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| Glanz&Elend Literatur und Zeitkritik |
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Clay Carmichael erzählt in ihrem Jugendbuch von Zoe, die gelernt hat, niemandem zu trauen. Von Georg Patzer „Ich stellte mir vor, wie es wäre, ein Zimmer ganz für mich allein zu haben und nicht nur einen Schlafsack oder ein Sofa mit einer Bettdecke und mit einem Erwachsenen zusammenzuleben, der mehr auf dem Kasten hatte als ich. Eine ganz Minute lang malte ich mir das aus, bevor mir wieder einfiel, wie es sich anfühlte, auf Dinge zu hoffen, die ich sowieso nie bekommen würde.“ Zoe hat es nie leicht gehabt im Leben: Ihre Mutter war psychisch krank, kam in die Klinik, war wieder draußen, hatte Freunde, die es nie lange bei ihr aushielten. Und um Zoe kümmerte sich sowieso kaum jemand. Als die Mutter stirbt, kommt sie zu ihrem Onkel Henry. Und auch der ist ein bisschen eigenartig. Läuft in alten, verdreckten Sachen herum, riecht immer ein wenig nach Öl und Metall und schweißt abstruse Sachen zusammen. Kunst. Auch er würde schnell wieder aufgeben, das weiß sie jetzt schon. Und tatsächlich sagt er schon am zweiten Abend, er müsse „morgen ein paar Dinge erledigen“ und käme erst spät zurück: „Irgendwas in der Art sagten sie alle, bevor sie sich aus dem Staub machten“. Auch als er dann doch wiederkommt, bleibt Zoe misstrauisch. Als er sie zur Schule schickt, ist sie wütend. Zoe braucht viel Zeit, sich an das neue Leben zu gewöhnen. Und merkt doch, wie gut es ihr tut, auch wieder mal Kind sein zu dürfen. Und erfährt nach und nach viele, lange verschwiegene Dinge über ihre äußerst seltsame Familie. Clay Carmichael erzählt in ihrem ersten Jugendbuch von einem Mädchen, das in ihrem Leben gelernt hat, niemandem zu vertrauen. Sie kann nicht glauben, dass sie auch einmal irgendwo sicher sein kann, aufgehoben, heimisch: Ihr Onkel ist der erste, der seine Versprechen einhält. Und langsam beginnt sie, sich ihm anzunähern. Und auch er, der früher ein berühmter Herzchirurg gewesen ist und nun als Bildhauer auf dem Land lebt (und, wie sie später erfährt, Arme kostenlos in einer Klinik behandelt), muss erst wieder lernen, mit einem anderen Menschen zusammenzuleben, für ihn zu sorgen.
Die schöne,
realistische Geschichte dieser vorsichtigen Annäherung ist eingebettet in eine
etwas abenteuerliche Handlung, als ein geheimnisvoller Junge auftaucht, der mit
einem weißen Reh in den Wäldern lebt. Auf beide macht der unsympathische
Bürgermeister des Dorfs mit seinem ebenso unsympathischen Sohn Hargrove Jagd,
dem Jungen zur Seite stehen nicht nur Zoe und Henry, sondern auch die Tierärztin
Maud und das alte Ehepaar Fred und Bessie aus dem Dorf. Diese anfangs etwas
holzschnittartigen Nebenfiguren lösen sich zum Glück nach und nach in lebendige
Charaktere auf, die auch fähig sind, sich zu ändern. Wie Zoe. Und wie der wilde
Kater Herr Kommkomm, aus dessen Perspektive auch ein Teil der Geschichte erzählt
wird – ein pfiffiger Einfall der Autorin. |
Clay Carmichael |
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