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| Glanz&Elend Literatur und Zeitkritik |
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Von Georg Patzer „Es war wie nach Hause kommen, nachdem man ganz, ganz lange weg gewesen war. Der Sommer lag vor uns, mit seinen zahllosen Versprechen und Möglichkeiten. Als wir dem Haus immer näher kamen, spürte ich dieses vertraute Flattern in meiner Brust. Wir waren fast da.“ Sommer und Meer, das gehört einfach zusammen. Erst recht für Belly. Seit ihrer Geburt fährt sie mit ihrer Mutter Laurel und ihrem älteren Bruder Steven den Sommer über ans Meer, wo sie bei Susannah wohnen. Sie vertreiben sich die Zeit am Strand oder auf der Veranda, die beiden Mütter gehen zusammen einkaufen, und Belly spielt mit Conrad und Jeremiah, den beiden Söhnen von Susannah. Sie gehen schwimmen oder schlendern zur den Buden an der Strandpromenade. Aber diesen Sommer ist alles ein bisschen anders. „Du siehst anders aus“, sagt Jeremiah sofort. Und Conrad, gerade mal 18 Jahre alt, trifft sich mit Mädchen. Mit Angie, die Ringe an der Wurfbude ausgibt: „Das Erste, was mir an ihr auffiel, waren ihre Shorts. Sie waren kanariengelb und richtig, richtig knapp. Genau die Art Shorts, weswegen die Jungs sich erst vor zwei Tagen über mich lustig gemacht hatten.“ Richtig: Belly ist eifersüchtig. Trotzdem hilft sie dem plötzlich schüchternen Conrad, der sogar rot wird, als das Mädchen mit ihm reden will. Und dann geht Belly: „Sie mussten nicht sehen, dass ich weinte.“ Aber irgendwie ist Conrad jetzt anders. Hat seinen geliebten Football-Sport aufgegeben. Fängt an zu rauchen und trinkt viel. Verhält sich seltsam ihr gegenüber. Verunsichert sie, die doch eigentlich nur eines will: Dass er sich auch in sie verliebt. So wie sie in ihn. Schon seit vielen Jahren. Jenny Han hat ein ruhiges, stilles Buch geschrieben über ein Mädchen, das einen Sommer erlebt, der sich von den früheren unterscheidet. Alle merken, dass sie älter geworden ist: „Du bist ja richtig erwachsen geworden – wann ist das denn passiert?“, fragt Susannah: „Wann hast du dich in diese phänomenale junge Frau verwandelt?“ Belly entdeckt, wie verwirrend die Liebe sein kann, wenn man sich in den Falschen verliebt. Oder will er sie nur eifersüchtig machen? Oder warum geht er mit anderen Mädchen auf Parties? Und warum geht sie dann mit Cam?
Es passiert
nicht viel in diesem einfach, aber wirkungsvoll komponierten Buch, nichts
Dramatisches, nur alltägliche Dinge, die aus Bellys Perspektive erzählt werden.
Vor allem Stimmungen und Gefühle, mit kleinen Rückblenden versetzt aus den
Sommern davor. Eine leichte Melancholie durchzieht diesen Entwicklungsroman, der
gleichzeitig eine Liebesgeschichte und eine Familiensaga ist, und in dem die
Auflösung, warum Conrad so seltsam ist, nicht nur Belly, sondern auch den Leser
überrascht. Und das ist ein wunderbarer Höhe- und berührender Wendepunkt dieses
kleinen, gefühlvollen Jugendromans, den auch Erwachsene noch mit Gewinn lesen
können, weil die Gefühle eben nicht ausgestellt oder übertrieben werden, sondern
ganz normal bleiben. |
Jenny Han
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