|
|
Anzeige Versandkostenfrei bestellen!
Die menschliche Komödie als work in progress Ein großformatiger Broschurband in limitierter Auflage von 1.000 Exemplaren mit 176 Seiten, die es in sich haben. |
||||
|
Home Termine Literatur Blutige Ernte Sachbuch Quellen Politik Geschichte Philosophie Zeitkritik Bilderbuch Comics Filme Preisrätsel Das Beste | |||||
|
Bücher-Charts l Verlage A-Z Medien- & Literatur l Museen im Internet Glanz & Elend empfiehlt: 50 Longseller mit Qualitätsgarantie Jazz aus der Tube u.a. Sounds Bücher, CDs, DVDs & Links Andere Seiten Quality Report Magazin für Produktkultur Elfriede Jelinek Elfriede Jelinek Joe Bauers Flaneursalon Gregor Keuschnig Begleitschreiben Armin Abmeiers Tolle Hefte Curt Linzers Zeitgenössische Malerei Goedart Palms Virtuelle Texbaustelle Reiner Stachs Franz Kafka counterpunch »We've got all the right enemies.» |
Keine
UrlaubsfahrtenMartha Gellhorn berichtet von ihren fünf Höllenfahrten Von Georg Patzer Martha Gellhorn & Ernest Hemingway inmitten chinesischer Offiziere in Chungking, China, 1941 »Das waren keine Straßen, das waren Ströme von Schlamm, mit tiefen Fahrspuren, ausgelatscht und mit Steinen übersät. Man hielt nach jedem rückgratbrechenden Aufprall den Atem an. Die Reifen explodierten wie Feuerwerkskörper.« Eine schöne Reise, diese Fahrt durch China. Auch die Hotels: »Mr. Ma hatte uns versichert, es sei ein elegantes Hotel, und folglich waren wir gleich ein bisschen entmutigt. Wir hatten ein Zimmer mit zwei Podesten aus Planken als Betten, einem wackeligen Bambustisch, einer Messingschüssel (…), zwei Spielzeugkerosinlampen, Malariamücken sowie ein Stehplumpsklo am Ende des Flurs. Das Klo muss wohl einzigartig gewesen sein, da ich es nicht hasserfüllt erwähne; vielleicht gab es einen Krug mit Wasser zum Spülen.«
Ja, fast kann man sagen, dass sie Lust auf Unannehmlichkeiten hatte: auf uninteressante Landschaften, inkompetente Bürokraten, schlechtes Essen, beinah abstürzende Flugzeuge, die mitten im Japanisch-Chinesischen Krieg 1941 durch die Schluchten rasten. Aber als sie dann Tschou En-lai trifft und mit ihm Tee trinkt, zeigt sie, dass sie vom chinesischen Kommunismus, der vier Jahre später die Macht übernimmt, nicht das Geringste weiß. »Fünf Höllenfahrten« beschreibt sie in ihrem gleichnamigen Buch: durch China, Afrika und die Karibik (wo sie deutsche U-Boote aufspüren wollte), in eine Hippie-Kommune in Israel und nach Russland zu Nadeschda Mandelstam, der Witwe des Dichters Ossip. Meist ist sie allein gereist, nach China nahm sie UB mit, den »Unwilligen Begleiter«, ihren Ehemann Ernest Hemingway, den sie für seine Höflichkeit und Geduld lobte: »keine seiner bekanntesten Qualitäten«. Noch unhöflicher schreibt sie über die »Einheimischen«, ohne die alles viel besser und schöner wäre. China: dreckig und übelriechend, und alle spucken ständig aus. Den Afrikanern empfiehlt sie den Gebrauch von Seife: »Hätte nie gedacht, dass die Nase das größte Hindernis brüderlicher Gemeinschaft sein kann.« Und doch: Auch das ist ein möglicher Blick auf die Welt, nicht verstellt von Vorurteilen und politischer Korrektheit, ein Mittel gegen die allgemeine Romantisierung in der Reiseliteratur, in der jedes fremde Volk einfach nur wunderbar ist. Warum also nicht nörgeln und die einheimischen Reiseführer als Trottel bezeichnen – vielleicht waren sie’s ja wirklich. Am schönsten war es für Gellhorn sowieso immer dort, wo es keine Menschen gab: in der Serengeti oder in der Wüste.
Der Zürcher
Dörlemann-Verlag, der ihre Schriften nach und nach herausgibt, hat auch dieses
ironische, lakonische und oft boshafte Buch, schön gestaltet und gut übersetzt,
in seine stetig wachsende Gellhorn-Edition aufgenommen. |
Martha
Gellhorn |
|||
|
|
|||||