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Wahrheit
& Lüge
Erinnerte Dialoge als Zerrbild einer Beziehung.
Über das Philosophieren beim Kirschenessen mit Günter Anders und Hannah Arendt.
Von Jürgen Nielsen-Sikora
Der technologische
Fortschritt hat die Menschen verändert. Die Herstellung einer immer komplexeren
Dingwelt beeinflusst ihre Vorstellungsvermögen negativ. Die Menschen sind
apokalypseblind und nicht mehr in der Lage, mit den technischen Innovationen
mitzuhalten. Als mit der Dingwelt gleichgeschaltete Subjekte verfügen sie bloß
noch über schablonisierte Erfahrungen im Maschinenpark der so genannten
Zivilisation. Und aus dem dunklen Gehäuse philosophischer Reflexion heraus wirkt
die selbst geschaffene künstliche Wirklichkeit trostlos und öde.
Das war die Kernthese von Anders' Buch »Die Antiquiertheit des Menschen« aus dem
Jahre 1956. Das zentrale Thema seiner Philosophischen Anthropologie taucht auch
immer wieder in den Dialogen mit Hannah Arendt auf.
Nach Arendts Tod Ende 1975 rekonstruierte Anders philosophische Gespräche aus
der Zeit ihrer gemeinsamen Ehejahre zwischen 1929 und 1937. Ein Thema unter
anderen ist seine Verachtung für jene Philosophen, die sich als Gratishuren der
Kriegswirtschaft anbiedern, damit zusammenhängend auch die Fabrikation von
Freiwilligkeit, insbesondere die würdelose Idiotie der Kriegsfreiwilligen von
1914, die allesamt dem Kommando zuvorkamen: »Auch Fallen kann lächerlich sein«.
»Du zertrümmerst einem wahrhaftig alles!« wirft Hannah Arendt ihm vor.
Anders kontert: »Wozu ist denn das Philosophieren sonst da?«
Insgesamt
kreisen die Dialoge um klassische Themen der Philosophie: Die Probleme der
Monadologie, das Universum, die Autonomie des Menschen, seine kosmische
Irrelevanz, das Chaos. Sie streifen die Lehren von Leibniz und Kopernikus, von
Fichte und Husserl, Heidegger und Darwin, sowie von Freud und Scheler. Immer
wieder sprechen sie über die Gefahr der Vernichtung von Pluralität.
Diese Gefahr war nicht nur Thema von Arendts politischer Theorie, auch Anders
hat sie bereits in der Molussischen Katakombe aus den 1930er Jahren in
den Fokus seiner Kritik am Nationalsozialismus gerückt. Die beiden Protagonisten
Olo und Yegussa, Opfer einer brutalen Diktatur und Insassen eines lichterlosen
Gefängnisses werfen die Frage auf, was Wahrheit ist und was Lüge. Die
Mechanismen totaler Herrschaft verunmöglichen eine befriedigende Antwort. In
ihrer Katakombe erzählen sie sich Geschichten, um zu überleben, siechen jedoch
letzten Endes dahin.
Wie dieser erstmals 1992
veröffentlichte, nun in zweiter Auflage und um die Apokryphen ergänzte Roman,
dreht sich auch die Kirschenschlacht um das Problem der Freiheit und die
Möglichkeiten der Vernunft in Zeiten der Barbarei. Die Dialoge sind nicht
zuletzt ein Zerrbild der Beziehung zwischen dem die gemeinsame Vergangenheit
verklärenden Günther Anders und der nach Zigaretten und Kirschen süchtigen
Hannah Arendt.
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Günther Anders
Die Kirschenschlacht
Dialoge mit Hannah Arendt und ein akademisches Nachwort
Günther Anders und Hannah Arendt - eine Beziehungsskizze Von Günther
Anders. Herausgegeben von Gerhard Oberschlick. Mit einem Essay von
Christian Dries
C.H. BECK
143 Seiten mit 9 Abbildungen.
Klappenbroschur
16,00 €
ISBN 978-3-406-63278-5
Leseprobe
Die molussische Katakombe
Roman
Mit Apokryphen und Dokumenten aus dem Nachlaß von Günther Anders.
Herausgegeben und mit neuem Nachwort versehen von Gerhard
Oberschlick
C.H. BECK
2., erweiterte Auflage 2012. 493 Seiten
In Leinen
39,95 €
ISBN 978-3-406-60024-1
Leseprobe
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