uneigentliche Verzweiflung«
»Ein Text zwischen anspruchsvoller philosophischer (Selbst-)Erkenntnis und mutloser Tagträumerei, deren Radikalität gleichwohl einzigartig ist.«



Wir schauen auf das Werk
Anstatt Mutmaßungen über Handke anzustellen, sollten wir ihn endlich (wieder) lesen.
Zum Handke-Special
Mehr als 20 Bücher von & über Peter Handke rezensiert von Lothar Struck




Sucher der Stille
Von Lothar Struck
Artikel lesen
Leopold Federmairs Divertimenti

»
Schönheit und Schmerz«
»Und dann entsteht ein fast verschwörerischer, Moment zwischen Schreiber und Leser, der ein "Eingeweihter" wird, ein Mitbewohner einer verborgenen Welt, ...«



Auf Spurensuche bei Walter Benjamin
Von Jürgen Nielsen-Sikora
Artikel lesen
Das Verhältnis von »Material und Begriff«. Zu den Arbeitsverfahren und theoretische Beziehungen Walter Benjamins
»Es gibt keinen Gedanken, der nicht auf anderen aufruht. Aus dem Fundus anderer Gedanken aber eigene Begriffe zu bilden, heißt Denken. Für das Denken hat Walter Benjamin das Bild vom Wind der Geschichte geprägt, der sich in den Segeln (den Begriffen) fängt. Die Kunst des Denkens bestünde darin, die Segel richtig zu setzen,...«

Tröstliche Momente
Von Sigrid Lüdke-Haertel
Artikel lesen
Kent Harufs Roman »Abendrot«, eine wahre Entdeckung
Die Menschen in diesem gottverlassenen Kaff, darunter viele »einsame Seelen«, führen ein hartes, entbehrungsreiches Leben. Aber allein schon die Empathie, mit der Kent Haruf sie beschrieben hat, gibt (auch uns) – Trost. In Holt, Colorado. Leseprobe

Wie wertvoll das Leben ist
Von Jürgen Nielsen-Sikora
Text lesen
Paul Broks Meditation über den unergründlichen Sinn des Lebens
Auf der Suche nach einer Antwort bringt Broks seine Leser zum Staunen. Und das Staunen markiert bekanntlich den Beginn der Philosophie, die uns vielleicht sagen kann, wie wertvoll das Leben wirklich ist. Leseprobe

Kriegs- & Literaturgeschichten
Von Klaus-Jürgen Bremm
Text lesen
In seinem neuen Roman
»Propaganda« spannt Steffen Kopetzky einen großen Bogen von der Allerseelenschlacht im
Hürtgenwald (1944) bis hin zur Veröffentlichung der Pentagon-Papiere (1971)
»Sein Roman ist im Ansatz solide konstruiert und weist etliche starke und erzählerisch dichte Partien auf, wie etwa Gluecks Begegnung mit einem Truppenarzt der Wehrmacht im nächtlichen Hürtgenwald.« Leseprobe

Idealer Dialog und reales Geschwätz
Von Jürgen Nielsen-Sikora
Text lesen
Zu
Ernst Jünger »Gespräche im Weltstaat, Interviews und Dialoge 1929–1997«
»Jünger will schreiben und sprechen wie ein Klassiker, das ist überall zu spüren, doch nirgends wird er seinem eigenen Anspruch gerecht. Er bleibt ein in seinen Mitteln beschränkter Autor.« Leseprobe


© Picture by Victor Diniz, © Simenon.tm

Menschen, »diese komischen Tiere …«
Von Lothar Struck
Text lesen
Anmerkungen zu einem Sommer mit Georges Simenon
»Bei jeder Ermittlung saugte sich Maigret wie ein Schwamm mit Menschen und Dingen voll, vielen Kleinigkeiten, die er unbewusst in sich aufnahm. Je brummiger er war, desto mehr hatte sich in ihm angesammelt.«

Mexikanisches Inferno
Von Wolfram Schütte
Text lesen
Fernanda Melchors Roman »Saison der Wirbelstürme«
»Was sollen wir denn mit einer Literatur, die uns nicht überfordert? Was haben wir von der Welt in den nächsten Jahrzehnten denn anderes zu erwarten als Überforderung und wie sollte eine Literatur, die uns nicht überfordert, so einer Welt gerecht werden? Warum sollten wir einer Literatur, die uns nicht überfordert, noch vertrauen?«

»Freundliche Waffen«
Von Lothar Struck
Text lesen
Peter Handkes
»Aufzeichnungen zweckfreier Wahrnehmungen«
»...impressionistische, detailreich ausdifferenzierte Miniaturen, die am eindrucksvollsten sind, wenn sie sich durch verblüffende Farbsetzungen (Handkes Farbenfehlsichtigkeit!) ins Abstrakte bis zum Rätselhaften hin verschieben.«

Existentielle Koordinaten
Von Gregor Keuschnig

Text lesen
Byung-Chul Han
stellt in seiner Topologie der Gegenwart »Vom Verschwinden der Rituale« die Frage nach der Bedeutung von Ritualen als verläßliche Fixpunkte unseres Selbstbildes.
»Das Verschwinden der Rituale beschleunigt den Prozess einer Ent-Sozialisierung des Menschen und konditioniert ihn auf die Produktion.«


Der »zwangsläufige Gang
eines anständigen Menschen«

Von Dieter Kaltwasser
Text lesen
Thomas Karlaufs
Biographie »Stauffenberg« sorgt für Diskussionen unter Historikern und Nachkommen. Doch der Widerstand gegen den Nationalsozialismus hatte vielfältigere Formen und zivile Akteure.
»Das missglückte Attentat von Claus Schenk Graf von Stauffenberg auf Hitler und der damit einhergehende gescheiterte Umsturzversuch vor 75 Jahren wurden in der Bundesrepublik Deutschland zum Symbolereignis gegen die nationalsozialistische Tyrannei.«

Fluch der späten Geburt
Von Gregor Keuschnig
Text lesen
In »
Römische Tage« fragt Simon Strauss seine Generation
»Woher kommt dieses dumpfe, wehleidige Gefühl, zu spät  geboren zu sein, in Zeiten zu leben ohne Arien und Rausch?«
»Wenn alles Staunen aufgebraucht ist, bleibt nur das Rechthaben übrig." Ein Befund, der gesellschaftlich derzeit en vogue zu sein scheint, denn Rechthaber gibt es genug. Aber was, wenn man nicht Rechthaben möchte? Man muss sich Simon Strauß' Figuren als rastlose und verzagte Menschen vorstellen.« Leseprobe

Jäger, Sammler und Chirurg
Von Jürgen Nielsen-Sikora
Text lesen
Über Walter Benjamin und seine Quellen
»Der Text ist ein Wald, in dem der Leser der Jäger ist. Knistern im Unterholz – der Gedanke, das scheue Wild, das Zitat – ein Stück aus dem tableau.« Leseprobe




»Je mehr die Entfernung wächst, desto klarer wird die Sicht.« (aus: Die Ringe des Saturn)

In Memoriam Winfried Georg Sebald,
der am 18. Mai 75 Jahre alt geworden wäre.


Enzyklopädie der Melancholie
Ein Essay von René Steininger
Text lesen
»Man findet in der deutschen Literatur nach 1945 nicht leicht ein Werk, das so hartnäckig um die Themen der Zerstörung und Trauer kreist, wie jenes des 1944 in Wertach im Allgäu geborenen und 2001 bei einem Autounfall in seiner englischen Wahlheimat Norwich ums Leben gekommenen Literaturwissenschaftlers und Schriftstellers Winfried Georg Sebald.«

»Im Namen des Guten«
Von Gregor Keuschnig
Text lesen
Anmerkungen zu einem Anti-Phrasenbuch
und ein kleiner Exkurs in die Vergangenheit.
»Auf der einen Seite nämlich ist der Haß auf das Böse heute wirklich im Namen des Guten zu etwas Zerstörendem und Destruktivem geworden, auf der anderen Seite ist das Gute, das sich selbst als Positivität aufwirft, anstatt nur das Böse als Index seiner selbst zu sehen, zu dem Bösen geworden.« (17.Vorlesung über "Probleme der Moralphilosophie" von Theodor W. Adorno vom 25.7.1963)

Kleine Schritte. Nirgendwohin. Hartnäckig
Von Peter Kock
Text lesen
Zum letzten Band von Samuel Becketts Briefen (1966–1989)
»Eine jahrzehntelange Arbeit kommt damit zum Abschluss, die willkommenen Anlass gibt, Becketts Werk neu oder abermals zu lesen – und das weitverbreitete Klischee des Mülltonnen-Dramatikers, des Becketts der deprimierenden Prosa, der sinnfreien Endspiele und des hoffnungslosen Wartens auf jemanden Unbestimmtes, der nicht kommt, ein weiteres Mal zu revidieren!« Leseprobe

Ziemlich große Literatur
Von Lothar Struck
Text lesen
Bemerkungen über den modernen Vagantendichter Dietmar Sous
»Das Timbre des Sous'schen Erzählens ist mit Lakonik nur unzureichend charakterisiert. Es changiert zwischen Boulevard, Situationskomik und Ernsthaftigkeit. Leben als dauernder Aufbruch. Sous' Figuren sind Chaoten, Möchtegernanarchisten, Eigenbrötler oder von allem etwas, aber ohne die poliert-verkopfte Kauzigkeit, die einem beispielsweise bei Clemens J. Setz entgegenschlägt oder in den wohltemperiert gestrickten Erinnerungsmützchen eines Andreas Maier.«

»Scheiß auf Gott ...
gehen wir auf Trip«

Von Jürgen Nielsen-Sikora
Text lesen
T.C. Boyles langweiliger Roman über den LSD Guru Timothy Leary
»Leider vermisst man in Boyles neuem Werk die Leichtigkeit, den Humor, die Ironie, die einige seiner besten Bücher auszeichnen.«

Jeder Wahn hat einen Sinn
Von Jürgen Nielsen-Sikora
Text lesen
Achim Haug erzählt von inneren Stimmen, bizarren Botschaften und gefährlichen Doppelgängern.
»Interessant sind nicht zuletzt die Exkurse in die Geschichte der Psychiatrie, Haugs durchaus kritische Haltung zu einigen Erkenntnissen der Hirnforschung und seine Übungsbeispiele bezüglich der eigenen Wirklichkeitsauffassung.«


LSD-Kapitalismus
Von Klaus Bittermann
Artikel lesen

César Rendueles' literarische Reise durch die Geschichte der freien Marktwirtschaft
»Was große Literatur, die hier von Rendueles verhandelt wird, von den im üblichen Strickmuster fabrizierten Bestsellern unterscheidet, dass wir in ihr mehr oder weniger bewusst erkennen, was uns quält, weil sie beim Leser eine Saite zum Schwingen bringt, deren Klang wir so schnell nicht vergessen.«

Flucht & Migration
12 Bücher zu dem Problem unserer Zeit
Flucht und Integration gehören zu den beherrschenden Themen der Gegenwart. Sie sind ein maßgeblicher Grund für den Aufstieg rechtspopulistischer Parteien und drohen, die EU zu spalten. Ein Blick in die Tiefen der Geschichte relativiert allerdings die »Flüchtlingskrise« des Jahres 2015.
Zu den Bücher



»Der bleibt halt Handke«
Von Lothar Struck
Artikel lesen

Jörg Döring sieht in Peter Handkes Princeton-Rede von 1966 das Ende der Nachkriegsliteratur.
»Eine feine Sensorik zeigt Döring dort, wo er mit wachsender Rededauer den eigentlichen Adressaten für Handkes Schimpfrede ausmacht: die Kritiker. Erst die Literaturkritik, die diese »läppische« Literatur lobe, ermöglicht sie damit.«


Foto: public domain

Einblicke in die Denkwerkstatt Hannah Arendts
Von Jürgen Nielsen-Sikora
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Zum Auftakt der ersten kritischen Gesamtausgabe der Werke der bedeutenden politischen Theoretikerin des 20. Jahrhunderts.
»Es ist gewiss ungewöhnlich, eine auf siebzehn Bände angelegt Kritische Gesamtausgabe der Werke Hannah Arendts mit einem Band zu eröffnen, der so nie veröffentlicht worden ist. Aber was ist schon gewöhnlich an diesem Projekt,...«

Denken und dann Dekantieren
Von Jürgen Nielsen-Sikora
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Über Peter Sloterdijks unterhaltsames Brevier »Polyloquien«
»Mal Philosoph, mal Phönix, mal Pyromane, leuchtet Sloterdijk den Weg durch die Nacht der Welt. Die Gefahr: »Je heller das Feuer scheint, desto leichter ist es gelöscht«, wie es in Senecas Trostschrift an Marcia treffend heißt.«

Als der Geist die Kolonie liebte
und tapfer vergaß

Bemerkungen zur Philosophie in den Zeiten des Kolonialismus v
on Peter Trawny
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»Wichtige Nationen Europas vollzogen eine gigantische geopolitische Bewegung, um nachzuholen, was Spanier und Portugiesen ein paar Jahrhunderte vorher bereits vorgemacht hatten — und die deutschen Philosophen schrieben nichts, dachten nicht darüber nach, waren desinteressiert. Warum?«

Ernst raucht 1932 mit Georg eine Zigarre, und man versteht sich.
Ein Gedankengang von Peter Trawny über die Möglichkeiten und Grenzen argumentativen Verstehens
»... die Macht lässt sich nicht immer von bestehenden politischen Systemen begrenzen. In ihren gewalttätigen Eruptionen reißt sie Bestehendes nieder, um Neues zu errichten. Und es wird zwar vielleicht möglich gewesen sein, das zu verhindern. Doch niemand weiß immer, was möglich ist.« Artikel lesen

Es geht um Alles
Das ambitionierteste literarische Debut seit Jahren.

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Thomas Hummitzsch sprach mit Phillip Weiss über dessen fünfbändigen Romanzyklus »Am Weltenrand sitzen die Menschen und lachen«.
»Jeder Schöpfungsprozess impliziert auch Zerstörung. Den Versuch einer solchen schöpferischen Zerstörung unternimmt mein Roman sicherlich«.  Leseprobe

Aus tiefster Provinz die Welt kreisen lassen
Peter Trawnys »Heidegger-Fragmente« brechen geistreich wie fruchtbar mit den Konventionen der Biographie als geschlossene Form
Von Jürgen Nielsen-Sikora
»Die Simultandarstellung zahlreicher Blickwinkel lässt die Zeit ins Sujet einbrechen. Es ist ein Bruch vor allem der Denkgewohnheiten, antiillusionär, mit dem Ziel, vielmehr den Umriss als das Wesen des Dargestellten verständlich zu machen.«
Artikel lesen / Leseprobe

Das Böse neu denken
Von Jürgen Nielsen-Sikora
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In ihrem Buch »Böse« analysiert Julia Shaw die Psychologie unserer Abgründe
»Ein psychologischer Thriller, der die ein oder andere Therapiestunde ersetzt, ein Blick in unsere Abgründe, der so weit reicht, dass einem schwindelig werden kann.« Leseprobe

Zum allgemeinen Intellektuellenhass
Von Peter Trawny
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Ein Beitrag zur Dialektik der Zeit
»War der Intellektuelle der sechziger Jahre (zumeist) ein unsichtbarer Mann, der hässliche Taschenbücher produzierte, so ist er heute irgendwie ein Pop-Star, der durch Talk-Shows tingelt und »gut rüberkommen« will. Dadurch bietet er dem Ressentiment neue Möglichkeiten.«

Ein Dichter, weit draußen
Von Gregor Keuschnig
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In seinem neuen Buch »Fortführer« zeigt sich Botho Strauß vor allem als ein »Gefangener seines Zungenschlags«.
»Was wird in einem Zeitalter empfunden werden, in dem sich die 'Kommunikation' erschöpft haben wird?« Leseprobe

Realitätsverlust
Von Jürgen Nielsen-Sikora
Artikel lesen
Wie aus Demokratien postfaktische Gesellschaften werden.
»Wenn Aufmerksamkeit nun primär auf politische Propagandaseiten gerichtet ist, alternative Fakten konsumiert, und falsche Behauptungen reflexionslos geglaubt würden, steige die Gefahr eines Verlusts des Faktischen.«

»Panorama der französischen Gesellschaft«
Von Gregor Keuschnig
Artikel lesen
Julia Enckes Porträt eines Provokateurs
Im Zweifel nimmt sie sanft Partei für Houellebecq, verschweigt aber auch dessen Flops nicht, seine bisweilen heraustretende Misogynie, seine Faszination sektiererischen Organisationen gegenüber. Ein summa summarum sehr gelungenes Buch. Leseprobe


Kontrollverlust
Von Jürgen Nielsen-Sikora
Artikel lesen
Slavoj Žižek über »
Der Mut der Hoffnungslosigkeit«
»Wahrer Mut besteht nicht darin, sich eine Alternative auszumalen, sondern darin, die Konsequenzen der Tatsache zu akzeptieren, dass es keine klar erkennbare Alternative gibt. Der Traum von einer Alternative ist ein Zeichen von theoretischer Feigheit.« Leseprobe

Eine erschütternde Archäologie des Sozialen
Von Jürgen Nielsen-Sikora
Artikel lesen
Didier Eribons Erfolgsbuch »Rückkehr nach Reims
ist außergewöhnlich, weil mit keinem anderen Werk vergleichbar. Das Buch ist Autobiografie, soziologischer Selbstversuch, Familien- und Gesellschaftsgeschichte. Was jedoch besonders bemerkenswert ist: Es ist nicht nur großartige, nachdenkliche Literatur, sondern gleichwohl eine exzellente philosophische Studie, die ein erschütterndes Sittenbild der französischen Gesellschaft liefert.« Leseprobe

The Making of Didier Eribon
Von Jürgen Nielsen-Sikora
Artikel lesen
Didier Eribon setzt seine autobiografische Gesellschaftsanalyse fort.
Die Fortsetzung dieser Analyse ist eine Theorie des Individuums auf sozialer Ebene, eine philosophisch-soziologische Reflexion, die erneut durchsetzt ist mit autobiografischen Erzählsträngen, in denen es insbesondere um das soziale Erbe der Familie geht und die in dem erschütternden Satz münden: »In Arbeiterfamilien gibt es kein Familiengedächtnis.« Leseprobe

Einstieg ins Denken des 20. Jahrhunderts
Von Timotheus Schneidegger
Artikel lesen
Manfred Geiers lesenswerte Doppelbiographie über »d
ie letzten Philosophen« Wittgenstein und Heidegger
»Geier überlässt es der Leserschaft, sich ein Urteil über diese beiden Denker zu bilden, da es nun einmal kein Kriterium für philosophische Güte ist, ob einer von Kampf spricht und wer sich ihm aussetzt, ob einer bloß von Dasein und Not raunt und wer sich wirklich kümmert.« Leseprobe

Oberfläche und Tiefgang
Von Lothar Struck
Artikel lesen
Die Denkspiralen in Karl Ove Knausgårds Essayband »Das Amerika der Seele« verleiten weniger zum Nach- als zum Weiterdenken.

»Allein die Literatur hat die Fähigkeit, ganz in die Welt des Einzelnen einzudringen, dorthin, wo der Überbau im Alltag einstürzt. Und diese Fähigkeit ist so unveräußerlich, nicht zuletzt in unserer Kultur, die jeden Tag mit der Ideologieproduktion aller denkbaren Medien gefüllt wird, dass wir es uns nicht leisten können, etwas darin abzulehnen, nicht einmal das, was wir verabscheuen oder am allermeisten fürchten.« Leseprobe


Über die schrägen Typen der Journaille
Von Lothar Struck
Artikel lesen

Honoré de Balzacs Typologie »Von Edelfedern, Phrasendreschern und Schmierfinken«

»Gleichwohl funkelt dieses Bestiarium auch ohne vertiefende historisierende Lektüre und bildet einen Steinbruch für alle zeitgenössischen Kritiker der Kritiker.« Leseprobe


Die Traurigkeit der Handlungsreisenden
Von Lothar Struck
Artikel lesen
Frank Jakubziks meisterliche Erzählungen aus den kapitalistischen Jahren »In der mittleren Ebene«.
»Jakubzik kann aus kleinsten Settings meisterhafte Verdichtungen evozieren. (...) Zudem weiß der Autor, wovon er schreibt, aber er schreibt eben keine Reportagen oder gar naturalistische Prosa, sondern er verwandelt das, was er vorfindet, in Literatur.« Leseprobe
 

Eine neue Geschichte des Existenzialismus
Von Klaus Bittermann
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Sarah Bakewells Kollektivbiographie »Das Café der Existenzialisten« begeistert durch ihren Reichtum an Figuren und Geschichten. »... eines der sehr seltenen Bücher, die niemals enden sollten, weil die Autorin nicht einen Aspekt abarbeitet, sondern verschwenderisch und auf hinreißende Weise das Wissen der Welt ausbreitet. Leseprobe
 

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Ulrich Woelk
Für ein Leben


Was ist die verborgene Spielregel unseres Lebenslaufes und wer sind wir, wenn wir lieben? Woelks Roman ist ein grandioses Leseabenteuer.
Leseprobe & Infos

C.H. Beck


Marcel-Proust-Special



Zur Rezeptionsgeschichte und
den Perspektiven einer zeitgenössischen Proustlektüre
Zu den Texten
»Die Proust'sche Zeit hat eine Elastizität und Relativität, an der alles äußerliche Messen scheitert.« (Ernst Robert Curtius)

100 Bestseller & Geheimtipps



100
Bücher mit Qualitätsgarantie zusammengestellt von Herbert Debes
zu den Büchern


Petits riens (43)
Von Wolfram Schütte
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Geballer ohne Tote
Lachnummern Revue
Wandel



Walter Benjamin:
Nomade auf Sammlerschaft
Ein literarischer Parcours für neugierige Nachgeborene v
on Herbert Debes
Zu den Texten

Nachdem Walter Benjamins Flucht vor den Nationalsozialisten 1940 mit seinem Tod am 26. September im französisch spanischen Grenzort Portbou jenes tragische und bis heute von Verschwörungstheorien umschwirrte Ende genommen hatte, war keineswegs abzusehen, welche Bedeutung Walter Benjamins Werk & Persönlichkeit für die Nachwelt einmal haben würde.


Dichtung & Wahrheit:
Der Handke-Komplex

»Wer sagt denn, daß die Welt schon entdeckt ist?«
Zum Archiv
In unserem Peter-Handke-Archiv finden Sie die umfangreichste 
Linksammlung im Netz
mit 371 internationalen Pressestimmen, über 20 Rezensionen zu Leben und Werk, Kommentare, Glossen & Polemiken zur »Causa Handke«.


Ernst Jünger:
Eine gefährliche Begegnung

»Nachruhm bedeutet für den Betroffenen das Gute, daß er davon unbehelligt bleibt. Der Ärger mit den Zeitgenossen hat genügt.« 
Zu den Texten
Mehr über seine Bücher, sein Leben und Rezeptionsgeschichte finden Sie auf unserer Spezialseite,
die sich mit seiner »Arbeit am Abgrund des Selbst« auseinandersetzt.

30 Klassiker

Essays, Porträts, Originaltexte


Autoren & Essays:

Der letzte Mohikaner der literarischen Boheme
Ein Essay von René Steininger 
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»Damals war das Terrain noch nicht so überlaufen. Nicht so viele Autoren und Möchtegernschreiber wie heute, nicht so viele Zeitschriften, Kritiker, Verleger, nicht so ein Riesenbetrieb, so eine Industrie. Wenn du heute den Klempner kommen lässt, erscheint er mit seiner Rohrzange in der einen Hand und dem Gummistampfer in der anderen, und in der Gesäßtasche hat er ein Bändchen mit seinen ausgewählten Madrigalen.«


Philosophie:

Verirrt im finstren Tal
Von Timotheus Schneidegger
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Der Herausgeber von Heideggers »Schwarzen Heften«, Peter Trawny, ringt in seinem Essay »Irrnisfuge« mit den menschlichen Abgründen, in die ein radikales Denken nicht nur im Dritten Reich stürzen kann. Leseprobe

Geschichte & Politik:

»Mit diesem Buch will ich die Welt erklären...«
Von Jürgen Nielsen-Sikora

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In seinem imposanten Panorama welthistorischer Herrschafts-diskurse analysiert Ulrich Menzel nichts weniger als: »Die Ordnung der Welt«.
Leseprobe


Der Erste Weltkrieg
1914-1918

Wir besprechen fortlaufend Bücher zu diesem Ereignis, dessen weltpolitischen Dimensionen und kulturellen Folgen bis in unsere Tage hinein fortwirken. 
Zu den Büchern


Quellen:

Provokation für die postheroische Gesellschaft
Von Klaus-Jürgen Bremm

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Ernst Jüngers Kriegstagebücher 1914-1918 als Protokolle aus einer fragmentierten Welt. Alte Gegensätze aus der Welt des Friedens rücken plötzlich ganz dicht aneinander: Sensibilisierung und Verrohung, Abstoßung und Faszination, Erschütterung und Abstumpfung. Alle Erfahrungen treffen ihre Protagonisten mit unmittelbarer Wucht.

Krimis, Thriller & Agenten:

© Marion Ettlinger
Die große amerikanische
Sinfonie der Verbrechen

Von Herbert Debes

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Eine Kriminalgeschichte der USA von 1958-1972. James Ellroys Underworld-Trilogie deckt die enge Verzahnung von Politik und Verbrechen in Gottes eigenem Land auf.


Literatur:

Ein großer Gesang
Von Lothar Struck
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»Welch' ein Glaube an das Schriftliche! Vielleicht der letzte Glaube überhaupt?« Mathias Énards epischer Roman »Zone« beschreibt das Leben & Sterben in den Kriegen rund um das Mittelmeer.

Der Gigant

Von Herbert Debes
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Wie ein Koloß auf drei Säulen ragt Peter Weiss' Roman-Essay »Ästhetik des Widerstands« aus der deutschen Literatur. Eine monumentale Arbeit an den Zügen des Menschlichen, die es für die Generationen der Nachgeborenen neu zu entdecken gilt.
Leseprobe


Kurzgeschichten:

Schlachtfesttage
von Jörn Birkholz
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Eine protokollarische Erzählung aus dem Leben eines
Sisyphus im Literaturbetrieb unserer Tage.


Brückentag
Eine kurze Geschichte
Von Jörn Birkholz

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»Ich komme zu spät. Mein Zug war ausgefallen. Mit meinem am Körper klebenden Hemd betrete ich den Park. Eine Traube von etwa fünfzig Menschen hat sich unter einer gigantischen Eiche zusammengefunden. Ich schleiche mich vorsichtig an.«


Wo gehobelt wird

Eine kurze Geschichte
von Jörn Birkholz
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»Barbara holte aus und schlug mit voller Wucht auf den Wohnzimmertisch ein.
Das Axtblatt blieb im Holz stecken. Die Tischplatte war von minderwertiger Qualität, dachte Peter, während er zusah, wie sie die Axt wieder aus der Platte herauszog um erneut auf den Tisch einzuschlagen.«


Super Markt
Eine kurze Geschichte
von Jörn Birkholz
Geschichte lesen
»Ich sortiere die Cornflakes Packungen ein. Eine nach der anderen. Immer fünf hintereinander, gerade in vier Reihen.
Können Sie mir sagen, wo die Waschmittel stehen?, fragt mich einer.
Ich drehe mich um. Er grinst, wirkt nicht wie jemand, der oft Waschmittel einkauft. Ich blicke auf meine Liste, hab schon wieder vergessen, wo das Zeug steht.
«

Die Sonne, die uns täuscht
Eine kurze Geschichte
von Jörn Birkholz
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Rebellen
Von Joe Bauer
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S
chwäbische Widerständler und Querdenker erinnert.
»Der schwäbische Widerstand zieht sich kontinuierlich durch die Geschichte des Landes, die Rebellen konnten allerdings nicht verhindern, dass man »die Schwaben« bis heute für biedere, spießige Duckmäuser hält. Maulfaul und »verdruckt«, geizig und vom Putzwahn besessen.«


Ede aus Stuttgart
Von Joe Bauer
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Die Street Art von
»Harry & Gelb«. Eine Spurensuche in memoriam Jörg Fauser.
»Ich weiß nicht, wer sich dahinter verbirgt, und will es auch nicht wissen. Nicht jedes Geheimnis muss gelüftet werden. Eine Stadt braucht Geheimnisse. Rätsel, die den Menschen Freude machen.«

Neues vom Frosch
Metamorphose Betrachtungen
von Joe Bauer
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»Die Sonne stand tief, das Wasser dampfte in der eisigen Februarkälte, und es war ein Spaß, so zu tun, als sei Sommer. Man muss es nicht glauben, wenn die Leute sagen, das Wasser im Mineralbad Berg sei im Winter kälter als im Sommer. Die Sauna ist bei fünfunddreißig Grad im Schatten auch nicht heißer als bei fünfzehn Grad unter null. Alles eine Frage der Kleidung.«

Der Stift
Von Joe Bauer
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Eine kleine, seltsamerweise nur wenige Jahre alte Geschichte.

Mit Laib und Seele
Joe Bauers Tirade gegen die deutsche Sucht nach Witzigkeit.
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»Die Lachkrankheit ist weiter verbreitet als Demenz.« Gewidmet Herrn Dieter Nuhr


Wie der Ochs vor dem Berg

Joe Bauer in der Stadt
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»Zurzeit schauen wir in das Auge des vorweihnachtlichen Terrorismus, und das begreife ich so wenig, wie ich die Katholische Kirche verstehe. Die allgemeine Stimmung macht mir Sorge, komme ich doch langsam in ein Alter, in dem man sich fragt, ob man noch Rock'n'Roll oder schon Gospel singen soll.«


Der Reisemuffel
Eine Glosse von Joe Bauer
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»
Die meisten Leute haben die Tage schnell verdrängt, als Islands Asche um die Welt flog und den Himmel zur Hölle machte. Der Vulkan Eyjafjallajökull spuckte auf die Marketing-Botschaft, Reisen sei für Menschen ein Kulturgut.«

Herzlichen Glückwunsch zu über 500 Depeschen in Joe Bauers Flaneursalon

Am Neckar
Eine kurze Geschichte von Joe Bauer
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»Mit der Linie 2 fuhr ich am Morgen einige Stationen weiter als üblich durch Stuttgart und stieg erst in der Mercedesstraße aus. Nicht weil ich verschlafen hatte. Ich musste nach Bad Cannstatt, die Hochwasserlage prüfen. Hochwasserlage, hatten sie im Fernsehen gesagt, Hochwasserlage, wie Hanglage. Bald würde es wieder regnen. Das war gefährlich. Als ich von der Brücke aus die Brühe unter mir sah, wurde mir schlecht.«

Zug um Zug
Eine Kurzgeschichte von
Jörn Birkholz
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»'Immer derselbe Mist!', fluchte die stämmige Frau neben Glogowski. Er lächelte zustimmend, und beide schauten fast gleichzeitig zur Anzeigetafel hinauf...«

Buddy

Eine Short-Story
von Jörn Birkholz
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»Sonntagmorgen. Nachdurst! Tastend begebe ich mich auf die Suche nach der Mineralwasserflasche, die irgendwo neben meiner Matratze stehen muss. Nachdem ich meine Finger aus dem übervollen Aschenbecher genommen habe, erreiche ich sie schließlich und trinke gierig. Ich stehe auf. Leichter Schwindel, Kopfschmerzen, aber ansonsten alles im gelben Bereich. Ich gehe auf den Balkon und blicke zur Bäckerei auf der anderen Straßenseite. Davor liegt ein Hund.« Text als PDF-Datei


Glanz&Elend
Magazin für Literatur und Zeitkritik
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