Home   Termine   Autoren   Literatur   Blutige Ernte   Quellen   Politik   Geschichte   Philosophie   Zeitkritik   Sachbuch   Bilderbuch   Filme   Töne   Preisrätsel   





Glanz
&Elend
Literatur und Zeitkritik


Anzeige

Glanz&Elend
Die Zeitschrift kommt als
großformatiger Broschurband
in einer limitierten Auflage
von 1.000 Exemplaren
mit 176 Seiten, die es in sich haben.

Ohne Versandkosten bestellen!
 

Bücher & Themen
Artikel online seit 09.10.12

6 Bücher aus Neuseeland

Vom anderen Ende der Welt – (wieder) entdeckt

von Sigrid Lüdke-Haertel

Der Darmstädter Dichter Karl Wolfskehl, einst enger Mitarbeiter des Dichterfürsten Stefan George, schrieb 1942 aus seinem neuseeländischen Exil an einen alten Frankfurter Freund: »Geliebter Edgar«, gemeint war Edgar Salin, unterdessen Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Basel, er übersehe jetzt die »hiesigen sehr eigenartigen Möglichkeiten«. Er glaube nämlich, »ein Neuseeland-Buch würde das Interesse europäischer Leser, und nicht bloß als Fernruf und Kuriosität, anregend befriedigen.« Ein für ihn schmerzlicher Irrtum. Wolfskehl starb 1948 im neuseeländischen Exil. Zu dem geplanten Buch ist es nicht gekommen, damals. Sein Brief ist jetzt allerdings in der Sammlung enthalten, die Christiane Freudenstein im Fischer Verlag herausgebracht hat: »Neuseeland erzählt. Vom anderen Ende der Welt«, Berichte, Dokumente, Geschichten aus diesem fernen Land, angefangen mit Katharine Mansfield, über Janet Frame, Lloyd Jones, Keri Hulme, sozusagen ein erster Ein- und Überblick (Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main, 2012, 320 S.,
12,- €) in und über die Literatur dieses fernen Landes.

*****

Das Staatsoberhaupt von Neuseeland, einer konstitutionellen Monarchie, lebt (als Königin von England) in London. In Neuseeland leben dafür noch immer gut 32 Millionen Schafe, ihre Zahl geht in den letzten Jahren  allerdings schon fast beängstigend zurück. 2008 waren es noch knapp 34 Millionen. Die Zahl der Rinder ist allerdings stetig angestiegen, auf jetzt fast  fünfeinhalb Millionen. Einwohner hat Neuseeland nur knappe 4, 5 Millionen. Auf einen Quadratkilometer kommen also im Schnitt gerademal 16 Menschen. Das ist nicht viel, und manchmal kann man mit dem Auto ungestört lange fahren, bis ein anderes Auto entgegenkommt oder eine Tankstelle zum Beispiel dem freien Blick auf die meist bewundernswerte Landschaft stört. Zur Vorbereitung einer solchen Reise, vielleicht auch als »anstatt«, sei, noch vor aller Literatur, die »Gebrauchsanweisung für Neuseeland« von Joscha Remus (Piper Verlag, München 2012, 219 S., 14,99 €) empfohlen. Der Autor kennt und liebt das Land, und er versteht es auch, seine Begeisterung nachvollziehbar zu vermitteln.

*****

Lloyd Jones, 1955 in Lower Hutt geboren, zählt zu den gegenwärtig erfolgreichsten Autoren von Neuseeland. Sein Roman »Mister Pip«, auch bei uns einhellig gepriesen, wurde in immerhin dreißig Sprachen übersetzt. Jetzt ist ein neuer Roman erschienen. Es ist die Geschichte einer geheimnisvollen Frau aus Afrika, die all den Menschen, denen sie auf ihren Wegen begegnet, ein Rätsel bleibt: »Die Frau im blauen Mantel«. (Aus dem Englischen von Grete Osterwald, Rowohlt Verlag, Reinbek, 2012, 319 S., 19,95 €)

*****

Antony McCarten, 1961 in New Plymouth geboren, auch auf dem Theater erfolgreich, zudem kam sein Film »Superhero« in diesem Sommer in die deutschen Kinos, dieser Autor weiß, was wo heutzutage abgeht. Der jüngste Sohn der Familie Delp ist an Krebs gestorben. Dieser Tod läßt die Familie zerbröckeln. Vater und Mutter haben kaum mehr etwas miteinander zu tun. Jeffrey, ihr zweiter Sohn, achtzehn Jahre alt, hockt nur noch vor seinem PC und eines Tages verschwindet er ganz. Doch der Vater, ein Anwalt, resigniert nun nicht etwa. Er macht sich auf die Suche – und zwar, so versteht sich, erst einmal Online. Er kämpft um seinen Sohn. Das erweist sich deutlich schwieriger als gedacht. Der Roman lässt sich darum als Einführung in die Welt der Online-Spiele, zugleich als Satire auf unsere neue (Cyber-)Welt, aber eben auch als Tragödie einer Familie lesen. Nicht ohne Witz, tieftraurig und, vor allem, ausgesprochen zeitgemäß. »Ganz normale Helden« (aus dem Englischen von Manfred Allié und Gabriele Kempf-Allié. Diogenes Verlag, Zürich, 2012, 454 S., 22,90 €).

*****

Keri Hulme zählt zu den modernen Klassikern der neuseeländischen Literatur. Sie wurde 1947 in Christchurch geboren und stammt mütterlicherseits von den Ureinwohnern Neuseelands, den Maori, ab. Für ihren Roman »Unter dem Halbmond« erhielt sie den englischen Booker-Preis, eine der wichtigsten literarischen Auszeichnungen unserer Zeit. Der Fischer Verlag bringt nun zur Messe ein Band mit Erzählungen heraus: »Steinfisch« (aus dem Englischen von Christel Dormagen, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main, 2012, 265 S., 14 €). Es sind Geschichten aus dem mythischen Untergrund ihres Landes, voller Realismus und voller Magie. »Traumfahrten« also, häufig voller Gerüche, auf denen auf denen »es aber nie nach Blumen« riecht.

****

»Am Rande der Welt lebte ein alter Mann, sein Pferd hieß Sydney Bridge Upside Down.« Der Mann hatte ein »Gesicht voller Narben«, sein Pferd war »ein lahmer Klepper«. Mit den beiden, dem Mann und dem Pferd, beginnt dieser Roman, weil sie beide »immer irgendwie dabei waren in jenem Sommer, als hier oben an der Küste die schrecklichen Dinge passierten«. David Ballentyne, 1924 in Auckland geboren, präsentiert uns mit »Sydney Bridge Upside Down«, einen Klassiker der neuseeländischen Literatur (Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2012, 336 S., 19,99 €). Ein Sommer in Calliope Bay. Dort lebt ein Dreizehnjähriger mit Vater und Bruder. Die Mutter ist in die Stadt gegangen, für den Sommer, für immer? Der Junge weiß es nicht. Er streunt in der Gegend umher. Eines Tages kommt seine Cousine Caroline. Und die Tragödie beginnt.

Dieser Beitrag haben wir übernommen mit freundlicher Erlaubnis des Strandgut Magazins- Frankfurt/Main
 

 


Glanz & Elend
- Magazin für Literatur und Zeitkritik

Home   Termine   Literatur   Blutige Ernte   Sachbuch   Politik   Geschichte   Philosophie   Zeitkritik   Bilderbuch   Comics   Filme   Preisrätsel   Das Beste