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Gewalt,
so das
Fazit dieses provozierenden Buches, ist keine fremde und störende Zutat
zur Religion, sondern kann selbst zum Gottesdienst werden.
C. H. Beck
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Seiten
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Flaneursalon
Gregor Keuschnig
Begleitschreiben
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Tolle Hefte
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Zeitgenössische Malerei
Goedart Palms
Virtuelle Texbaustelle
Reiner Stachs
Franz Kafka
counterpunch
»We've
got all the right enemies.« |
Des
Menschen Glaube ...
Charles Taylors opus magnum
»Ein
säkulares Zeitalter«
Eine profunde christliche Mentalitäts- und Glaubensgeschichte, deren Redundanzen
dem Leser einiges an Nächstenliebe abverlangen.
Wiederholt spricht er von der
Dominanz der »Peggy-Lee-Achse«:
Eingeschlossen in die kalte, fensterlose Zelle des gegen alles Jenseitige und
»Höhere«
abgedichteten säkularen Daseins fragen wir uns nolens volens ständig mit der
amerikanischen Sängerin:
»Is
that all there is?«
Leseprobe
Wahrheit
und Geld
Alte Wege aus neuen
Katastrophen?
Goedart Palm über Marcel Hénaffs verdienstvolle Untersuchung
»Der Preis der Wahrheit -
Gabe, Geld und Philosophie«
»Hénaff provoziert die Frage, ob nicht erst die digitale Imprägnierung der
Verhältnisse wirtschaftliche Beziehungen zulässt, die uns Glanz und Elend des
Altmediums 'Geld' vergessen lassen.«
Leseprobe
Gegen
die Mechanismen der Selbsttäuschung
Cass R. Sunsteins Plädoyer
»Infotopia« für eine kollektive
und arbeitsteilige Aneignung von Wissen
»Viele Symptome sprechen dafür, dass die Freiheit der Information und Aufklärung
im Netz einer zunehmenden Kanalisierung, Vermarktung und Vermachtung unterworfen
wird, durch politische und ökonomische Interessen der Politik und der
Medien- und Technologie-Konzerne.« Von Peter V. Brinkemper
Leseprobe
Mögen
alle Wesen glücklich sein
Gregor Keuschnig
betrachtet
die
»spirituelle Autobiographie« seiner
Heiligkeit des Dalai Lama (Tenzin Gyatso)
»... So erscheint dieser Mann mit seiner natürlich wirkenden Fröhlichkeit und
der im Kern einfachen Botschaft gepaart mit einer Nuance Exotismus wie ein
ferner Onkel, dem man ab und zu gerne zuhört und dessen (mediale)
Anwesenheit ein wohliges Gefühl des Verständnisses erzeugt. Zumal er sich auf
die Erstellung von Diagnosen beschränkt und keine Imperative aufstellt.«
»Opium
für die Intellektuellen«
Michail Ryklins
Kommunismus als Religion.
»Die Religion der Immanenz
bekämpft zwar die Religion der Transzendenz, setzt aber alle ihre Kunstgriffe
und Winkelzüge selber ein: Aus den Evangelien und Hirtenbriefen werden die
heiligen Texte der marxistischen Klassiker und die vergötterten Schriften der
jeweiligen Partei- und Staatsführer, aus dem Katechismus wird die Lehrmeinung
der Partei ...«
Leseprobe
Essay
Was
weiß ein Wissen über sich?
Zum Umgang mit unserem Denken
Ein Aufsatz von Oliver Eller
»Wer Willensfreiheit leugnet, unterstellt damit, daß wir nach nichts suchten,
während alles Erkennen und Erfahren uns nur heimsuchte.«
Die
Dinge des Lebens
Guido Rohm über Antonin
Artauds legendären Einfühlungsversuch
»Van Gogh, der Selbstmörder durch die
Gesellschaft«
»In jedem Wahnsinnigen steckt
ein unverstandenes Genie, dessen Idee, die in seinem Kopf leuchtete, Furcht
einjagte und das nur im Delirium einen Ausweg vor den Erdrosselungen finden
konnte, die das Leben ihm bereitet hatte.«
Initialzünder
Thomas Hummitzsch
über 8 kleine Bücher mit beachtlichem Inhalt
»Wie weiter mit …?«
(Adorno, Arendt, Durkheim, Foucault, Freud, Luhmann, Marx & Weber)
»Wer wie
Faust zu erkennen sucht,
»was
die Welt im Innersten zusammenhält«,
greife zu diesen Bändchen, nicht weil er darin die Antworten finden
wird, sondern weil sie neue und anregende Fragen zu einer Lösung des
Faustischen Rätsels bieten, die im postmodernen Zeitalter relevant
sein könnten.«
Versuch
über eine Ethik der Arbeit
Richard Sennetts opulente
Sozialgeschichte des Handwerks
gelesen von Gregor Keuschnig
»Bei
jedem guten Handwerker stehen praktisches Handeln und Denken in einem ständigen
Dialog. Durch diesen Dialog entwickeln sich dauerhafte Gewohnheiten, und diese
Gewohnheiten führen zu einem ständigen Wechsel zwischen dem Lösen und dem Finden
von Problemen.«
Dreh
und Angelpunkt der Moderne
»Wenn Nietzsche nach
dem 2. Weltkrieg oftmals als Wegbereiter des Faschismus abgelehnt wird,
so reproduzieren seine 'Kritiker' die Fehlinterpretationen der nationalsozialistischen
Ideologie...«
Marcus
A. Born zu
Thomas Körbers Auseinandersetzung
mit
»Nietzsche nach 1945«
über den Einfluss des Denkers auf die deutschsprachige Literatur der
Nachkriegszeit
»Der
Himmel ist nicht leer«
Lothar Struck zu den
»Diagnosen über den
Zeitgeist« von Papst Benedikt XVI. in seiner Enzyklika
»Spe Salvi«
Triviale
Krawallprosa
Über Christopher Hitchens Pamphlet
»Der Herr ist kein Hirte«
Es grüsst
ein wütender Antichrist
Gregor
Keuschnig über Richard Dawkins Kampfschrift
»Der Gotteswahn«
Um Gotteswillen
Aufklärung war gestern oder warum der
»letzte Gottesbeweis« von
Rolf Schönberger und Robert Spaemann eine Farce ist
Wahrheit über Bullshit & Bullshit über Wahrheit
Lothar Struck
»Über die Wahrheit«
Gregor Keuschnig über Harry
G. Frankfurts essayistische Mogelpackung
»Bullshit«
Mit der weißen
Fahne um die Welt
Max Daetwylers Botschaft verdient es, gerade in unseren Tagen gehört zu
werden.
Der Friedensapostel
Wilhelm
Weischedel
Die philosophische Hintertreppe
Die großen Philosophen in Alltag und Denken
304 Seiten
DTV
ISBN 978-3-423-30020-9
Euro 8,50
Die großen Philosophen in Alltag und Denken
»Wie fände sich ohne Studium, ohne wissenschaftlich geschultes
Denken und Lesen der Zugang zu Aristoteles, Descartes, Kant oder Hegel
und deren weltbewegenden Erkenntnissen? Wie wollte man seinem noch
minderjährigen Sohn die vertrackten Seinsreflexionen eines Heidegger,
seinem kaufmännischen Freund Russells »Zweifel an den Prämissen« oder
einem Ingenieur der Industrie Wittgensteins »Tractatus« und die
Ergebnisse der Philosophischen Untersuchungen etwa plausibel machen, und
zwar so, daß ein zu eigenen Fragen und Reflexionen befähigendes
Verständnis vermittelt wird?
Wilhelm Weischedel [...] hat die Masse gelehrter, aber schwer
verständlicher Literatur beiseite geschoben und in vierunddreißig
Aufsätzen die Quintessenz des Denkens und Lebenswerkes ebenso vieler
Philosophen in unkonventioneller Weise so dargestellt, daß die jeweilige
Kernproblematik und Kernantwort leicht verständlich ist, ohne daß
gefährliche Verkürzungen zu verschmerzen wären.
Die philosophische Hintertreppe wird zur sozialen Einrichtung, sie führt
über nur geringe Umwege der anekdotischen Einführung in das Zentrum des
jeweiligen Denkens, ohne beim Leser auch nur die geringste Vorkenntnis
vorauszusetzen. Der Stoff von zweieinhalbtausend Jahren
Philosophiegeschichte von Thaies, dem philosophierenden Handelsmann aus
Milet, bis hin zu Ludwig Wittgenstein, dem modernen Künder des
Untergangs der Philosophie, wird hier ohne wissenschaftliche Arroganz
und lehrmeisterhafte Attitüde erzählt, mit allen Mitteln dieser Kunst.«
Rheinischer Merkur»Seine unorthodoxe wie geistreiche Zusammenschau des
europäischen Denkens von Thales bis Wittgenstein ist in jeder Hinsicht
empfehlenswert. « Die Zeit
»Weischedel machte die überraschende Entdeckung, dass der Weg zum
Verständnis großer Philosophen einfacher und direkter über die
Hintertreppe durch Küche und Schlafzimmer führt als durch dickleibige
Folianten oder über gescheite Interpretationen ihrer Werke.« Der Spiegel
Wilhelm
Schmid
Glück.
Alles, was Sie darüber wissen müssen, und warum es nicht das
Wichtigste im Leben ist
Suhrkamp
79 Seiten, Gebunden
Euro 7,00 [D] / Euro 7,20 [A] / sFr 12.90
ISBN 978-3-458-17373-1
Einfach nur glücklich sein: offenbar ein schwieriges Unterfangen. In
seinem neuen Buch denkt Wilhelm Schmid darüber nach, was unser Glück
ausmacht, was die Philosophie dazu beitragen kann und was wir persönlich
tun können und müssen. Es geht um die geistige Haltung, die wir dem
Leben gegenüber einnehmen; die Kunst, neben den Höhen auch die Tiefen
des Lebens anzunehmen; und das Erkennen von Sinn und Zusammenhängen mit
allen Sinnen.
Was ist Glück? Die Frage danach treibt uns um. Könnte es aber sein, daß
gerade die ständige die Jagd nach Glück unglücklich macht? Dabei ist
Glück nichts als ein Wort. Entscheidend ist, was damit bezeichnet wird,
welche Bedeutung dem Wort gegeben wird, das nicht nur »das« Glück in der
Einzahl bezeichnet. Der Lebenskunst-Philosoph Wilhelm Schmid unterzieht
in seinem neuen Buch die Vielfalt der Bedeutungen einer genaueren
Betrachtung: das Zufallsglück, das Wohlfühlglück, das Glück der Fülle,
das Glück des Unglücklichseins. Gegen die Glückspropheten, die mit
wohlfeilen Rezepten alle Welt beglücken wollen, macht Schmid geltend,
daß Glück nur ein Stellvertreterbegriff für die wichtigere Frage nach
»Sinn« ist. Wenn aber Sinn nicht mehr von selbst zur Verfügung steht,
dann wird eine Art von Arbeit daraus, Sinn zu finden und neu zu gründen.
Jay
F. Rosenberg
Philosophieren
Ein Handbuch für Anfänger
Aus dem Amerikanischen von Brigitte Flickinger
5. Auflage
2006. 194 Seiten. Kt € 14.-
ISBN 978-3-465-03460-5
Klostermann Seminar Band 18
Recht schnell wird
man bei der Beschäftigung mit Philosophie mit ihren Themen
vertraut. Doch herauszufinden, wie man Philosophie betreibt, was
ein spezifisch philosophisches Argument ist, wie man gültige und
ungültige Argumente unterscheidet, das erweist sich als viel
schwieriger. Oft verstreicht ein ganzes Studium, ehe man dahinterkommt,
denn niemand sagt einem, was das Philosophieren seiner
Struktur nach ist oder sein sollte und wie man es macht.
Genau das versucht Jay Rosenberg in seinem Buch. Er tritt einen Schritt
hinter die Arbeit des Philosophen zurück und beschreibt, was in ihr
geschieht. Man lernt bei der Lektüre zunächst, wie man Argumente sowohl
ihrer Form als auch ihrem Inhalt nach bewertet. Doch das ist nur ein
Teil des Buches. Rosenberg verwendet besonders viel Zeit darauf
herauszuarbeiten, wie man philosophische Themen diskutiert und
kritisiert. Viele komplizierte Dinge gibt es dabei zu beachten,
Dinge, die in einem Logikhandbuch beispielsweise nicht zu finden sind.
Rosenberg gibt damit dem Anfänger - und auch dem Fortgeschrittenen -
eine Hilfe, die er bislang vergeblich suchte. Dazu gehört, daß das Buch
ausführlich erörtert, wie man eigene philosophische Essays schreibt: was
es heißt, einen in der Literatur angetroffenen Disput zu analysieren und
zu bewerten; was es bedeutet, ein Problem zu formulieren und zu lösen;
worauf es ankommt, wenn man eine eigene, neue These formulieren und
verteidigen will. All dies erläutert Rosenberg anhand vieler Beispiele.
Das Buch wendet sich an Studenten und Dozenten der Philosophie, aber
auch an alle anderen, die wissen möchten, worum es in dieser Disziplin
geht.
"Dieses so gründliche wie kurzweilige Buch gehört ohne Zweifel zu den
besten seiner Art."
Neue
Zürcher Zeitung
Heidegger
Lesebuch
Herausgegeben und mit einer Einleitung von Günter Figal
400 Seiten.
Kt € 17.80
ISBN 978-3-465-04011-8
Klostermann Seminar Band 21
„Wege – nicht Werke"
– das hat Heidegger der Gesamtausgabe seiner Schriften und Vorlesungen
als Motto vorangestellt. Wege aber muß man selbst gehen, damit man sie
kennen lernt – so auch die vielen Wege des heideggerschen Denkens. Um
sich derart in der Landschaft von Heideggers Denken bewegen zu können,
ist es nötig, daß man weiß, wo ein bestimmter Weg verläuft und wohin er
führt. Auch sollte man mögliche Ausgangspunkte kennen. Dabei ist es
nicht erforderlich, daß man mit den frühesten Texten beginnt.
Ausgangspunkte in einer Landschaft sind Orte, die durch Wege miteinander
verbunden sind. Deshalb geht es von Orten, die, chronologisch gesehen,
nicht am Anfang oder am Ende liegen, sowohl vorwärts als auch zurück.
Dieses Lesebuch will Ausgangspunkte
solcher Art markieren; zusammengestellt wurden exemplarische Texte, von
denen aus eine Erkundung des heideggerschen Denkens möglich ist. Das
Lesebuch will zur Orientierung im Zusammenhang dieses Denkens verhelfen
und dabei manche Texte, die für das Verständnis Heideggers besonders
wichtig sind, leichter zugänglich machen. Die umfangreiche Einleitung
des Herausgebers läßt Heideggers philosophische Entwicklung verständlich
werden und stellt die Texte des Lesebuchs in ihren Zusammenhang. Eine
Chronik informiert über die wichtigsten Daten in Heideggers Leben.
Der Band
enthält unter anderem das "Spiegel-Gespräch" von 1966 sowie eine "Erste
Ausarbeitung" des Aufsatzes "Vom Ursprung des Kunstwerkes", die sich
erheblich von der in Band 5 der Gesamtausgabe veröffentlichten Fassung
unterscheidet.
"Die Sherpa-Dienste [können] nicht hoch genug eingeschätzt werden, die
diese Textauswahl bei der Durchquerung von Heideggers Gedankenmassiv
leistet."
Börsenblatt
des Deutschen Buchhandels
Paul
Ricoeur
Das Böse
Eine Herausforderung für Philosophie und Theologie
Aus dem Französischen von Laurent
Karels
Theologischer Verlag Zürich
64 Seiten, Paperback
ISBN-10: 3-290-17401-8
ISBN-13: 978-3-290-17401-9
EUR 11.80 (D)/12.20 (A)/CHF 18.00
Meditation und eine Einladung zum Handeln
Woher kommt das Böse? Wie kommt es, dass wir Böses tun? Wie
lassen sich Gott und das Böse zusammendenken. Diese Fragen haben Paul
Ricoeur, den letztes Jahr verstorbenen Philosophen und Theologen – der
sich selbst nie als solchen bezeichnet hat –, seit seinen frühesten
Arbeiten beschäftigt.
Paul Ricoeur (1913–2005), der ausgerechnet in deutscher
Kriegsgefangenschaft die Gedankenwelten von Husserl und Heidegger
kennenlernte, und sie später erstmals ins Französische übersetzt hat,
wurde 1969 Rektor der Sorbonne in Paris. Von diesem Amt trat er nach
rigorosen Eingriffen der Pariser Zentralregierung in die
Hochschulautonomie zurück, und ging 1970 nach Amerikas an die University
of Chicago, wo er Paul Tillich nachfolgte.
Der
vorliegende Essay, entstanden aus einem Referat, das Ricoeur 1985 an der
Theologischen Fakultät Lausanne gehalten hat, kann stellvertretend für
seine Beschäftigung mit diesen Fragen stehen. Angesichts dessen, was das
20. Jahrhundert an Bösem hervorgebracht hat, beleuchtet Ricoeur, der mit
Hannah Arendt befreundet war, hier in einer exemplarischen Tiefe die
verschiedenen religiösen, mythologischen und philosophischen Diskurse
über das Böse. Er zeigt, wie die traditionelle Theodizee, aber auch wie
Kant, Hegel oder Barth versucht haben, das Problem, das die Existenz des
Bösen bedeutet, zu lösen. Ricoeur selbst plädiert für eine Weisheit, die
auf die (An-)Klage verzichtet.
Hans
Blumenberg
Theorie der Unbegrifflichkeit
Herausgegeben und mit einem Nachwort von Anselm Haverkamp
122 Seiten, Broschur
Euro 14,80 [D] / Euro 15,30 [A] / sFr 26.40
ISBN 978-3-518-58480-4
»Der Begriff vermag nicht alles, was die Vernunft verlangt.«
Hans Blumenbergs
Buch Schiffbruch mit Zuschauer
endet mit einem Text, der den etwas enigmatischen Titel
»Ausblick auf eine Theorie der Unbegrifflichkeit« trägt. Zu Lebzeiten
blieb es bei diesem Ausblick auf eine Theorie, die den Grundbedingungen
der Theorie – nämlich begrifflich verfaßt zu sein – zu widersprechen
schien und somit vielerlei Rätsel aufgab. Zu den wunderbaren
Entdeckungen, die im Nachlaß Hans Blumenbergs zu machen sind, gehört
nicht nur eine Mappe mit kleinen Entwürfen, sondern auch ein längeres
Manuskript, das den »Ausblick« bis zu einer ausgewachsenen »Theorie der
Unbegrifflichkeit« führt, die zudem ein Text von programmatischem
Charakter für Blumenbergs philosophisches Projekt insgesamt ist: eine
philosophische Programmschrift.
Die Theorie der Unbegrifflichkeit
kann als Pendant, als Weiterentwicklung und als Gegenentwurf
der berühmten Paradigmen zu einer Metaphorologie von 1960 gelten. Mit
ihr ist die Kontinuität des metaphorologischen Projekts im Werk
Blumenbergs in wünschbarer Klarheit nachzuvollziehen.
Hans
Blumenberg
Beschreibung des Menschen
Herausgegeben von Manfred Sommer
Suhrkamp
918 Seiten, Gebunden
Euro 48,00 [D] / Euro 49,40 [A] / sFr 81.00
ISBN 3-518-58467-7
»Der
Mensch ist ein riskantes Lebewesen, das sich selbst mißlingen kann. (...)
Der Mensch ist die verkörperte Unwahrscheinlichkeit. Er ist das Tier, das
trotzdem lebt.
(...) Nur der Mensch kann leben und dabei unglücklich sein. Er kann also
gerade das verfehlen, was ihm der Sinn seines Daseins zu sein scheint.
Noch wenn er Selbstmord begeht, wendet er einen letzten aller seiner
Kunstgriffe an: er versucht Selbsterhaltung um jeden Preis, selbst den des
Lebens, um wenigsten die Möglichkeit seiner Identität nicht selbst
dementieren zu müssen. Der Tod läßt sie, wie sein natürlicher Eintritt
sonst auch, offen. Insofern gehört die Möglichkeit der Selbsttötung zu den
Auszeichnungen eins Wesens, dem das Gelingen seines Daseins nicht
zuverlässig programmiert ist.« (S. 550)
Hans Blumenbergs
Anthropologie ist eine philosophische Entdeckung ersten Ranges. Seit
vielen Jahren erwartet und auch gefordert, liegt sie nun endlich vor –
ediert aus dem Nachlaß. Und sie setzt ein mit einer einfachen, aber
überaus folgenreichen These: Der Mensch ist sichtbar. Das ist der
Hauptsatz dieser phänomenologischen Anthropologie. Unter den Primaten ist
es allein der Homo sapiens, der dauerhaft aufrecht steht und geht; deshalb
kann er beides besonders gut: sehen – und gesehen werden. Die Optimierung
der visuellen Wahrnehmung geht einher mit dem Risiko erhöhter Visibilität.
So exponiert zu sein, formt das Weltverhältnis des Menschen und macht ihn
zum Virtuosen der Selbstinszenierung, aber auch der Selbstverstellung und
Selbstverhüllung. Sichtbarkeit bedeutet deshalb auch: Der Mensch ist
undurchsichtig – für andere wie für sich selbst. Sichtbarkeit provoziert
zudem Selbstbezug. Denn dessen gewahr zu werden, daß man gesehen werden
kann, führt zur Reflexion und ist doch kontingentes Resultat im Prozeß der
Evolution.
Hans Blumenbergs überaus materialreiche Anthropologie hat ihren
theoretischen roten Faden in ihrer dezidiert phänomenologischen
Ausrichtung. Doch ist eine »Phänomenologische Anthropologie« nicht ein
Widerspruch in sich? Nicht ganz. Weil es wesentlich Gegenstandsbezug ist,
muß jedes Bewußtsein inkarniert, einem Körper innewohnend sein. Und hier
schließt sich der Kreis: Reflexion, die ihren Ausgang von der Sichtbarkeit
nimmt, ermöglicht die Zuwendung zum Leib und zum Bewußtsein.
Michel
Foucault
Ästhetik der Existenz - Schriften
zur Lebenskunst
Aus dem Französischen von Michael Bischoff, Ulrike Bokelmann,
Hans-Dieter Gondek und Hermann Kocyba. Herausgegeben von Daniel Defert
und François Ewald unter Mitarbeit von Jacques Lagrange. Ausgewählt und
mit einem Nachwort von Martin Saar
suhrkamp taschenbuch wissenschaft 1814
346 Seiten, Broschur
Euro 13,00 [D] / Euro 13,40 [A] / sFr 23.40
ISBN 978-3-518-29414-7
In der letzten Phase seines Schaffens hat sich Michel
Foucault mit Passion und Akribie dem Studium antiker Texte gewidmet und
die klassischen Modelle einer lebenspraktischen »Sorge um sich« und
»Ästhetik der Existenz« der historischen Vergessenheit entrissen. In den
kleinen Texten und Interviews derselben Zeit, die der Auswahlband
versammelt, unternimmt Foucault den riskanten und faszinierenden Versuch
einer Aktualisierung dieser antiken Denkfiguren. Die alles entscheidende
Frage für Foucault ist dabei: Kann es heute eine Lebensform geben, die
nicht vom Wissen und von der Norm bestimmt wird, sondern die ein
Experiment ist und das Leben als Kunst versteht?
Manfred
Frank
Warum bin ich Ich?
Eine Frage für Kinder und Erwachsene
60 Seiten, Halbleinen
Euro 12,80 [D] / Euro 13,20 [A] / sFr 23.00
ISBN 978-3-458-17349-6
Das Buch richtet sich an Kinder – und an neugierig
gebliebene Erwachsene, die insgeheim philosophieren. Denn Philosophieren
ist eigentlich nichts anderes als das Weiterdenken von Kinderfragen im
Erwachsenenalter. Wenn es die Titelfrage hörte, würde das Sams bestimmt
ausrufen: »So eine dumme Frage, so eine strohdumme Frage! Wer sollte ich
denn sonst sein, wenn nicht ich?«
Auf den ersten Blick mag das einleuchten, auf den zweiten ist das gar
nicht so klar, denn wäre ich nicht geboren worden, gäbe es den ›Ich‹-
Sager gar nicht. Es gibt auch Menschen, denen infolge einer
Geisteskrankheit ihr Ich so fremd ist, daß sie glauben, eine unbekannte
Macht handle an ihrer Stelle. Aber selbst in diesem schlimmsten Fall
zeigt das Fürwort ›ich‹ todsicher auf mich. Auch mit einer
Geistesstörung bin ich es, dem dieses schreckliche Leiden zustößt.
Warum das Bewußtsein von uns selbst diese hohe Zuverlässigkeit hat,
werden wir nie herausbekommen. Wir können aber besser verstehen lernen,
wie sie sich äußert. Dazu lädt Manfred Franks Kindervorlesung, versehen
mit vielen amüsanten Illustrationen und Auszügen aus
Kinderbuchklassikern, ein.
Wolfgang
Kersting / Claus Langbehn
Kritik der Lebenskunst
Herausgegeben von Wolfgang Kersting und Claus Langbehn
suhrkamp taschenbuch wissenschaft 1815
381 Seiten, Broschur
Euro 14,00 [D] / Euro 14,40 [A] / sFr 25.00
ISBN 978-3-518-29415-4
Die Lebenskunstliteratur boomt. Nicht nur in der Wissenschaft stößt sie
auf zunehmendes Interesse, sondern auch und vor allem in der breiten
Öffentlichkeit. Mit Fug und Recht läßt sich daher behaupten, daß sie
nicht nur die jüngste Gestalt der in der zweiten Hälfte des 20.
Jahrhunderts wiedererwachten praktischen Philosophie ist, sondern auch
Symptom eines verbreiteten lebensethischen Orientierungsbedürfnisses.
Der Band unternimmt, was diese Situation verlangt: eine philosophisch
angemessene Kritik der Lebenskunst im Sinne der Anspruchsüberprüfung und
Grenzziehung: In Auseinandersetzung mit bestehenden Lebenskunstkonzepten
unterziehen die Autoren das Lebenskunstprogramm und seine ethische
Orientierungsleistung einer genauen und vor allem kritischen Analyse.
Eine Einleitung führt in das Thema ein und untersucht insbesondere das
Verhältnis der Lebenskunst zur klassischen Ethik, zur modernen
Moralphilosophie sowie zu verschiedenen Formen der
Lebensbewältigungspsychologie.
Walter
Benjamin Archiv
Walter Benjamins
Archive
Bilder, Texte und Zeichen
Herausgegeben vom Walter Benjamin Archiv
243 Seiten, Klappenbroschur
Euro 24,80 [D] / Euro 25,50 [A] / sFr 44.40
ISBN 3-518-41835-1
Von einer Sensation ist zu berichten: Das Walter Benjamin Archiv zeigt
eine Fülle von großartigen, in weiten Teilen bisher unpublizierten und
auch unbekannten Bildern und Dokumenten. Anläßlich einer Ausstellung in
der Akademie der Künste, Berlin, wird, begleitet von einer
internationalen Tagung und einer Vielzahl von Veranstaltungen, zum
ersten Mal Benjamins Bild- und Dingkosmos der Öffentlichkeit vorgestellt.
Solche Orientierung an Bildern und Dokumenten, an der Materialität der
Gegenstände entspricht auch seinem Werk, das seinerseits ein Reservoir
von Texten, Kommentaren, Elementen des Alltags, der Kunst und des Traums
ist. Viele dieser Elemente sind als Bausteine in sein »Passagen«-Projekt
eingegangen, das die »Urgeschichte des 19. Jahrhunderts « erkundet.
Darüber hinaus prägen Techniken des Sammelns und Archivierens die
Arbeitsweise Walter Benjamins. Nachdem er aus Deutschland vertrieben
worden war, schuf er die Voraussetzungen zur Rettung seiner, wie er
sagte, »unendlich verzettelten Produktion «, indem er Manuskripte,
Notizen und Druckbelege bei Freunden in aller Welt deponierte Der
reichillustrierte und kommentierte Band schließt erstmals Benjamins
Archive auf: Notizhefte, in denen jeder Zentimeter genutzt wird;
Register, Verzeichnisse und Karteien, die zugleich akribisch und kreativ
geführt sind; Ansichtskarten, von ihm selbst kommentierte Fotoserien;
eine Sammlung früher Worte und Sätze seines Sohnes Stefan, dessen
Sprach- und Denkentwicklung Benjamin in Aufzeichnungen über Jahre
verfolgte.
»Walter Benjamins Archive« erscheint zur gleichnamigen Ausstellung des
Walter Benjamin Archivs in der Akademie der Künste, Berlin, vom 17.
September bis zum 12. November 2006.
»Die Kabinett-Ausstellung der Benjamin-Archivare geht
von einem einfachen Grundgedanken aus: daß der Autor, dessen
Hinterlassenschaft sie präsentiert, selbst ein Archivar war ... vor
allem in dem Sinn, daß das Anlegen von Sammlungen und Archiven das
literarische wie das theoretische Werk Benjamins nachdrücklich geprägt
hat. (...)« Süddeutsche Zeitung
George
Steiner
Warum Denken traurig macht
Zehn (mögliche) Gründe
Aus dem Englischen von Nicolaus Bornhorn. Mit einem Nachwort von Durs
Grünbein
91 Seiten, Gebunden
Euro 14,80 [D] / Euro 15,30 [A] / sFr 27.10
ISBN 3-518-41841-6
»Nur in der
Persönlichkeit ist Leben; und alle Persönlichkeit ruht auf einem dunklen
Grund, der allerdings auch Grund der Erkenntnis sein muß.« (Schelling)
Anwesend waren Traurigkeit, tristitia oder tristesse in George Steiners
Prosa seit jeher: als Gedanke, Thema und Gestimmtheit. Nun aber stellt er
sie, von Schelling ausgehend, in den Mittelpunkt einer Meditation über
Glanz und Elend der Reflexion. Grundiert ist alles Denken durch Schwermut,
die in jedem Gedanken vernehmbar bleibt und sich fortpflanzt – so die von
Steiner gewählte kosmische Analogie – wie das Hintergrundrauschen als Echo
des »Urknalls «. Zweiflerisch ist dieses Denken und durchdrungen vom
Gefühl seiner Vergeblichkeit. Es ist unberechenbar und heillos
individuell, verschwenderisch und kreisschlüssig, eingeschränkt in den
Grenzen der Sprache, axiomatisch, neurophysiologisch determiniert. Es ist,
als »Großes Denken«, weit entfernt von Mehrheitsentscheidungen und
allgemeiner Anerkennung. Es ist aussichtslos, führt schließlich auf
nichts. Und doch ist es die einzig menschenwürdige Anstrengung.
Was ist das, seiner Form nach, für ein Buch? »Vom Essay nimmt es den
rhetorischen Spieltrieb, vom Traktat die logische Textur, um hie und da
Zäsuren zu setzen im imperativischen Stil eines Manifests.« (Durs
Grünbein) George Steiners Schrift ist eine Variation in zehn Sätzen auf
ein Thema von Schelling, das Produkt einer persönlichen Ästhetik, ein
Stück Gedankenmusik, ein logisches Gedicht.
»Der verführerische Steiner-Ton: einmal verzaubert, immer verzaubert.«
Süddeutsche Zeitung
Stanley
Cavell
Der Anspruch der Vernunft
Aus dem Amerikanischen von Christiana Goldmann. Mit einem Vorwort
von Susan Neiman
794 Seiten, Gebunden
Euro 49,80 [D] / Euro 51,20 [A] / sFr 84.00
ISBN 3-518-58469-3
Stanley Cavells
monumentales Buch Der Anspruch der
Vernunft, das nun in deutscher Übersetzung erscheint, gehört
zu den großen philosophischen Büchern des 20. Jahrhunderts. Seit seiner
Erstpublikation 1979 hat es eine ganze Generation von Philosophen
beeinflußt und gilt längst als moderner Klassiker. Ungewöhnlich breit
angelegt, komplex in der Argumentation, eigenwillig, ja exzentrisch im
Stil, eröffnet uns Cavell in seinem Opus magnum Zugänge zu
epistemologischen, metaphysischen, ethischen und ästhetischen Fragen, die
bis heute nichts an Originalität eingebüßt haben.
Leuchtend roter Faden, der das ganze Buch durchzieht, ist Cavells
Wittgenstein-Lektüre. Konträr zum philosophischen Mainstream liest Cavell
Wittgensteins Forderung, »die Wörter von ihrer metaphysischen wieder auf
ihre alltägliche Verwendung zurückzuführen«, nicht einfach als Hinweis auf
eine Gebrauchstheorie der Bedeutung, sondern macht sie für eine
raffinierte Umdeutung des Skeptizismus fruchtbar. Denn der Zweifel, tief
eingelassen in das menschliche Denken, ist der Dorn im Fleisch der
Philosophie. Er ist es, der zwischen uns und der Welt steht, der uns der
Welt entfremdet und dazu führt, daß wir sie immer wieder verlieren. Die
Macht der Skepsis durch das philosophische Streben nach letzten Wahrheiten
brechen zu wollen ist für Cavell ein sinnloses, ja kontraproduktives
Unterfangen. Vielmehr muß der skeptisch-metaphysischen Versuchung
widerstanden und die Welt auf geradezu romantische Weise ständig
zurückerobert werden: indem wir sie in unseren Sprachspielen immer wieder
neu erschaffen.
»Im Angesicht des Zweifels mit glücklich geschlossenen Augen zu leben,
hieße, sich in die Welt zu verlieben. Denn wenn es eine richtige Blindheit
gibt, gibt es sie nur in der Liebe.«
Arthur
Schopenhauer
Die Kunst, sich selbst zu
erkennen
Herausgegeben von Franco Volpi.
Beck`sche Reihe
Etwa 128 Seiten. Paperback.
ca. EUR 7.90
ISBN 3-406-54161-5
Engen Freunden war nicht verborgen geblieben, daß Schopenhauer ein
persönliches „Journal intime“ führte, das er sorgfältig unter Verschluß
hielt. Nach seinem Tod hat man vergeblich danach gesucht. Der
Testamentsvollstrecker Wilhelm von Gwinner ließ durchblicken, er habe
das Journal auf Wunsch des Verstorbenen vernichtet. In Wahrheit wurden
die Texte im Blick auf eine künftige Biographie des verblichenen
Philosophen umfänglich durchforstet. Aufgrund dieser Notizen und der
wörtlichen Abschriften ganzer Seiten war es möglich, Schopenhauers
Originaltext zu rekonstruieren. Die autobiographischen Notizen,
Erinnerungen, Gedankensplitter, Lebensmaximen, Zitate und Sinnsprüche
bilden geradezu ein Nachschlagewerk zu Schopenhauers ganz persönlicher
Lebensweisheit: der Kunst, sich selbst zu erkennen, das Zusammenleben
mit anderen Menschen zu meistern und sich in der Welt zurechtzufinden.
Franco
Volpi ist
Professor für Philosophie an der Universität Padua. Er betreut für den
Mailänder Verlag Adelphi die italienische Gesamtausgabe der Werke
Schopenhauers und die Ausgabe der Werke Heideggers.
Wolfgang
Bauer
Geschichte der chinesischen
Philosophie
Konfuzianismus, Daoismus, Buddhismus
Herausgegeben von Hans van Ess.
Beck`sche Reihe
344 Seiten. Paperback.
ca. EUR 14.90
ISBN 3-406-54141-0
Wolfgang Bauer bietet einen Überblick über die chinesische
Philosophie von ihren Anfängen im 6. Jahrhundert v.Chr. bis zum 20.
Jahrhundert. Er entschlüsselt philosophische Begriffe von der
Bildhaftigkeit alter Zeichen aus und geht dem engen Zusammenhang zwischen
der chinesischen Philosophie und den politischen und sozialen
Verhältnissen nach. So entsteht ein eindrucksvolles Gesamtbild der Lehren
des Konfuzianismus, Daoismus und der buddhistischen Philosophenschulen.
„Das Buch ist
vorzüglich geschrieben, auch für Laien gut verständlich.“
Ludger Lütkehaus, Die Zeit
„Man wünschte
sich mehr solcher Briefe aus der chinesischen Vergangenheit.“
Friedmann Harzer, Süddeutsche Zeitung
Wolfgang
Bauer,
1930–1997, war Professor für Ostasiatische Sprachen und Kulturwissenschaft
an der Universität München.
Peter
Sloterdijk
Zorn und Zeit
Politisch-psychologischer Versuch
Suhrkamp
356 Seiten, Gebunden
Euro 22,80 [D] / Euro 23,50 [A] / sFr 41.00
(ISBN 3-518-41840-8)
»Wer an der
Forderung festhält, die Weltgeschichte müsse sich als das Weltgericht
vollziehen, hat enttäuschende Zeiten vor sich. In jedem Fall würde man
sich nach anderen Richtern umsehen müssen. Da man von Strafgerichten
nichts Gutes zu erwarten hat, dürften es künftig allenfalls
Schiedsgerichte sein.«
Unverwechselbares Kennzeichen des Denkens und Schreibens von Peter
Sloterdijk ist die Einbettung aktuellster Fragen in ihre lange
Geschichte. Dadurch gelangt er zu Neubestimmungen der gegenwärtigen
condition humaine, kann sie durch eine bisher unbekannte Perspektive
sichtbar machen und unerwartete oder ungewollte Zusammenhänge
nachweisen. In seinem neuen Essay geht er auf den Zorn ein, dessen
Folgen sich als Kampf, Gewalt, Aggression äußern. Am Anfang des ersten
Satzes der europäischen Überlieferung, die mit der Ilias beginnt, steht
das Wort »Zorn«. Er gilt dort als unheilbringend – und wird deshalb hoch
geschätzt, auch weil er Helden hervorbringt. Wie kommt es, daß Zorn
schon relativ bald danach in der Polis nur in eng umgrenzten Situationen
zugelassen wird? Wie kommt es in späteren kulturellen Traditionen zur
Herausbildung des »heiligen Zorns« und damit zugleich eines ersten
Begriffs von Gerechtigkeit? Wie ist eine kommunistische Weltbank des
Zorns denkbar? Wie kam es dazu, daß die Gesellschaften mit Gerechtigkeit
als Grundwert den Zorn in allen Kontexten ausgeschlossen haben? Und wie
ist seiner Wiederkehr zu Beginn des 21. Jahrhunderts zu begegnen? Peter
Sloterdijk formuliert eine Antwort: »Große Politik geschieht allein im
Modus von Balanceübungen. Die Balance üben heißt keinem notwendigen
Kampf ausweichen, keinen überflüssigen provozieren. Es heißt auch, den
Wettlauf mit der Umweltzerstörung und der allgemeinen Demoralisierung
nicht verloren geben.«
Roland
Barthes
Am Nullpunkt der Literatur. Literatur oder
Geschichte.
Kritik und Wahrheit
Aus dem Französischen von Helmut Scheffel
edition suhrkamp 2471
231 Seiten, Broschur
Euro 11,00 [D] / Euro 11,40 [A] / sFr 20.30
(ISBN 3-518-12471-4)
Dieser Band
versammelt die lange vergriffenen Einzelwerke
Am Nullpunkt der Literatur, Literatur
oder Geschichte und Kritik und Wahrheit aus der frühen
Periode des Barthesschen Werkes und macht sie wieder zugänglich. Hier
wird der zentrale Begriff der »écriture «, der »Schreibweise«,
entfaltet, wird die klassisch gewordene Unterscheidung zwischen »écrivain«
und »écrivant«, zwischen »Schriftsteller« und »Schreiber« getroffen;
hier wird ein Umgang mit Literatur erprobt, der Begriffe und
Möglichkeiten einer Kritik literarischer Texte aus dem Geist des
Strukturalismus entfaltet. In ihrer stilistischen Brillanz, gedanklichen
Tiefe und wissenschaftlichen Fundierung setzen Barthes’ Texte Maßstäbe,
die auch heutiger Literaturkritik unvermindert wichtige Impulse geben
können.
Giorgio
Agamben,
Die Sprache und der Tod
Ein Seminar über Negativität
Aus dem Italienischen von Andreas Hiepko
edition suhrkamp 2468
200 Seiten, Broschur
Euro ca. 10,00 [D] / Euro ca. 10,30 [A] / sFr ca. 18.50
(ISBN 3-518-12468-4)
Obgleich die abendländische Philosophie seit jeher den Menschen als
sowohl sprechendes wie sterbliches Wesen bestimmt, ist nach Heidegger
»das Wesensverhältnis zwischen Tod und Sprache noch ungedacht«. In
diesem frühen philosophischen Werk dokumentiert Giorgio Agamben den
Lektüreverlauf eines Seminars, das ebendieses »Wesensverhältnis « zu
denken versuchte: acht Tage (und sieben Exkurse) intensiver
Auseinandersetzung mit Hegel und Heidegger, Benveniste und Jakobson,
Aimeric de Peguilhan und Leopardi, Leonardo und Aristoteles, die immer
wieder auf jene andere Stimme stößt, in der die bedeutungslosen,
tierischen Stimmen »aufgehoben« sind. Sie erweist sich als die
ursprüngliche ethische Dimension, in der der Mensch der Sprache sein
Jawort, ihrem Stattfinden seine Zustimmung gibt. Sollte also, der
Behauptung ihres notorischen Phonozentrismus zum Trotz, die Metaphysik
schon immer Grammatologie betrieben haben? Und wird man den
metaphysischen Horizont, in dem Logik und Ethik, Sprache und Tod
ununterscheidbar werden, nur überschreiten können, wenn man einen
infantilen Gebrauch von der Sprache zu machen versteht?
Seyla
Benhabib,
Hannah Arendt. Die melancholische Denkerin der
Moderne
Aus dem Amerikanischen von Karin Wördemann
suhrkamp taschenbuch wissenschaft 1797
379 Seiten, Broschur
Euro 14,00 [D] / Euro 14,40 [A] / sFr 25.70
(ISBN
3-518-29397-4)
Die amerikanische Politikwissenschaftlerin Seyla Benhabib legt eine
Rekonstruktion der politischen Theorie Hannah Arendts vor, die sich deren
Werk gerade von ihren weniger bekannten Schriften her nähert. Dabei
gelingt es Benhabib, die Spuren einer alternativen Genealogie der Moderne
freizulegen. Über die Untersuchung des Spannungsverhältnisses zwischen
Totalitarismusanalyse, den Einflüssen der Existenzphilosophie und der
genuinen Methode Arendts findet Benhabib einen kritischen Zugang zu ihren
Schriften, der auch deren Anschlußmöglichkeiten an aktuelle Debatten
aufzeigt. Diese gibt es immer dort, wo es um Bürger- und Menschenrechte,
Zivilgesellschaft und politische Öffentlichkeit geht.
»Für jeden, der an der jüngst wieder auflebenden Arendt-Rezeption und an
ihrer Relevanz für das zeitgenössische politische Denken interessiert ist,
wird Seyla Benhabibs umfassende und ausgewogene Analyse von unschätzbarem
Wert sein.« Richard J. Bernstein
Hofmann,
Martin Ludwig / Korta, Tobias F. / Niekisch, Sibylle
Culture Club II
Klassiker der Kulturtheorie
Herausgegeben von Martin Ludwig Hofmann, Tobias F. Korta und Sibylle
Niekisch
suhrkamp taschenbuch wissenschaft 1798
333 Seiten, Broschur
Euro 12,00 [D] / Euro 12,40 [A] / sFr 22.10
(ISBN
3-518-29398-2)
Was heißt »Kultur«? Kaum ein anderer Begriff durchzieht die theoretische
Debatte der letzten Jahrzehnte mit solch einer Wucht.Kulturtheorie ist
nicht nur zu einem interdisziplinären, sondern auch zu einem
internationalen intellektuellen Abenteuer geworden.Auch der zweite Band
des Culture Club bietet eine
Orientierung in diesem schwer überschaubaren Feld, indem er einen
Überblick über das jeweilige Werk und Denken zentraler Kulturtheoretiker
gibt.Vorgestellt werden Max Weber, Siegfried Kracauer, Martin Heidegger,
Helmuth Plessner, Margaret Mead, Hannah Arendt, Marshall McLuhan, Richard
Hoggart, Vilém Flusser, Raymond Williams, Paul Feyerabend, Jean-François
Lyotard, Ivan Illich, Clifford Geertz, Jacques Derrida und Stuart Hall. |
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Wer ist Joe Henry?
»Live is
short, but by the grace of God, the night is long.«
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