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  Letzte Aktualisierung: 09.03.2010, 14:23
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»Hier sind die pathetischen, an der Welt
leidenden Figuren vorgezeichnet, die
Frisch später ... unter den Namen Stiller,
Gantenbein oder Geiser auftreten liess.
... Diese Neuausgabe war längst überfällig.«
Roman Bucheli, Neue Zürcher Zeitung 

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Glanz & Elend Magazin für Literatur und Zeitkritik

Termine     Literatur     Blutige Ernte     Sachbuch     Politik     Geschichte     Philosophie     Zeitkritik     Bilderbuch     Comics     Filme     Preisrätsel     Das Beste    

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»Im Jahre 1910 ist Tolstoj der berühmteste Autor der Welt. Jünger umlagern ihn, seine Frau Sofja kämpft um Aufmerksamkeit und Liebe, aber auch um sein Erbe und Tantiemen. Von dem Wunsch getrieben, am Ende seines Lebens Frieden zu finden, flieht Graf Tolstoj in einer dramatischen Aktion von seinem Gut Jasnaja Poljana ...«  Leseprobe

C.H. Beck
















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Berserker und Verschwender
Balzacs Vorrede zur Menschlichen Komödie
Die Neuausgabe seiner
»schönsten Romane und Erzählungen«, über eine ungewöhnliche Erregung seines Verlegers Daniel Keel und die grandiose Balzac-Biographie von Johannes Willms.
Leben und Werk
Essays und Zeugnisse mit einem Repertorium der wichtigsten Romanfiguren.
Hugo von Hofmannsthal über Balzac
»... die größte, substantiellste schöpferische Phantasie, die seit Shakespeare da war.«

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Martin Brandes
Herr Wu lacht
»Was konnte der freundliche Mann schließlich dafür, daß er von Wein nichts verstand? Und auch noch nie im Ausland gewesen war, das er ja mit seinen Weinen beglücken sollte. Eigentlich war er ja Marketingchef einer regionalen Eisenbahngesellschaft in der Provinz Shandong, die auch ein Weingut betrieb. Oder war es umgekehrt?« Leseprobe

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Aktuelle Bücher & Themen

»Mir nach, Leser!«
Zum 70. Todestag des Schriftstellers Michail Bulgakow
Der Meister und Molière
Von Christiane Pöhlmann
»Was für ein atemloses Leben! Dabei hat er sich so nach innerer Ruhe gesehnt: Michail Bulgakow, der Spötter und Individualist, der Romancier mit der überbordenden, sinnlichen Phantasie und dem tiefen Glauben. Drei Ehen, ein Medizinstudium, Krankheiten und Morphiumsucht hat er in seinen 49 Lebensjahren untergebracht, allein in den ersten dreißig davon zahllose Ortswechsel, einen Weltkrieg, die Oktoberrevolution und die Wirren des Bürgerkriegs.«


Die Zweifel eines Feuerwehrmanns
Der US-Autor Ray Bradbury feierte mit seinem düsteren Zukunftsroman »Fahrenheit 451« seinen größten Erfolg. Eine Comic-Adaption macht nun die Wiederentdeckung seines Meisterwerks möglich.
»Die Bilder changieren je nach Situation zwischen Art Déco und dem Film noir. Die Farbgebung, von feuerrot bis eisblau, transportiert die tatsächlichen äußeren und gesellschaftlichen Zu- und Umstände ebenso, wie die emotionale Anspannung der Protagonisten.«


Ein kühnes Paradoxon: die Dekonstruktion mit den Mitteln der Spiritualität
Über Benjamin Steins grandiosen Roman »Die Leinwand«
»Benjamin Stein hat ein kluges Buch geschrieben. Es ist fast fehlerlos gebaut und ungeheuer komplex. Die zahlreichen Exkurse – vor allen das Judentum betreffend – sind farbig erzählt und bei aller Liebe zum Detail niemals ermüdend. Stein schreibt leicht und virtuos ohne auch nur jemals in Gefahr zu laufen, ins Seichte abzugleiten.«
Leseproben

In unserem Preisrätsel verlosen 3 Exemplare der Leinwand

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Zur Philosophie der Erschütterung
Erdbeben als Euthanasie und Kostenseite künftigen Nutzens im Denken Rousseaus und Kants
Ein Essay von Karim Akerma
»Eine Frage schreit nach einer Antwort: Wer hat diese Welt eingerichtet? Im Vorwort zu seinem „Gedicht über die Katastrophe von Lissabon“ schreibt Voltaire (1694-1778): „Das Axiom ‚Alles ist gut’ erscheint denen, die Zeugen dieser Katastrophen sind, ein wenig befremdlich. Alles ist eingerichtet, alles ist geordnet, ohne Zweifel, durch die Vorsehung, aber es ist nur allzu spürbar, dass längst nicht alles für unser gegenwärtiges Wohlbefinden eingerichtet ist.«

Unruhe bewahren
Jürgen Nielsen-Sikora über Dimitré Dinevs unzeitgemäße Betrachtungen zur »Barmherzigkeit«
»Es ist der gelungene Versuch, sich einem Begriff zu nähern, der nur auf den ersten Blick anachronistisch scheint. Denn in einer hochkomplexen Welt mit all ihren Abgründen und Ungerechtigkeiten, einer Zeit, in der fast niemand mehr für seine Sätze bürgt, scheint nichts wichtiger zu sein als ein barmherziger Mensch, der uns ein kleines Stück Gerechtigkeit zurückgibt ohne für diese Gabe eine Gegenleistung zu erwarten. Wir müssen Dinevs Buch als eine solche Gabe lesen.«


Jähzorniger Odysseus der Großstadt
Gregor Keuschnig über die illustrierte Neuauflage von Leo Perutz' Roman »Zwischen neun und neun«
»... da ist eine faszinierende Aktualität, eine phantastisch-instruktive Verknüpfung über die Jahrzehnte hinweg, ein Ruf aus einer unversehens gar nicht so fernen Zeit. Und wir ahnen, nein: wissen – Stanislaus Demba wäre heute auch nicht glücklicher. Das ist paradoxerweise fast schon ein Trost für den heutigen Leser.«
Leseprobe


Beim Profit hört der Rassismus auf
Von Georg Patzer
Deon Meyer erzählt in »Dreizehn Stunden« virtuos und fulminant von einer Hetzjagd durch das moderne Südafrika
»Sie war weiß. Das bedeutete Ärger. Das verhieß Medienrummel. Der ganze Kreislauf der Anschuldigungen, das Verbrechen sei außer Kontrolle geraten, würde wieder von vorn anfangen. Es bedeutet großen Druck und lange Arbeitszeiten und zu viele Leute, die sich einmischen würden. Jeder würde mal wieder seine eigene Haut zu retten versuchen. Er hatte es satt bis obenhin.« Leseprobe


Wodehouse lesen macht glücklich
»Ohne weiteres auf derselben Stufe wie Shakespeare.«
Stefan Möller über die P. G. Wodehouse-Gesamtausgabe der Edition Epoca
»Wodehouse entfaltet in jedem seiner Romane aufs neue einen weitverzweigten Plot, in dem sich aus einer kleinen Gegebenheit, gleichsam dem Flügelschlag des Schmetterlings, das prächtigste Chaos entwickelt.«


Walter Benjamin –
der Denker zwischen Saturn und Mickey Mouse
Jean-Michel Palmiers monumentale Studie zu Leben und Werk Walter Benjamins Von Goedart Palm
»
Bei Benjamin gelten Denkbewegungen und Details mehr als das Ergebnis, das nicht darin bestehen kann, sich einen ideologisch gefestigten Zugang zur Geschichte zu schaffen. Vieles wurde von Walter Benjamin »angedacht« und – schon im Blick auf die höchst wechselvollen und schließlich katastrophalen Lebensumstände - nicht so entfaltet, wie es ihm selbst angelegen gewesen ist. Insofern hat Jean-Michel Palmier mehr als einen unvollendeten Versuch zurückgelassen, es ist ein notwendiges Werk der Aufklärung über die trotz vieler Interpretationen weiterhin provozierende Verschlungenheit der Benjaminschen Motive.« Leseprobe

Mutmaßungen über Samuel
Barbara Hoffmeisters fragwürdiger Versuch, das Leben des Verlegers Samuel Fischer zu beschreiben.
»S. Fischer, der Verleger, 1859-1934«

»...
immer wieder geht dieser affektierte Sarkasmus mit Hoffmeister durch. Etwa wenn Gerhart (S. Fischers Sohn) mit 19 Jahren an einer rätselhaften Krankheit binnen weniger Tage stirbt und dies schmissig mit dem Geburtstag der Mutter in Verbindung gebracht wird: …und wie um die Mutter zu schonen, starb das Sorgenkind fünf Minuten nach Mitternacht

Führer des echten und wirklichen Deutschlands
Rudolf Maresch über Ulrich Raulffs Analyse der Nachleben von Stefan George »Kreis ohne Meister«, die auf beeindruckende Weise zeigt, welche »Strahlungen« von den »Georgianischen Chorälen« auf die Bildungsgeschichte der Bundesrepublik Deutschland ausgegangen ist. Leseprobe


Arthur Schopenhauer
(*22.02.1788 in Danzig, † 21.09.1860 in Frankfurt am Main)
Eine kleine Zitatensammlung zum 222. Geburtstag des Philosophen

»Lest gefälligst Schopenhauer!«
»Nicht was die Dinge objektiv und wirklich sind, sondern was sie für uns, in unserer Auffassung, sind, macht uns glücklich oder unglücklich: Dies eben besagt Epiktets: Nicht die Dinge, sondern die Meinungen über die Dinge erregen die Menschen.

Die Barberei kommt wieder, trotz Eisenbahnen, elektrischen Drähten und Luftballons.«

Ein anderer Traum von Israel
Die verrückte Dokumentation des jüdischen Traums in der amerikanischen Diaspora bietet der wortgewaltige Comic
»Der Jude von New York«

»Der Jude ist kein Museumsstück, das man am Sonntagnachmittag bewundert. Wie alle sozialen Wesen ist er ständigem Wandel und Entwicklung unterworfen – eine Kreatur seiner Umgebung.« Sprach der Berliner Wissenschaftler Kunzo und tauchte wieder ab. Homepage des Autors

Das Feuilleton als Affirmationsboutique
für posierende Wohlstandsverwahrloser

Lothar Struck über Helene Hegemann und ihr umstrittenes Schriftstück »Axolotl Roadkill«
»Der Ladendieb wurde zum Sozialrevolutionär umgedeutet. Und jetzt zahlte sich Hegemanns eingestreuter Kulturbetriebsjargon aus. Diese Kuscheltaktik ist scheinbar unschlagbar. Die Exegeten des Meta-Diskurses kneten jede Silbe so lange, bis der Teig für ihre Lobhudeleien aufgegangen ist. Bis dieser zusammengefallen ist, sind sie längst schon auf der nächsten Party.«


Das Feuilleton findet Abschreiben ohne Quellenangabe voll OK

Plagiatsfall Hegemann
Ein Kommentar von Wolfgang Tischer (Literatur-Café)
»Bislang empfand ich die »Journalisten-gegen-Blogger-Debatte« immer als aufgesetzt. Doch just auf meinem ureigenen Terrain, der Literatur, erlebe ich, wie selbst Journalisten wie Wieland Freund von der Welt und Felicitas von Lovenberg von der FAZ zu einem merkwürdigen Vokabular greifen, in dem nichts als Geringschätzung gegenüber »dem Internet« und »Bloggern« ausgedrückt wird. Ich staune nur noch!«


Halluzinatorisches Erzählen
Peter V. Brinkemper über Manfred Iwan Grunerts Mammutwerk »Amerikanskij Wolp«
»... eine erzählerische Gratwanderung zwischen Abenteuer-,  Agenten- und Spionageroman, Wirtschaftskrimi, Liebes-Sex-Melodram und Dostojewskijscher Schuld-und-Sühne-Literatur aus deutscher Sicht. Vorsicht, alle diese Gattungskreise erweisen sich so kompatibel wie in einem gemischten Wett-Trinken: teurer Whiskey gegen billigeren Wodka, gepflegtes Aroma gegen hartes Destillat. Das geht nur mit einem gerüttelt Maß an Pulp und Kolportage, die nicht zurückschreckt vor dem Raubzug in der globalen Wirklichkeit von Politik und Finanzwelt mit ihrer medial aufgeheizten Gier und Schamlosigkeit.
«
Leseprobe

Zur politischen Entdeckung des Gemeinsamen
Antonio Negri über die Versäumnisse und Missverständnisse der linken Parteien. Das »Institut für Solidarische Moderne« fände in »Goodbye Mr. Socalism« eine schonungslose Gründungsschrift.
»Toni Negri ist ein radikaler Denker, der vor keinem linken Mythos Halt macht. Er stiftet mehr als Verwirrung im linken Milieu, wenn er im Zusammenbruch des nationalstaatlichen Wohlfahrtsstaats eine Chance sieht, um das
»Gemeinsame neu aufzubauen« oder die Verdammung des Finanzkapitals als »idiotisch« bezeichnet. Negri kritisiert die Linke nicht nur, er entblößt auch ihre irrationalen Dogmen.« Leseprobe

Der allzu lebendige Gott
Jürgen Nielsen-Sikora warnt vor der Lektüre von Paul Lafargues wundervoller Persiflage »Die Religion des Kapitals«
»Das Kapital stellt sich selbst als unendliches Rätsel vor. Denn es ist ewige Substanz und vergängliches Fleisch in einem. Es ist Gewinn und Verlust, da und fort, nicht hier, sondern nur woanders. Die Allmacht des Kapitals ist die Schwäche des Menschen. Der Mensch ist wie die Elster. Er nimmt alles mit, was glänzt und wirft alles andere hinfort. Das Kapital ist lebendig, weil es von allem, von den Toten und den Lebenden Besitz ergriffen hat. Alles hat einen Preis, wenn auch nicht alles einen Wert. Das Kapital ist Alpha und Omega, sein Geist ist der Kredit.«
Leseprobe

Negative Aufklärung
Von Rudolf Maresch
Der britische Philosoph John Gray macht in seinem Buch »Politik der Apokalypse« der Politischen Theologie der Menschenrechte den Prozess. Er vergisst dabei aber zu erwähnen, woher sie kommen. Leseprobe John Gray
Hörprobe JacobTaubes


»Träume, die echter sind als die Wirklichkeit«
Gregor Keuschnig über Barbara Gresslehners Erzählungen
»Der Geruch der Stille«
»... etwas Seltenes und fast unzumutbar Erscheinendes in einer Welt des sich zumeist selbstfeiernden Schickeria-Feuilletons, welches Bücher wie dieses mit der schlimmsten und leider wirkungsvollsten ihrer möglichen Reaktionen versieht: der Ignoranz. Sie überlassen die Entdeckungen lieber den wahren Lesern.«



Wunschbilder und enttäuschte Hoffnungen
Klaus-Jürgen Bremm zu Marc Lindemanns brisanter Analyse über acht vergebliche Jahre am Hindukusch
»Warum Deutschland in Afghanistan scheitert«
»Wenn dann sarkastisch von 'bizzarer Informationspolitik' und 'Berliner Schreibtischen' die Rede ist oder etwa der ehemalige Generalinspekteur unverblümt als zaghaft und ehrlos bezeichnet wird, tritt unverkennbar der Unmut des Soldaten hervor, der mit seinen Kameraden all diese Entscheidungen auszubaden hat.«


Was ist der Mensch?
Der amerikanische Meistererzähler T. C. Boyle geht in seiner aktuellen Erzählung »Das wilde Kind« den elementaren Fragen nach dem Menschsein nach. Seine Geschichte scheitert allerdings an der eigenen Betroffenheit.
Homepage des Autors


Salut au Monde
»Es schien mir …, dass die Zeit gekommen ist, um über alle alten und neuen Themen und Dinge im Lichte der Ankunft Amerikas und der Demokratie nachzudenken.«
»Grasblätter« Walt Whitmans
Hymnen auf eine erwachende Nation
Die prosaischen Verse des amerikanischen Nationallyrikers liegen nun erstmals vollständig auf Deutsch vor. Leseprobe


Opfer und wehrloser Täter zugleich
Martin Suter erzählt in seinem neuen Roman von einem tamilischen Liebes-Koch Von Georg Patzer
»Herrlich und erfrischend ist der Sarkasmus, mit dem Suter die Großen abwatscht. (...) Eine spannende Mischung aus
»Es muss nicht immer Kaviar sein« (auch hier sind die Rezepte angehängt) und »Das Parfüm« mit seiner anregenden Sinnlichkeit.«
Leseprobe


Bolaños Welt
»In dieser Nacht fand Reiter keinen Schlaf, und der Vollmond drang durch die Zeltleinwand wie kochender Kaffee durch eine als Filter verwendete Socke.« Leseprobe
»2666« lautet der kryptische Titel des grandiosen Romans des 2003 verstorbenen chilenischen Autors Roberto Bolaño. Diese knapp 1.100 Seiten sind das Vermächtnis eines meisterhaften Erzählers, der es mit den Granden der Weltliteratur aufnehmen kann.


»Seien wir schrecklich, damit das Volk nicht schrecklich sein muss!«
Jürgen Nielsen-Sikora über David Priestlands »Weltgeschichte des Kommunismus. Von der Französischen Revolution bis heute«
»Vom radikal-romantischen Antikapitalisten bis hin zum blutsaugenden Bolschewisten, von der Schreckensherrschaft des Comité de salut public, über den Gulag, die Hinrichtungsstätten in Leipzig, das S-21-Foltergefängnis oder die Killing Fields in Kambodscha – Priestland zeigt deutlich, wie untrennbar die Geschichte de Kommunismus mit der Barbarei sozialistischer Diktaturen zusammenhängt.« Leseprobe


Provinzkritiker

Aufschlußreiche Bemerkungen zu einer Pseudokritik über Stephan Thomes Buch »Grenzgang«, die den Zustand der bundesdeutschen Literaturgroßkritik beleuchten.
»Rezension? Nein, das ist es nicht. Radisch hat sich gar nicht erst die Mühe gemacht, den Roman zu begreifen. Dabei sind diese katapultartig herausgeschleuderten Wortkaskaden eher Dokumente virulenter Sprachlosigkeit.«



Umwege können nützlich sein
Lothar Struck entdeckt bei der Lektüre von Frank Schirrmachers »Payback« eine verkehrte Welt, in der Affirmation als progressiv und Kritik pauschal als reaktionär denunziert wird.
»In Wahrheit habe der Computer längst den Menschen als Medium auf die von ihm gesammelten Daten hin manipuliert. Das Werkzeug arbeitet sich seinen Erfinder um. Im berühmten Turing-Test, den Schirrmacher anführt, können die Probanten nicht mehr unterscheiden, ob ein Mensch oder eine Maschine mit ihnen kommuniziert.« Leseprobe


Sind Klappentexte gefährlich?
Wir meinen ja, z. B. dieser hier zu Männermacht und Männerleid
»...das ontologisch begründete Eigenschaftsdenken entlang eines behaupteten Geschlechterduals ...« So etwas kann echt impotent machen!

Zwischen Gier und Askese
Peter V. Brinkemper über Umberto Ecos neuesten Coup
»Die Unendliche Liste«
»... wieder einmal sind Orgie und Askese, das heiter-parodistische Spiel um Dummheit und Klugheit, die Tragikomödie von Carpe Diem und Memento Mori in einem prallen italienisch-europäischen Buch des Zeichen-Zauberers Umberto Eco wundersam vereint.«



»Niemand hat das Recht zu gehorchen!«
Irmtraud Wojak legt die Biographie des Generalstaatsanwalts und Hauptanklägers der Auschwitz-Prozesse Fritz Bauer vor.
Von Peter H. Gogolin
»
Und wenn am Ende doch konstatiert werden konnte, dass Deutschland ein anderes Land geworden war, dann muss man hinzufügen, dass dies ohne Fritz Bauers unermüdlichen Kampf gegen die verdrängte Erinnerung der Deutschen nicht möglich gewesen wäre.« Leseprobe


5 Lese- & Hörtipps
Albert Camus wiedergelesen »Hochzeoit des Lichts«
Martin Wuttke liest
Joseph Roths »Flucht ohne Ende«
Géza von Cziffra erinnert sich an Joseph Roth
Endlich mal den Simplicissimus lesen
Doch wieder mal Stephen King lesen »Die Arena«




Wiederentdeckte Weltliteratur
Bücher, wie dieses gibt es nur noch wenige.
Leonid Dobyčins Lebenswerk »Die Stadt N.« liegt nun erstmals in deutscher Übersetzung vor.
Als der Roman 1935 veröffentlicht wird, zerreißt ihn die stalinistische Literaturkritik. Als „zutiefst feindliches Werk" und „reaktionär" bezeichnete der Literaturfunktionär Dobin „Die Stadt N." in Anwesenheit des Autors auf einer Tagung des Leningrader Schriftstellerverbandes. Dobyčin verschwand nach der besagten Tagung spurlos. Bis heute ist sein Tod ungeklärt, seine Leiche wurde nie gefunden.


Der längere Atem der Geschichte
Von Christiane Pöhlmann
Pavel Kohout spürt in seinem neuen Roman »Die Schlinge« der Etablierung totalitärer Strukturen nach
»Einmal mehr zeigt Kohout auf, wie totalitäre Strukturen entstehen, durch welche infamen Mechanismen sie aufrechterhalten werden. Wie der Einzelne sich gegenüber dem Staat zur Wehr setzen muss, um nicht entmündigt und zum Spielball plumper Machtpolitik zu werden.«


Eine Übung in Demut
Gregor Keuschnig war mit Tariq Ramadans Darstellung der Lebensgeschichte Muhammads Auf den Spuren des Propheten
»
Wir scheinen zu glauben, dass es ausreicht, die Techniken der Ausübung von Religion (Gebete, Pilgerreisen) zu erlernen, um ihre Bedeutung und ihren Zweck zu begreifen und zu verstehen. Dieser Irrglaube hat schwerwiegende Konsequenzen, denn er führt dazu, dass die religiöse Lehre ihre spirituelle Substanz verliert, welche doch das Allerwichtigste an ihr ist.« Leseprobe

Die Geschichte eines Fotografenpaares
Die erste Retrospektive zum Werk von Lillian Bassman und Paul Himmel lädt ein zur Wiederentdeckung zweier grandioser Fotokünstler.
Ausstellung: Die erste Retrospektive
27. November 2009 – 21. Februar 2010

Haus der Photographie in den Deichtorhallen Hamburg.



Die unerträgliche Selbstfeier des Menschen
Felix Hofmann über Lorenz Jägers 'Kleines Brevier der Astrologie'.
»Die schöne Kunst, das Schicksal zu lesen«
»Was nicht gefällt, wird weggeschnitten. Das nur als Beispiel für die Methode des Buches, die darin besteht, alles Unpassende mit Nichterwähnung zu strafen. Dieses Brevier ist eine affirmative Anstrengung, die nicht als Spiel aufgefaßt werden will. Keine Ironie, keine Abenteuer, keine fröhliche Metaphysik sondern zweifelsfreie Berechenbarkeit und steifernste Beweisführungen zugunsten der Regentschaft des Himmels ...«

Das Leben der Anderen schreiben -
das Leben anders lesen.

Christian Kleins Metzler Handbuch Biographie erforscht das populäre Genre gründlich und bietet Hilfestellung zur Eigenproduktion.
»Die Faszinationskraft der Biographik befeuert auch noch dieses Handbuch: beide Male geht es um nichts weniger als ‚das Leben‘. Das fesselt nun einmal; sei es im Modus empathischer Anteilnahme, sei es im Modus methodischer Reflexion auf seine Formierungs- und  Darstellungsweisen.«


Schwafelorgie
Lothar Struck über das neueste Produkt der
rhetorischen Windmaschine Matthias Horx »Das Buch des Wandels« 
»
Slums als Kaderschmieden, Krisen als Innovationsbeschleuniger,
der Autor ist eloquent in der Verteilung seines Beruhigungssirups mit garantierter Komplexitätsreduzierung.«
Leseprobe

Inszenierte Zivilisationskrankheiten
Von Thomas Hummitzsch
Die Koreanerin In Sook Kim hat in einem Fotoprojekt »Saturday Night« das Drama des gesellschaftlichen Nebeneinanders reinszeniert und so der modernen Gesellschaft in die Seele geblickt. Leseprobe

Schuld und Wahn
Christiane Pöhlmann über Ennio Flaianos wiederaufgelegten Roman »Alles hat seine Zeit«
»Dieser Roman ist einer dieser paradoxen Glücksfälle: Er lädt zu einer Lektüre ein, die in einen zutiefst pessimistischen Widerhall ausläuft, einen Schmerz, der jede Zeile lohnt.«
Leseprobe

 


»Damit du weißt, woher du kommst«
Ulrich Ladurners kleine Geschichte eines großen Schauplatzes »Solferino«
Ein Städtchen in der Nähe des Gardasees, Provinz Mantua, heute leben dort rund 2.600 Einwohner. Am 24. Juni 1859 war es Schauplatz einer Schlacht zwischen Österreich auf der einen und Piemont-Sardinien sowie Frankreich auf der anderen Seite.
»Die Dinge waren schrecklich, doch hatten sie eine gewisse Ordnung, auf die man sich verlassen konnte.«
Leseprobe

Eine Parabel kapitalistischer Exzesse
Gregor Keuschnig über ein bemerkenswertes Debut des »
themenbuchverlags siebenhundertzwanziggrad«
Oscar Heyms Roman »Die Reserven«
Der Mikrokosmos Gronau dient als Anschauungsobjekt für Vorgänge dieser Art und so ganz nebenbei wird mit der Fama menschlicher Unzuständigkeit und Unverantwortlichkeit an einer solchen Blase aufgeräumt.


Venedig – Stadt der Illusionen
Die Dokumentation »Migropolis« zeigt, wie die gegenwärtigen Prozesse der Globalisierung das Leben steuern. Leseprobe
Chinesische Touristen kaufen in der Stadt von irregulär eingewanderten Straßenhändlern billige Kopien 'echter' italienischer Erinnerungsstücke, von denen nur Sekunden vorher das Etikett 'Made in China' entfernt wurde. (...) Deutsche und Australier genießen ihre italienische Pizza und loben die cucina italiana, die sich Ägypter und Marokkaner akribisch angeeignet haben.

Und wieder braucht man die Hoffnung
Über »Odessa Transfer«, die vielgesichtige Text- & Bildersammlung mit Nachrichten vom Schwarzen Meer
»Hier erscheint dieses Schwarzmeer-Vielvölkergemisch in seiner ganzen Vielfältigkeit, Schönheit und gleichzeitig Verzweiflung.«
Leseprobe




»Schönheit. Wahrheit. Eros. Tod. Krieg. Macht.
Gerechtigkeit. Freiheit. Arbeit. Glück.«

Passen die zehn wichtigsten Wörter unserer Kultur in einen Schuber?
Grundbegriffe der europäischen Geistesgeschichte
Franz Siepe über ein ambitioniertes Projekt als kulturpolitisches Pflichtprogramm und ein essayistisches Schaulaufen.

Im Mahlwerk des Regimes
Amir Hassan Cheheltan beschreibt in »Teheran. Revolutionsstraße« die Unterdrückung der Menschen durch das System und dessen selbstgerechte Repräsentanten.
»
Zucker, Geflügel und Speisefett hatte man rationiert, sogar Reis und Käse. Brot und Menschenleben gab es jedoch zuhauf, die Bäcker backten und die Frauen gebaren rund um die Uhr. Die Bevölkerung stand da und dort in langen Schlangen und musste sich schreiend verständlich machen, weil sämtliche Lautsprecher der Stadt Marschmusik ausstrahlten.« Leseprobe

Die Torpedierung der Athenia
Klaus-Jürgen Bremm über Drei Tage im September
Cay Rademachers mitreißende Schilderung der letzten Fahrt des britischen Passagierschiffes Athenia




Die Kraft der Worte
Robert Littell Das Stalin-Epigramm
Während Russland im Terror versinkt, versucht ein Dichter dem Diktator Stalin die Stirn zu bieten – mit seinen Worten.
Was wie ein Superheldenroman klingt, ist eine einfühlsame Hommage an Ossip Mandelstam und seine Frau Nadeshda.
»Littells Roman ist eine Huldigung, eine Ode an die Sprache und Dichtung und die Kraft, die im Wort verborgen liegt.«









»
Das Leben ist wunderbar, die Welt großartig,
wie leben in einer großen Zeit.«
Lothar Struck über den großartigsten Briefwechsel, der je zwischen Verleger und Autor geführt worden ist: Der Briefwechsel Thomas Bernhard – Siegfried Unseld,
in dem in jeder Zeile alles auf dem Spiel steht. Leseprobe 
Hörprobe

Heart of Brightness
James Camerons Avatar  – Aufbruch nach Pandora
»Aliens und Terminatoren mutieren zum Versöhnungsfest im Stil von Herr der Ringe. Abgemischt aus Pocahontas und Meuterei auf der Bounty entsteht ein Silent Running der neuen Dimension. Doch das ist keine Science Fiction mehr, das ist Science Fantasy.«
Brinkempers Gebrauchsanweisung für Camerons »Avatar«
Brauchen wir neue Kategorien für das mediale Erleben?


Die normale Ehehölle der 50er Jahre
Liebeskind hat Philipp K. Dicks frühen Roman »Unterwegs in einem kleinen Land« wiederentdeckt
Von Georg Patzer
»Objektiv und sezierend, und nur zwischen den Zeilen wird etwas von einer mitleidigen Sympathie spürbar. Dass Liebeskind jetzt seinen frühen Roman „Unterwegs in einem kleinen Land“ herausbringt, ist eine schöne Sache.«



Chinesische Skizzen
Das Gottvertrauen der Chinesen und der Unsinn der Chinesischen Küche
von Ma Ping Zuo
»...Ebenso wild geht es zu an den sinnlos auf den Asphalt gepinselten Zebrastreifen, wo alle Kraftfahrzeuge gewohnheitsmäßig wild hupend vor und hinter und mitten durch Fußgängerpulks brettern und riesige Busse mit wildem Getöse und Lautsprechergekreisch brutal durch die Menschenmengen walzen. Doch unerschütterlich in seiner glaubensfesten Aufgehobenheit, nimmt ein jeder Fußgänger sein Schicksal hin. Hauptsache, man kann mitten im tobend lärmenden Chaos noch ins Handy schreien oder wenigstens eine SMS eintippen.«

Die Leere des Guten
Klaus-Jürgen Bremm über Michael Schmidt-Salomons Thesen
»Jenseits von Gut und Böse«

Haben die Kultur tragenden und Identität stiftenden moralischen Kategorien von Gut und Böse ausgedient? Welche Alternativen ethischer Handlungsgrundlagen gäbe es?





Schlaflose Nächte
William Boyds euphorisch gefeierter Roman »Einfache Gewitter« raubt deutschen Lesern den Schlaf.
»Bereits vor drei Jahren hat uns Boyd mit seinem Spionage-Roman 'Ruhelos' selbige äußerst angenehm geraubt. Wer 'Einfache Gewitter' noch vor sich hat, der sollte sich ein bis zwei Tage nichts vornehmen, und sich sicherheitshalber eine warme Decke bereitlegen, für wenn die Heizung ausgeht ...«
Leseprobe


Literarisches Panorama der Weltgeschichte
Das großformatige Kleinod »Nichts als die Welt« birgt mit seinen 164 Reportagen und Berichten von Augenzeugen aus 2500 Jahren manchen literarischen Schatz der Menschheitsgeschichte.
»Man wird lange suchen müssen, um in Verlagsprogrammen der Welt qualitativ seinesgleichen zu finden, inhaltlich wie herstellerisch.«  Leseprobe


»Der Lauf der Dinge«
Jürgen Nielsen-Sikora über die »Frequenzen« des Clemens Setz
»...ein hochintelligentes, mit seinen unzähligen Anspielungen pointenreiches, wundervoll philosophisches Buch, geschrieben in einer fesselnden, poetischen und unermüdlich nachdenklich stimmenden Sprache, kostbar versehen mit ungewöhnlichen Bildern und einzigartigen Gedankengängen, die langsam in ein großartiges Finale münden ... als träfen Fischli & Weiss auf John Cameron Mitchell und Haruki Murakami im hochfrequentierten Zentrum einer Rube-Goldberg-Maschine«  Leseprobe

»Die ganze Welt war mein Garten...«
Über die ausgewählten Briefe der Martha Gellhorn, erschienen by Dörlemann, Zürich
»Ihre Briefe sind auch Zeugnisse eines lebenslangen Bemühens um eine Vergewisserung ihrer selbst, schmerzhaft, dramatisch und konsequent. Das Briefeschreiben ist für sie auch ein tauglicher Prozeß des Suchens, der Selbstreinigung und -findung. Sie schreibt sich ihre Verletzungen und Zweifel von der Seele.«



»Ja, Peter Handke ist ein Romantiker. Immer noch.«
Lothar Struck über »Peter Handke Freiheit des Schreibens – Ordnung der Schrift« das als Profile Band 16 herausgegeben von Klaus Kastberger erschienen ist.
»
Aktualität und Realismus manifestieren sich nicht in der "Geschichte" oder Handlung, sondern in der Sprache und im Erzählen. Das heißt: Erkenntnis der Wirklichkeit kommt nicht vom Erfassen der Dinge (der Natur, der Außenwelt) selbst, sondern im Gewahrwerden der jeweils eigenen (subjektiven) Erfahrung der Dinge im objektiven Medium der Sprache.« (Katharina Pektor)

Mann oh Mann!
Sigrid Lüdke-Haertel über ein Kompendium voller »Leidenschaft« für neunundneunzig Frauen der Weltliteratur.
»Ein wunderbarer, informativer und fesselnder Schmöker für lange dunkle Abende und die kurzen Pausen zwischendurch. (...) Dabei fügen sich diese Lebensgeschichten zu »einer Galerie der Emanzipation« zusammen.«
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Persische Elegien
Mahmud Doulatabadis Roman »Der Colonel« ist sprachgewaltiges Dokument über den Niedergang einer Gesellschaft und das Ende einer Familie.
»Ich bin fremd im eigenen Haus. Die gesamte Geschichte unseres Landes ist im Grunde nichts anderes: Die Katastrophe, im eigenen Haus fremd zu sein.« Das Nachwort von Bahman Nirumand


Die tödliche Leichtigkeit des Seins
Der biographische Roman über das aufregende Leben des Erfolgsschriftstellers Axel Rudolph
»Mit dem »Groschenroman« ist Martin Keune ein wunderbarer, ebenso aufklärender wie unterhaltsamer Roman gelungen, der vom Erzählton und der Haltung in der Tradition von Kästners »Fabian« steht. Axel Rudolph wird darüber frohlocken, in welchem Winkel des Himmels er sich auch gerade herumtreibt.« Leseprobe


Begriffe in Bewegung
Abécédaire. Gilles Deleuze von A bis Z
»
Allein das Interieur, die arrangierte Szenerie ist très léger. Mit welcher charmanten Nonchalance Gilles Deleuze in einem ausgeleierten, mauvefarbenen Pullover vor einer halbhohen Kommode sitzt, über der ein alter Spiegel hängt, in dessen linken unteren Ecke man das Spiegelbild seiner ketterauchenden Gesprächspartnerin, Claire Parnet, erkennt, das ist grandios.«

Der triumphale Abgrund des Krieges
Peter V. Brinkemper über Caroline Alexanders Studie »Der Krieg des Achill: Die Ilias und ihre Geschichte«, die zwischen zwischen Altphilologie und US-Traumatologie pendelt.
»Was für ein Götterfestspiel der planetaren Verwüstung wäre das geworden, wenn alle Helden unsterblich und rastlos sich in Ewigkeit bekämpft hätten? Homer, also doch über Zeit und Raum hinweg, im Gespräch mit Erich Maria Remarque und Ernst Jünger via Operation Patroklos?«

Zum Tod von Claude Lévi-Strauss
Zwischen Kannibalismus und Kantianismus
Von Goedart Palm
»... Ob daher der Strukturalismus humanistisch ist oder nicht, mag angesichts der Absicht von Lévi-Strauss, die Anthropologie in eine 'Entropologie', eine Wissenschaft von den soziokulturellen Desintegrations- und Zerfallsprozessen zu verwandeln, Stoff für endlose
Räsonnements liefern. Gegenüber diversen gegenwärtigen Fortschrittsnaivitäten liefert dieses Konzept aber weiterhin zahlreiche Anregungen, hier bei unseren zivilisierten Wilden nach der Auflösung sozialer Ordnungen und ehedem approbierter Formen des Zusammenlebens zu fragen.«


Der »Vater der Atombombe«
Klaus-Jürgen Bremm über die J. Robert Oppenheimer Biographie

Nobelpreisträger Percy Brigdman in einem 'Empfehlungsschreiben':
»Wie aus seinem Namen hervorgeht, ist Oppenheimer Jude, aber völlig frei von den gewöhnlichen Eigenschaften seiner Rasse. Mir scheint es durchaus nicht ausgemacht, dass er es jemals zu bedeutenden Beiträgen bringen wird, aber wenn er überhaupt etwas Gutes zustande bringen sollte, dann wird das ein ganz außergewöhnlicher Erfolg werden.«

Aufbruch in die Gotik
»Der Magdeburger Dom und die späte Stauferzeit«
Franz Siepe hat die Ausstellung aus Anlaß des 800. Domjubiläums im Kulturhistorischen Museum Magdeburg besucht.
Über 400 Exponate aus nahezu sämtlichen Bereichen des kirchlichen und weltlichen Lebens jener Zeit werden gezeigt: von monumentalen Steinskulpturen über Goldschmiedearbeiten zum liturgischen Gebrauch bis hin zu kostbar illuminierten Prachthandschriften oder Resten einer Bergkristallwerkstatt als archäologisches Zeugnis der blühenden hochmittelalterlichen Stadtkultur.


Thomas Pynchon - On the road again.
In seiner »Inherent Interpretation« enthüllt Goedart Palm virtuos, warum der neue Roman des Meisters aller Klassen, »Inherent Vice«, viel mehr als eine Detektiv-Geschichte ist.
»
Thomas Pynchon ist in diesem ironisch-nostalgischen 'Krimi' nicht weniger als in seinen schwergewichtigen Werken der radikale Trickster geblieben, dessen wertvollste Lehre lautet: Paranoia ist die Mutter aller literarischen Erfindungen.« Text als pdf-Datei
O-Ton Pynchon

Keine Maus in der Falle
Sigrid Lüdke-Haertel über Helmut Kraussers hinreißenden Episoden-Roman »Einsamkeit und Sex und Mitleid«
Daniel Kehlmann hat völlig zu Recht moniert, daß dieses Buch auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis 2009 fehlt. Helmut Krausser, 1964 geboren, mag ein Vielschreiber sein. Ich schätze ihn auf zwanzig Bücher. Er gilt aber auch als guter Schachspieler. Das merkt man.
Leseprobe


»Il faut cultiver notre rire.«
Franz Siepe zur Ausstellung »Vielleicht ist die Wahrheit ein Weib ...«
im Schloß Benrath, Museum für Europäische Gartenkunst, die bis zum 13.9.2009 verlängert wurde.
»Kenntnisreiche Bildung, die den Geist erheben sollte! Man darf diese Wendung, die geradeheraus hochkulturelle Dignität annonciert und sich selbstbewußt vom Trend der als 'Besucherorientierung' kaschierten Popularisierung der Museums- und Ausstellungslandschaft absetzt, unbedingt als programmatisches Bekenntnis verstehen ...«


Eine Einladung zum Tanz
Der Einführungsband zu dem ehrgeizigen Projekt des Perlen Verlages, das Lebenswerk des marokkanischen Philosophen Mohammed Abed Al-Jabri, die »Kritik der arabischen Vernunft«, ins Deutsche zu übersetzen. Es wird spannend sein zu sehen, ob und wie sich deutsche Denker und Schreiber darauf einlassen, und welche Figur sie auf dem glatten Parkett abgeben werden, beim Tanz der Kulturen. Leseprobe

Der anthropotechnoartistischsannyasketologische Wunschpunsch
Goedart Palm zu den neuen Trainingseinheiten unseres Senior Drill Instructors Peter Sloterdijk Du mußt dein Leben ändern
»Wir alle besitzen Heimtrainer. Einer von ihnen ist Peter Sloterdijk, der von der Jan Steen-Leiblichkeit her zwar nicht a priori fitnessverdächtig erscheint, aber dessen im Feuilleton so nachhaltig beschworene »Hans-Dampf«-Denkerexistenz als umtriebig genug gilt, alte Meistererzählungen zu beleben und kreativ durcheinander zu wirbeln. In seiner neuen Frohbotschaft entwirft er eine mehrtausendjährige Geschichte der Übungen des Selbst, um in dieser Welt der tausendundeins Zumutungen besser mit diesem widerspenstigen Selbst klar zu kommen. (Mehr lesen)  Der Beitrag als PDF-Datei

»Unaufhörlich Marrons glacés«
Auf der Suche nach dem wahren Leben Marcel Prousts
Goedart Palm über Jean-Yves Tadiés Proust Biographie
»Von einem gewissen Alter an sind unsere Erinnerungen derart miteinander verwoben, dass die Sache, die man im Sinn hat, oder das Buch, das man liest, ganz dahinter verschwindet. Überall hat man etwas von sich ausgestreut, alles ist ergiebig, alles birgt Gefahren in sich, und ebenso kostbare Entdeckungen wie in Pascals Pensées kann man in einer Seifenreklame machen   

»War es ein guter Krieg?«
»Menschenrauch« von Nicholson Baker ist ein kühnes, ein waghalsiges, ein fürchterliches, ein aufrüttelndes, ein geschichtsklitterisches und ein erhellendes Buch. Es ist der Versuch, die Zeit zwischen 1919 und Ende 1941 aus einer anderen Sicht zu sehen. Wo inzwischen die Vokabel des Paradigmenwechsels verbraucht erscheint – hier ist sie angebracht.
Historische Wahrheit, gibt es das?
Bemerkungen zu Nicholson Bakers umstrittenen Buch »Menschenrauch - Wie der Zweite Weltkrieg begann und die Zivilisation endete«
»Woher der so hochgelobte Autor Daniel Kehlmann, Jahrgang 1975, allerdings die Urteilskompetenz hernimmt, zu behaupten, Bakers Buch sei 'ein Buch für die Feinde der Demokratie', wüßte ich gerne.
 Bakers Werk ist ein Buch für alle Demokraten und systemkritische Leser & Denker. Sind wir denn schon soweit heruntergekommen, daß Prominenz automatisch auch Kompetenz bedeutet.«


Kritische Gesamtausgabe
Walter Benjamin und die europäische Moderne
Im Suhrkamp Verlag hat die auf 21 Bände angelegte historisch-kritische Edition der Werke Walter Benjamins begonnen.
Ein kurze Einführung in sein Denken von Jürgen Nielsen-Sikora
Leseprobe
Der Kampf um die Armbinde
Walter Benjamins allegorische Wissenschaft
»Der Intellektuelle ist der geborene Feind des Kleinbürgertums, weil er es ständig in sich selbst überwinden muß.« Von Friedhelm Lövenich

Die negative Dialektik des Pop
Diedrich Diederichsen untersucht mit »Eigenblutdoping« die Selbstverwertung von Künstlern
Von Bernd Blaschke
»Dieses Buch besticht nicht nur durch seine mit allen philosophischen Wassern aus Frankreichs und Frankfurts kritischen Quellen gesalbte kunstsoziologische Urteilskraft; es bietet zudem eine kurze, durchaus subjektive Geschichte politischer und populärer Kunst der letzten 40 Jahre.«


Das Gespenst lebt
Karl Marx ist wieder da und in aller Munde
Die Moral des Kapitals ...
»Wir ziehen die Nebelkappe tief über Aug’ und Ohr, um die Existenz der Ungeheuer wegleugnen zu können.«

Marx ist Marx ist Marx
Francis Wheen erklärt das unbekannte Meisterwerk »Das Kapital«
»Marx' Irrtümer und unerfüllte Prophezeiungen in Sachen Kapitalismus verblassen zur Bedeutungslosigkeit gegenüber der chirurgischen Präzision, mit der er die Natur der Bestie bloßgelegt hat. (...) Weit davon entfernt, unter den Trümmern der Berliner Mauer begraben zu sein, tritt Marx vielleicht erst jetzt in seiner wahren Bedeutung ins Licht. Er könnte durchaus noch zum einflussreichsten Denker des 21. Jahrhunderts werden.«

 

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»Die Geschichte von einer Welt, in der man mit einem Computer Projektionen von Menschen schaffen kann. Dadurch entsteht natürlich der Zweifel, inwieweit man selbst nur eine Projektion ist. Vielleicht hat eine andere, größere Welt uns als ein Denkmodell geschaffen?« Hörprobe

 

Matthes & Seitz












Jazz aus der Tube
Bücher, CDs, DVDs & der Link des Tages

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Glanz&Elend
Die Zeitschrift

Großformatige Broschur in einer limitierten Auflage von 1.000 Ex. 176 Seiten, die es in sich haben: »Diese mühselige Arbeit an den Zügen des Menschlichen« Dazu exklusiv das interaktive Schauspiel »Dein Wille geschehe«

Nachruf
Wie das Schachspiel seine Unschuld verlor
Zum Tod des ehemaligen Schachweltmeisters Bobby Fischer »Ich glaube nicht an Psychologie, ich glaube an gute Züge.«


Thomas Bernhard
Eine kleine Materialsammlung
Man schaut und hört wie gebannt, und weiß doch nie, ob er einen gerade auf den Arm nimmt, oder es ernst meint mit seinen grandiosen Monologen über Gott und Welt. Ja, der Bernhard hatte schon einen Humor, gelt?

Literatur in Bild & Ton
Literaturhistorische Videodokumente von Henry Miller, Jack Kerouac, Charles Bukowski, Dorothy Parker, Ray Bradbury & Alan Rickman liest Shakespeares Sonett 130

Hörprobe
Die F
luchtbewegungen des Bob Dylan
»Oh my name it is nothin'/ My age it means less/ The country I come from/ Is called the Midwest.«
Ulrich Breth über die Metamorphosen des großen Rätselhaften mit 7 Songs aus der Tube

Neues von Hackensack:
»Come and fly away with me tonight«
Shara Worden - Eine Hommage
Die Musikerin steht in einem hell erleuchteten Raum vor einem Mikrophon, zwei Glasschränke mit Büchern hinter ihr an der Wand. Eine halbakustische Gitarre umgehängt, sagt sie ungefähr Folgendes: »Mein Name ist Shara, ich komme aus Brooklyn, New York. Ich habe eine Band, die heißt My Brightest Diamond. Manchmal besteht die Band aus einem Streichquartett und einem Drummer. Manchmal nur aus einem Streichquartett, manchmal nur aus einem Drummer und manchmal auch nur aus mir.«

Spiegel Miniabo


Wer ist Joe Henry?
»Live is short, but by the grace of God, the night is long.«

 

Coltrane par coeur
René Steininger zu Ben Ratliffs lesenswerten Biographie über einen Unsterblichen der Musikgeschichte.

»Coltrane. Siegeszug eines Sounds«
»Der Sound ist für den Musiker, was für den Schriftsteller der Stil oder die Stimme ist. Es ist seine Signatur oder Syntax und das, was er der Struktur der Notensysteme an individuellen Modalitäten abgewinnt. 'Irgendwann braucht jeder Musiker einen eigenen Sound', den man 'im Idealfall schon beim ersten Ton erkennt.'«
Mit 10 Bild- & Tondokumenten aus der Tube

Eine kurze Geschichte von Joe Bauer
Am Neckar
»Mit der Linie 2 fuhr ich am Morgen einige Stationen weiter als üblich durch Stuttgart und stieg erst in der Mercedesstraße aus. Nicht weil ich verschlafen hatte. Ich musste nach Bad Cannstatt, die Hochwasserlage prüfen. Hochwasserlage, hatten sie im Fernsehen gesagt, Hochwasserlage, wie Hanglage. Bald würde es wieder regnen. Das war gefährlich.
Als ich von der Brücke aus die Brühe unter mir sah, wurde mir schlecht.«

Short-Story
Buddy von Jörn Birkholz
»Sonntagmorgen. Nachdurst! Tastend begebe ich mich auf die Suche nach der Mineralwasserflasche, die irgendwo neben meiner Matratze stehen muss. Nachdem ich meine Finger aus dem übervollen Aschenbecher genommen habe, erreiche ich sie schließlich und trinke gierig. Ich stehe auf. Leichter Schwindel, Kopfschmerzen, aber ansonsten alles im gelben Bereich. Ich gehe auf den Balkon und blicke zur Bäckerei auf der anderen Straßenseite. Davor liegt ein Hund.« Text als PDF-Datei


 


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