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»Die
besten Geschichten sind wie Raumschiffe, sagt
Mathilda. Sie bringen dich irgendwo hin, setzen
dich in weiter Ferne ab, und du denkst, oh, ganz
schön unheimlich hier. Aber dann denkst du,
warte, vielleicht kenne ich das doch. Vielleicht
bin ich sogar hier geboren.«
Leseprobe
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C.H.Beck |
Nachruf
Wie
das Schachspiel seine Unschuld verlor
Zum Tod des ehemaligen Schachweltmeisters Bobby Fischer
»Ich glaube nicht an Psychologie,
ich glaube an gute Züge.«
Spurensuche
Metamorphosen
Ein sehenswertes Fotoprojekt von Lutz Schelhorn und Stefan Mellmann
zur Erinnerung an die Deportation der württembergischen Juden
»Die Chemie der Erinnerung«
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»We've
got all the right enemies.«

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Literatur,
über 150 Rezensionen &
Lesetipps
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Lebenslust
und Lebenswut
»Wallace zerlegt in seiner
alles zermalmenden Melancholie die Mechanismen der technologischen, der
pharmakologischen und der poetischen Bildproduktion als wahnhafte Ideologie, er
setzt und zersetzt, verschmilzt und verdampft in seinen plastischen, zugleich
deftig-leibhaften, aber auch in der Folge abstrakt-spekulativ ziselierten
Sprach-Mäandern mögliche Jetztzeit-Stories und prognostische History zwischen
Individuum und Gesellschaft, Alltag und politisch relevanter Geschichtlichkeit.«
Text als pdf-Datei
Toxikologischer
Realismus
Peter V. Brinkemper über
»Infinite Jest« von David Foster
Wallace. Der endlich übersetzte US-Kultroman findet seine Rezitatoren in Harald
Schmidt und Maria Schrader.
Leseprobe
Steinbruch
für Literaturexegeten
Lothar Struck hat sich durch
Roberto Bolaños monumentalen
Roman
»2666« gefressen.
»Ein potemkinscher Roman: hinter dessen Fassaden nur die Deuter sitzen. (...)
Sie überschlagen sich daher auch folgerichtig mit Lob für dieses monströse Stück
Literatur-Literatur, weil sie in Querverweisen ihr literarisches, cineastisches,
kunsthistorisches, dramatisches und/oder historisches Wissen verwursten, und mit
immer neuen Assoziationsgewittern brillieren können, die am Ende so richtig wie
falsch sind und kaum Erkenntnisgewinn bringen.«
Leseprobe /
Leserblog zu 2666
Mystifizierung
oder Alltäglichkeit des Bösen?
Vor dem Wächterrat der
deutschen Literaturkritik, der für sich auch die Deutungshoheit über die
Deutsche Geschichte allgemein, und die der NS-Zeit im Besonderen reklamiert,
fand Volker Harry Altwassers Roman
»Letzte Haut« keine Gnade, und
wurde von der Feuilleton-Miliz ordnungsgemäß niedergeschrieben.
Peter V. Brinkemper rückt Volker Harry Altwassers Roman »Letzte Haut«, der auf
realen Gegebenheiten basiert, in ein gerechteres Licht.
Aufruf
zur letzten Lektüre!
Der Schriftsteller und
Publizist Jörg Fauser wäre am 16. Juli 2009
65 Jahre alt geworden.
Jürgen
Nielsen-Sikora
über
das Phänomen
Fauser und dessen gesammelte
journalistischen Arbeiten 1959-1987,
»Strand der Städte«, die
im Alexander Verlag erschienen sind.
Leseprobe:
»Der dunkle Ort«
O-Ton:
Jörg Fauser liest
Totentanz
der Wiedergänger
Sibylle Berg brilliert mal
wieder. Diesmal mit ihrem Roman
»Der Mann schläft«.
Von Rolf Löchel
»Berg formuliert mit der
ganzen Wucht Schopenhauers, nur vielleicht noch ein wenig zungenfertiger als der
für einen Vertreter des Faches Philosophie ganz außergewöhnlich eloquente
Meisterpessimist. Der Roman ist zudem mit einer schwarzen Galle durchtränkt, die
vorzugeben scheint, sich hinter Sarkasmen verstecken zu wollen, so dass er
geradezu vor aphoristischen Wendungen, Bonmots und Aperçus birst.«
Leseprobe
Außer
Rand und Band
Sigrid
Lüdke-Haertel über Stephan Thomes fulminantes Debüt
»Grenzgang«
»Erstaunlich, wie der junge Autor sich in seine älteren weiblichen Figuren
hineindenken, ihre Stärken und Schwächen, ihre Hoffnungen und Sehnsüchte, vor
allem aber ihre Enttäuschungen beschreiben kann. Das Buch, ein wahrlich großer
Wurf, ist ebenso kraftvoll wie resignativ.«
Leseprobe
Es
war einmal in Germany
Gregor Keuschnig über Jochen
Schimmangs melancholische Rückschau auf die Bonner Republik
»Das Beste, was wir hatten«
»Schimmangs Roman ist in den
gelungensten Momenten ein elegischer Abgesang auf die Bonner Republik und den so
oft verkannten (und denunzierten) deutschen Provinzialismus. (...)
man ist am Ende froh, dieses Buch gelesen zu haben.«
Herzpartikel
Ingrid Mylo über Roger Willemsens nächtliche Exkursionen durch
»Bangkok Noir«
»...
in den Sätzen pulsiert das
Fieber, pulsieren Farben und Hunger und die vielfältige Hysterie dieser
fernöstlichen Metropole. Am Ende ist man so aufgewühlt und erschöpft von der
Heftigkeit der Anblicke und Eindrücke, daß man sich schlafen legen möchte. Und
träumen: von gemäßigteren Gefilden.«
Hommage
an die Freiheit
Gregor Keuschnig über William T. Vollmanns Reiseerzählungen
»Hobo Blues«
»Vollmann versucht mit diesen Landschaftsaufnahmen, die manchmal
heruntergekommene oder baufällige Häuser zeigen manchmal aber auch nur eine
ebene Wüstenlandschaft oder eine abgestellte Lokomotive, eine Beschwörung eines
guten, eines besseren Amerika, mit Menschen voller Mut, Großzügigkeit und
Integrität. Einem Amerika, das immer schon mehr Sehnsucht als Realität war.«
Leseprobe
Kammerspiel
in Traumschiffkulisse
Stefan Mosters Roman
»Die Unmöglichkeit des vierhändigen Spiels«
»Es geht von Hamburg nach Rio de Janeiro, Buenos Aires, Kap Hoorn; aufgrund des
Wetters unfreiwillige Weihnachten vor Port Stanley, Falkland Inseln, Patagonien
und irgendwann wieder zurück...«
Hörprobe
Der
Anteil des
Zufalls an der Wahrnehmung des Künstlers
Lothar Struck über den allzuständigen Ulf Erdmann Ziegler und dessen weltkluge
Essaysammlung
»Der Gegenspieler der Sonne«
»Zieglers Essays sind glücklicherweise nicht immer leichte Kost. Einige
laden den Leser zu weiterführende Recherchen ein oder fordern sie sogar. Das ist
eine Qualität, weil der Leser ernstgenommen wird. Und dass Ziegler nicht nur ein
sehr guter und gelegentlich streitbarer Essayist, sondern auch ein
ausgezeichneter Schriftsteller ist, sei noch am Rande erwähnt.«
Hanns
im Glück
Sigrid Lüdke-Haertel über Hanns-Josef Ortheil bisher bestes Buch:
»Die Erfindung des Lebens«
- Der Lebensweg eines sprachlosen Kindes
»Ein Roman, ganz dicht am eigenen, ungeheuerlichen und ungewöhnlichen Leben
entlang geschrieben. Intensiv und fast zärtlich und, davor schreckt Ortheil zum
Glück nicht zurück, mit einem glücklichen Ende.«
Leseprobe
Wendepunkte
Lothar Struck über Lutz Seilers grandiosen Band mit Erzählungen
»Die Zeitwaage«
»Virtuos beherrscht er den genauen Blick, der in eine faszinierende Verdichtung
des Augenblicks überführt wird wie auch die Lakonik, die niemals mit falscher
Coolness daherkommt und versteht es zwischen diesen Polen oft auf kleinstem Raum
stilistisch souverän zu alternieren.«
Leseprobe
»Der
Mensch ist ein Tier,
das immer wieder neu anfängt«
Mit
»Brodecks Bericht« beendet
Phillip Claudel seine Trilogie über die Verführbarkeit des Menschen zur Gewalt
»Warum finden die Dorfbewohner seit einiger Zeit immer wieder massenweise tote
Füchse, die keinerlei Symptome einer Krankheit aufweisen? Die Geschichte geht
um, daß sie freiwillig in den Tod gegangen sind. Aber ist das nicht gegen die
Natur?«
Leseprobe
Hinreißend
komisch
Nicolas Mahlers
»Längen und Kürzen«
Ganz
schnell geht man dem Mahler auf den Leim: Ist nicht der vor dem Verlagschef
stehende und später in seinen Briefen mit "M." zeichnende Dichter Mahler selbst?
Ein findiger Trick, denn man glaubt zunächst genau das Buch zu lesen, welches
der Dichter seinem Verleger vorstellt
und seiner Freundin Dorothee anpreist.
Leseprobe vom Luftschacht-Verlag (pdf)
Eine
infernalische Symbiose
In dem autobiografischen
Roman
»Nachtgeschwister« erzählt
Natascha Wodin von ihrer dramatischen Beziehung zu Wolfgang Hilbig.
Von Karen Lohse
»Wer
ist er gewesen? Ich werde es nie erfahren. Er hat Tausende Seiten über sein
Leben geschrieben, aber sein Geheimnis hat er mitgenommen ins Grab.«
Leseprobe
John William
Waterhouse, Echo and Narcissus
Krapps
Echo
Lothar Struck zu Peter
Handkes befreiendem Monolog
»Bis daß der Tag euch scheidet oder Eine
Frage des Lichts«
»Handkes Hommage an Beckett ist nicht nur Ergänzung, sondern auch sanfte
Korrektur. In den Diagnosen stimmen beide überein – in den Therapien nicht. Fast
scheint es, daß Krapp durch die Ausführungen der Frau zum Mit-Menschen
»vervollständigt« wird. Das ist in gewissem Maße ein Trost. Es könnte aber sein,
dass gerade deshalb die Ausweglosigkeit von Krapps Leben noch stärker
hervorscheint. Denn plötzlich ist er nicht mehr der eigenwillige Kauz, von dem
man sich so bequem distanzieren kann. Vielleicht sind wir morgen auch Krapp –
statt Tonband dann mit unserem PC. Und vor lauter Narzissmus stellen wir
plötzlich fest, daß wir vergessen haben zu leben.«
Leseprobe
Eine
Zeitreise. Ein déjà-vu.
Anmerkungen eines wahren Thomas Bernhard
Lesers zu seiner aus dem Nachlaß erschienenen Bilanz
»Meine Preise«
»Wer unter die Oberfläche dieses "Erregungskünstlers" schaut, entdeckt auch in
"Meine Preise" eine sehr verletzliche, sensible Persönlichkeit. Zum polternden
Bernhard wurde er immer mehr als er begriff, daß man sein Werk nur als
Profilierungs- und Marktinstrument ge- und mißbrauchte. Bernhards
künstlerisch-ästhetischer Anspruch wurde entweder ignoriert oder vom
bürgerlichen Feuilleton bekämpft.«
Eine kleine Materialsammlung
Metropolenminiaturen
Lothar Struck über
Wolfgang Hermanns poetische Versuche der
»Konstruktion einer
Stadt«
»... ein kleines und feines Büchlein eines hochtalentierten Autors mit großem
Sprachgefühl. Zwar wirkt es gelegentlich ein bisschen überinstrumentiert, aber
imponierend ist der große Ernst, mit dem Wolfgang Hermann erzählt. Und damit
sind diese 'Versuche' Balsam für den durch Zyniker und Witzbolde in der
zeitgenössischen Literatur geschundenen Leser.«
Die
Alexander-Portnoy-Show
Philip Roths früher Erfolgsroman
Portnoys Beschwerden
ist die Basis seines Lebenswerks.
40 Jahre nachseiner Erstveröffentlichung liegt der Roman nun in einer überaus
erfrischenden Neuübertragung vor.
»Die Provokation mit
dem fiktiven Double ist eines der wesentlichen Elemente der Roth-Literatur. Es
ist dieses Verwirrspiel aus Autobiografie und romanesker Fiktion, von der
zahlreiche seiner Romane leben.«
Leseprobe
Das
verlorene Paradies
Jürgen Nielsen Sikora über Jean
Rolins
bewegendes Dokument über das
Leben in der Großstadt des 21. Jahrhunderts – oder über das, was man für das
Leben hält.
»Boulevard
Ney«
»Wer
wissen will wie sehr wir in Eingeweiden zuhause sind, der muß vom Taumel sich
durch Straßen jagen lassen, deren Dunkel soviel Ähnlichkeit mit dem Schoß einer
Hure hat«, schreibt Walter Benjamin in den 1930er Jahren über die Straßen von
Paris, die die Bewohner von ihrem eigenen Lebensraum zusehends entfremden.
Widerspruch
zwecklos
Über Rainald Goetz' neueste Zeitmitschriften:
loslabern
»... wenn
Goetz richtig wütend und dabei genau ist, dann ist die Lektüre tatsächlich mehr
als nur amüsantes Plaisir. Etwa, wenn er aus Anlaß der Finanzkrise gekonnte
Medienkritik betreibt und den kompletten Diskursirrsinn konstatiert,
der die gesamte Presse, besonders aber
die Feuilletons, und unter denen am allerheftigsten natürlich gerade auch wieder
das allerhysterischste, das der Faz, befallen hatte, wo jetzt in mehr oder
weniger täglich erscheinenden Artikeln die Revolution ausgerufen wurde, die
morgen gleich über uns hereinbrechende...«
Katzenoper
»Das größte Operndrama von allen ist die
Hinrichtung eines Menschen«
Stefan Möller über Mo Yans Roman
»Die Sandelholzstrafe«
»Schnitt für Schnitt wird der Leser
zum Zeugen der Hinrichtung und darf den Gedanken des Henkers folgen.«
Leseprobe
Wenn
die Tage zappeln
Lothar Struck über Martin von
Arndts lesenswerten neuen Roman
»Der Tod ist ein Postmann mit Hut«
»... so vermittelt dieses Buch – so ganz ohne Soziologenslang,
existentialistische Unterfütterung oder pädagogischem Impetus – als reine
Erzählung vor allem eines: Hoffnung. Oder genauer: die Hoffnung auf eine
Hoffnung.«
Die Playlist
Russland
auf der Couch
In wohl gesetzten und zugleich scharfen Worten setzt sich der russische Autor
Viktor Jerofejew in seiner Essaysammlung
»Russische Apokalypse«
mit seiner Heimat auseinander
und bringt dem Leser Russland so greifbar nah, wie selten jemand zuvor.
Der DNA-Code
der Juden und die verschwundenen Kinder
Leon
de Winter
kitscht sich in seinem neuen Roman
Das Recht auf Rückkehr durch
allzu viele Themen.
Von Georg Patzer
Der
Ehrliche ist der Dumme
Seine Leser verzauberte der indische Autor Aravind Adigar mit seinem
Erstlingsroman »Der weiße Tiger«, indem er seine Heimat entzauberte. Der gerade
erschienene zweite Roman steht dem mit dem Booker Prize prämierten Debüt
in nichts nach. Mit
»Zwischen den Attentaten« hält
Adiga der indischen Gesellschaft erneut grandios den Spiegel vor. Von Thomas
Hummitzsch
Leseprobe
+++
Der Geheimtipp +++
Ein Roman mit Eigenleben
Von Thomas Hummitzsch
Salvador Plascencia erzählt
in seinem mitreißenden Roman
»Menschen aus Papier«
höchst originell von Liebe und Finsternis und wandelt dabei zwischen den realen
und fiktiven Welten.
Interview mit Salvador Plascencia
Große
kleine Prosa
»Er hat Merve
gerockt, das Zweitausendeins-Niveau nochmals angehoben und nun mischt er die
altehrwürdige edition suhrkamp auf.«
Stefan Moeller über Thomas Kapielskis Prosasammlung
»Mischwald«
»Kein zweiter Autor versteht es derart gekonnt, theoretische Betrachtungen mit
Sprachspielereien und Wortwitz zu verbinden, Kneipentresen und Galerie nicht als
Gegenpole zu betrachten.«
Magischer
Realismus made in Germany
Der
neue Roman von Arnold Thünker erzählt
die zauberhafte Geschichte von
»Anne
und Paul«,
der vor vielen Jahren seine Sommerferien einmal in der DDR verbrachte und noch
viel mehr.
Ein
Widerspruch
Rohm
liest
Schmidt liest Proust
»Es gibt
Bücher, die wie Spiegelsäle funktionieren. Am Ende weiß man gar nicht mehr, wo
man steht. Man muss den eigenen Standpunkt überprüfen und schleppt sich am Ende
des Tages erschöpft vor die Tür. Dort steht man dann verloren und einsam,
glücklich und müde. Man kratzt sich an der Stirn und muss zugeben, etwas über
sich gelernt zu haben, was man noch nicht recht einordnen kann.«
Vignetten
der Wehmut
Christiane Pöhlmann über
Wassili Grossmans eben erschienenen
Band mit Erzählungen
Tiergarten
»Grossman kann seine Figuren lebensecht gestalten, weil er weiß, wovon er
spricht. Er hat sie selbst durchlitten, die Hoffnung auf die lichte Zukunft im
Kommunismus. Deshalb weiß er, wie leicht es ist, den Glücksversprechungen
aufzusitzen, selbst im Angesicht zunehmenden Terrors.«
Anschreiben
gegen die unendliche Müdigkeit
Karen Lohse über
den
zweiten Band der Werkausgabe von Wolfgang Hilbig
Erzählungen und Kurzprosa
»Die Arbeit an der kürzeren Textform der Erzählung lag Hilbig mehr als das
Schreiben dickleibiger Romane, die alle nur schwer beim Lesepublikum Fuß fassen
konnten. Es sind die kurzen Stücke, in denen sich die hypnotische Sprache
Hilbigs bündelt und den Leser malstromartig in sich einsaugt.«
Radikale
Schreibversuche
Von Thomas Hummitzsch
Mit
seinem NS-Roman »Die Wohlgesinnten« spaltete Jonathan Littell weltweit die
Literaturkritik. Nun erschien bei Matthes & Seitz Berlin der kleine Band
»Ein Sonntag im Sommer«
mit vier
frühen Erzählungen des Franzosen.
Hörprobe
Kuckuckskonzil
Lothar Struck zu Peter
Handkes Nachschrift
»Die Kuckucke von Velika Hoča«
»Wie zahlreich jetzt die Deutungsmöglichkeiten und wie
verführerisch für den Leser! Steht der Kuckuck etwa als Bild für den
Enklavenbewohner, der im 'falschen Nest' sitzt? Oder für die Schutztruppen? Hört
man den Kuckuck zum ersten Mal im Frühling von vorne rufen, wird man weinen –
von hinten wird man sterben. Er ist Glückssymbol, Frühlingsbote, Wetterprophet,
verheißt Geld, sagt an, wie die nächste Ernte wird, dient als Lebensorakel.«
Kleine
Schätze
Gregor Keuschnig zu den zwei Erzählungen
Seraphica & Montefal
aus dem Nachlaß Heimito von Doderers:
»Nur
gelegentlich kommen philosophische Einsprengsel zum Vorschein, etwa wenn es
faustisch heißt, daß diejenigen, welche von Wissensneugier geleitet sind … am
Tage der Bedrängnis ihre Hände leer finden werden. Die virtuose Sprache
Doderers läßt diese Art der fast übertrieben pointierten Erbauungsliteratur
nicht in plumpen Predigerkitsch abgleiten; man sollte sich die Feinheit dieser
Prosa unabhängig vom Sujet durch ein zweites Lesen erschließen.«
Leseprobe
Ein
Fenster nach Osten
Christiane Pöhlmann
über Grigori Rjaschskis Jahrhundert-Roman
»Moskau, Bel Ètage«
»Und das ist
Rjaschskis große Kunst: ..., dass er in seinen kleinen und kleinsten Geschichten
immer wieder erkennen lässt, wie das große Ganze funktioniert hat, ohne dabei je
seine Figuren zu verraten. Selten ist mit einer solchen Warmherzigkeit
zugebissen worden.«
Leseprobe
Von
hehren Ideen der Liebe und des Lebens
Der
Architekt des New Yorker Guggenheim-Museums ist eine der amerikanischen
Lichtgestalten des 20. Jahrhunderts.
Leseprobe
Frank Lloyd Wright, Stararchitekt, Frauenheld und Egomane.
T. C. Boyle läßt in seinem neuen Roman
»Die Frauen« Wrights Leben
erzählen – aus der Perspektive seiner Ehefrauen und Geliebten.
Video mit T. C. Boyle
Das
Tagebuch als Zwischenlager
Lothar Struck über
das
Tagebuch 1990 von Günter Grass
»Unterwegs von Deutschland nach Deutschland«
»Man fragt sich, ob Grass die Intention von Brandts (und Bahrs) Ostpolitik, das
Prinzip 'Wandel durch Annäherung', überhaupt jemals verstanden hat. Wie ein
Geigerzähler knattert Grass sein Genörgel und Gejammer insbesondere in
den ersten Monaten gegenüber allen und allem, was ihm als nationalem
Stumpfsinn dünkt. Wer nicht (fast) bedingungslos für ihn ist, ist gegen
ihn.«
Ein
Husarenstück
Gregor Keuschnig
über S.U. Barts gelungenen Schelmenroman
»Goodbye Bismarck«
»Konzentriert und detailliert
besteigen sie das Denkmal; alle Handgriffe sitzen. Bismarcks Blick ist hohl und
leer; hinter seinen Ohren wächst Moos.«
Kammerspiel
mit Hunden
Gregor Keuschnig über David
Wroblewskis in den USA äußerst erfolgreiche
»Geschichte des Edgar Sawtelle«
»Der Autor verstand es geschickt, mit bildungsbürgerlichen
Akzenten das Buch und dessen Leserschaft aufzuwerten und zu insinuieren, man
lese mehr als nur einen gängigen Unterhaltungsroman. Er wies in selbstbewußter
Manier auf Shakespeare hin und scheute sich nicht zu behaupten, eine moderne,
neue Version des Hamlet-Dramas geschrieben zu haben.«
»Ich
wollte mich lebendig fühlen!«
Christiane Gut über
Gaëlle
Guernalec-Levys erotischen Debüt-Roman & Hörbuch
»Eine
Nacht im Frühling am Meer«
»...
sie wollte einen magischen Ausnahmezustand schaffen: Das Verlangen einer Frau zu
zeigen, weder gequält oder rein geistig, sondern auf der Basis von absoluter
Hingabe.«
Heimatdichtung
Gregor Keuschnig
über Erich Loest und seinen Roman
»Löwenstadt«
»Loest gelingt es in den besten Augenblicken, Geschichte zu 'vergegenwärtigen',
in dem er sie aus der rein historisierend-mythischen Überlieferung herauslöst
und für einen Moment, den erzählten Moment, mit neuer Klarheit wiedererstehen
lässt.«
Über
die Ewigkeit in den Abgründen der DDR
Kurt Drawert’ s neuer
Roman
»Ich hielt meinen Schatten für einen anderen
und grüßte«
zeigt die Pathologie der im Tode röchelnden DDR in großartigen apokalyptischen
Bildern.
»Mein
Sumpfloch, mein Himmelreich, es ist alles eine Frage der Perspektive. Wir
gewöhnten uns schnell an jeden Zustand, Anpassungstiere, die wir geworden waren.«
Leseprobe /
Hörprobe
Von Karen Lohse
Auf
dem Trockenen
Von Thomas Hummitzsch
Der israelische Autor Assaf
Gavron prophezeit seiner Heimat in einem neuen Roman
»Hydromania« eine düstere
Zukunft.
Israel ist von den Palästinensern erobert und eine anhaltende Dürre hat den
Nahen Osten fest im Griff. Einige skrupellose Unternehmen profitieren davon und
beeinflussen die Wetterverhältnisse in der Region.
Leseprobe
Kuckst
du noch oder siehst du schon?
In seinem neuen Roman
»Alles was du siehst«
läßt Stefan Beuse seine Figuren zwischen Wirklichkeit und Illusion, Raum und
Zeit, Rationalität und Absurdem schwanken und zieht seine Leser in die
Faszination des Rätselhaften und Ungewissen.
Leseprobe
»Man liest dieses Buch, wie
man sonst nur einen Film von David Lynch verfolgt – beängstigt fasziniert, bis
zum beklemmenden Ende, wenn dem erleichternden Aufatmen die Erkenntnis folgt,
dass jede Fiktion aus einer Wirklichkeit entsteht, in der wir uns just
befinden.«
Hörprobe
Gott
hat keine Eile
Der katalanische Autor Carlos
Ruiz Zafón hat eine phantastische Geschichte über Barcelonas bekanntesten
Architekten und sein Meisterwerk geschrieben.
Gaudi in Manhattan
»Dort soll Gaudi für eine
anonyme Auftraggeberin einen Wolkenkratzer, „eine Kathedrale für Leute, die
statt an Gott ans Geld glauben“ bauen, eine „wagnerische Nadel“. Als
Gegenleistung würde der Auftraggeber die Kosten für die Vollendung der
Sagrada Familia übernehmen. Die Geschichte ist nicht ganz aus der Luft
gegriffen, denn 1908 entwarf Gaudi das Hotel Attraction als ein phallisch
anmutendes, gigantisches Gebäude. Allerdings wurde der 360 Meter hohe Turm nie
gebaut.«
Leseprobe
Diesseits
und jenseits des Lebens
In seinen neuen Erzählungen
überschreitet Cees Nooteboom die Grenze zum Nirvana. Die Erinnerung an die
Verstorbenen macht er zu einer Ode an das Leben.
Sein neues Buch
»Nachts kommen die Füchse« setzt
einen wohltuenden Kontrapunkt zur gedankenarmen Hektik unserer Zeit und gibt
jedem Leser die Möglichkeit, sich in Ruhe zu versenken und innezuhalten.
Leseprobe
Die
Sieger von Leipzig
Tankstellenluft,
Fenstersteher und Rauchkanaillen
Gregor Keuschnig über Sibylle Lewitscharoffs neuen Roman
»Apostoloff«, der als schräges
Roadmovie durch den Wilden Osten Bulgariens daherkommt.
Vatermord auf Bulgarisch
Eine Reise zweier Schwestern nach Bulgarien wird zur Abrechnung mit dem Vater
und seiner Heimat. Selten wurden einem Land so drastisch die Leviten gelesen,
wie Bulgarien in Sybille Lewitscharoffs Roman
»Apostoloff«
Von Thomas Hummitzsch
Hölzerne
Figuren, bunt kostümiert
Gregor Keuschnig über
Salman Rushdies neuen Roman
»Die bezaubernde Florentinerin«
»Der
vielleicht schon mit allerlei 'westlicher' Literatur verdorbene Rezipient ist
leider nur teilweise mit Qara Köz' und Spiegels Geschichte versöhnt. Zu selten
wird ein Zauber durch das Erzählte erzeugt – zu oft wird bloss bebildert. Nein,
das hier ist kein Gedächtnispalast, auch kein
Bordell der Erinnerungen. Eher ein kleines Dachstübchen.«
Schlagt
den Brehm zu
Peter V. Brinkemper über
Dietmar Daths Roman
»Die Abschaffung der Arten«
»Ein Nerd wie Dietmar Dath ist sicherlich kritikresistent und doch
beratungssensibel. Denn er ist konsequenter Ingenieur im Sprachgebirge zwischen
Netzsprache, Musikkritik und Buchliteratur, der jenseits des alten
humanistisch-lyrischen Betroffenheits-Subjektivismus intensiv am
journalistischen und erzählerischen Material der heutigen kulturellen, sozialen,
und politischen Zuspitzung arbeitet. Und zwar als Fuchs, Maulwurf, Anarchist,
Bombenleger und Gesetzgeber in einer Person.«
Leseprobe
Märchenbrunnen
der Zukunft
Von Thomas Hummitzsch
Mit
seinem antiutopistischen Roman
»Die Abschaffung der Arten«
gewährt Dietmar Dath dem verstörten Leser seiner Vision einen faszinierenden
Blick in den düster sprudelnden Märchenbrunnen der Zukunft
Interview mit Dietmar Dath
Alptraum
auf dem Kaukasus
Der russische Tschetschenienveteran Arkadi Babtschenko legt mit
»Ein guter Ort zum Sterben«
sein zweites Buch über seinen Einsatz im Kaukasus vor. Ein dicht geschriebener
Bericht aus dem Zentrum des Krieges, in dem Angst und Hass die Hände der
Menschen führen. Vieles ist dabei denkbar und vorhersehbar, aber die physische
Gegenwart der Schrift und der kalte militärische Ton der Sprache machen den
Irrsinn des Krieges plötzlich sehr real.
Rekonstruktion
Stefan Möller über
»Psst« Raymond Federmans
Geschichte seiner Kindheit
»Dieses Pssst war das erste Wort
des Buches, von dem meine Mutter wusste, dass ich es eines Tages schreiben
würde. Über sechzig Jahre hat es bis zum Schreiben gedauert, aber Federman
hat aus diesem Wort Literatur gemacht. Und was für welche!«
Wohlstandskindermelancholie
Lothar Struck über Judith Hermann und ihren neuen Band mit Erzählungen
»Alice«
»Und wie gerne wollte man glauben, die Autorin verschmelze mit der Protagonistin
– das ergab so etwas wie 'Authentizität' (das neue Lieblingspferd der
Literaturkritik, da die anderen Kriteriengäule ein bißchen lahm scheinen).«
Melancholieverbot
Lothar Struck über
Maria Beigs Lebensgeschichte
»Ein Lebensweg«
»Keine Wehmut, keine
Verklärungen. Aber auch keine Klagen oder ungebetenen Ratschläge. Dieses Buch
ist frisch, ja kraftstrotzend, obwohl es von einer 89jährigen geschrieben wurde.
Obwohl? Oder weil…?«
Eine
Familie am Abgrund
Der amerikanische
Schriftsteller Stewart O’Nan legt mit seinem neuen Roman
»Alle, alle lieben dich« einen
ebenso einfühlsamen wie schockierenden Psychothriller vor, in dem sich alles um
ein Phantom dreht. »O’Nan ist ein Skalpellmeister der Literatur, der seine
Figuren in Einzelteile zerlegt und von allen Seiten beleuchtet. Keine Facette
entgeht ihm, kein Abgrund bleibt verdeckt, und so sind seine Romane von einer
tiefen Menschlichkeit geprägt.«
Journal
der Augenblicke
Alf Mayer
über Ingrid
Mylos neue
Textsammlung
»Männer in Wintermänteln«
»Eine Schatulle voller
Edelsteine, die Worte sorgfältig geschliffen. Ingrid Mylos Sprache ist voller
Lust und Genauigkeit, aufs Milligramm abgewogen, perlend, funkelnd. Und manchmal
sogar ein Regenbogen.«
Magischer
Realismus made in Germany
Der neue Roman von Arnold Thünker
erzählt
die zauberhafte Geschichte von
»Anne und Paul«,
der vor vielen Jahren seine Sommerferien einmal in der DDR verbrachte und noch
viel mehr.
Ein
Ausflug ins Ungewisse
Raffaela Janitzschek über Jayne-Ann Igels subtilen Erzählband
»Berliner Tatsachen«
»Anders als beispielsweise Tellkamp, der sehr beredt und symbolhaft überlagert
eine distinguiert erscheinende DDR-Nischengesellschaft zeichnet und ihr
finsteres Gegenüber in Gestalt der staatlichen Erziehungsanstalten Armee und
Gefängnis konstituiert, geht Igels Text minimalistisch und subtil vor, und
vermag damit einen differenzierten Blick auf ein Zeit-Stück DDR-Realität zu
gewähren. Im laufenden Diskurs sollte die Stimme des schmalen Bandes nicht
verloren gehen.«
Aus
dem Leben gegriffen
Thomas Hummitzsch über den
Band mit short stories
Der Morgen nach dem großen Feuer
»Direkt und detailliert, ohne
Umschweife und Metaphern beschreibt Brennan in ihren Texten akribisch das
Schicksal und die Seelenzustände ihrer Protagonisten, um diesen Lebensentwürfen
unterhalb der medialen Sensationslinie die Wertschätzung zukommen zu lassen, die
ihnen gebührt.«
Unerwartetes
Lesevergnügen
Sigrid Lüdke-Haertel über eine
bereichernde Wiederbegegnung mit den
Novellen von Stefan Zweig
»Als ich das Buch in die Hand bekam, zufällig und nicht sonderlich interessiert,
sind mir üble Erinnerungen aus der Schule aufgestoßen. Alter Kram. Der Titel
»Schachnovelle« kam mir bekannt vor. Zugeklappt habe ich das Buch erst wieder,
als der Kampf der beiden ungleichen Gegner beendet war. Und dann habe ich, mit
der gleichen Begeisterung, die anderen sechs Novellen gelesen und sieben Mal den
Hut, den ich nicht besitze, vor dem alten Herrn gezogen.«
 »Wir
sind zuständig«
Ein
Tauchgang in eine Welt, die es nicht mehr gibt
Friedhelm Lövenich über die Memoiren und Gedichte des Moralisten Hans Sahl
»Auf dem Meeresgrund liegen Trümmer der Vergangenheit, historische Ereignisse
und Gestalten, und die berühmten Namen schwimmen in diesem Korallenriff der
Geschichte umher wie bunte Fische: Werfel, Grosz, Tucholsky, Furtwängler,
Ringelnatz, Wolfenstein, Döblin, Seghers, Brecht, Frank, Münzenberg, Toller,
Mann (etliche) und viele andere weniger bekannte aber umso interessantere.«
Leseprobe
Ein
Leben in Fragmenten
Thomas Hummitzsch über
Ljudmila Ulitzkajas wunderbaren Roman
»Daniel Stein« zu
Ehren des aufrechten Oswald Rufeisen, dem Bewahrer der
hebräisch-jüdischen
Wurzel des Christentums.
Ein Mann namens Daniel Stein rettete das Leben hunderter Juden und Kommunisten.
Daniel Stein überlebte auch drei Todesurteile. Daniel Stein haderte mit Gott und
gab sich zugleich vertrauensvoll in dessen Hände. Daniel Stein erweckte die
hebräische Urkirche zu neuem Leben. Am Ende starb er unter mysteriösen
Umständen. Ein wirklich großes Buch, das bleiben wird.
Cooks
letzte Fahrt
»Wer einmal zur See gefahren
ist, der wird dieses Buch lieben.« Lukas Hartmanns grandioser Roman über die
abenteuerliche Reise des Malers John Webber mit Captain Cook
»Bis ans Ende der Meere«
»Nun
ist 'Zivilisationskritik' ein großes Wort, und mancher Autor ist schon den sich
aufdrängenden Versuchungen großer Versöhnungsreden und Betroffenheitsgesängen
erlegen.
Lukas Hartmann indes schreibt nicht nach dem Strickmuster eines
Drewermann-Pullovers.«
Genese
eines Gotteslästerers
Der
junge US-Autor Shalom Auslander zeigt in seinem ersten Roman
»Eine Vorhaut klagt an«,
wie viel Irrsinn in religiöser
Indoktrination
steckt. Mit
Gott ist in diesem Roman die Orthodoxie der Religionen gemeint, denn sie
vereinnahmt das Göttliche zu ihren Zwecken und deutet es zu einer Drohgebärde
um.
Welt-Literatur
aus Bochum
Wie Wolfgang Welt mit
seiner autobiographischen Trilogie des Scheiterns
»Buddy Holly auf der Wilhelmshöhe«
nach zwanzig Jahren
doch noch bei Suhrkamp gelandet ist und nun sogar einen neuen Roman geschrieben
hat
»Doris hilft«
»Welts Geschichten sind mehr als Trash-Komödien mit regionalem Flair. Sein
»Buddy Holly auf der Wilhelmshöhe«
ist ein dem Leben abgerungener, tragikkomischer Bildungsroman eines
Möchtegerns, und als solcher authentisches Dokument einer Zeitspanne zwischen
Anything goes - but nothing happens.«
Leseprobe
Taugenicht
oder Kotzbrocken?
Sigrid Lüdke-Haertel über das
fulminante Debüt des jungen Erzählers Thomas Klupp
»Paradiso«
Selten ist der Held eines
Romans so einhellig beschimpft worden von der Kritik wie dieser arme Alex Böhm.
Harmlos noch: »Blender« und »frecher Hund«, besser schon: »dreister Lügner« und
»Soziopath«, richtig ordentlich: »Arschloch« und »Drecksack«. Noch seltener aber
waren sich die Kritiker so einig im Urteil: ein Klasse-Buch.
Leseprobe
Nachtgestalten
Judith Wenk über den neuen
Roman von Olivier Adam
»Nichts was uns schützt«
»Adam schreibt direkt aus der sozialen Gegenwart, ihm liegen die Gebrochenen am
Herzen: Die einen, die in Sinnlosigkeit und Schulden versinken und die anderen,
die täglich an den europäischen Küsten anlanden.«
»Bei
mir soweit alles daneben«
Sigrid Lüdke-Haertel über
Annegret Helds neuen Roman
»Fliegende Koffer«
»Ein absoluter Scheißjob. Annegret Held kennt die
Arbeit, über die sie schreibt aus eigener Anschauung. Sie ist als Polizistin
Streife gefahren, hat sich an der Startbahn West als Bulle beschimpfen lassen.
Sie hat in einem Sägewerk geschuftet, in einem Altersheim den Senioren die
Windeln gewechselt.Mit der »Baumfresserin« (1999) ist sie bekannt geworden. Mit
den »Fliegenden Koffern« wird sie berühmt.«
»Narrheit
unser, die Du bist im Himmel«
In seinem neuen Roman
»Empörung« hält Philip Roth den
modernen Gesellschaften unserer Zeit einen Spiegel vor. Deren Sicherheits- und
Ordnungsdenken bereitet nur den Weg, um zu Unfreiheit und Zerstörung zu
gelangen.
»Mit 'Empörung' setzt Roth dem Abgesang auf Alter und Vergänglichkeit kein Ende,
sondern vielmehr die Krone auf.«
Große
Erwartungen
Carlos Ruiz Zafóns
»Das Spiel des Engels«
Ein gelungener Genre-Mix mit kleinen Schwächen.
»Gekonnt bewegt sich Ruiz Zafón zwischen den literarischen Genres Krimi,
Thriller, Schundroman, Gothic Novel, hier ein bißchen Religionskritik, da ein
bißchen Romantheorie, Herz, Schmerz, Grusel, Action, Tod.«
Leseprobe
Hörprobe
Traurige
Affen
Guido Rohm über Denis
Johnsons Vietnam-Roman
»Ein gerader Rauch«
»Man frisst Mythen. Wie die schmecken? Manchmal wie eine Mischung aus Pepsi und
Napalm.«
Leseprobe
Im »New Yorker« haben wir die Kurzgeschichte
Homeless and High
von Denis Johnson gefunden.
Was
auf der Asche wächst …
Irène Némirovsky, 1942 in
Auschwitz ermordet, erzählt in
»Feuer im Herbst« über die großen
gesellschaftlichen Brüche am Anfang des vergangenen Jahrhunderts
»Posthum
1948 veröffentlicht und zuletzt von Eva Moldenhauer neu übersetzt, eröffnet
»Feuer
im Herbst«
einen Blick auf das faszinierende Werk einer viel zu lange unbeachtet
gebliebenen Schriftstellerin.«
Von Karen Lohse
Leseprobe
Wie
zwei Puzzleteile, die nicht zueinander passen
Karen Lohse über Bettina
Steinbauers ambitionierten Debütroman
»Zwei im Sinn«
»Philosophen, Soziologen, Theologen, Literaten aller Zeiten versuchten ihr
nachzuspüren und waren dort am hellsichtigsten, wo sie der Liebe ihr Geheimnis
ließen. Und genau an diesem Punkt scheitert der Roman von Bettina Steinbauer,
denn sie will erklären, was nicht zu erklären ist.«
Sisyphos-Nachfolger
Gregor Keuschnig
über Xaver Bayers
neuen Band Erzählungen
»Die durchsichtigen Hände«
»In fast allen zweiundzwanzig Geschichten scheint etwas in der Luft zu liegen,
eine dunkle, rätselhafte, nicht näher konkretisierbare aber ständig als
Möglichkeit anwesende Bedrohung.«
Leseprobe
Hohelied
der Verzweiflung
The
Waste Land.
Das öde Land
»T.
S. Eliot lieferte den Stahl, das Feuer und die Glut, Ezra Pound führte den
Hammer.«
Tondokument
The Waste
Land
gelesen von T. S. Eliot
»The Burial of the Dead« /
»A Game of Chess«
/
»The Fire Sermon
and »Death By Water«
/
»What the Thunder Said«
Die
Hölle sind immer die Anderen
Guido Rohm Über
Georges Batailles
»Henker und Opfer«
(und noch einiges mehr) »Es ist an der Zeit, Bataille neu und
vollständig zu entdecken. Man verlässt seine Textkuren ein Stück weit nackter
und das ist schon viel in der heutigen Textilliteratur, die einen mit immer
dichter verwebten Stoffen umgarnt. Man schwitzt eine Weile mit ihm und geht dann
für Stunden geläutert wieder seines Weges.«
Hörprobe
Die
Scham kippen
Guido Rohm zu Georges-Arthur Goldschmidts
Frage-Antwort-Spiel
mit Tim Trzaskalik
»Des Pudels Kern«
»Goldschmidt schlägt herrliche Schneisen, es
ist eine Wonne, seinen Pfaden zu folgen. Die Luft wird für Momente
ein wenig klarer, man sieht Ausschnitte des Himmels über sich. Er
bietet keine Befreiung, wie sollte es die auch geben, da müsste er
schon den ganzen Wald abbrennen, ohne zu wissen wie groß der Wald
überhaupt ist, aber er bietet Einsichten.«
Hörprobe
Foto: Matthes &
Seitz
»Der
Mensch jedoch lebt«
Thomas Hummitzsch über
Warlam Schalamows Berichte aus dem Gulag
»Erzählungen aus Kolyma«
Wie ist ein Leben nach dem Gulag möglich, wo Humanität und Kultur im Erleben der
Barbarei ihre Relevanz verlieren, ohne den ständigen Zweifel an der menschlichen
Zivilisation? Dies ist die große Frage, die Schalamows Erzählungen zugrunde
liegt.
Ein
poetischer Endzeitgesang
Peter V. Brinkemper über Uwe
Tellkamps mittlerweile zum »Volksbuch« erklärten Roman
Der Turm
»Es
ist schon bemerkenswert, wie Tellkamp das Vibrato, das Espressivo und die
Artikulation der Musik im klangmateriellen Bereich belässt, eher »mit der
Feinheit einer Apothekerwaage« im Geiste Fontanes austariert.«
Lesung von Uwe Tellkamp aus »Der Turm«
Opulenz und
Strenge
»Vielstimmig, kraftvoll, sprachgewaltig: ein episches Wunderwerk« Uwe Tellkamps
Roman
»Der Turm«
Eine fundierte Begeisterung von Lothar Struck: »Der Turm« ist weder kunstvolle
Reportage noch blosse Diashow einer vergangenen Zeit.
Er
ist ein Beleg dafür, was grosse Literatur vermag.
»Die Geschichte aus einem versunkenen Land« geht tiefer. Das ist, im wörtlichen
Sinne, Welt-Literatur.
Echos
aus dem Jenseits
Ein stiller Ort
in der Einsamkeit der mexikanischen Steppe. Der Wind treibt den Sand durch die
Straßen, die in der Mittagshitze flimmern. In diesem Ort wohnt das Grauen und es
hat einen Namen:
»Pedro Páramo«.
Dagmar Ploetz hat Juan
Rulfos Meisterwerk neu übersetzt.
Leseprobe
Séance
in italienischen Desingermöbeln
Ein Kommentar von
Karen Lohse zur deutschen Erstausgabe von Paulo Coelhos Roman
»Brida«
Coelhos Bücher besitzen eine gewisse
Anziehungskraft, der sich auch studierte Literaturwissenschaftler nicht ganz
entziehen können. Auch wenn der kitschige Satz nicht so recht von den Lippen
kommen will: In bestimmten Situationen sind Coelhos Bücher Balsam für die Seele.
Sind wir schwach und verzweifelt, greifen wir eher zu
»Brida«
als zu Thomas Manns
»Zauberberg«.
Leseprobe
Exerzitien
im Turm zu Babel
Mathias Gatza
will in seinem Debütroman
»Der Schatten der Tiere«
nichts
Geringeres, als die Welt erklären und scheitert daran auf hohen sprachlichen
Niveau. Von Karen Lohse
»Unerträglich ist der hochmütig pseudointellektuelle Blick der Hauptfiguren auf
die Menschen ihrer unmittelbaren Umwelt. Die drei versuchen dasjenige ausfindig
zu machen, womit alles auf der Welt zusammengehalten wird, ohne die Welt auch
nur im Mindesten zur Kenntnis zu nehmen.«
Schreibendes
Gewissen
Nichts ist so wahrscheinlich,
wie der Untergang. Ob im Iran, in Kolumbien, auf dem südchinesischen Meer oder
mitten in Amerika. Der junge amerikanische Autor Nam Le erzählt in seinem
Debutband
Im Boot eindringlich von der
Brutalität des Lebens und zwingt uns, ihm ins Gesicht zu schauen.
Aus
dem Leben einer Leseratte
Thomas Hummitzsch über das späte aber um so erfolgreichere Debut von Sam Savage:
»Firmin.
Ein Rattenleben«
Firmin ist die Nummer
dreizehn. Fatal, wenn die Mutter nur zwölf Zitzen hat. Statt von Muttermilch
ernährt er sich von Weltliteratur und wird zur belesensten Ratte des Universums.
Leseprobe
»Von
vnnutzē buchern«
Ulrich
Holbeins enzyklopädistisches
»Narratorium«
ist ein
wahrhaft gewaltiges närrisches Unterfangen. Von echten und falschen Narren, von
Dennis Abner, Katzenmensch bis Zirpuanna, Unratberührer.
Stefan Möller hat es gelesen und »tröstet sich schwach mit dem
Gedanken, dass es Streber auf den Schulhöfen nie leicht hatten und die nur so
mittel belesenen, aber coolen Jungs die hübschen Mädels kriegten.«
Leseprobe
Exotik,
Abenteuer und die Göttin Kali
Stefan Möller zur
Wiederentdeckung der
»Geheimnisse
des schwarzen Dschungels« von Emilio Salgari im Verlag Wunderkammer
»Es sind jene Bücher, mit denen man sich als Junge mit einer Taschenlampe
bewaffnet unter die Bettdecke verzogen hatte und heimlich unbedingt noch ein
paar Seiten vor dem Einschlafen lesen musste.«
Schweizer
Exporte
»Ich will nicht behaupten, daß Christoph Kolumbus Schweizer gewesen sei - aber
ziemlich sicher bin ich schon.«
Alex
Capus porträtiert in seinem neuen Buch 12 eidgenössische
»Himmelsstürmer«,
die Geschichte oder Geschichten machten.
Leseprobe
Grosse
Worte und Miniaturen
Georg Keuschnig über Roger Willemsens feuilletonistisch-phänomenologisches Essay
»Der Knacks«
»Ein Tuarag oder ein Bewohner der mongolischen Steppe dürfte dieses Buch wohl
höchstens als Science-Fiction-Roman lesen oder kopfschüttelnd beiseite legen.«
Hörprobe
Amerikanische
Kriegsklage
Der
ehemalige US-Soldat Matthew Eck prangert in seinem Erstlingsroman
»Das entfernte Ufer« die
menschenfeindliche Maschinerie des US-Militärs an. Einen Blick für die
somalischen Verhältnisse, derer Kulisse er sich bedient, scheint sich jedoch bis
heute nicht bei ihm eingestellt zu haben. Ausgehend von seinen Erlebnissen in
Somalia und Haiti ist dieser Roman von der Gegenwart längst eingeholt worden und
bestätigt nur noch einmal mehr das längst Bekannte – die amerikanische Ignoranz
nach innen und außen.
Das
Tagwerk eines Lebens
Karen Lohse über Volker Brauns
Machwerk oder Das Schichtbuch des Flick von
Lauchhammer
Braun lässt seinen tragisch-komischen Helden der Arbeit durch die Lausitz der
Nachwendezeit stolpern. Eine Landschaft, die für das Thema des Romans
symptomatisch ist: Während die Arbeit hier einst zu Hause war, sich Tagebau an
Tagebau reihte, hat sie jetzt die Städte, Dörfer und Menschen verlassen. (...)
Gekommen ist statt ihrer die Agentur für Arbeit. Ein neuer Abgott, der die
Menschen alsbald genauso im Griff hat wie einst die Arbeit, deren Nichtexistenz
sie jetzt verwaltet: »Es begab sich aber, daß ein Gebot ausging, von der Agentur
für Arbeit und jedermann sich schätzen lassen sollte, ob er die Almosen
verdiene.«
Heimsuchung
Sándor Márai’s Roman
»Die Möwe«
Ich
hatte eine »Möwe beobachtet, die regungslos in der Höhe stehend das Ufer
abspähte … nach vorne sieht sie nicht, den Horizont kennt sie nur in der
Perspektive der rechten und der linken Hemisphäre. Ähnlich wie ein Ideologe, der
die menschliche Welt allein aus rechter oder linker Sicht kennt. Doch man kann
auch gerade sehen, … dazu braucht man eine Stirn und in ihr Augen.«
Márai hatte diese Augen, diesen wachen Beobachtungssinn der ihn davor bewahrte,
den leeren Versprechungen der Ideologen zu erliegen.
Vom
Winde verweht
Keiner schreibt Geschichten derart prägnant, pointiert und aberwitzig, wie der
Amerikaner T. C. Boyle. Seine grandiose Kurzgeschichte
»Windsbraut« ist jetzt als 31.
»Tolles Heft« erschienen.
Es ist dieses auf engstem sprachlichen Raum perfektionierte Zusammenspiel aus
Surrealität und Wirklichkeit, Übertreibung und dem richtigen Maß, das einen die
Geschichten von T.C. Boyle mit einer einmaligen Faszination lesen lässt.
Küchentischgespräche
Gregor
Keuschnig über Günter Grass' neuestes pseudobiographisches Meisterwerk
»Die Box«
Es ist in Wahrheit ein abgeklärtes Buch, in dem Grass ausdrücklich seine Version
der Dinge darlegt (und kanonisieren will). Wenn er vom Anekdotischen des
Box-Motives (wie immer reitet Grass seine Motive zu Tode) abweicht, bekommt der
Leser kurz einen Blick hinter dem Vorhang gezeigt. Dann gibt es seltene Momente
des Innehaltens, jenseits des grossmauligen Egozentrikers und der Erzähler
ersehnt eine Art Vergebung ...
Das
Blau der Sehnsucht und die Anderen
Emma Braslavskys zweiter Roman
»Das Blau des Himmels über dem Atlantik«
holt die Lebenden und die Toten an einen Tisch.
Braslavsky scheint ihr Thema gefunden zu haben. Wieder geht es um große
universelle Fragen: Wer bin ich? Warum bin ich der geworden, der ich bin? Wieder
sind die Vorfahren, Dreh- und Angelpunkte bei der Suche nach der eigenen
Identität.
Von Karen Lohse
Handkes
mythischer Mikrokosmos
Lothar Struck über Fabjan Hafners Nachspürungen
»Peter Handke –
Unterwegs ins Neunte Land«
Fabjan Hafner hat sich – aller Divergenzen zum Trotz - mit diesem überaus
detailreichen Buch als profunder Kenner des Werkes von Peter Handke erwiesen. Er
vermeidet ermüdendes Germanistenjargon, in dem er streng am "Text" bleibt.
Hafner animiert, Handke wieder zu lesen und in seinen Romanen und Erzählungen
neue Facetten zu entdecken. Hierfür muss man ihm danken.
Von
Menschen und Schafen
Stefan Möller über
Gerbrand Bakkers Roman
»Oben ist es still«
»Eine
Hommage an die Landschaft, ohne Verklärung und doch voller Gefühl.«
Leseprobe
Und
noch'n Gedicht ...
Rundumschlag deutscher Lyrik
Marcus A. Born zu
den kleinen & großen Conradys
Wer auf Lyrik steht, findet hier gut 2000 Gedichte auf 1378 Seiten
von über 600 LyrikerInnen geschnitten oder am Stück.
Hörprobe
Kaffeekränzchenrhetorik
Gregor Keuschnig ärgert sich über Ida Jessens vermeintlichen Beziehungsthriller
»Leichtes Spiel«
»Wer das Attribut 'Thriller' im Zusammenhang mit diesem Buch nur ausspricht,
vergeht sich an diesem Genre in Anbetracht dieser biederen Beschreibungsprosa.
(...) Jessen will eine grosse Raubkatze präsentieren – es langt jedoch nur zum
possierlichen Kater Mikesch.«
Jenseits
aller Unschuld
Wie
viel Verantwortung trägt der Einzelne, wenn alle Menschlichkeit verloren geht?
Der Dramatiker Lukas Bärfuss rechnet in seinem Romandebüt
»Hundert Tage« mit der Schweizer
Entwicklungshilfe ab und hält dem wohlhabenden Westen den Spiegel vor.
»Nein,
wir gehören nicht zu denen, die Blutbäder anrichten. Das tun andere. Wir
schwimmen darin. Und wir wissen genau, wie man sich bewegen muss, um obenauf zu
bleiben und nicht in der roten Soße unterzugehen.«
Panorama
des Weltenwechsels
Michael Knoll über Ingo Schulzes neuen Roman
»Adam und Evelyn«
»... das ganze politische und gesellschaftliche Panorama
eines Jahres, (...) Schulze lässt uns mit diesem Buch mehr davon verstehen, als
kluge Analysen es uns erklären könnten.«
Der
lange Weg nach Westen
Kaum ein Autor trifft den Ton des ost-west-deutschen Dialogs besser als Ingo
Schulze.
»Adam und Evelyn«
von Thomas Hummitzsch
Zu
dick aufgetragen
Michael Knoll über Klaus Modicks neuen Roman
»Die Schatten der Ideen«
»Die Lebensgeschichte von Julius Steinberg zeichnet exemplarisch Wege deutscher
Intellektueller nach, die im Namen deutscher Kultur in die USA emigrieren
mussten. Diese Wege waren selten gerade, sie waren meist hart und steinig, aber
oft genug auch erfolgreich. Über dem Buch liegen aber zu viele Schatten, um es
gut finden zu können. Und nicht nur für deutsche Politiker gilt: Anspielungen
auf das Dritte Reich gehen meistens schief.«
Die
Mücke auf dem Grashalm
Rolf Löchel über den fünften Band der
Virginia-Woolf-Tagebuchausgabe
(1936-1941), der die deutsche Übersetzung komplettiert.
Dass der Ton dieses letzten Tagebuchbandes über weite
Strecken noch düsterer klingt als derjenige der vier vorangegangenen, dürfte
nicht nur Woolfs zu Depressionen neigender Mentalität und ihren klinischen
Schüben anzulasten sein, sondern vor allem den selbst mit dem Begriff düster nur
unzulänglich umschriebenen Zeitumständen.
Unzumutbare
Wahrheit
Rolf Löchel über Ingeborg Bachmanns Briefwechsel mit Paul Celan
Herzzeit. Briefwechsel.
»Lange
war der Briefwechsel zwischen den beiden wohl bedeutendsten deutschsprachigen
NachkriegslyrikerInnen, die mit ihren Gedichten je auf ihre Weise ein berühmtes
Diktum Theodor W. Adornos widerlegten, unzugänglich und es schien keinerlei
begründete Hoffnung zu bestehen, dass sich dies in absehbarer Zeit ändern
werde.«
©
Jerry Bauer/SV
Die
Vorbereitung der Rezension zur Vorbereitung des Romans
Goedart Palm über Roland Barthes Vorlesungen am Collège de France 1978-1980
»Die Vorbereitung des Romans«
»Das Schreiben ist ein ewiger Selbstbetrug, denn immer will man fertig werden,
um dann sofort wieder mit dieser quälenden Kondition des Unfertigen und des
erneut einsetzenden Nervenkriegs gegenüber den Zumutungen des Werks zu
beginnen.«
Die
Melancholie der Erinnerung
Der
Band
»Ende der Sonntage« beweist
einmal mehr das einmalige Erzähltalent des wiederentdeckten Italieners Alberto
Vigevani.
Ihm gelingt es darin auf einmalige Weise, der Schönheit im Wahren das Wahre im
Schönen folgen zu lassen – eine bittersüße Erfahrung.
Zwei
Männer im Schnee
»Wir pinkelten in den frischen Schnee, mit Blick auf den Kreml. Wir pinkelten
ohne Pathos oder Protest.«
Stefan Möller über den ebenso unterhaltsamen wie lehrreichen Parforceritt des
Russen Jewgenij Grischkowez
»Das Hemd«
Leseprobe
Das
Würfelspiel des Daseins
Jay
Parinis grandioser Roman
über die letzten Tage
des berühmtesten Schriftstellers der Welt.
Tolstojs letztes Jahr
»Ein
Roman ist wie eine Seereise, ist wie ein Aufbruch in unbekannte Gewässer, aber
ich bin so nah wie möglich der Küstenlinie jener tatsächlichen Ereignisse des
letzten Lebensjahres Tolstojs gefolgt.«,
beschreibt Parini den real-fiktiven Rahmen seines Werks.
Leseprobe
Literatur-Lexika
  
Werkzeugkisten für Leser
Auf den Schultern von
Riesen breiten
neue Handbücher
die reiche Ernte der Literaturforschung aus. Eine Sichtung von Bernd Blaschke
»Wir
sind zuständig«
»Da
stehen sie nun, die Grabhügel mit den einstmals illustren Namen, heute schon
fast vergessen, die einmal das Gesicht dieses Jahrhunderts prägten, die
Baumeister, Komponisten, die Dichter, die es bis hierher geschafft hatten, die
Geister der von den Konsulatsbeamten abgewiesenen Antragsteller, Welterlöser
ohne Aufenthaltsbewilligung.«
Ein
Tauchgang in eine Welt, die es nicht mehr gibt.
Friedhelm Lövenich über die
Memoiren des Moralisten Hans Sahl
In unserem
Preisrätsel verlosen wir 3
Exemplare seiner Memoiren.
Orte
der Verletzlichkeit
Der erste Band der
Werkausgabe von Wolfgang Hilbig
enthält die gesammelten Gedichte, darunter mehr als 150 aus dem Nachlass
Wolfgang Hilbig
und die »Schwarzarbeit des Schreibens«
Über
ein Doppelleben als Arbeiter und
Schriftsteller
in der DDR
von Karen Lohse
Unter
der Gummihaut
Durs
Grünbeins Meditationen
»Der cartesische Taucher«
»Unter dem Druck der Vernunft
tanzt der Dichter auf und ab. Doch ausgerechnet dann, wenn dieser Druck
nachlässt, schnellt seine Seele wieder an die Oberfläche, wo sie Unterschlupf
findet und am liebsten verweilt. Hier muss sie wieder Luft holen, wartend auf
weiteren Druck der Vernunft, der sie wieder auf den Boden presst, um erneut in
die Erscheinungswelt zurückzufinden.«
Die
Arbeit des Trauerns
»Haben
Gott abgesetzt, sind nur noch wir jetzt, wir allein, unberechenbar und
sterblich, sinnlos sterblich, rettungslos eingepfercht zwischen die Grenzen von
Geburt und Tod, mit nichts davor und nichts dahinter. Haben die Angst jetzt vor
uns selbst, weil wir nicht wissen, was das ist, dies Selbst mit seiner Angst,
für die wir, seit wir Gott abgesetzt haben, niemand mehr als uns selbst
verantwortlich machen können.«
Lothar Struck über Ulla Berkéwicz's radikale Aufarbeitung eines Sterbens
»Überlebnis«
In Memoriam
Vor
dreißig Jahren starb Jean Améry
Denker ohne Weltvertrauen
Von Ursula Homann
Auf seinem mit Efeu überwachsenen Grabstein auf dem Wiener Zentralfriedhof
findet man neben dem Namen und den Geburts- und Sterbedaten auch Amérys
Auschwitznummer 172 364 vermerkt. Das am linken Unterarm eingeritzte Brandmal,
schrieb er einst, lese sich kürzer als der Pentateuch oder der Talmud und gebe
zudem gründlicher als diese Auskunft über eine jüdische Existenz.
»Leer wurde plötzlich die Welt.«
Martin Warny über Jean Amérys Frühwerk
»Die Schiffbrüchigen«
Verloren
in Gottes eigenem Land
»In der fraglichen Nacht war ich betrunken, fast schon bewußtlos, und ich
schwöre bei Gott, ein Vogel hat mir das Motelzimmerfenster eingeschlagen...«
Das grandiose
Debüt
des Amerikaners Willy Vlautin.
Sein
Roman
»Motel Life« liest sich wie ein
langer, trauriger Blues. Simple, ehrlich, auf das Wesentliche reduziert,
erinnert seine Geschichte an Steinbecks »Von Mäusen und Menschen«.
Der
Kopf voller Sterne
Sigrid Lüdke-Haertel über
Tim Wintons Surfer-Roman
»Atem«
Echte Surfer sind süchtig, nach dem
Meer, der Sonne und nach den Wellen, den hohen Wellen, der höchsten Welle. Der
Erregung überhaupt. »Wenn du am Ende noch immer lebendig auf deinen Beinen
stehst, durchschießt es dich wie Elektrizität. Du fühlst dich lebendig, hellwach
... Mann, das ist so, als hättest du die Hand Gottes gespürt«.
Schmetterlinge
essen
Stefan
Möller über Mircea Cărtărescus Roman-Moloch
»Die Wissenden«
Sprachgewaltig kommt das Sammelsurium von Träumen, Geschichten, Fantasien,
abstrusen Gedankenspielen und monströsen Begebenheiten daher. Cărtărescu
beherrscht sein Metier, jongliert mit Begrifflichkeiten, erfindet Worte und haut
dem Leser seine ausschweifende Sprachartistik um die Ohren, so dass der bald
nicht mehr weiß, wo hinten und vorn, wo oben und unten ist.
Schwindelerregend
gewöhnlich
»Dieser Roman ist eine Erzählung über das Hinterherlaufen:
hinter den Menschen, Träumen und Zielen und Ängsten – ja, hinter dem Leben.«
Das Schweizer Wunderkind Catalin Dorian Florescu scheitert in seinem neuen Werk
»Zaira« an den hohen Erwartungen
und enttäuscht seine Leserschaft.
Leseprobe
Hörprobe
Plaudereien
aus dem Nähkästchen
Hanns-Josef Ortheil & Klaus Siblewski klären uns auf
»Wie Romane entstehen«
»Der
'Roman' ist ein unübersichtliches, sich häufig chaotisch darstellendes Gelände,
das alle Planungsabsichten von vornherein bedroht oder in Frage stellt.«
Rekapitulationen
Lothar Struck über Marcel Beyers neuen Roman
»Kaltenburg«
»Man ertappt sich dabei, dass ungeliebte Wort vom 'Meisterwerk' hier passend
zu finden und – endlich einmal! – damit einverstanden zu sein.«
Die Verdrehung der Welt oder
»Jedes
Paradies hat seine Schlange«
Der
Literaturprofessor Abdourahman A. Waberi zeichnet ein Bild von der Welt unter
umgekehrten geopolitischen Vorzeichen.
»In den Vereinigten Staaten von Afrika«
Drei Tage der Wahrheit
Ein
ehemaliger RAF-Terrorist
wird begnadigt und verbringt mit seinen alten Weggefährten das erste Wochenende
in Freiheit. Die Freunde ziehen gemeinsam Bilanz.
Thomas Hummitzsch über Bernhard Schlinks Roman
»Das Wochenende«
»Erst
abwracken, dann vögeln«
Die Welt
der Politiker hat nicht mehr viel mit der ihrer Wähler gemein.
Spiegel-Autor Dirk Kurbjuweit zeigt in seinem neuen Roman
»Nicht die ganze Wahrheit«, in
welchem Parallel-Universum sich unsere Regierenden bewegen und erzählt ganz
nebenbei von der Scheinheiligkeit des politischen Lebens.
Verschwunden in Argentinien
Das argentinische Militär führt Krieg gegen die eigene
Bevölkerung. Pablo Poznan gerät in die Fänge des Regimes. Eine verzweifelte
Suche beginnt, die greifbar den Horror des Gewaltregimes enthüllt und nebenbei
eine Satire auf das jüdische Selbstbild entwirft.
»Mit
Das Ministerium für besondere Fälle
ist Nathan Engländer ein fulminanter Debütroman gelungen,
gewaltig in all seiner Vehemenz, Hoffnung und Kraft, pendelnd zwischen
angedeutetem Horror und purer Ironie. Eine Sensation.«
Holocaust war gestern, jetzt ist Nahost-Konflikt
In Israel begehrt eine neue Schriftstellergeneration auf. Ernst sollte man
sie nehmen,
die jungen Wilden der israelischen
Literaturszene, die die politischen,
gesellschaftlichen und moralischen Verhältnisse in dem jüdischen Staat kritisch
betrachten:Von der Würde des Menschen.
»Unser Leben ist ein Wirbel und kein Strich«
Sigrid Lüdke-Haertel über das stürmische Romandebüt
»Bestattung eines Hundes«
von Thomas Pletzinger
»Eheprobleme, Dreiecksgeschichten, männliche und auch echte Hahnenkämpfe sind so
großartig beschrieben, daß man sich schon beim Lesen die Blutspritzer aus dem
Gesicht wischt.«
Vom Entgleisen
der Welt
Wassili Grossmans Roman
»Leben und Schicksal« ist
eine fulminante Apologie des Menschen in barbarischen Zeiten.
Sein opus magnum nennt das Falsche falsch und das Richtige richtig – ein
existenzielles Wagnis für Autor und Werk, wenn die Anhänger des Falschen das
Sagen haben. Von Thomas Hummitzsch
Hier können Sie einen
Auszug aus Grossmans
Jahrhundertwerk
»Leben und Schicksal« lesen.
Literatur ist Literatur und Schnaps ist
Schnaps
©
David Monniaux
Turbulenzen
bei der Lektüre von Jonathan Littells Roman
»Die Wohlgesinnten«
kommentiert von Goedart Palm: »Es gibt einen Schrecken,
der sich trotz seiner historischen Protokollierung den Darstellungen der
Literatur und gleichermaßen den Verständnishorizonten der Literaturkritik
entzieht. Dafür ist Jonathan Littell indes nicht haftbar zu machen, so sehr es
auch einige Kritiker erzürnt, im Widerstand gegen dieses Werk auf die Aporien
und Vorurteile ihrer eigenen Disziplin zu stoßen.«
Ein
menschlicher Schelmenroman?
»Aber das Unmenschliche – ich bitte um Entschuldigung –,
das gibt es nicht. Es gibt nur das Menschliche, immer nur das Menschliche«
Marcus A. Born über Jonathan Littells kontrovers diskutierten Roman
»Die Wohlgesinnten«
Nein, liebe Leute, dieser Kaiser ist nackt!
»Dieses Buch stösst weder an die Grenzen der Literatur, noch an die der
Literaturkritik.«
Eine Entkleidung in drei Kapiteln
von Gregor Keuschnig
Schlechte
Reklame für ein gutes Buch
»Huckepack-Marketing der dreisten Art, ebenso einfalls- wie geschmacklos, und es
degradiert Merles grandiosen Roman zu dem Vorläufer-Modell eines provokant
ambitionierten Schreibprojektes, dessen konzeptionelle und literarische
Qualitäten auch nicht ansatzweise an die Meisterschaft Merles heranreichen.«
Über Robert Merles biographischen Roman
»Der Tod ist mein Beruf«
Erste Liebe
»Wer ein Herz in seiner Brust und in diesem die
Liebe eines Sommers trägt, der sollte nicht nur, nein, der muss dieses Buch
lesen.«
Thomas Hummitzsch über die Geschichte eines Sommers in Italien der niemals enden
soll und doch nur sechs Wochen währt. Wochen voller Sinnlichkeit, Begehren,
Leidenschaft und Obsession. André Acimans Roman
»Ruf mich bei Deinem Namen«
ist das Zeugnis einer einmaligen Liebe.
Die Stadt der wilden Hunde
Sigrid Lüdke-Haertel über Martin
Mosebachs
»Nachrichten aus dem alltäglichen Indien«
»Ein Land, das über
7oo.ooo Computerspezialisten verfügt, ein Land, in dem fast überall ganztags der
Fernseher läuft, Plastikdeckchen auf den Allerweltsmöbeln liegen, auf
wunderschönen Teichen, an denen Büffel trinken, nicht nur herrliche Seerosen,
sondern auch massenhaft Plastiktüten schwimmen und ein verdorbener Geruch über
allem treibt, ein solches Land läßt sich, zum Glück, nicht unter einen Hut
bringen.«
Eine europäische Katastrophe
Ein Balanceakt zwischen Holocaust und Balkankrieg, Geschichte und Gegenwart,
Betroffenheit und Objektivität ist Igor Štiks Roman
Die Archive der Nacht »...
ein abenteuerlicher und wagemutiger Marsch durch unsere Zeit, der eine Brücke
zwischen den europäischen Katastrophen des vergangenen Jahrhunderts schlägt. Ihm
ist nichts weniger gelungen, als ein gesamteuropäischer Geschichtsroman.«
Fahrtenbücher eines Kapitäns zur See und zur Seele
Joseph Conrads 150. Geburtstag bescherte uns neue
Biographien und Neuübersetzungen
seiner wichtigsten Novellen. Bernd Blaschke hat sie
gelesen und kommentiert.
Wozu Goethe?
Martin Walser phantasiert ergreifend Glück und Pein der Altersliebe.
»Für Walser-Fans ist
Ein liebender Mann
fraglos ein unbedingt lesenswertes Buch; auch wenn man
seine strittigen Bilder von Altersliebe mutiger und aktueller finden mag, wenn
sie ohne den vorgeschobenen Nationalheiligen dargeboten werden.« Von Bernd
Blaschke
Sein Leben als alter Mann
Nach 34 Jahren verabschiedet sich Philip Roth von
seinem alter ego Nathan Zuckerman. »Als potenter Erzähler von nunmehr
eher kürzer, kompakter und mithin immer ‚kontinenter’ werdenden Alterswerken ist
Roth nahezu konkurrenzlos.« Bernd Blaschke über
»Exit Ghost«
Zuckermanns Ende
»Es gab größere, bedeutendere und
raffiniertere Romane aus seiner Feder, doch keinen Unvermeidbareren, als diesen.
»Exit Ghost«
ist das bittere Ende, das dazugehört. Unumstößlich.
Unausweichlich. Roth.«
Thomas Hummitzsch über den sinnlosen Kampf der »Nicht-Mehrs«
»Nein, keine traurige Geschichte.«
Eine schöne. Eine sehr schöne. Aus der Zeit,
als das Schreiben noch geholfen hat. Lothar Struck über Peter Handkes Erzählung
»Die morawische Nacht«
Die iranische Sonnenfinsternis
Thomas Hummitzsch über Dalia Sofers mitreißenden
Schicksalsroman
»Die September von Schiras«
Verrückte Liebschaft im Bordell
Juan Marsé über die
Liebe in einer vom Verbrechen geprägten
Welt.
Halt Dich an Deiner Liebe fest
Bernd Blaschke über Ulrich Peltzers poetische
Kunst der Fuge über Revolte und Staatsschutz
Die Angst vor dem Schlussstrich
Stewart O’Nans großartige Erzählung
»Letzte Nacht«
Nichts ist für die Ewigkeit – nicht einmal der Tod
José Saramago geht in
»Eine Zeit ohne Tod« dem
Aussetzen des Sterbens auf den Grund. Ein außergewöhnlicher Totentanz.
Mutmaßungen über Monsieur Lambert
Jean-Jacques Sempés neuestes Lese- & Bilderbuch
Monsieur Lambert
Vom Leben, vom Tod, und vom Übrigen auch dies und
das
Lothar Struck über Urs Widmers
Poetikvorlesungen
Vom Erwachen der Liebe
Thomas Hummitzsch über Alberto Vigevanis Erzählung
»Sommer am See«
Giftige Schadenfreude
Thomas Hummitzsch über Truman Capotes
»Erhörte Gebete«
Verlorene Leben
Sigrid Lüdke-Haertel über Julia Francks
Meisterstück
»Die Mittagsfrau«
Das Phänomen der kleinen Welt
Michael Ondaatjes neuen Roman
Divisadero
Eine (un)glückliche Liebesgeschichte
Katja Lange-Müllers neuer Roman
»Böse Schafe«
Eine Frage der Perspektive
Irrgänge durch Mark Z. Danielewskis grandios
wuchernden Roman
»Das Haus - House of Leaves«
von Goedart Palm
Handkes Exerzitien des Schauens
Gregor Keuschnig über Peter Handkes Journal
»Gestern unterwegs«
Wunschloses Wohlbehagen – oder wir alle wohnen in
unterschiedlichen Thomas-Mann-Straßen
Peter V. Brinkemper über die große kommentierte
Frankfurter Ausgabe von Thomas Manns
»Doktor Faustus«
Die Gretchenfrage
Sigrid Lüdke-Haertel über einen Frankfurter
Kriminalfall mit weltweiter Wirkungsgeschichte
Gretchen
»Foul is fair and fair is foul«
Über Georg M. Oswalds neuen Roman
»Vom Geist der Gesetze«
Ein Sommernachtstraum?
Sigrid Lüdke-Haertel über Martin Mosebachs neuen
Roman
»Der Mond und das Mädchen«
Eine mitreissende Suada
Das begeisternde Debut der Ariane Breidenstein
Und nichts an mir ist freundlich
Zerlegte Zeit
Lothar Struck über Gerhard Roths Autobiographie
»Das Alphabet der Zeit«
Koordinaten
Sigrid Lüdke-Haertel über Ulf Erdmann Zieglers
autogeographischen Roman
»Wilde Wiesen«
Von der Notwendigkeit zu leben
Richard Fords erzählerischer Geniestreich
»Die Lage des Landes«
Ausgesaugte Träume
Gregor Keuschnig über Martin von Arndts tour de
force
»ego shooter«
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»Als
ich jung war, wollte ich Schriftsteller werden.
Später, als ich Schriftsteller geworden war, und
manchmal heute noch, bedurfte ich starker
Betäubungen, um nicht die Manuskripte zu
zerreißen, die Schreibmaschine in den Müll zu
werfen und dorthin zu gehen, wo das eigentliche
Leben zu vermuten war.«
Jörg Fauser
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Männer im Zug
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»Es war vor Fulda, als sie einstiegen. Ich saß im Zug auf dem Weg nach
Stuttgart. Ich kann mir immer nur Fulda merken. In Fulda gibt es den Slogan
»ideal zentral«. Damit meint Fulda sich selbst.«
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Miller, Jack Kerouac, Charles Bukowski, Dorothy Parker, Ray Bradbury
& Alan Rickman liest Shakespeares Sonett 130
Thomas Bernhard
Eine kleine Materialsammlung
in Bildern & Tönen
samt Fragebogen
und Dramolett
Man schaut und hört wie gebannt, und weiß doch nie, ob er einen gerade auf den
Arm nimmt, oder es ernst meint mit seinen grandiosen Monologen über Gott und
Welt. Ja, der Bernhard hatte schon einen Humor, gelt?
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Die
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über eine ungewöhnliche Erregung
seines Verlegers Daniel Keel und die grandiose Balzac-Biographie
von Johannes Willms.
Leben und Werk
Essays und Zeugnisse
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Hugo von Hofmannsthal über Balzac
»... die
größte, substantiellste schöpferische Phantasie, die seit Shakespeare
da war.«
Franz
Kafka
(*03.07.1883 -
†03.06.1924)
Unsere Berufungsinstanz
Lebensangst,
die Entfremdung und Heimatlosigkeit des modernen Menschen sind
zentrale Themen der Romane und Erzählungen Franz Kafkas - und seines Lebens.
»Es ist nicht notwendig, daß Du aus dem Haus gehst. Bleib bei Deinem Tisch und
horche. Horche nicht einmal, warte nur. Warte nicht einmal, sei völlig still
und allein. Anbieten wird sich Dir die Welt zur Entlarvung, sie kann nicht
anders, verzückt wird sie sich vor Dir winden.«
kafka
ist anfang ohne ende
René Becher über Reiner Stachs
Kafka-Biographie
»Die Jahre der Erkenntnis«
»Seine monumentale Biographie
dürfte für sehr lange Zeit die letzte gewesen sein. Und: Kafka bleibt uns allen
ein Rätsel. Jetzt und in alle Ewigkeit. Danke.«
K
wie Klaustrophilie
Ein
Essay über Kafkas Schreiben von René Becher |