Anzeige Helmuth
James von Moltke, der ab 1940 einen
Widerstandskreis gegen das Nazi-Regime um sich
scharte, saß vor seiner Hinrichtung im Januar
1945 ein Jahr lang in Haft. Sein
Gefängnis-Tagebuch und die Briefe an Freya von
Moltke aus dieser Zeit waren bisher unbekannt.Leseprobe
Spurensuche Metamorphosen
Ein sehenswertes Fotoprojekt von Lutz Schelhorn und Stefan Mellmann
zur Erinnerung an die Deportation der württembergischen Juden »Die Chemie der Erinnerung«
Wir empfehlen:
Zeitkritik -
Kolumnen, Kommentare,
Glossen & Essays Volk ohne
Traum Ein
Statement von Uve Schmidt
Masse Mensch I
»Nicht die 21 Toten
sind der Makel an dieser grausam verunglückten Massenbewegung, sondern die
Vorraussetzungen und die Umstände ihres Sterbens und der öffentliche Status
ihrer zu früh beendeten Leben: Keine Helden (im Dienst zu Tode gekommene
Helfer), keine Märtyrer (z.B. Wallfahrer, Politpilger), keine Unschuldigen
(Kinder, Behinderte), keine Kameraden oder Genossen. Es waren überwiegend junge
unbekümmerte, vergnügungslustige und erlebnishungrige Massenbewegungspartikel,
über welche die professionellen Massenbewegungsforscher sogleich Bescheid
wussten: Wissenschaftlich gesehen waren die Opfer größtenteils selber
schuld.« Abendlanddämmerung
Alle Träume auf einen Blick Druckstellen Leerstellen
im All
von Ingrid Mylo
Das Treppenhaus und andere Landschaften
Alle Druckstellen auf einen Blick »Männer in Wintermänteln« Chinesische Skizzen Der
Hund ist weg
von Ma Ping Zuo »Der
Hund ist weg. Heute erst ist es mir aufgefallen. Eine große verlassene Baustelle
oder, vielleicht besser, eine Investitionsruine aus 2 halbfertigen Hochhäusern
und ebenso unfertigen Betongußpavillions bietet mir seit Jahren schon aus meinen
südlichen Fenstern einen Blick auf enttäuschte Träume vom Wohnen im Eigenen.«
Das Gottvertrauen der Chinesen und der Unsinn der Chinesischen Küche von Ma
Ping Zuo »...Ebenso wild geht
es zu an den sinnlos auf den Asphalt gepinselten Zebrastreifen, wo alle
Kraftfahrzeuge gewohnheitsmäßig wild hupend vor und hinter und mitten durch
Fußgängerpulks brettern und riesige Busse mit wildem Getöse und
Lautsprechergekreisch brutal durch die Menschenmengen walzen. Doch
unerschütterlich in seiner glaubensfesten Aufgehobenheit, nimmt ein jeder
Fußgänger sein Schicksal hin. Hauptsache, man kann mitten im tobend lärmenden
Chaos noch ins Handy schreien oder wenigstens eine SMS eintippen.«
Neues
von Gesa »Weißt
du, was Kapitalismus ist? Angeschissen werden!«
»Letztens
habe ich mitbekommen, wie so eine aufgetakelte Bereichsleiterin einer
Verkäuferin direkt vor den Kunden die Leviten gelesen hat: „Was sind das für
Tüten? Warum steht das hier rum? Ihr Kittel hat Flecken!“ Die Verkäuferin lief
rot an und schwieg und die aufgetakelte Tante zog von dannen, nachdem sie nicht
vergaß mitzuteilen: „den Vorfall zu melden“. Ich gehe fast jeden Tag in diesen
Laden. Der ist vollkommen okay, die Leute sind freundlich, das Angebot ist breit
gefächert und nicht übertrieben. Es gibt also keine Erdbeeren im Winter. Aber
nein, alles muss immer noch ein bisschen mehr sein, noch größer, noch
wahnsinniger. Wenn ich diese Betriebsbereichsleiterin noch einmal in m e i n e m
Markt rumbrüllen höre, und das meine ich nicht larmoyant, geh' ich zu ihr hin
und hau’ ihr- mit den Erdbeeren, die es dort nicht gibt- eine vor die 12. Ich
schwörs!«
»Entwestlichung« Das weltpolitische Tabuthema Das Goldene Zeitalter
des Westens ist vorbei
Von Rudolf Maresch »Die Globalisierung wird
künftig von anderen Mächten geschrieben werden, von ihrer
Art zu leben, zu denken und zu handeln. Die zweihundert Jahre währende Dominanz des Westens war
eine Anomalie der Geschichte.« Haltung gesucht
Anders als in Grossbritanien,
Frankreich und Italien melden sich jüngere deutsche Autoren kaum zu Wort,
wenn es um politische Fragen geht - auch jetzt vor den Wahlen nicht.
»Schweigen
ist Gold«Von Thor Kunkel
»Wir alle sehen, was schief läuft und halten den Mund. Es ist nicht nur die
Einsicht in die eigene Wirkungslosigkeit, die uns dazu treibt, sondern die
begründete Angst, uns um die Stipendien und Almosen der Kulturtechnokraten zu
bringen.«
Foto: public domain
Michael
Jackson und die singende Form
des Verschwindens Fragmente einer Sprache der kaputten Liebe.
Von Lars
Reyer »Im Kontinuum des
Popuniversums wird Michael Jackson auch weiter fröhlich vor sich hin und in die
Welt hinein singen. In Wahrheit aber hatte er längst vor seinem Tod seinen
Gesang eingestellt. Nur aus reiner Gewohnheit erhob er gegen Ende noch seine
Stimme, um zu singen, denn reden – von Mensch zu Mensch und unter Gleichen – das
gelang ihm kaum noch adäquat. Mit seinem Körper, so scheint es, zerfiel auch
sein Satzbau.«
Köln,
Winnenden, Amstetten im Vor-Frühling 2009 Das Echtzeitmonster
Ein Statement von Peter V. Brinkemper
»Das Grauen bleibt formlos und höhnisch präsent, weil es sich in Standards der
Betroffenheit und der Entrüstung äußert, die ihm nicht beikommen.«
Ma
Pings
Chinesische
Skizzen
Eine Kolumne von Ma
Ping Zuo Weihnachten auf Chinesisch »In China startet die
Weihnachtszeit,
圣诞节shèngdànjìjié,
wenn in den Shopping Malls der großen Städte das erste Mal 'Jingle Bells'
gespielt wird und Verkäuferinnen und Bedienungen in Geschäften und Restaurants
anfangen, rote Zipfelmützen mit weissen Bommeln zu tragen. Irgendwann im November
geschieht es, wird oft bis zum April durchgehalten...« Lärmschutz auf Chinesisch »Eine der wesentlichen
Grundlagen der chinesischen Gesellschaft ist der Lärm. Der Wunsch, immer und
überall von Krach umgeben zu sein, hat praktisch alle Bereiche des chinesischen
Lebens durchdrungen und wird mit allergrößter Begeisterung von Jung und Alt
praktiziert. (...) Große und kleine Lautsprecher vor Restaurants, Geschäften,
Kaufhäusern und natürlich in Parks und Grünanlagen tragen basstief wummernd oder
fistelig plärrend dazu bei, die essentiell notwendige Geräuschmenge für das
Funktionieren öffentlichen und privaten Lebens sicherzustellen.« Guangzhou am Sonntagmorgen »Es ist wunderbar still in
der Stadt. Junge Paare flanieren in den Straßen, stehen Hand in Hand vor den
Schaufenstern der Hochzeitsfotografen, in China ein beliebtes und lukratives
Gewerbe.«
Nooteboom? Wer is denn ditte? Ein Kommentar von
Thomas Hummitzsch Wir sind hier, wir sind laut,
weil man uns die Bildung klaut ... »Welche Folgen es haben kann, wenn Bildung zu kurz kommt, wurde
jüngst in der Staatsbibliothek in Berlin deutlich. Dort erhielt der
niederländische Schriftsteller und Essayist Cees Nooteboom keinen
Zutritt zum Lesesaal, weil er keinen Ausweis dabei hatte. Nun muss
nicht jeder Stadtbibliotheksmitarbeiter das Gesicht von Herrn
Nooteboom kennen, doch spätestens nach der Vorlage seines
Führerscheins – den hatte er nämlich dabei – hätte den Bediensteten
doch ein Licht aufgehen müssen.«
Ein
Lamento von Peter A. Bruns Mein Leben, meine Peanuts »Auf Hein ist Verlass. Bei
mir hat er, in den vergangenen Jahren, drei Stippvisiten gemacht. Immer auf dem
Sprung, sozusagen, denn er ist, trotz seines sagenhaften Alters für seinen
Arbeitgeber im Außendienst unverzichtbar und macht deshalb, mit wenigen
Ausnahmen, nur Überraschungsbesuche. Aber sein Erscheinen, ist immer ein Gewinn.
Auch ich habe mich stets wie befreit gefühlt, nachdem er gegangen war. Hein
zieht keinen vor, er behandelt alle gleich.«
Glosse Ein Statement von Kurt
Otterbacher Sturm und Drang »Es fällt schwer, Herrn
Reich-Ranicki nicht zu mögen ... Schwieriger liegt die Sache bei Frank
Schirrmacher ... Loben wollen wir dagegen Josef Ackermann.«
Glosse
Reader, go home!
Eine Leserbeschimpfung von
Goedart Palm
»Es ist ein altes Vorurteil in schöner wie unschöner Literatur,
daß Texte
für Leser geschrieben werden.
Selbst Tausende
Seiten Karl Kraus, die dieses Vorurteil ein für alle Mal hätten erledigen
sollen, haben wenig in der narzißtischen Selbsteinschätzung von Lesern bewirkt,
sich für berechtigt zu halten, ihren Senf auf fremde Buchseiten zu schmieren.«
Ein Aufsatz von Oliver Eller
»Wer Willensfreiheit leugnet, unterstellt damit, daß wir nach nichts suchten,
während alles Erkennen und Erfahren uns nur heimsuchte.«
»Nobilitierung
durch Nachbarschaft«
Burghard Dedner über die absurde Genealogie
»Saint-Just,
Büchner, Himmler«
Martin Mosebach und die Frankfurter Allgemeine Zeitung
Voll
im Thema, mitten daneben!
Rolf Hochhuths Theaterstück
McKinsey kommt
»Seit Arthur Miller vor fünfzig Jahren 'Tod
eines Handlungsreisenden'
auf die Bühne brachte, wird hier erstmals wieder der
'Rausrationalisierte'
ins Zentrum eines Dramas gerückt: Die Katastrophe der
Entlassenen.«
Rolf Hochhuth
Sind Klappentexte gefährlich?
Wir meinen ja, z. B. dieser hier zu Männermacht und Männerleid »...das
ontologisch begründete Eigenschaftsdenken entlang eines behaupteten
Geschlechterduals ...«
So etwas kann echt impotent machen!
Foto: Stefan Geyer
Die
neue Straßen-Bahn
Die ICE Züge der Deutschen Bahn AG haben die sibirischen Temperaturen der
letzten Tage nicht gut verkraftet. Etliche Verbindungen mußten deshalb im
Vorweihnachtsverkehr ausfallen.
Doch die Bahn hat erstaunlich schnell reagiert, und ihr neues innovatives
Konzept vorgestellt, das in Zukunft weitere derartige Ausfälle vermeiden soll.
Es werde der gewohnte ICE Komfort garantiert, allerdings müsse sich der Fahrgast
auf etwas längere Fahrtzeiten einstellen... The Future
of publishing
Buddy
Eine Geschichte von Jörn Birkholz
»Sonntagmorgen.
Nachdurst! Tastend begebe ich mich auf die Suche nach der Mineralwasserflasche,
die irgendwo neben meiner Matratze stehen muss. Nachdem ich meine Finger aus dem
übervollen Aschenbecher genommen habe, erreiche ich sie schließlich und trinke
gierig. Ich stehe auf. Leichter Schwindel, Kopfschmerzen, aber ansonsten alles
im gelben Bereich. Ich gehe auf den Balkon und blicke zur Bäckerei auf der
anderen Straßenseite. Davor liegt ein Hund.« Text als PDF-Datei Männer im Zug Eine kurze Geschichte von Joe Bauer
»Es war vor Fulda, als sie einstiegen. Ich saß im Zug auf dem Weg nach
Stuttgart. Ich kann mir immer nur Fulda merken. In Fulda gibt es den Slogan
»ideal zentral«. Damit meint Fulda sich selbst.«
Die WM-Kolumnen Des Teufels
Haufen Eine kurze
Fußballgeschichte Von Joe Bauer
»Das Hupkonzert ist der Swingerclub der Eierlosen.« Artikel
lesen
Deutschland
- Voll Schland Von
Joe Bauer »Man muss wirklich
Deutscher sein, um einen unsingbaren, einsilbigen Sch . . .-Laut als Hymne zu
wählen. (...) Schön wäre doch, wie die englische Zeitung 'The Guardian' mit den
Sex Pistols zu singen: 'Never Mind The Ballacks'.« Artikel
lesen
Chips
gehören in die Tüte Von Joe Bauer Warum
technische Hilfsmittel bei
Schiedsrichterentscheidungen
eine Katastrophe wären. Artikel
lesen